Gipfelsammeln zwischen Säntis und Stoss - abseits des "Grüezi-Wegs"


Publiziert von marmotta , 19. Juli 2012 um 22:14.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:18 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AR   CH-SG 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:Schwägalp - Tierwis - Grauchopf - Tierwis - Grenzchopf - Grünhorn - Silberplatten - Stosssattel - Stoss - Lauchwis - Schrenit - Mutteli - Altstofel - Laui - Unterwasser
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Schwägalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Unterwasser, Post
Kartennummer:LK 1115 Säntis (1:25.000)

Grundsätzlich bin ich ja kein Freund des systematischen Bergsteigens. Ich bin genauso glücklich oder unglücklich, ob ich jetzt 10, 50 oder 100 % aller Gipfel eines bestimmten Gebirges, Kantons oder Staates bestiegen habe. Aber irgendwie zählt man halt dann doch mit. Und so kommt es, dass es im Alpstein nur noch ganz wenige Gipfel gibt, auf die ich noch nie einen Fuss gesetzt habe. Jetzt könnte man meinen, dies seien bestimmt ausnahmslos ganz "verrückte" Gipfel, die ein Wanderer wie ich sowieso nie erreichen kann. Weit gefehlt! Gerade in der nördlichen Alpsteinkette hat es zwischen Säntis und dem Stoss-Sattel eine Reihe zwar unbedeutender, aber doch ohne nennenswerte Schwierigkeiten begehbarer Graterhebungen, um die ich angesichts des Rummels rund um den Säntis bislang immer einen grossen Bogen gemacht hatte. Grauchopf, Grenzchopf und Grünhorn sind zwar nicht gerade Renommier-Gipfel und lt. meinem alten Säntisführer "touristisch nicht interessant", sie lassen sich aber in eine schöne Gratwanderung einbinden mit eindrücklichen Tiefblicken über die jäh zur Schwägalp abfallenden Flanken der nördlichen Alpsteinkette.
 
Start um kurz nach 8 Uhr auf der Schwägalp. Nachdem es den Wetterprognosen zufolge der einzige Tag dieser Woche mit Sommersonne satt werden soll, ist entsprechend viel Volk unterwegs. Aus dem Postauto steigen mit mir noch mindestens 10 andere Wanderer, die es offenbar auf den Säntis abgesehen haben. Ich halte mich nicht lange auf und beginne sofort mit dem nicht zu verfehlenden Aufstieg zur Tierwis (2085 m). Angesichts der Kolonne von Wanderen, die bereits zu dieser frühen Stunde vor mir gen Säntis streben, ist mir nicht besonders wohl - insbesondere im Hinblick auf die Steinschlaggefahr, die bekanntlich hier bereits zu tödlichen Unfällen geführt hat. Aus diesem Grund und um die aufkommende Langeweile auf dieser "Wander-Autobahn" zu bekämpfen, drücke ich etwas auf´s Tempo und nehme mir zum Ziel, den Abschnitt bis zum Gasthaus Tierwis unter einer Stunde zu absolvieren. Dies auch als Test, wie es nach einer gut 6-wöchigen Berg- und Sportpause so um meine Kondition bestellt ist.
 
Meine Zeitvorgabe erfülle ich dann einigermassen locker - nach genau 55 min erreiche ich das Gasthaus an der Tierwis und damit auch die ersten Sonnenstrahlen dieses schönen Sommertages. Allerdings weht auch ein frisches Lüftchen, so dass ich auch hier nicht allzu lange verweile.
 
Obwohl ich im Aufstieg zur Tierwis doch einiges an Boden gut gemacht habe, sehe ich etliche Wanderer, die sich bereits auf dem grossen Schneefeld unter dem Gipfelaufbau des Säntis bzw. bereits weiter oben auf der "Himmelsleiter" befinden. Und das um 9 Uhr am Morgen! Was wollen die ganzen Leute schon so früh auf dem Säntis? Sind es Schichtarbeiter, die am Nachmittag wieder zur Arbeit müssen? Oder ins Freibad? Oder muss man sich die besten Plätze auf der Terrasse des "Alten Säntis" nun schon am späten Vormittag sichern? Gut, mir kann es egal sein, da ich wenig später Richtung Grauchopf (2216 m) "abbiege". Im Säntisführer steht, dass man von der Tierwis nach ca. einer Viertelstunde vom Säntisweg nach links über die Karstfelder und Schrattenkalkplatten zum Gipfel steigt. Nun, offenbar bewege ich mich -trotz etlicher Fotopausen- nicht im "Soll-Tempo", denn ich bin bereits nach 10 min Wanderzeit auf dem Säntisweg fast am Ziel vorbeigeschossen. Ich versuche, das Beste daraus zu machen und kraxle etwas gar direkt durch eine Verschneidung in den wunderschönen, scharfkantigen Kalkplatten nach oben (T5, II). Nach wenigen Minuten erreiche ich -zuletzt über den (Südwest-)Grat- den höchsten Punkt, den ein stattlicher Steinmann ziert. Die Aussicht ist dank klarer Sicht schön und umfassend, mit blossem Auge erkenne ich meinen Wohn- und Heimatort…
 
Im Abstieg nehme ich die leichteste Route (T4), auf der man sich etwas in südwestliche Richtung hält, um am Schluss über einzelne Schrofen und leichte Felsstufen wieder den Säntis-Wanderweg zu erreichen.
 
Vom Gasthaus Tierwis an halte ich mich nun weitgehend an den (an diesem Tag im wahrsten Sinne des Wortes) luftigen Grat, um die folgenden Erhebungen Grenzchopf (2193 m) und Grünhorn (P. 2140, ohne Namen in der LK) zu überschreiten.
 
Kurz hinter dem Gasthaus steigt man auf Wegspuren zum grasigen Nordostgrat (T3) des Grenzchopfs auf und hält sich dann am besten immer an die Gratkante, neben der es zackige 800 m nahezu senkrecht hinunter geht. Kurz vor dem Gipfel müssen die Hände zur Überwindung einiger plattiger Felsen aus dem Sack, aufgrund dieser (an dem Tag auch etwas rutschigen) Stelle würde ich den Aufstieg insgesamt mit T4 bewerten.
 
Der Abstieg vom Grenzchopf dem Grat entlang nach Südwesten erfolgt über angenehm weiche Grasmatten. Der Felsabbruch nach P. 2067 zwingt mich, kurz in die Flanke auszuweichen und zum Wanderweg abzusteigen. Unmittelbar nach dieser Stelle kann der Grat über steiles Gras wieder gewonnen und bis zum Gipfel des Grünhorns (2140 m) verfolgt werden (T4). Auch der Abstieg vom Grünhorn funktioniert gut entlang der Gratkante, einigermassen schwindelfrei sollte man hier allerdings sein. Nach dieser mit eindrücklichen Tiefblicken garnierten Gratwanderung erreiche ich P. 2072, wo ich meinen Rucksack deponiere, um den Aufstieg zu den Silberplatten (Wegspuren, T3) in Angriff zu nehmen.
 
Nachdem ich seit Verlassen des Säntis-Trubels an der Tierwis in völliger Einsamkeit unterwegs war, treffe ich nun auf dem Gipfel der Silberplatten (2158 m) wieder den ersten Wanderer. Der Gipfel eignet sich hervorragend zum "Mitnehmen", muss man doch vom (ausgeschilderten und markierten) Weg nur wenige Höhenmeter aufsteigen. Die Aussicht ist -wie bereits auf den vorherigen Gipfeln- superb. Der gesamte westliche Alpstein mit seinen teils wilden Gipfeln liegt einem zu Füssen und in der Ferne leuchten die eisbedeckten Gipfel der Bündner und Glarner Hochalpen.
 
Auf dem Weiterweg zum Stoss-Sattel (2044 m) sind in den Karrenfeldern unter der Silberplatten noch einzelne Altschneefelder zu queren. Dies ist jedoch unproblematisch, da erstens der Schnee weich und zweitens nicht abschüssig ist. Nach knapp 150 Hm Gegenanstieg ist der Stoss-Sattel erreicht, wo ich abermals auf andere Wanderer treffe. Auf Wegspuren gelange ich im etwas verkrauteten Gelände auf der Nordwestseite des Stoss zum Ende des Schafzauns am Westgrat (T3). Von dort auf bekannter Route (Pfadspur in der steilen Grasflanke des W-Grats) zum felsigen Gipfelkopf des Stoss und in ganz kurzer Kletterei (I) entweder durch einen Kamin oder südlich um das Felsbollwerk herum zum höchsten Punkt (2111 m)  mit Gipfelblechfahne und -buch. Der schöne und aussichtsreiche Gipfel wird erstaunlich wenig oft besucht.
 
Vom Stoss-Gipfel dann wieder zurück zum Westgrat und entlang diesem über schöne, saftige Blumenwiesen, bis die Felsstufe an geeigneter Stelle nach Nordwesten überwunden wird (T4, Gelände recht gut gestuft) und man zum Wanderweg Lauchwis-Stosssattel absteigen kann.
 
In zunehmender Hitze über die Alpen Schrenit (1646 m), Mutteli (1564 m) und Altstofel (1297m) hinunter zur Fahrstrasse, welche mich über Laui (1069 m) nach Unterwasser (906 m) bringt. Nächstes Mal nehme ich von Lauchwis wohl wieder den Abstieg nach Norden zur Schwägalp-Passstrasse (Postauto-Haltestelle cff logo Schiltmoos), da sich der Ausmarsch über die langweilige Teerstrasse ins Toggenburg doch sehr in die Länge zieht!    

Tourengänger: marmotta


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Kommentare (2)


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MunggaLoch hat gesagt: Wetter...
Gesendet am 20. Juli 2012 um 06:23
Jaja, bei so Wetter hätte man in die Berge müssen können. Anstatt im Büro sitzen.
War DAS der Sommer 2012? ;-)

MaeNi hat gesagt: RE:Wetter...
Gesendet am 20. Juli 2012 um 08:17
Aha...also auch im Büro am auf das schlechte Wetter am Wochenende warten..? So fies...aber so richtig fies im Moment!


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