Vorder und Mittler Goggeien - diesmal bei guter Sicht!


Publiziert von marmotta , 15. Juli 2012 um 23:30.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:15 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Speer-Mattstock 
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 850 m
Strecke:Stein - Badhus - Alp Jöggelisberg - Goggeiensattel - Vorder Goggeien - Mittler Goggeien - retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Stein, Gemeindehaus
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Stein, Gemeindehaus

Auf dem Weg ins Obertoggenburg mit seinen allseits bekannten Churfirsten fällt kurz hinter Nesslau-Neu-St. Johann eine aus dieser Perspektive ziemlich unnahbar anmutende Felsbastion auf, die so gar nicht in die liebliche Landschaft passen will. Der aus 4 Gipfelchen bestehende Felskamm der Goggeien und Schär wird von steilen, teils bewaldeten Flanken gesäumt und bietet -man höre und staune- zwischen den Felszähnen auf einer kleinen Weidefläche sogar Platz für ein wenig Alpwirtschaft.
 
Nachdem ich die einzigartigen Felszähne vor gut einem Jahr im stockdichten Nebel sozusagen im Blindflug bestiegen hatte, wollte ich endlich einmal bei guter Sicht die schöne Aussicht vom Vorder Goggeien hinunter ins Toggenburg geniessen. Ob mir dieses Glück im wechselhaften Juli 2012 zuteil werden würde?
 
Eines vorneweg: Trotz der wenig stabilen Südwestlage ist das Wetter momentan besser als sein Ruf! Und nachdem ich bereits den Samstag bei schönstem Sommerwetter (zumindest "bergtechnisch") verpennt hatte, wollte ich wenigstens am Sonntag eine Tour unternehmen. Der Regenschutz wurde zwar eingepackt, konnte aber zum Glück während der gesamten Tour im Rucksack bleiben.
 
Da am Vormittag (neben Ausschlafen) noch andere Pflichten riefen, waren wir erst am frühen Nachmittag gestartet, was aber bei dieser kurzen Tour natürlich überhaupt kein Problem war. Ebenfalls kein Problem war die öde und langweilige Fahrstrasse Stein (838 m) - Badhus (1194 m), nachdem uns hier ein zufällig vorbeifahrender Älpler fast genötigt hatte, in abenteuerlicher Weise auf dem hinteren Trittbrett seines Pickups "Platz" zu nehmen und uns so einige Weg- und Höhenmeter zu sparen… :-)
 
So erreichten wir dann auch bereits nach knapp 45 min den Abzweig, wo ein Holzschild die Route zur Alp Jöggelisberg und zum Goggeien-Sattel weist - oder vielmehr, wo dieses Holzschild früher einmal stand und eigentlich noch immer dort stehen müsste, wäre der Weg derzeit nicht offiziell gesperrt! Da ich plötzlich von einer rätselhaften Leseschwäche befallen wurde, stiegen wir frohen Mutes weiter.
 
Der Weg zum Goggeien-Sattel (1552 m) ist infolge der vielen Regenfälle und durch den Alpbetrieb ziemlich matschig und entsprechend rutschig, im allgemeinen aber gut begehbar (T2). Im Bereich der idyllisch gelegenen Alp Jöggelisberg begrüssten uns die Murmeltiere, die für einmal gar nicht scheu waren.
 
Die Routen zu den Gipfeln der Goggeien wurden auf dieser Seite bereits mehrfach gut beschrieben, weshalb ich mich kurz fasse. Wer detailliertere Routeninfos sucht, wird hier und hier bestimmt schnell fündig.
 
Anmerkungen zu den von mir bestiegenen Gipfeln:
 
Vorder Goggeien (1631 m)
 
Achtung: Der "Weg" von den Alphütten auf der Nordseite des Jöggelisbergs zur Einsattlung zwischen Vorder und Mittler Goggeien ist aufgrund eines Felssturzes im Bereich der Querung unterhalb des Mittler Goggeien noch immer offiziell gesperrt! Die Arbeiten zur Beseitigung von weiteren losen Felsen, die von oben nachstürzen könnten, sind aber nahezu abgeschlossen, so dass die Route wohl bald wieder "freigegeben" werden kann. Ich beging diese Passage zügig und achtsam, eine erhöhte Gefahr war aus meiner Sicht nicht zu erkennen. Die Spuren des Felssturzes sind zwar noch deutlich zu erkennen, durch die bereits vorhandenen Trittspuren war die Querung des Stücks, auf dem der Pfad weggerissen wurde, jedoch problemlos möglich. Auf dem Rückweg traf ich dann auch die Älpler bei ihren Sicherungsarbeiten an, sie bestätigten meine vorherige Einschätzung und meinten, aktuell bestünde keine Gefahr mehr.
 
Beim Aufstieg von der Einsattlung zwischen Vorder und Mittler Goggeien zum Gipfel des Vorder Goggeien werden die Hände nur ganz kurz benötigt. Die anregende Kraxelei über die schönen, griffigen Kalkfelsen ist einfach und nirgends ausgesetzt. Die Routenwahl ist fast beliebig, je nach Gusto und gewünschter Schwierigkeit. Die einfachste Route übersteigt den ersten Schwierigkeitsgrad nicht, ich bewerte sie mit T4-.
 
Mittler Goggeien (1656 m)
 
Hier wählte ich sowohl in Auf- als auch Abstieg nicht die gängige Route, die im Wesentlichen der Gratkante folgt und einen Felsaufschwung mit Hilfe eines Fixseils überwindet, sondern die Variante in der Südostflanke, die ich bei meiner Begehung im letzten Jahr entdeckte: Kurz vor dem besagten Felsaufschwung steigt man einige Meter in steilem, aber gut griffigem Gras ab und überwindet den Aufschwung etwas weiter östlich auf Erd- bzw. Grastritten. Anschliessend auf einem (baumbewachsenen) Sporn Richtung Grathöhe aufsteigen, um kurz vor dem Gipfelfelskamm abermals in die grasige Südostflanke auszuweichen (stark überwachsen, daher vor allem im Aufstieg etwas mühsam - langes Beinkleid empfehlenswert!).  Die Route ist offensichtlich, an den kritischen Stellen hat es genügend Wurzeln, Felsen und (solide) Grasbüschel zum Halten. Sie ist nach meinem Empfinden angenehmer und auch viel weniger ausgesetzt als die "Normalroute", die vor dem Gipfel auf schmalem, etwas abdrängendem Wegband in die Nordwestseite ausweicht. Die Schwierigkeiten liegen eher bei T4 als bei T5 und daher m.E. etwas unter denen der Hauptroute (T5-).

Tourengänger: marmotta, nevada


Galerie


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