Gross Litzner (3109 m) & Gross Seehorn (3122 m)


Publiziert von alpinos , 8. Juli 2012 um 20:31.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Tour Datum:29 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Monbiel - Alp Sardasca - Seetalhütte - Unghürboden - Scharte - Winterberg - P. 3060 - Gr. Litzner - Gr. Seehorn - Seegletscher - Seehornscharte - Unghürboden - Seetalhütte - Alp Sardasca - Monbiel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PKW bis Monbiel, gebührenpflichtige Parkplätze; dann weiter bis Alp Sardasca mit dem Bike; Velostall in der Alp.

Einsame Traumtour in der Sivretta

Die für Samstag Nachmittag angekündigte Gewitterfront trieb uns an diesem Wochenende nach Osten ins Silvretta und ließ uns die Überschreitung des Grossen Litzner und des Grossen Seehorn ins Auge fassen. Ursprünglich hatten wir geplant auf dem Unghürboden zu biwakieren; für den Abend waren jedoch Gewitter angekündigt und so zogen wir eine Übernachtung in der Seetalhütte vor.



Freitag, 29.06.2012

Wir nahmen den Freitag Nachmittag frei, und radelten von Monbiel (1291 m) mit schwerem Rucksack den breiten Forstweg bei über 30°C in ca. einer Stunden hinauf zur Alp Sardasca (1646 m). Hier parkierten wir unsere Bikes im 'Velostall' und erfrischten uns an der 'Sirup-Bar', bevor wir in der brütenden Hitze hinauf ins Seetal zur Seetalhütte (2065 m) stiegen (ca. 1h).

Die Hütte wird seit dieser Saison von der SAC Sektion Prättigau betrieben und ist zur Selbstversorgerhütte umfunktioniert worden. Sie besteht aus einem Raum mit 14 Lagerplätzen und Gaskocher/WC im Vorraum, ist vollständig mit Geschirr und Kochutensilien ausgestattet und liebevoll hergerichtet worden. Zu unserser Überaschung waren wir die einzigen Gäste und so genossen wir einen entspannten und gemütlichen Abend vor der Hütte und eine erholsame Nacht.


Samstag, 30.06.2012

Zu früher Stunde um viertel vor vier starten wir in die sternklare Nacht. Dem Wanderweg folgend erreichten wir schnell den Unghürboden (P. 2418). Hier stiessen wir auf recht guten Trittschnee, der den gesamten Talboden und die NW-Hänge des Mittelgrates bedeckte. Der Schnee machte die Wegfindung zwar etwas mühsam und wir orientierten uns v.a. am Winterberg, auf den wir in der beginnenden Morgendämmerung zu hielten. Dann konnten wir jedoch, statt lästigem Schotter, auf angenehmem Firn steil hinauf zur Scharte (2681 m) steigen.

Nun ging's direkt auf dem Grat nach Norden hinüber an den Fuss des SW-Grates des Winterbergs. Über angenehmen Trittschnee stiegen wir in gerader Linie hinauf und erreichten schliesslich durch das Gewirr von grossen Blöcken kurz nach Sonnenaufgang den höchsten Punkt des Winterbergs (2924 m).

Nun folgten wir auf der östlichen Seite dem Grat nach Norden. Statt Geröll auf Platten gab's heute für uns wieder herrlichen Trittschnee. Nur kurz vor dem ausgeprägten Couloir mussten wir etwas heikel über die Platten kraxeln. Wir kletterten das Couloir empor, wechselten auf die Westseite des Grates und erreichten über grosse Blöcke schliesslich das Schneefeld unterhalb P. 3060 (in anderen Jahren ist hier sonst nur Geröll). In wenigen Minuten hatten wir den Vorgipfel entlang des Grates erklommen und konnten unser erstes Tourziel in Augenschein nehmen.

Vom Vorgipfel stiegen wir nach links (westlich) einige Meter ab und traversierten nun auf einem steilen Schneefeld unter P. 3060 und anschliessend auf Platten unter dem ersten Vorturm hindurch an den Fuss des zweiten Vorturms, den wir in leichter Kletterei am oder etwas links des Grates erkletterten. Anschliessend seilten wir ca. 15 m hinab in eine scharf eingeschnittene Scharte.

Nun begann die Kletterei zum Hauptgipfel. Die erste Seillänge (III+) muss ohne feste Sicherungen erklettert werden. Die zweite, wesentlich interessantere Seillänge (III+) ist gut versichert, auch wenn die Sicherungpunkte zwecks Seilreibung mit Schlingen verlängert werden sollten. Schliesslich erkletterten wir in der dritten Seillänge (III+/IV) die spanndende rote Platte, die aus der Entfernung schlimmer aussieht als sie dann tatsächlich ist. Über einfaches Gelände erreichten wir den Gipfel des Grossen Litzners (3109 m; 4h15min Gehzeit; 8:20 Uhr). Wir genossen in vorkommender Einsamkeit unseren Gipfelerfolg und die eindrücklichen Tiefblicke.

Nach ausgiebiger Gipfelrast seilten wir viermal vom Gipfel nach Westen ab (die zweite Abseilstelle kann auch ausgespart werden; wir hatten jedoch keine Lust auf den gerölligen Weg) und erreichten schliesslich über Blöcke, Geröll und Firn das Hohjoch. Über den herrlichen und abwechslungsreichten Blockgrat erklommen wir das Grosse Seehorn (3122 m; ca. 1h30min vom Gr. Litzner; 10:20 Uhr).

Noch immer waren wir keinem anderen Berggänger begegnet, aber wir konnten Stimmen auf dem NW-Grat hören. So machten wir uns bald an die Abseilerei durch die Westflanke des Seehorns. Da wir freie Bahn hatten und uns ins Zeug legten, konnten wir die, nach unserer Zählung, zehn Seillängen (je 15-20 m) hinab auf den Seegletscher in gut einer Stunde bewältigen. Zwei Abseilpunkte waren noch teilweise von Schnee und Eis bedeckt, konnten aber freibekommen werden. Durch guten Trittschnee ging's weitere ca. 100 m steil hinab, bevor wir hinüber zur Seehornscharte (2860 m) traversieren konnten.

Hier fanden wir wiederum guten Trittschnee vor. Wir stiegen ca. 25 m steil (>45°) hinab, bevor es dann in angenehmer Steigung zügig talwärts ging. Über Gras, Geröll, Blöcke und Schnee erreichten wir wieder den Unghürboden, wo wir uns der langen Hosen entledigten. Bald hatten wir die Seetalhütte erreicht, und nach einer kurzen Pause in der Kühle der Hütte brachten wir den Rest des Abstiegs zur Alp Sardasca hinter uns. Die 'Sirup-Bar' liess die Mühen des Abstieges vergessen und die folgende Abfahrt mit den Bikes nach Monbiel war purer Genuss.



Vielen Dank an dieser Stelle an Alpin_Rise und Sputnik für ihre ausführlichen und informativen Berichte (*klick und *klack)

Tourengänger: alpinos


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 11704.gpx Gr.Litzner&Gr.Seehorn

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