Balade gourmande - Le restaurant fermera ses portes définitivement


Publiziert von Henrik Pro , 13. Juli 2012 um 16:38.

Region: Welt » Schweiz » Waadt
Tour Datum:12 Juli 2012
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD 
Strecke:Nur zum Essen - letzter Tisch und jetzt ist fertig
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Kartennummer:GA 1 Klasse

... ziellos (umhergehen, reisen) sagt man so auf die Schnelle. Noch ist der Mittagstisch nicht generiert. Ich stehe an der Strassenbahnkreuzung (z’Basel wurd me sage, ych warte uffs Drämmli) der Linie 1 mit der Linie 6 – Quizfrage für z. B.  Felix? An dieser Haltestelle gibt es auch alle paar Minuten eine Alternative – in Stosszeiten ist der Bus allerdings dem Tram unterlegen, der den Flughafen mit dem Bahnhof SBB verbindet. Und auf der digitalen Abfahrtstafel (DFI: Dynamische Fahrgastinformation)  sind gerade zwei kurz aufeinanderfolgende Trams angekündigt. Diese stehen mittlerweile an Orten, wo nur gerade auch eine einzige Linie vorbeifährt – und die rundum Digitalisierung kennt ja keine Blindflecken mehr: auf einigen Linien der BVB und der BLT ist Surfen nun also möglich. Wann kommen die surffreien Zonen analog zur Ruhezone, in die ich mich nun begebe?
 
...zuerst buckle ich etwas Food im Coop am Bahnhof, dann eile ich auf die Passarelle, die mitten am Vormittag schon wie ein Basar wirkt, suche einen Zug nach Olten, entschliesse mich für den Basel nach Interlaken Ost und setze mich dort in die Ruhezone. Dieses Zugsabteil ist tagsüber immer sehr schwach besetzt. Was für ein Genuss, klingel- und meist auch flüstertonfrei.. Die Sonne hat heute keinen Glanztag, aber es gelingt ihr zwischendurch durch die Wolken hindurchzubrechen. Erstaunlicherweise regnet es, nachdem der Zug den Adlertunnel bei Liestal verlassen hat – ein SBB-Loch, das immer wieder für Schlagzeilen eine Notiz wert ist: man stelle sich vor, dass sich die Tektonik im Innern dieser Passage hebt, über Gebühr, bis zu mehreren Zentimetern, nicht ziellos, sondern eben nach oben!
 
... in Olten scheint nur noch die Sonne. Die wenigen Zeitungen, diesmal nur im Rucksack verstaut, sind eher schnell durchgeblättert denn gelesen, zwar erhalte ich die BaZ free-of-charge, ich kann mich seit der Somm(er) am Ruder ist, nicht mit dem Redaktionellen anfreunden. Dafür hält die Landschaft am Bord der Neubaustrecke, die auch schon nun 10 Jahre alt ist, immer wieder Anregendes parat: z. B. Waldpartien oder Feldbewirtschaftungen samt Gerätschaften, die über die Furchen ziehen bzw. solche hinterlassen.
 
... in Bern wechsle ich auf den Zug in die Romandie – auch im Doppelstöcker gibt es Ruhezonen und so freut es mich, dass unsere mitreisenden Ostasiaten wesentlich geräuscharmer/stiller sind als (wahrscheinlich) einheimische Businessreisenden, die auf ihren Tastaturen herumhämmern oder die türschletzenden WC-Besucher,
 
... in Lausanne steige ich erneut um: nun ist mir ein Gedankenblitz gekommen. Ich könnte in Yens wieder mal vorbeischauen, das mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Heute ist nicht Wandertag, sondern Mittagstisch-TUT-Tag. Bei der Billetkontrolle erhalte ich von den beiden (sehr sympathischen) Zugschefinnen die notwendige Erhellung für meine Weiterfahrt ab Morges. Gerade bin ich im Begriff auf das Gleis 5 loszustürmen, stoppt ein grosses Plakat mein Unterfangen: Travaux entre Bussy et Morges du 9 au 13 et du 17 au 20 juillet 2012: trains supprimés et remplacés par des bus. Ich musste mich zu einem dieser dann allerdings durchfragen!


... mit dem Ersatzbus werden die Fahrgäste dann nach Bussy gebracht, wo in den Zug umgestiegen wird. Nur eine weitere Station geht meine Reise und somit wohl zum letzten Ma(h)l also auch mein Mittagstisch nach Yens – denn die Wirtsleute schliessen ihr Lokal am morgigen Freitag, dem 13! Nach 12 Jahren Gourmessa über dem Genfersee. Ich setze mich zu den andern Gästen, Erwerbstätige in einer Gruppe, den Kleidern zufolge wahrscheinlich Handwerker (über Mittag sind auch sie die bisher grösste Gruppe gewesen, die hier zu dieser Tageszeit Halt gemacht haben, erfahre ich im Gespräch mit dem Cuisinier) unter dem ausladenden Kastanienbaum nur einen Atemzug vom Bahnhof entfernt – das Mittagsmenu, da das letzte überhaupt, geniesse ich umso mehr. Wieder verschwindet eine gute Küche – eine, die auch mit der Bahn erreichbar war und das gut. Das schmerzt mich auch, weil bezahlbar – inklusive Eiscafé und Vin Blanc für 25 Franken!
 
... so bleibt es nicht aus, dass ich nochmals ein paar Bilder in den Kasten werfe, die Umgebung in mich aufsauge, den Wind, der ein Kornfeld zum Undulieren bringt, an meine Stirn lasse, ein paar Kühen mit Horn beim Grasen zuschaue und die Weite über dem Genfersee einatme.
 
... nach 14 Uhr steige ich zuerst ins „grüene“ Bähnli, dann in Bussy in den Bus der MBC, in dessen Exemplar ich die Sitzbezüge der Gelben Klasse entdecke und natürlich diesem Umstand auch auf die Spur kommen möchte, meint die Lenkerin des Busses, dass die MBC wahrscheinlich Busse dort erstanden haben wird...
 
... die kommenden Minuten am Gleis  3 in Morges nutze ich für ein paar Shots auf die vorbeieilenden Züge, keine Schnappschüsse, aber so mache ich Bekanntschaft mit dem Rollmaterial der SBB, mit deren Vielfältigkeit und Technologie. Mit dem ICN lasse ich mich nach Olten bringen. In der Ruhezone tuscheln zwei Frauen sich aus, sie tun dies im Flüsterton ... das kann noch mehr nerven als ein lautes Gespräch. Ahnungslos sind sie nicht, denn ein Fahrgast spricht sie darauf an, und so höre ich dann „mit“, ja Flüstern, das sei eine ruhige Form des Gesprächs...in Biel steigen Erwerbstätige ein, die bringen die Damen zur Ruhe!
 
... in Olten folgt auf den ICN der ICE – am gleichen Gleis 7. Stimmt meine Wahrnehmung, dass dieser ruhiger rollt als der ICN? Auch wenn dieser mein Traumzug ist, im ICE sitze ich noch eine Spur besser. So gelangt ein Tag zum Ende, zu dessen Beginn ich im Tram noch nicht wusste, wo ich a) speisen würde und b) über welche Geleise ich nach Basel zurückfände – eben nicht ziellos!
 
... in Camedo, im Centovalli hat das Grütli geschlossen, vergangenen Herbst (es gibt Nachfolger) und jetzt in Yens das Buffet de la Gare. Perlen fürs TuTen, andere Entdeckungen werden folgen.
 
... Pour info le service traiteur ainsi que les soirées canailles reste d'actualité! 


  

Tourengänger: Henrik


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