Auf der Höhe bleiben: Grat Silberspitz - Etscherzapfen mit Bonusprogramm


Publiziert von PStraub , 6. Juli 2012 um 09:54.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 5 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SG   Spitzmeilengruppe   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Kartennummer:1154

Man darf dem Wetter des diesjährigen Sommers zumindest das zugute halten: Es ist manchmal auch weit besser als angesagt. So zum Beispiel vorgestern, als ich einen schönen Flug mit meinem Gyro machen konnte (-> Videoclip). Und gestern, wo wir nach meiner Wanderung trotz angesagten Gewittern am Abend noch friedlich auf der Terrasse abendessen konnten.
 
Geplant an dieser Wanderung war eigentlich nur, dass sie im Murgtal beginnen sollte.
Erst unterwegs ist mir in den Sinn gekommen, einen Alternativ-Aufstieg am Silberspitz zu (ver-)suchen. Und auch das (weite!) Weitere hat sich völlig spontan ergeben.
 
Mit dem Auto zum Parkplatz Bachlaui (P. 1238). Dort über die Brücke und dann auf teilweise nicht mehr sehr gut auffindbaren Wegspuren nach Bütz (P. 1589). Das Gelände ist aufgelassenes Weidegebiet und völlig mit Farn überwuchert - nasse Beine sind garantiert. Zwischen dem Farn öffnen da und dort Türkenbund-Lilien ihre Blüten, um sie gleich nach hinten zu rollen.
 
Ab Bütz sollte die Variante gesucht werden. Ich folge in südwestlicher Richtung einer schwachen Wegspur, die geschickt die dortigen Felsbrocken und das Tros umgeht und komme so überraschend einfach nach Ober Bütz und über steiler werdendes Gelände auf den tiefsten Punkt am Grat zwischen Silberspitz und Höchmättli. Fast überall hat es Wegspuren, die Wegfindung ist recht logisch und der Weg führt durch eine wunderbar eindrückliche Landschaft. Die Schwierigkeit erreicht nur ganz oben T4.
 
Einziger Wermutstropfen (mehr zu Wermut hier) sind die Schafe, die dort oben ohne Zäune und ohne Hirtenhunde weiden. 
Ich verstehe die St. Galler Behörden nicht. Wenn selbst Bergkantone wie GL oder GR es schaffen, diesem Unfug Einhalt zu leisten, warum ausgerechnet der reiche Kanton St. Gallen nicht? Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Schafe stehen immer weit oben in ihren Weiden. So fühlen sie sich sicher - 100'000 Jahre Evolution kann man nicht in Kürze wegzüchten. Die Vegetation in dieser Höhe ist jedoch fragil, bei Übernutzung ist da oben schnell alles kaputt und die Wiesen weiter unten verganden trotzdem.
 
Zurück zur Tour: Der Gratrücken wird beim hier erwähnten "Mocken" erreicht. Wie dort vermutet, kann dieser gut überstiegen werden, siehe hier.
Also zuerst hinunter zu P. 2156 und dann hinauf auf den Silberspitz (P. 2236). Nach einer kurzen Pause zum Geniessen der Aussicht wieder via P. 2156 zum Mocken, an dem ich diesmal die Route via Grasband nehme. Hier komme ich auf die Tour-Idee: Alles konsequent auf dem Grat bis über den Etscherzapfen. Also auf der Wasserscheide bezw. Kantonsgrenze zum Höchmättli (P. 2252.1), zur Senke P. 2119, zum Chli Höchmättli (P. 2193) und zu all den Auf- und Abs des Etscherzapfen-Grates. Hier versage ich gleich zweimal. Der grosse Stein in Gratmitte (P. 2210) lässt sich zwar von Osten besteigen, wenn man an die Qualität der Griffe und Tritte keinerlei Ansprüche stellt (knapp T6), aber auf der andern Seite ist er vertikal bis überhängend. Also wieder absteigen und umgehen. Das geht auf beiden Seiten, südlich ist es trockener und hat die schöneren Blumen.
Zweiter Versager ist der letzte Aufschwung P. 2140, dessen Steinmännchen von weitem sichtbar ist. Der lässt sich von Osten auf treppenartig gestuften Tritten gut besteigen (T5), aber die andere Seite ist unglaublich heikel. Brüchiger, schräg nach unten gestufter Verrucano: Das ist nicht eben ein Kletter-Eldorado. 
 
Ab hier gehts quer über die Weiden von Sunnenchamm hinunter zu den Murgseen. 
Sunnenchamm wäre eine schöne, gutgängige Alp. "Wäre", weil sie völlig verkommen ist. Alpenrosen, zur Zeit ja in voller Blüte und daher wunderschön, und all die übrigen Zwergsträuchen sprechen Bände über die Vernachlässigung durch die Bewirtschafter. Und statt dass diese ab und zu eine Sense in die Hand nehmen, spritzen sie dort oben noch Gift!
 
In der Fischerhütte gibts einen 'Hopfenblütentee'. An sich wäre die Wanderung fertig, doch der Tag ist noch jung und der Föhn lässt die Berge in der Umgebung zum Greifen nah erscheinen: Also kurz entschlossen noch eine Schleife dranhängen. 
Die Route 1125 hatte ich schon lange mal im Aufstieg begehen wollen. Von der Hütte betrachtet, sieht sie fast unbegehbar aus. Darum auf dem Wanderweg Richtung Widersteiner Furggel und dann via P. 2013 und P. 2137 zum Einstieg. Die Stöcke wollte ich erst im Rucksack versorgen, wenns richtig steil wird. Doch dazu sollte es nicht kommen - wer den Gamsspuren folgt und auf den Tritten grosszügig (meist nach links) ausweicht, kommt da wirklich leicht und schnell hoch und steht unversehens auf dem Gratrücken. Auf oder am Grat zum Südfuss des Rottors und dort zum Verbindungsgrat zum Bützistock. Zuerst den Rucksack deponiert, nach dem exponierten Grätchen auch die Stöcke, dann hinauf zu Delta's Gipfelbuch, das ich diesmal nicht verpassen wollte. Gute Nachricht: Es ist da. Schlechte Nachricht: Es ist völlig vernässt und löst sich auf. Ich habe zwar den Plastiksack gewendet, weil der aussen trocken war, aber viel helfen wird das wohl nicht ..
Zurück übers Grätchen und noch schnell auf der "Komfortroute" auf das Rottor.
Der nun verstärkt blasende Föhn machte mir den Entschluss einfach: Nur noch hinunter. Eigentlich wollte ich via P. 2235 - Scheien nach Guflen runter, aber einmal hat jeder Mensch genug vom Gestolper in Tros und weglosen Gelände. So bin ich von P. 2235 auf dem Wanderweg abgestiegen und dann via Südufer des kleineren Sees auf die "Strasse". Was immer noch 1000 Meter Abstieg bedeutete .. 
 
Fazit
- Der Aufstieg via Bütz - Ober Bütz auf den Silberspitz ist technisch einfach und landschaftlich sehr lohnend.
- Die Flora dort oben ist zur Zeit derart reich, dass man manchmal fast nicht vorwärts kommt. 

Tourengänger: PStraub


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Kommentare (2)


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Delta Pro hat gesagt: Gipfelbuch
Gesendet am 6. Juli 2012 um 11:06
Danke für die Gipfelbuch-Nachricht. Letztes Jahr sah es noch tiptop aus. Dann muss ich bei Gelegenheit wohl mal ein Neues hochbringen - schade, dass es nur gerade 8 Jahre gemacht hat...
Gruss Delta

PStraub hat gesagt: RE:Gipfelbuch
Gesendet am 6. Juli 2012 um 19:06
Ja, wirklich schade - Platz hätte es darin noch für viele Jahre.
Den Grund konnte ich nicht ausmachen. Die Gamelle war zu, gut gesichert und hat auch keine Blitzlöcher.


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