Nadelhorn
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Spontan lernte ich Powermike aus dem Kletterportal kennen. Unser ursprüngliches Ziel, das Aletschhorn über die SW-Rippe, wurde uns vom dortigen Hüttenwart abgeraten. Es habe zuviel Neuschnee, gerne hätte er uns aber willkommen geheissen.
Ein neuer Plan musste her und war mit dem Nadelhorn eine E-Mail später gefunden. Einen ersten Versuch, das Nadelhorn über den Nadelgrat zu erreichen, musste ich vor zwei Jahren wegen Unpässlichkeit im Aufstieg zu Galenjoch mitten in der Nacht abbrechen. Wenn der Körper nicht will, dann soll man auf ihn hören, bevor es zu spät ist. So freute ich mich auf die Kurzform umsomehr.
Diesmal standen die Vorzeichen günstig. Sogar die Meteocentrale meldete ab Samstagmittag ein Ende der Niederschläge und Übergang zu herrlichem, kühlen Sommerwetter. Bei unserer Ankunft in Saas Fee regnete es leider immer noch und die Kleiderfrage stellte sich wie immer. Mit einer Stunde Verspätung zog sich dann der Regen tatsächlich zurück und der Aufstieg konnte beginnen. Mike konnte mich überzeugen, von der Abkürzung mit der Seilbahn nach Hannig, abzusehen. Der Hüttenweg war tatsächlich abwechslungsreich und ab Höhe des Distelhorns noch optimal versichert mit Drahtseilen, Eisenbügeln und einer Leiter. Kurz vor der Hütte waren die Felsen schneebedeckt und man wähnte sich wieder im Winter. Nach kurzen 3 Stunden standen wir im Eingangsraum der Mischabelhütte. Das Öfeli war angeheizt und nur eine Handvoll Gäste waren anwesend. Was will das Bergsteigerherz mehr?
Nach Zimmer- resp. wohl besser Matratzenbezug gings auf der Terrasse ans Eingemachte. Wer sünnele will, muss zuerst den notwendigen Platz schaffen. Ausgerüstet mit Schneeschaufeln befreiten wir den Aussenbereich von seinem Schnee. Nur 30 Minuten später war der Holzboden trocken und die Sicht in die Berge ungetrüb schön. Die Schneeschaufelprämie mundete herrlich - vielen Dank dem Hüttenteam.
Am nächsten Morgen gabs um 03:30 Frühstück. Warum man dafür um 03:00 Uhr aufstehen muss, ist mir nicht klar. Mein Wecker ging um 03:20 und ich war immer noch 3 Minuten zu früh am Tisch. Wir gingen das Ganze äusserst gemütlich an. Ich hatte den Eindruck dass schon einige Seilschaften die Hütte verlassen hatten. Tja, wie man sich täuschen kann. Um 04:20 Uhr traten wir hinaus in die sternenklare Nacht, das Thermometer zeigte -3 Grad Celsius. Mir kam es irgenwie wärmer vor - vielleicht war das aber einfach nur die innere Einstellung im jungen Sommer. Von Beginn weg hatten wir die Steigeisen montiert, das zeigte sich schon wenige Meter hinter der Hütte als Vorteil, der Weg nach oben war schneebedeckt, der Plotsch vom Vortag zu Eis erstarrt.
Erstaunt darüber, dass wir keine Lichter vor uns sahen, trotteten wir Richtung dem runden Wassersammler, der tagsüber gut sichtbar am Grat zum Schwarzhorn steht. Ein kleine Leiter noch und es wurde richtig winterlich. Die Spuren vom Erkundungsteam gestern Abend hörten auf. Ein untrügerisches Zeichen dafür, dass wir es geschafft hatten, trotz Trödelei auf der Hütte, die erste Seilschaft unterwegs zu sein :-). Vielleicht sollte ich mal ans Matterhorn!
Beim Schwarzhorn seilten wir uns an. Die Strecke war klar, man konnte sogar ansatzweise die alte Spur unter den 20 - 40 cm Neuschnee erkennen. Leicht links ausholend überquerten wir den Hohbalmgletscher und Mike zog in einem Rechtskehr zum Windjoch hoch. Das Spuren war anstrengend, so dass ich kurz vor dem Windjoch übernahm. Das Gelände wurde steiler, aber zum Spuren nicht einfacher. Der Schnee war dreischichtig, wobei die oberste nie hielt, die zweite erst bei Vollbelastung durchbrach und die dritte den nötigen Stand gewährte. Bei jedem Schritt ab dem Windjoch bis zum Gipfel gings nun im gleichen Trott - durchbrechen, drücken und durchbrechen, festigen, stehen - weiter. Normale Verhältnisse sind anders! Oh, ich vergass zu erwähnen, dass sich der sternenklare Tourbeginn längst verabschiedet hatte und Nebelfetzen über dem Grat hingen. Kurz nach dem Windjoch, bei den Felsen auf 4000m ü. M. kam sogar Whiteout-Feeling auf. Wo ist Wächte, wo ist der Grat, wo bin ich? Zum Glück lichtete sich das Ganze wieder und die Arbeit konnte weitergehen. Bis zu kurz knietief bahnte ich den Weg Richtung Gipfel, gefolgt von Mike, der als Zweiter auch noch nicht optimale Bedingungen hatte. Da er aber nicht reklamierte, zog ich weiter und kurz bevor die Schinderei begann Spass zu machen, standen wir vor dem felsigen Gipfelaufschwung. Hier war kein Schnee mehr und die eisige Aufstiegsspur wieder sichtbar. Vier Stunden nach Aufbruch bei der Mischabelhütte konnten wir uns am Gipfelkreuz gratulieren. Zu meinem Erstaunen herrschte wenig Wind im Vergleich zum Windjoch. Die Sicht war jedoch mässig und wir beschlossen, den folgenden Seilschaften den königlichen Platz freizugeben.
Der Abstieg war problemlos. Bei den Felsen entschlossen wir uns, diese zu überklettern, was spassig war und etwas Abwechslung in die monotone Schneestapferei brachte. Zudem war mir dieser Schwimmschnee in den steilen Partien nicht ganz geheuer.
Wo war eigentlich die prognostizierte Sonne? Wir haben sie nicht gesehen, vielmehr begann es beim Schwarzhorn aus dem Nebel heraus zu schneien. Tja, den T-Shirt Abstieg von der Hütte konnte wir uns wohl abschminken. Für eine zweite Schneeschaufelprämie hat es nicht mehr gereicht, dafür kamen wir zu der überraschenden Spurteamprämie und genossen dazu ein Stück vom Hauskuchen. Vielen Dank an das Hüttenteam auch für dieses Geschenk.
Ich hätte noch Vorschläge für weitere Prämien:
- die Letztaufsteher und trotzdem als erste von der Hütte loslauf-Prämie
- die Dreistunden-vonSaasFee-Hüttenaufstiegsprämie
Nun, jeder Hüttenaufenthalt hat sein Ende und wir verliessen als gefühlt letzte Seilschaft die Öfeliwärme der Mischabelhütte mit Ziel Saas Fee. Nach 1:30 standen wir wieder in der Zivilisation und - man glaubts nicht - in der Sonne. Die Rösti in der Gletscherstube schmeckte hervorragend. Von der Terrasse sah man schön zum Distelhorn hoch, das sich noch immer eingehüllt in einer Wolkendecke zeigte. Ein idealer Abschluss einer schönen Tour an einem interessanten Berg.
Ein neuer Plan musste her und war mit dem Nadelhorn eine E-Mail später gefunden. Einen ersten Versuch, das Nadelhorn über den Nadelgrat zu erreichen, musste ich vor zwei Jahren wegen Unpässlichkeit im Aufstieg zu Galenjoch mitten in der Nacht abbrechen. Wenn der Körper nicht will, dann soll man auf ihn hören, bevor es zu spät ist. So freute ich mich auf die Kurzform umsomehr.
Diesmal standen die Vorzeichen günstig. Sogar die Meteocentrale meldete ab Samstagmittag ein Ende der Niederschläge und Übergang zu herrlichem, kühlen Sommerwetter. Bei unserer Ankunft in Saas Fee regnete es leider immer noch und die Kleiderfrage stellte sich wie immer. Mit einer Stunde Verspätung zog sich dann der Regen tatsächlich zurück und der Aufstieg konnte beginnen. Mike konnte mich überzeugen, von der Abkürzung mit der Seilbahn nach Hannig, abzusehen. Der Hüttenweg war tatsächlich abwechslungsreich und ab Höhe des Distelhorns noch optimal versichert mit Drahtseilen, Eisenbügeln und einer Leiter. Kurz vor der Hütte waren die Felsen schneebedeckt und man wähnte sich wieder im Winter. Nach kurzen 3 Stunden standen wir im Eingangsraum der Mischabelhütte. Das Öfeli war angeheizt und nur eine Handvoll Gäste waren anwesend. Was will das Bergsteigerherz mehr?
Nach Zimmer- resp. wohl besser Matratzenbezug gings auf der Terrasse ans Eingemachte. Wer sünnele will, muss zuerst den notwendigen Platz schaffen. Ausgerüstet mit Schneeschaufeln befreiten wir den Aussenbereich von seinem Schnee. Nur 30 Minuten später war der Holzboden trocken und die Sicht in die Berge ungetrüb schön. Die Schneeschaufelprämie mundete herrlich - vielen Dank dem Hüttenteam.
Am nächsten Morgen gabs um 03:30 Frühstück. Warum man dafür um 03:00 Uhr aufstehen muss, ist mir nicht klar. Mein Wecker ging um 03:20 und ich war immer noch 3 Minuten zu früh am Tisch. Wir gingen das Ganze äusserst gemütlich an. Ich hatte den Eindruck dass schon einige Seilschaften die Hütte verlassen hatten. Tja, wie man sich täuschen kann. Um 04:20 Uhr traten wir hinaus in die sternenklare Nacht, das Thermometer zeigte -3 Grad Celsius. Mir kam es irgenwie wärmer vor - vielleicht war das aber einfach nur die innere Einstellung im jungen Sommer. Von Beginn weg hatten wir die Steigeisen montiert, das zeigte sich schon wenige Meter hinter der Hütte als Vorteil, der Weg nach oben war schneebedeckt, der Plotsch vom Vortag zu Eis erstarrt.
Erstaunt darüber, dass wir keine Lichter vor uns sahen, trotteten wir Richtung dem runden Wassersammler, der tagsüber gut sichtbar am Grat zum Schwarzhorn steht. Ein kleine Leiter noch und es wurde richtig winterlich. Die Spuren vom Erkundungsteam gestern Abend hörten auf. Ein untrügerisches Zeichen dafür, dass wir es geschafft hatten, trotz Trödelei auf der Hütte, die erste Seilschaft unterwegs zu sein :-). Vielleicht sollte ich mal ans Matterhorn!
Beim Schwarzhorn seilten wir uns an. Die Strecke war klar, man konnte sogar ansatzweise die alte Spur unter den 20 - 40 cm Neuschnee erkennen. Leicht links ausholend überquerten wir den Hohbalmgletscher und Mike zog in einem Rechtskehr zum Windjoch hoch. Das Spuren war anstrengend, so dass ich kurz vor dem Windjoch übernahm. Das Gelände wurde steiler, aber zum Spuren nicht einfacher. Der Schnee war dreischichtig, wobei die oberste nie hielt, die zweite erst bei Vollbelastung durchbrach und die dritte den nötigen Stand gewährte. Bei jedem Schritt ab dem Windjoch bis zum Gipfel gings nun im gleichen Trott - durchbrechen, drücken und durchbrechen, festigen, stehen - weiter. Normale Verhältnisse sind anders! Oh, ich vergass zu erwähnen, dass sich der sternenklare Tourbeginn längst verabschiedet hatte und Nebelfetzen über dem Grat hingen. Kurz nach dem Windjoch, bei den Felsen auf 4000m ü. M. kam sogar Whiteout-Feeling auf. Wo ist Wächte, wo ist der Grat, wo bin ich? Zum Glück lichtete sich das Ganze wieder und die Arbeit konnte weitergehen. Bis zu kurz knietief bahnte ich den Weg Richtung Gipfel, gefolgt von Mike, der als Zweiter auch noch nicht optimale Bedingungen hatte. Da er aber nicht reklamierte, zog ich weiter und kurz bevor die Schinderei begann Spass zu machen, standen wir vor dem felsigen Gipfelaufschwung. Hier war kein Schnee mehr und die eisige Aufstiegsspur wieder sichtbar. Vier Stunden nach Aufbruch bei der Mischabelhütte konnten wir uns am Gipfelkreuz gratulieren. Zu meinem Erstaunen herrschte wenig Wind im Vergleich zum Windjoch. Die Sicht war jedoch mässig und wir beschlossen, den folgenden Seilschaften den königlichen Platz freizugeben.
Der Abstieg war problemlos. Bei den Felsen entschlossen wir uns, diese zu überklettern, was spassig war und etwas Abwechslung in die monotone Schneestapferei brachte. Zudem war mir dieser Schwimmschnee in den steilen Partien nicht ganz geheuer.
Wo war eigentlich die prognostizierte Sonne? Wir haben sie nicht gesehen, vielmehr begann es beim Schwarzhorn aus dem Nebel heraus zu schneien. Tja, den T-Shirt Abstieg von der Hütte konnte wir uns wohl abschminken. Für eine zweite Schneeschaufelprämie hat es nicht mehr gereicht, dafür kamen wir zu der überraschenden Spurteamprämie und genossen dazu ein Stück vom Hauskuchen. Vielen Dank an das Hüttenteam auch für dieses Geschenk.
Ich hätte noch Vorschläge für weitere Prämien:
- die Letztaufsteher und trotzdem als erste von der Hütte loslauf-Prämie
- die Dreistunden-vonSaasFee-Hüttenaufstiegsprämie
Nun, jeder Hüttenaufenthalt hat sein Ende und wir verliessen als gefühlt letzte Seilschaft die Öfeliwärme der Mischabelhütte mit Ziel Saas Fee. Nach 1:30 standen wir wieder in der Zivilisation und - man glaubts nicht - in der Sonne. Die Rösti in der Gletscherstube schmeckte hervorragend. Von der Terrasse sah man schön zum Distelhorn hoch, das sich noch immer eingehüllt in einer Wolkendecke zeigte. Ein idealer Abschluss einer schönen Tour an einem interessanten Berg.
Hike partners:
Thömel
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