In Kälte, Nässe und Dunkelheit auf den Rossberg 2096m


Publiziert von alpensucht , 18. Juli 2012 um 02:51.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:24 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 450 m
Strecke:Mittenwald - Geisterklamm - Unterleutasch - Trampen bis Klamm - Wettersteinhütte - Rossberg - Wettersteinhütte - zu Fuß 11km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Bahn von Innsbruck oder von München.
Unterkunftmöglichkeiten:Wettersteinhütte (privat) Lager 15€, WR 8€ oder ganz nahe auf der Wangalm

Zum Auftakt unserer großen Wettersteindurchquerung mit schweren Mehrtagerucksäcken (mein Bruder 17kg, ich 21kg), die auch mit weniger begangenen Gipfeln bereichert werden soll, buckeln wir nach umständlichen Packmanövern vom Bahnhof in Mittenwald unsere Last durch die schicken Sträßchen von Mittenwald. Wir sind zu zweit unterwegs und mein jüngerer Bruder wird in den folgenden sechs Tagen mein Tourenpartner und „Alpinwanderschüler“ sein.
 
Die Prüfung vor dieser Tour absolvierte er letztes Jahr bravourös am Widauer Steig zum Scheffauer im Kaisergebirge, wo er locker und sicher die ausgesetzten, gesicherten und die I-er Stellen meisterte.
 
Von Mittenwald zur Wettersteinhütte T2, 3h 45min
Vorbei an der Sparkasse, in der wir letztens frühstückten, dem Geigenbauer und den vielen anderen schönen Häuschen gelangen wir gegen 16 Uhr zur Brücke über die Leutasch, die bald zum Eingang der Leutascher Geisterklamm führt. Diesmal befinden sich sogar mehrere Besucher im Gasthof Klammeingang. Nach den ersten steileren Serpentinen spüren wir den leichten über uns ergangenen Regen kaum noch - es wird warm - ein tolles Gefühl! Die immer wieder beeindruckende Geisterklamm wurde erst vor wenigen Jahren erbaut und familienfreundlich mit netten kleinen Stationen mit informativen, bunten Tafeln bestückt. Mein Bruder staunt nicht schlecht über die tosende Tiefe unter der ersten Hängebrücke. Doch unser Weg führt nicht über sie hinweg, sondern weiter auf Metallgittern. Wenn andere Besucher uns entgegen kamen, mussten sie sich recht eng zwischen unserem Gepäck und dem Geländer hindurch zwängen.
 
Nach etwa einer Stunde (T2) gelangen wir gemütlichen Schritts hinauf zur Straße nach Leutasch und gehen bis zur nächsten Bushaltestelle. Nach wenigen Minuten des Wartens kommt unser Bus - - -  und fährt schlicht und ergreifend an uns vorüber! Doch daran stören wir uns nicht, Trampen ist doch viel billiger und viel Geld haben wir nicht dabei :)
 
Das rund 83. Auto nimmt uns endlich mit bis Leutasch-Klamm, von wo aus wir den besten Zugang zur Wettersteinhütte wissen. Das Wetter sieht schlecht aus und schon nach den ersten Höhenmetern im Wald beginnt es zu regnen. Als es heftiger wird, schützen wir uns und die Rucksäcke mit entsprechenden Regenschutztextilien, wobei wir bei meinem Bruder etwas improvisieren müssen. Wer nicht mehrmals im Jahr ins Gebirge fährt, besitzt nicht unbedingt wasserdichte Bekleidung. 19:30 Uhr kommen wir schon (20min eher als die Tafeln unten anzeigten) an der Hütte an und dürfen glücklicherweise (für unsere Geldbörsen) in den Winterraum. Wir sind die Einzigen Gäste.
 
Nach einem genüsslichen Bier und einem Plausch mit den Hüttenbesitzern, entschließen wir uns, den Rotschrofen 2096m (hier mit „Rossberg“ bezeichnet, was auch geläufig ist) über der nahen Wangalm trotz des leichten Nieselregens weglos durch steile Grasflanken zu erklimmen. Dieses Beinevertreten tut sehr gut ohne dem Gepäck.
 
Von der Wettersteinhütte auf den Rossberg und Retour (weglos T5-, sonst T2)
Nur mit Stirnlampen, Trinkflasche, Schokolade und Riegeln ausgestattet steigen wir um 20:50 Uhr „hinüber“ zur Wangalm, um kurz danach den bezeichneten Weg zu verlassen.
Das Gelände ist noch einsehbar und nach meiner Ansicht gibt es mehrere kurze Routen direkt hinauf. Der Weg bis zum Beginn des Rückens wäre uns zu weit. Im letzten Drittel der Grasflanke wird es sehr steil (T5-, ca. 40°), was bei diesen regnerischen Verhältnissen ziemlich heikel werden kann. Man benutze stets die stabilen Grasbüschel. Wegen unseres hohen Tempos geraten wir mächtig ins Schwitzen, doch gelangen glücklich oben auf den Rücken. Nun führen gute Pfadspuren hinauf auf den „Gipfel“, der noch einige Schrofen bietet. Doch sonst ist es nicht mehr als ein wenig markanter Gratbuckel, der sich von den Südwänden des Oberreintalschrofens herab zieht. Eine nahe gelegene Schäferhütte erkunde ich noch schnell, bevor wir den Abstieg wenig südlich der Aufstiegsroute antreten. In kleinen Serpentinen und mit großzügigem Stockeinsatz gelingt auch dieses Stück sehr gut. Es ist bereits dunkel geworden, wir knipsen unsere Stirnlampen an, bis wir auf dem Weg sind, der über schlammiges Almengelände zurück zur Wangalm führt. Auch der kleine Gegenanstieg hinüber zur Wettersteinhütte bereitet uns viel Freude und um 22:35 Uhr betreten wir hungrig unseren Winterraum.
 
Noch ist der Appetit auf Tütensuppe groß und so genießen wir unser Nachtmahl ausgiebig, da es morgen laut Prognose kaum bis mittags lohnt aufzubrechen.
 
Ein bisschen stolz und fröhlich stimmt es mich, dass die Touren dieser Art nicht gerade jedermanns Sache sind. Bei Regen! Bei Dämmerung!! Durch steile Grasflanken, obwohl eine Art Weg vorhanden wäre!!! In 40 Jahren werden wir auf die „wilden Zeiten“ schmunzelnd zurück blicken, wenn wir so lange überleben :D Ehrlichgesagt gehe ich nicht soo gern weglos. Doch hier musste es sein, weil ich meinen Bruder die verschiedenen Facetten alpinen Geländes so deutlicher vermitteln kann. Er beschwerte sich nicht. Außerdem hatte ich etwas Sorge, dass wir am Folgetag vielleicht keinen Gipfel erreichen würden. Zwei Tage in den Alpen ohne Gipfel? Das klingt für mich fürchterlich!
Für Fels- und Graterfahrene bietet sich noch der Übergang zum vordersten Eck des Rossbergkamms an, der markant über der Wettersteinhütte aufragt (augenscheinlich T6, II bis III, etwa 30 min vom Gipfel)
 

Tourengänger: alpensucht, A_Thorne


Galerie


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