Rosskopfspitze (2015m), kleiner feiner Zipfel über der Eng


Publiziert von kardirk , 13. Juli 2012 um 10:27.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:12 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:9,5km

Diese Tour stand unter einem dreifachem Motto:
–        ab ins Gemüse, Latschen  hatschen, oh welche Aussicht – nebliger geht’s nimmer -

Das derzeitige Wetter lässt einen Bergfex förmlich verzweifeln, sofern er nicht gerade an oder in den Bergen wohnt, Gewitter und Schauer zu jeder Tageszeit – sogar schon am Morgen – instabile Lage immer dann wenn man Zeit hat.
Da war die Vorhersage vom ZAMG.AT für heute doch direkt ein Hoffnungsschimmer, nur bedeckt, wenige Schauer, moderate Temperaturen. Nichts wie los.

Als Ziel nahm ich mir die Rosskopfspitze vor, ein Zipfel der in meiner Karwendelsammlung noch fehlte, von ADI vor ein paar Wochen schon wie immer schön beschrieben und bebildert.

Also ab in die Eng, Start beim Parkplatz am Fahrweg zum Plumsjoch. Dort talauswärts über die Wiese zum Wald zum Startpunkt des kleinen Steiges hinauf ins Ruederkar. Den verfehlte ich beim Aufstieg irgendwie – dabei gut markiert mit Steinmann und einem roten Pfeil am Baum, wie ich beim Abstieg feststellte – und stapfte stattdessen den Wald empor in Richtung auf den Graben, durch den der Steig emporführt, dass wusste ich schon von der Tour auf die Ruederkarspitze, dann durch den Graben direkt empor, zuletzt nach links über steile Grashänge – und schwupp stand ich auf dem Steig kurz vor dem kleinen Sattel. Ging gar nicht mal so schlecht im Graben, der Steig ist nämlich zu Beginn ein extrem steiler ecklig kleinsplittriger Schuttanstieg.

Oben angelangt löste sich jedoch plötzlich die Halterung meiner Phototasche und  purzelte auch schon den steilen Hang an die 40m hinunter in den Graben – so eine Sch….e – also wieder hinab in den Graben und den nagelneuen Photo geholt. Gott sei Dank war bis auf eine kleine Beule nicht passiert und er funktionierte noch einwandfrei – es geht doch nichts über dick wattierte Phototaschen. Da die Tour ja auch als Trainingseinheit gegen das ewige Bürositzen gedacht war, hatte ich so noch mal ein paar Höhenmeter extra – immer positiv denken.

Weiter gings nun den schönen, aber sehr steilen und daher konditionsfordernden Steig ins Ruederkar hinauf, doppelt genässt, oben vom Schweiß unten vom leicht angefeuchteten Gemüse, sprich Gras, Latschen, Sträuchern ect.
Im Kar überlegte ich kurzzeitig zum N-Grat der Ruederkarspitze zu steigen, doch es brodelte schon stärker und mein Ziel war ja doch die Rosskopfspitze, die sich im Norden schon keck erhob.
Also querte ich unterhalb von P.1972m die steilen Grashänge zum Latschenrücken über den man hinab zum Sattel P.1789 vor der Spitze steigen muß. Tja da stand ich nun, unten schon die große Gasse sehend, die zum Sattel führt, links führten diverse Gassen gen Moserkar, aber vor mir war dichtestes Latschengemüse. Da sprangen vor mir zwei Gemsen auf, verschwanden im Dickicht und erschienen keine Minute später auf der unteren Latschengasse.
Wenn die das so schnell schaffen, muß es da doch eine Weg geben. So steige ich erst linkshaltend hinab, da ein Steinmann und einige Spuren denen ich folge und komme schnell tiefer. Aber ich muß weiter nach rechts, eine Fichte markiert die freie Gasse, blos ist kein Durchschlupf zu sehen. Also mit Gewalt rein in die Latschen, ich bin schon fast am verzweifeln, will umkehren, da entdecke ich die richtige Technik um dieses Dickicht zu durchdringen: es gibt nämlich überall Gamspuren mitten durchs Gebüsch an den Stellen, wo  sich die Latschen leicht teilen lassen, und wenn man das mit etwas Ruhe und Überlegung macht, kommt man ganz gut mitten durchs dichteste Gemüse.Gleichzeitig gibts ein gutes Training für die Brust und Armmuskulatur.

Nachdem ich die Gasse erreicht habe geht’s leicht hinab zum Sattel. Dort steht auch schon die große Fichte aus ADI’s Bericht und sofort sehe ich die Steigspuren und einzelne Schnittstellen in den Latschen. Nun kann man den Steig fast (wie gesagt fast) nicht mehr verfehlen, zunächst nördlich querend, dann eine Runse ziemlich gerade empor Richtung Grat. Schließlich querte ich noch etwas heikleres plattiges Schrofenterrain, dann stand ich auf dem südöstlichen Rücken. Über diesen hinauf auf den nächsten Kopf, von dem es eben direkt zum Gipfelaufschwung geht. Leider war der Grat hier wieder komplett dicht mit Latschen überwuchert, durch die ich mich mühsam vorkämpfte, bis ich überrascht feststellen musste, das man rechts vom Grat im steilen Geschröf problemlos vorwärts kommen kann – ja, da stand doch mal was im AV-Führer.
Die Kante des Aufschwungs sah verlockend machbar aus, ein gut gestufte plattige Steilrinne, vermute mal II-III. Ich überlegte kurz, entschied mich dann aber gegen die kurze Klettereinlage, Nebelschwaden umhüllten mich bereit, und ich stieg dann nach links durch gutgestuftes steiles etwas brüchiges Geschröf hinauf zum Gipfel.

Boh, was für eine Aussicht, wohin ich auch blickte, schönes sanftes Einheitsgrau. Jetzt rächte sich, das ich nicht auf meine Frau gehört hatte (immer auf die Ehefrau hören) und ich nicht 2-3 Stunden früher meine Matratze verlassen hatte. Immerhin gabs im Gipfelsteinman gut geborgen ein schönes kleines Gipfelbuch. Nur wenige Eintragungen finden sich hier, grad 5 Stück 2011, diese Jahr aber auch schon 5, meist immer die gleichen Verdächtigen.

Nach 15 min habe ich genug gesehen, den nördl. Vorgipfel spare ich mir, Nebel sieht doch überall gleich aus, und steige auf dem Aufsteigsweg hinab, die Latschen diesmal umgehend, hinab zum Sattel.
Ob der immer dicker werdenden Suppe frage ich mich, ob ich nicht lieber zum Moserkar absteigen soll und dann den Talhatscher über die Hagelhütten auf mich nehmen soll.
Doch mein Gespür sagt mir, dass heute alles trocken bleibt – jedenfalls von oben.
Also mühte ich mich die Latschengassen wieder aufwärts gen P.1972., zuletzt wechselte ich nach links auf die freien Hänge und muß nur kurz einmal vor Erreichen der Felsen von P.1972
Nochmals durch ein dichtes Latschengestrüpp.
Dann quere ich im dichten Nebel wieder hinab zum Ruederkar, das ich in Bogen den Steilstufen ausweichend, aus der Wolkensuppe heraus, hinabsteige.
Über den kleinen steilen Steig – Beginn im Kar gut markiert mit Steinmännern – geht’s dann flott hinab durch das urige Terrain zum Talboden.
 
Fazit:
Aufgrund der etwas eingeschränkten Sichtlage nur ***-Tour.
Landschaftlich einmalig schön, wild und einsam und das nur wenige Meter entfernt vom Trubel in der Eng.
Konditonell fordernd, trotz Steig, auch technisch nicht ohne, am Anstieg zur Rosskopfspitze wenige Stellen I.
Orientierungssinn, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind obligatorisch.
 
Anmerkung für die Totengrabenaspiranten (falls sie den Bericht lesen):
Laßt es sein. Sowohl aus Ansicht von oben (der Steig geht direkt am Ausstieg vorbei), als auch am Abend von unten: dass Gelände ist megagefährlich (siehe Bilder unten), brüchig, erdig, megasteiles, plattiges Fels/Erdgemisch, Klettertechnisch bestimmt ein IVer, dazu die objektiven Gefahren, nur was für völlig Besch…, Lebensmüde ect. oder sonst wie vom Leben gelangweilte, zu denen ich Euch eigentlich nicht rechne.
 
 
 

Tourengänger: kardirk


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Kommentare (3)


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algi hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 11:02
Urige Tour in wuidem Gelände. Nur schade, dass das Wetter nicht besser mitgespielt hat. Trotzdem sind dir eindrückliche Bilder gelungen.

VG
Albert

kardirk hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 11:06
Danke. Wie ich schon geschrieben habe, 2 Stunden vorher hätte ich noch gute Sicht gehabt, aber auch so wars nicht für die Katz.

VG
Dirk

ADI hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 20:19
den hast jetzt auch, gratuliere!
schad', daß das Wetter so mistig war!

VLG vom ADI


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