Ruinaulta


Publiziert von lainari , 6. Juli 2012 um 21:17.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum: 1 August 2001
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 365 m
Abstieg: 425 m
Strecke:12,5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto oder Zug der RhB nach Valendas-Sagogn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Zug der RhB von Trin nach Valendas-Sagogn
Kartennummer:1:50.000, Blatt 247T Sardona

Feiertägliche Hitzeschlacht
 
Der Feiertag machte schon am Frühstückstisch auf sich aufmerksam, die Brötchen waren mit kleinen Schweizerfahnen bestückt.
Am Vortag waren wir vor der Wärme an die Oberengadiner Seen geflüchtet, wo der berühmte Maloja-Wind für angenehme Klimatisierung sorgte. Heute hatten wir uns eine kürzere Flusswanderung zurechtgelegt. Mit dem Auto fuhren wir über die rechtsrheinische Oberländerstrasse bis Valendas und auf dem Fahrweg hinunter zur Station Valendas-Sagogn. Am Ufer des Vorderrheins (Rein Anteriur) liefen wir zunächst bis zur Carreratobelmündung. Hier stand ein kleiner Aufstieg bevor, der Wanderweg entfernte sich vom Ufer. Später fiel der Pfad über Schutthalden und Schutzdämme wieder ab. Das helle Gestein reflektierte die Sonne hervorragend und wir bekamen somit Ober- und Unterhitze. Im Verlauf passierten wir die Station Versam-Safien. Wieder am Fluss, gingen wir bis zum Felsriegel der Halbinsel Chrummwag. Oben angekommen, rasteten wir mit guter Aussicht auf die zahlreichen Wassersportler.
 
Auf der Rückseite stiegen wir dann hinunter und liefen zur Bahnbrücke. Wir überquerten den angebauten Fußgängersteg. Groß war das Entsetzen, als wir feststellten, dass der weitere Weg nur über den Hang hinaufführte. Einen Talweg gibt es hier nicht! Mit der Überlegung, dass es doch nur am Fluss entlang geht, waren wir etwas unbedarft gestartet und hatten auf eine Karte verzichtet. Nun denn, auf ging es - 200 hm bei mittlerweile 35° C! Völlig erschöpft taumelten wir nach Pintrun. Eine ungenutzte Viehtränke mit kaltem klarem Bergquellwasser war unsere Rettung. Hut und Brille ab, Kopf rein - uuuaaahhh! Im Schatten von Bäumen kühlten wir uns danach ab. Weiter gehend, liefen wir hinein in die Val Pintrun, auf der anderen Seite hinaus auf Wiesen- und Weidegelände. Von dort hatte man einen schönen Blick auf den Flimserstein (Crap da Flem). Kurz vor Trin Digg passierten wir eine BBB-Höckersperre (GPH Laseaz) mit gut getarnten Infanteriewerken. In Trin-Digg bogen wir auf den Fahrweg zur Station ab und folgten ihm talwärts. An der Station Trin orientierten wir uns zunächst über die Abfahrtszeit des Zuges. Da noch genug Zeit war, lenkten wir unserer Schritte zur Beiz. Zunächst waren wir unsicher ob geöffnet war, im Garten feierte eine Familiengesellschaft. Dann erhob sich eine Frau und bat uns Platz zu nehmen. Auf unseren Wunsch nach einem Getränk bekamen wir eine gekühlte Anderthalbliter-Flasche Rivella aus dem Keller. Damit war uns geholfen, das warme Restwasser im Rucksack konnte unangetastet bleiben. Nachdem später die Frau, eine Familienangehörige der beiden achtzigjährigen Inhaber der Lokalität, den Preis in Erfahrung bringen konnte, zahlten wir und gingen zum Zug. Das Billett war im Zug zu lösen. Der Kondukteur erkundigte sich dreimal nach dem Zielort, nachdem wir unwissend das e betonten. Wir wurden aufgeklärt, dass Valendas jeweils auf dem a betont wird - wieder etwas dazugelernt.
 
Die Überquerung der Chrummwag und ein Teil des Aufstieges nach Pintrun sind mit T2 zu bewerten, die übrige Strecke hat die Kategorie T1.
 
Mit dem Auto fuhren wir von der Station Valendas-Sagogn zurück zum Hotel. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher zur sehenswerten Karolingischen Dreiapsidenkirche St. Peter in Mistail bei Alvaschein. Damit war auch die Kultur nicht zu kurz gekommen.
 
Am Abend begaben wir uns auf den Festplatz am Bahnhof. Es gab Bratwürste und Bier, eine Kapelle spielte. Lokalpolitiker hielten kurze und mit viel Applaus bedachte Reden. Frauen hatten ein Kuchen-Buffet aufgebaut und verkauften Selbstgemachtes. Zur Nationalhymne erhoben wir uns als Erstes, was uns anerkennende Blicke der Hotelchefin einbrachte. Später gab es ein Feuerwerk und auf den umliegenden Bergen wurden Höhenfeuer entzündet. Noch nie hatte ich so einen würdevollen und zugleich ausgelassenen Nationalfeiertag begangen, ein Erlebnis was uns zu Hause in Deutschland verwehrt bleibt.

Tourengänger: lainari


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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Juli 2012 um 20:35
eine herrliche, beeindruckende Gegend - schön, konntet ihr sie "würdigen"; wie auch den, unseren, 1. August!

lg Felix


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