71°11'08'' nördlicher Breite - Knivskjelodden


Publiziert von Bergmax , 10. Juli 2012 um 23:29.

Region: Welt » Norwegen
Tour Datum: 1 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: N 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 350 m
Abstieg: 350 m
Strecke:18 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Linienbus der Gesellschaft Boreal. Hinweise im Textteil beachten!
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Linienbus der Gesellschaft Boreal. Hinweise im Textteil beachten!
Unterkunftmöglichkeiten:Nordkapp-Camping in Skipsfjord, alternativ in Honningsvag oder den anderen Dörfern auf Magerøya.

Wo Skandinavien im Norden zu Ende ist...

Einmal an Europas nördlichster Spitze zu stehen, war ein lang gehegter Traum von mir.
Dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, eine Reise durch Skandinavien zu machen und dabei das Nordkap zu besuchen.
Aber ist das Nordkap überhaupt der nördlichste Punkt Europas? Nein, freilich nicht! Dieser Punkt befindet sich nach gängiger Definition auf den Franz-Josefs-Inseln und heißt Kap Fligely (81°50'55'' n.B.). Die Stelle ist praktisch unzugänglich. Auch Svalbards (Spitzbergens) nördlichste Stelle ist denkbar schlecht zu erreichen.
Daher wollen wir bloß Skandinavien betrachten. Die nördlichste Stelle des Festlands heißt Kinnarodden (70°54'33'' n.B.) auf der Halbinsel Nordkyn, das nördlichere Nordkap (71°10'21'' n.B.) befindet sich nämlich auf der Insel Magerøya, aber diese liegt - wie viele anderen Inseln auch - nur wenige Kilometer vor der Festlandsküste.
Ist damit das Nordkap wenigstens die nördlichste Stelle Skandinaviens? Auch nicht! Auf derselben Insel gibt es eine Landzunge, die 1380 Meter weiter im Norden liegt und mit gewisser Berechtigung als nördlichster Punkt vom klassischen, bewohnten Europa gelten darf. Sie heißt Knivskjelodden.

Als ich um Mitternacht am Nordkap stehe, ist das Wetter gut, und die Mitternachtssonne scheint. Eigentlich ein unvergesslicher Augenblick.
Jedoch - das Gedränge um mich herum nervt. Der Platz hat einfach nicht das Flair, um der Höhepunkt der Reise zu sein. Dagegen liegt Knivskjelodden ganz einsam da. Viele Nordkapreisenden wissen schlicht nicht von der Existenz dieser Stelle und selbst wenn sie es wüssten - für eine Tagestour zu Fuß lässt eine Pauschalreise (fast jeder Nordkap-Besucher dürfte Pauschal-Bus-Schiffsreisender sein) keine Zeit.

Hier habe ich einen Vorteil. Als Individualreisender habe ich noch einen ganzen Tag Zeit auf Magerøya und zu meinem Glück ist das Wetter herrlich.

In meiner Unterkunft (Nordkapp-Camping in Skipsfjord - die gemütlichen Zimmer sind sehr empfehlenswert) erhalte ich nützliche Infos über die Busverbindung zum Ausgangspunkt der Wanderung, einem einsamen Parkplatz fünf Kilometer vom Nordkap entfernt.
Während ich auf den Bus warte, treffe ich Martijn, einen Niederländer, der dieselbe Tour machen will. Wir unternehmen dann die ganze Tour zusammen -  es hat viel Spaß gemacht!

Vom Parkplatz aus sind es neun Kilometer Wanderung bis zur nördlichsten Spitze. Die erste Hälfte führt über welliges, karges Hochland, dann wandert man an einem kleinen See entlang, bevor ein steilerer Abstieg zur Küste führt. Nach weiteren zwei Kilometern über flache Felsplatten erreicht man nach knapp drei Stunden eine Art Monument und einen Kasten mit einem Gästebuch. Gegen Vorlage der laufenden Nummer im Buch erhält man ein edles Zertifikat, das bestätigt, dass man den "nördlichsten Punkt Europas" erreicht hat.
Die Dramatik, die der Platz ausstrahlt, ist gewaltig: im Süd(!)osten die Klippen des Nordkaps mit den Menschenmassen obendrauf, hier nur das Rauschen der Wellen und absolut offenes Meer im Norden!
Mit etwas Vorsicht gehe ich noch auf den Felsen der Landzunge bis zum wirklich allernördlichsten Punkt, wo Europa in den klatschenden Wellen des Nordmeers versinkt...

Auf dem bekannten Weg wandert man wieder zum Parkplatz zurück, es geht ganz schön bergauf, sodass man mindestens die gleiche Zeit wie für den Hinweg veranschlagen sollte.
Der Bus zurück zum Camping wäre uns fast davongefahren, er hält nämlich nur, wenn man winkt. Der Fahrer hat uns gerade noch bemerkt - zum Glück, den der nächste Bus wäre erst viereinhalb Stunden später gefahren...

Auf der ganzen Tour trafen Martijn und ich nur ein gutes Dutzend anderer Wanderer, während sich die Menschen am Nordkap gegenseitig auf die Füße traten!

Für mich war die Wanderung nach Knivskjelodden ein absolut tolles und eindrückliches Erlebnis, das die eingesetzten Reserven vielfach rechtfertigt!

Zuletzt noch ein paar praktische Hinweise für Knivskjelodden-Anwärter:

- Die Busse der Gesellschaft Boreal von Honningsvag zum Nordkap und zurück (Linie 330, im Sommer 4 Mal täglich) halten auf Anfrage am K.-Parkplatz. Wer dort einsteigen will, sollte unbedingt winken!!!
- Die Tour ist nicht schwer, aber teilweise sumpfig und die Felsplatten sind rutschig.
- Die Wanderung ist teilweise weglos und durch große Steinhaufen und vereinzelte rote "T"-Zeichen markiert. Nicht bei schlechter Sicht losgehen!
- Es gibt keinen Stützpinkt oder Unterstand unterwegs, nicht einmal am Parkplatz!
- Das Knivskjelodden-Zertifikat kann man zum Beispiel beim Nordkap-Camping für 50 Norwegische Kronen gegen Angabe der Nummer aus dem Gästebuch erwerben.

Tourengänger: Bergmax


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Kommentare (2)


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Henrik Pro hat gesagt: ...was hättet ihr mit dieser
Gesendet am 10. Juli 2012 um 23:41
vielen Zeit gemacht, hättet ihr...

> der nächste Bus wäre erst viereinhalb Stunden später gefahren...


Land zum Durchatmen - Norwegen. Bravo


Bergmax hat gesagt: Ist doch ganz klar...
Gesendet am 11. Juli 2012 um 11:35
das Winken geübt natürlich, damit wenigstens der nächste Bus gehalten hätte :-)

P.S. Danke für das Lob, Henrik!


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