Monte Amaro (2793 m) - der Zweithöchste des Apennin


Publiziert von gero Pro , 10. Juli 2012 um 21:50.

Region: Welt » Italien » Molise
Tour Datum: 8 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1635 m
Abstieg: 1635 m
Strecke:Prati della Macchia - Fonte di Nunzio - Fonte dell Orso - Forchetta di Majella - Monte Amaro (24,6 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zweckmäßigerweise auf der Adria-Autobahn via Bologna - Rimini bis Pescara, dann auf der Autobahn Richtung Rom bis zur Ausfahrt Scafa-Alanno (Maut ab Brenner 50 Euro). Nun auf kleinen, kurvenreichen Sträßchen der Beschilderung nach Caramanico - Sant' Eufemia zum Passo Leonardo folgen.
Kartennummer:Edizioni Il Lupo No.13 (Majella 1:25.000); Kümmerley+Frey Nr. 11 (Abruzzen-Molise 1:200.000)

Nach unserer Wanderung auf den Monte_Mileto fanden wir ein wunderbares Nachtplätzchen auf den Prati della Macchia auf etwa 1210 m unterhalb des Passo San Leonardo unter mächtigen, schattenspendenden Bäumen mit Brünnlen - und zwar dort, wo das Sträßlein hinunter nach Pacentro beginnt.

Zum Monte Amaro ist ein früher Start unbedingt zu empfehlen, damit nach 1100 Hm die Forchella di Majella erreicht wird, bevor die Sonne über den Westhang des Amaro kommt und man von ihr gebacken wird. Kurz vor 5 Uhr machen wir uns in der Morgendämmerung auf den Weg - zunächst 1 km auf der Straße nach Süden, bis kurz vor der Fonte di Nunzio (1249 m) ein Wegweiser zur Fonte dell Orso, Val di Fondo und zum Sentiero P1 per Monte Amaro zeigt. Eine kleine Schotterstraße führt bis zum Waldrand, sie geht in einen Bergsteig über, der durch dichten Laubwald in einer Stunde zur Fonte dell Orso (1706 m) leitet. Man folgt immer den reichlichen Wegweisern und Markierungen des Steiges P5, ein Fehlgehen scheint unmöglich.

Die Fonte dell Orso ist ein lieblicher Platz, in für die Abruzzen untypischer Weise scheint sie immer Wasser zu führen - allerdings das Letzte des heutigen Tages. Also nochmals gut tanken, ab jetzt muß der Wasservorrat für den Rest des langen Tages reichen! Kurz oberhalb der Quelle endet der Wald, wir betreten nun auf Weg P4 das steile, zunächst wiesenbewachsene, später steinige Val di Fondo und erreichen nach 30 Minuten den Sentiero P1 per Monte Amaro.

Steiler und weiter, als es aussieht, geht es zur Forchetta di Majella (2390 m) hinauf, zuletzt in Kehren zum weiten Sattel. Wir benötigen für die 400 Hm vom Zusammentreffen unseres Wegs P4 mit dem Hauptweg P1 ziemlich genau 1 Std. - und wie geplant, treten wir erst hier aus dem Schatten der Westflanke in die Sonne hinaus. Hier auf der Majellascharte haben wir zwar über 2/3 des Höhenunterschiedes (nämlich 1100 Hm) geschafft - aber nur die Hälfte der Horizontalentfernung, da wir nun rund 5 km südlich des Monte Amaro am Beginn eines nur sehr sanft ansteigenden Weges stehen.

Jenseits des Sattels geht es leicht abfallend am Rand eines grünen Beckens entlang und danach im Valle di Femmina Morta wieder aufwärts. Eigenartige Landschaft, geprägt von sanfte Formen, und doch irgendwie trostlos, da fast jegliches Grün fehlt. Sie könnte auch auf dem Mond sein, diese karstartige Hochfläche.

Schon seit einiger Zeit ist unser Ziel zu sehen, der Amaro steht als deutlich höchster aller umgebenden Schutthügel in noch erschreckend weiter Ferne vor uns. Immer den Markierungen nach, der Weg führt in einer weiteren Stunde zum Altare dello Stincone (2580 m), einem noch flacheren Sattel (als es die Furchetta Majella ist) südlich des Amaro. Danach geht es leicht bergab, anschließend wird ein Felskopf (2604 m) erklommen - zu dessen Füßen befindet sich, wie ich erst viel später merke, eine Höhle, die Grotta Canosa. Inzwischen schenken wir Attraktionen abseits des Weges nur noch wenig Beachtung, wir wollen nur noch hinauf zu unserem Ziel. Pferdeherden grasen in einer steinigen Mulde - weiter. Noch eine Kuppe, nochmal ein Steinmann, noch eine Markierung ... von Süden quellen einige Wölkchen vom nahegelegenen Mittelmeer herauf ... weiter, weiter, ein Schritt vor den anderen.

Und dann stehen wir droben auf dem Monte Amaro (2793 m), der zweithöchste Punkt des Apennin ist erreicht (wenn man den Gran Sasso mit seinen vielen Türmchen als einen Berg zählt, das ist sicherlich angemessen). Die Aussicht ist wirklich prächtig, wir staunen und erholen uns vom 6-stündigen Aufstieg. Wir dürfen diesen Tag unter außergewöhnlich guten Wetterbedingungen erleben - kein Wölkchen trübt den Sommerhimmel, selbst der Gran Sasso zeigt sich uns zu Ehren unverhüllt, und wenn wir in südlicher Richtung weit, sehr weit über die sanft auslaufenden Apenninenhügel blickt, meinen wir, in großer Ferne jenseits des Mittelmeeres den Nordrand Afrikas zu sehen. Zugegebenermaßen müssen wir schon sehr scharf hingucken ....

Trotz der von allen Seiten langen Zustiege ist der Amaro kein selten bestiegener Berg - etwa 3 Dutzend Bergkameraden stehen heute zusammen mit uns heroben oder begegnen uns später, als wir wieder absteigen. Zu erwähnen ist noch die rostrote Biwakschachtel unmittelbar auf dem Gipfel, es ist dies eine geräumige, futuristische Halbkugel, die mindestens 10 Personen Platz bietet, mit dreistöckigen Lagern bestückt und im übrigen hervorragend in Ordnung gehalten ist.

Bald ist es an der Zeit, wieder abzusteigen; zunächst beabsichtige ich, den westseitigen Steilabstieg hinunter zum Passo San Leonardo in Angriff zu nehmen. Etwa 5 Gehminuten nördlich unterhalb des Amaro-Gipfels finden wir den Einstieg der Direttissima - aber wie schaut das Gelände hier aus! Nach wenigen Metern verliert sich die Spur im Steilschutt des 1000m hohen Riesenhanges, der nach einigen hundert Metern in eine von oben nicht einsehbare Rinne übergeht. Mein Freund weigert sich schlichtweg, hier hinunterzugehen - und er hat recht, das Abenteuer hätte sich wahrscheinlich nicht gelohnt ! Wo im Winter eine für gute Schifahrer supersteile Traumabfahrt lockt (sie ist hier beschrieben), hat man im Sommer bestimmt mindestens einen fetzigen Muskelkater zu beklagen.

So wandern wir denn leicht verdrossen den weiten Weg zur Forchetta di Majella zurück, zur Fonte dell Orso hinunter - und sind letztlich angenehm überrascht, daß wir mit 3 Stunden den Abstieg schneller schaffen, als vermutet. Als wir am Auto ankommen, merken wir, daß wir üppigst Sonne abbekommen haben - unsere Gesichter glühen noch mehr als am Vortag nach dem Monte_Mirente, das Thermometer zeigt während der Heimfahrt spätabends noch 36 Grad an. MEIN Wetter, so mag ich es, da braucht man keine Handschuhe.

P.S. Nachdem Auf- und Abstieg identisch sind, enthält mein GPS-Track nur die Aufstiegsspur bis zum Gipfel - und jenseits wenigstens bis zum Einstieg der Direttissima (wer sie etwa aufsuchen möchte).

Tourengänger: gero


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Geodaten
 11789.gpx Von Westen auf den Monte Amaro

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Kommentare (3)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 10. Juli 2012 um 23:48
das müßte doch auch eine gute SKT sein oder??
sanfte Hänge, weites Gelände.....
eine schöne Tour bei AKW habt's da wieder hingelegt!

VLG aus Monaco, ADI

gero Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. Juli 2012 um 18:25
Genau, der Amaro wurde ja schon sowohl als SKT als auch als SST beschrieben. Für die Abfahrt entlang der steilen Direttissima muß es natürlich absolut schneesicher sein.

VLG aus Nizza vom G

83_Stefan hat gesagt: Hurra,...
Gesendet am 12. Juli 2012 um 12:02
...der gero ist wieder unterwegs! Gratuliere euch zur hochsommerlichen Tour - schade, dass es bei uns derzeit so wechselhaft zur Sache geht.


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