Pizzi Croslina (3012m), Campo Tencia (3072m) und Tenca (3035m)


Publiziert von أجنبي , 11. Juli 2012 um 22:36.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 9 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Campo Tencia   Gruppo Pizzo Campolungo   Gruppo Poncione di Vespero 
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 2550 m
Strecke:Capanna Tremorgio – P. 1927 – Passo Vanit – Capanna Leit SAT – Passo di Leit (P. 2431) – Cassina Lei di Cima – Piano di Lei – Capanna Campo Tencia CAS – P. 2271 – Bocchetta di Croslina – Pizzo Croslina – Bocchetta di Croslina – Pizzo Campo Tencia – P. 2974 – Pizzo Tenca – P. 2974 – Ghiacciaio Grande di Croslina – P. 2271 – Capanna Campo Tencia – Alpe di Croslina – P. 1650 – P. 1554 – Alpe di Gera – Piumogna – P. 1365 – Dalpe
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV bis Rodi, LSB bis Lago Tremorgio
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV ab Dalpe
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Campo Tencia CAS
Kartennummer:LK 1:25.000: 1252 Ambrì-Piotta, 1272 Pizzo Campo Tencia

Da die Prognosen für's Tessin etwas besser ausschauten als für die Innerschweiz, sah ich die Zeit für eine Besteigung des höchsten, reinen Tessiner Gipfels, des Pizzo Campo Tencia, für gekommen. Sämtliche meiner TourenpartnerInnen waren in der einen oder anderen Form verhindert, doch mutete ich mir die Tour auch im Alleingang zu. Nach einem wettermässig vermurksten Hüttenzustieg gelang das Unterfangen schliesslich problemlos.

In aller Herrgottsfrühe wollte ich am Sonntag nicht gerade ins Tessin aufbrechen, da die Meteorologen für den Morgen noch ein paar Regenschauer prophezeit hatten. Als ich in Airolo aus dem Zug ausstieg, war's dementsprechend neblig und regnerisch. Die Seilbahn in Rodi beförderte mich kurz darauf noch etwas tiefer ins trübe Grau und so gab's bereits in der Capanna Tremorgio eine Kaffeepause.

Gegen 10.30 Uhr lichtete sich die Sache etwas und so marschierte ich von dannen. Auf ziemlich schönem Weg ging's entlang des Lago Tremorgio in die Höhe. Vom See sah ich leider nie allzu viel, angeblich soll's aber recht schön sein dort oben.

Unterhalb des Passo Vanit wechselte die Unterlage zwischenzeitlich auf Sand (!) und nach etwa einer Stunde erreichte ich die Capanna Leit SAT. Nach ein paar spärlichen, sonnigen Intermezzi verdüsterte sich der Himmel nun wieder. Ich beschloss, beim Lago di Leit eine Pause einzulegen, um bei aufkommendem Regen in die Hütte flüchten zu können. Und so kam's dann auch: Eineinhalb Stunden Zwangspause in der Capanna Leit. Immerhin konnte ich während dieser Zeit ein Topo vom nahe gelegenen Pizzo del Prévat studieren. Dieser könnte durchaus ein Grund sein, mit Kletterfinken und Seil im Gepäck wieder mal dort oben aufzutauchen....

Gegen 13.30 Uhr schaute die Lage nach etwas stabilerem, doch trockenem Schlechtwetter aus und so stieg ich auf nun etwas alpinerem Pfad zum Passo di Leit (P. 2431) hoch. Eigentlich plante ich, inspiriert durch budget5's *Bericht auf dem Weg noch schnell den Pizzo Varozzèira besteigen, doch war dieser im Nebel kaum auszumachen. Auf dem Pass wartete ich eine Weile ab, doch verbesserte sich die Sicht kein bisschen. Alleine bei schlechter Sicht und nassem Fels bzw. Gras über den Grat zu kraxeln erschien mir als zu gewagt, also ging's weiter in Richtung Capanna Campo Tencia.

Nach dem Pass ging's erst mal ein Stück hinunter. Man traversiert da die recht steile Ostflanke des Pizzo Lei di Cima. Eine britische Familie kam mir im Schneckentempo auf allen Vieren entgegen. Der Bergweg ist dort keine Sache (T3+ oder so), aber die Touristen wären wohl am Ufer des Lago Maggiore besser aufgehoben gewesen.

Kurz darauf musste ich auch mein nächstes Ziel aus dem Programm streichen: budget5's *Bericht hatte mir den Pizzo Lei di Cima und dessen Besteigung via Ostflanke schmackhaft gemacht, doch bei den herrschenden Verhältnissen machte das keinen Sinn. Immerhin konnte ich die eingesparte Zeit dazu nutzen, in aller Ruhe die vielen Munggen zu beobachten und ihnen meine Kamera vor die Nase zu halten.

Nun, es sollte also beim gipfellosen Zustieg zur Capanna Campo Tencia CAS bleiben. Das grösste „Abenteuer“ des Tages bestand wohl in der Überquerung des Baches auf der Piano di Lei, welcher sehr viel Wasser zu Tale führte. Meine Schuhe bestanden den Test mit Bravour, doch das viel Gepäck schleppende und mit Turnschuhen (!) ausgestattete kanadische Pärchen wird wohl ziemlich nasse Füsse gekriegt haben...

Die Nacht in der Campo Tencia-Hütte war sehr erholsam: Gastfreundschaft wird dort gross geschrieben, das Nachtessen war ein kulinarisches Spektakel und da neben mir bloss sechs Leute dort nächtigten, hatte ich ein Zimmer für mich alleine. Tja, es ist immer wieder ein Vergnügen, nicht die berüchtigte Nacht vom Samstag auf den Sonntag in einer randvollen SAC-Hütte verbringen zu müssen...

Von der Hüttengehilfin erfuhr ich, dass am Sonntag eine grössere Gruppe mit Bergführer bei üblem Wetter den Pizzo Campo Tencia bestiegen hatte. Wie sich herausstellte, war da u.a. burnee am Werk. Hier *sein Bericht. Ich hingegen erwartete gutes Wetter für Montagmorgen, doch aufgrund der recht grosszügigen Divergenz von Prognose und Realität am Sonntag war ich schon etwas besorgt, dass sich der Nebel, welcher sämtliche Gipfel in der Umgebung verhüllte, über Nacht noch auflösen würde.

Als ich am nächsten Morgen um 6.30 Uhr erwachte, blendete mich dann aber die Sonne! Eine Stunde später verliess ich die Hütte. Es war mir längst klar, dass ich alleine auf weiter Flur sein würde. Von der Hütte aus hat man den Einstieg in die Route (P. 2271) direkt vor Augen. Auch der weitere Verlauf des Weges durch die steile Nordflanke lässt sich erahnen. Von der Hütte aus gesehen schaut die Sache recht happig aus, wenn man aber mal in der Flanke drin ist, relativiert sich das ein wenig.

Nichtsdestotrotz sind die ersten 100hm nach P. 2271 wohl ein gutes Selektionsmittel für die Tour: Wer hier gut und ohne weiche Knie durchkommt, wird auch weiter oben keine Probleme bekunden. Schwierig ist's nicht wirklich (T4+) und stellenweise höchstens mässig ausgesetzt, doch steil ist's halt schon und bei nassen Verhältnissen wie ich sie hatte sollte man schon etwas vorsichtig und trittsicher sein. Der Pfad ist indes ziemlich gut markiert und mit einigen schönen Kraxelstellen gespickt. Bei Schnee stelle ich mir Sache nicht wirklich lustig vor...

Bei der Kurve unterhalb P. 2475 ist der steile Einstieg bewältigt, das Gelände wird schlagartig einfacher und die Stöcke werden wieder hervorgekramt. Etwas später verstaut man sie aber besser wieder, denn auf dem Nordwestgrat von P. 2857 braucht man ab und zu die Hände. Die wenigen Schneefelder auf dem Weg liessen sich problemlos um- bzw. begehen. Danach ging's flacher und einfach auf Schnee weiter zur Bocchetta di Croslina, welche ich eineinhalb Stunden nach Abmarsch bei der Capanna Campo Tencia erreichte.

Als wir zu Hause zu zweit die Tour besprachen, erachteten wir den Pizzo Croslina als allfällige Option im Aufstieg. Da ich nun aber alleine unterwegs war, hatte ich den Gipfel aus meinem Plan gestrichen. Jetzt aber auf der Bocchetta di Croslina angekommen änderte sich meine Einstellung erneut, denn der Pizzo machte einen machbaren Eindruck und es sah ganz nach fröhlichem T5-Kraxelgelände aus. „Hmm...,“ dachte ich also... und kurz darauf war ich bereits auf dem Weg.

budget5 gibt sich in *seinem Bericht bezüglich der Aufstiegsroute ziemlich wortkarg, also folgte ich zunächst einfach „mim Gschpüüri“. Und siehe da: Nach der Traverse eines Altschneefeldes landete ich auf den Meter genau beim markierten Einstieg. (Ich wusste gar nicht, dass da Markierungen anzutreffen wären!) In der Folge fanden sich bis auf den Gipfel blaue Markierungen und Steinfrauen.

Die Route folgt mehr oder weniger dem Ostgrat und bereitet Kraxelliebhabern viel Freude. Zwei, drei Mal kam ich etwas von der Route ab und schaffte es mit einem irrtümlichen Ausflug in die Südostflanke, die Schlüsselstelle zu verpassen. Es empfiehlt sich aber, der Route über den Grat zu folgen und Flanken-Ausflüge zu unterlassen. Um 9.15 Uhr erreichte ich den Gipfel des Pizzo Croslina und genoss den Tiefblick zur Capanna Campo Tencia, die ich 1h 45min zuvor verlassen hatte.

Nur: Wo war das Gipfelbuch? Wie auf Ostereiersuche tigerte ich auf dem Gipfel herum, bis ich auf das gut versteckte Buch stiess. Im Abstieg folgte ich etwas konsequenter den Markierungen und stand plötzlich bei der Schlüsselstelle: kurzes, etwas ausgesetztes Abklettern im 2. Grad war angesagt.

Nach einer Viertelstunde war ich zurück in der Bocchetta und widmete mich dem Aufstieg zum Pizzo Campo Tencia. Ich folgte meist dem gut markierten Pfad, welcher teils auf dem Grat, öfter aber etwas links davon verläuft. Zwanzig Minuten später erreichte ich den geräumigen Gipfel. Leider fand ich trotz mehrmaliger Umrundung und Beäugung der zahlreichen Steinfrauen kein Gipfelbuch. Gibt's da überhaupt eins und wenn ja: Wo ist es?

Nach einer kurzen Pause und der Erkenntnis, das noch etwas Zeit übrig blieb, stieg ich über den breiten Ostgrat zu P. 2974 ab. Von dort waren's nur noch wenige Schritte und leichte Kraxelei bis zum Gipfel des dritten 3000ers des Tages, des Pizzo Tenca. Vom Pizzo Campo Tencia erreicht man diesen in ca. zwanzig Minuten.

Derweil zogen zunehmend dunkle Wolken auf. Für die Gratüberschreitung zum vierten Gipfel in der Kette, zum Pizzo Penca, kalkulierte ich mindestens eine halbe Stunde. Die Vernunft obsiegte und eigentlich ist's ja auch nicht schlecht, mir für meinen nächsten Besuch in der Gegend noch was aufzusparen. Allora: Discesa.

Im Aufstieg zur Bocchetta di Croslina hatte ich Spuren gesehen, die vom Sattel zwischen Pizzo Tenca und Pizzo Campo Tencia am Rande des Ghiacciaio Grande di Croslina hinunter führten und unterhalb von P. 2857 wieder auf den Normalweg trafen. Da ich alleine unterwegs war und dementsprechend meine Risikobereitschaft noch etwas tiefer liegt als sonst schon, verwarf ich die Idee. Als ich nun aber zurück bei P. 2974 war, im Abstieg vom Pizzo Tenca einen guten Einblick in die Route hatte und nur wenig Lust verspürte, via Pizzo Campo Tencia und Bocchetta di Croslina abzusteigen, entschied ich mich dann doch für die Gletscher-Variante.

Direkt unter dem Sattel lag ein steiles, grosses Blankeis-Feld. chaeppi scheint damit ziemlich *unangenehme Bekanntschaft gemacht zu haben. Im Minutentakt glitten dort grosse Steinbrocken hinunter. Um dies zu umgehen, ging's am westlichen Rand des Gletschers in bestem Trittschnee runter. Zwischendrin gab's auch noch paar rutschige Geröllpassagen zu bewältigen sowie ein paar nicht ganz ungefährliche Schrunde. Im unteren Teil wurde die Sache etwas angenehmer, da's nur noch über den eingeschneiten Gletscher ging. Zunächst war dieser aber recht steil und da ich zu faul war, die Steigeisen zu montieren, begegnete ich der Sache recht vorsichtig. Bald aber nahm die Steilheit ab und rutschend konnte ich dir restlichen paar Dutzend Höhenmeter schnell vernichten.

Die Abkürzung über den Gletscher hat sich sicherlich gelohnt, konnte ich mir dadurch doch den Wiederaufstieg auf den Pizzo Campo Tencia und einiges an Zeit sparen. Wenig erfahrenen Berggängern und solchen, die ihren Eispickel zu Hause gelassen haben, würde ich von dieser Variante aber abraten.

Unterhalb von P. 2857 gönnte ich mir nochmals eine kurze Pause, bevor ich zur Hütte abstieg. Bis P. 2271 ging alles flott, doch dort erforderten die Steilheit im oberen Teil des Schneefeldes und die gefürchigen Abgründe an dessen Ränder noch einmal hohe Konzentration. Seit meinem Aufstieg war der Schnee leider kein bisschen weicher geworden. Im unteren Teil relativierte sich die Neigung etwas und ich konnte noch ein wenig auf den Bergschuhen abfahren.

Um 12.15 Uhr erreichte ich die Capanna Campo Tencia. Mein einsamer Ausflug auf die drei Gipfel dauerte keine fünf Stunden. Meine Zeitangaben sind aber mit einiger Vorsicht zu geniessen, denn alleine bin ich ziemlich schnell unterwegs, pausiere nur selten und wenn, dann relativ kurz. Bei „normalem Tempo“ sollte man für den Pizzo Campo Tencia ab gleichnamiger Capanna knapp drei Stunden einrechnen, für den Abstieg etwa zwei.

Nach einer längeren Knieerhol-, Materialeinpack-, In-der-Sonne-Chill- und Bierpause nötigte ich mich in den zweistündigen 1000hm-Abstieg nach Dalpe. Die Schönheit des Val Piumogna entschädigte etwas für die Qual und in Piumogna sattelte ich auf meine Outdoor-Sandalen um. Für die waldige Strecke kurz nach P. 1365 bis runter nach Dalpe war das vielleicht nicht gerade der beste Entscheid, aber es ging auch so und meinen Füssen tat's gut.

Zufrieden fuhr ich mit dem Postauto von Dalpe nach Airolo und von dort mit dem Zug nach Hause. Von den drei bestiegenen Gipfeln empfand ich den Pizzo Croslina definitiv als den Reizvollsten. Das Kraxelgelände ist definitiv schöner und herausfordernder als die Aufstiege zum Pizzo Campo Tencia und Pizzo Tenca. Und klar, das nächste mal muss der Pizzo Penca noch dran glauben...


Tourengänger: أجنبي


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Kommentare (1)


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Burnee hat gesagt: Danke...
Gesendet am 12. Juli 2012 um 10:57
Für das Gipfelfoto vom Campo Tencia. Jetzt weiss ich wenigstens, wie es dort oben aussieht :-)...
Gruss burnee


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