Einmal über den Gotthardpass + Pizzo Centrale


Publiziert von TeamMoomin , 27. Mai 2012 um 23:03.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:24 Mai 2012
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT4 - Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-UR   Gruppo Pizzo Centrale   Gruppo Pizzo Lucendro 
Zeitbedarf: 10:30
Aufstieg: 1705 m
Abstieg: 2014 m

An diesen schönen Tag wollte ich etwas machen was mir schon lange im Kopf rumgegeistert ist den Gotthardpass überqueren. Da ich auch schon länger mal den Pizzo Centrale besteigen wollte studierte ich kurz die Karte und kam zum Schluss, dass diese zwei Wünsche eigentlich kombinierbar sein müssten, was zwar einiges an Kilometer und Höhenmeter bedeuten würde aber das wars mir wert. Also auf nach Hospenthal!

Der frühstmögliche Zug von BAsel aus geht knapp um 5 Uhr, also hiess das um 4 Uhr aufstehen nicht so ganz meine Zeit aber was solls ich konnte ja im Zug nachschlafen.

Um 8.45 Uhr kam ich in Hospenthal an wo ich gemütlich mal ein paar Höhenmeter zum warmwerden hinauf zum Gamssteg lief. Hier geht der Weg noch sehr nahe der Strasse entlang, wobei sich der Verkehr aber noch in Grenzen hielt, war der Pass doch erst seit gestern offen.

Vom Gamsteg geht es über eine kleine Hochebene mehr oder weniger geradeaus bis zur Lüftungszentrale Guspisbach wo ich dann den weiteren Aufstiegsweg zum Gotthadpass verlies und nach links ins Tal welches zum Pizzo Centrale führt abbog. Bis hier ist es maximal T2 Gelände, aber sobald mand en Weg verlässt ändert dies.

Um überhaupt aber auf dem alten, auf den neuen Karten nicht mehr markierten, Wanderweg ins Tal hochzukommen muss man zuerst den Fluss überqueren. Dazu musste ich erst mal die Brücke wieder installieren was doch ne ordentliche Portion Schweiss und Gefluche kostete bis das Ding so ausgelegt war wie es sein sollte.Die Brücke befindet sich etwa 20 Meter oberhalb der Lüftungszentrale.

Danach folgt man dem alten Wanderweg im ewigen Zick Zack über die erste Rampe des Tals hoch, ein direktanstieg ist aufgrund der vielen kleinen Bäume, Sträucher etc. nicht wirklich zu empfehlen. Nachdem man die erste Rampe überwundne hat geht es längere Zeit gleichmässig ansteigend bis zu einem riesen Felsklotz ( ca. 2200m). Bis hier hin konnte ich noch gut ohne Schneeschuhe gehen, da die mehr oder weniger geschlossene Schneeschicht gut getragen hat, einzig um die Steine herum sollte man Acht geben wegen Hohlräumen.


Danach taucht man in eine wunderschöne Winterlandschaft ein, welche man dann doch besser mit den Schneeschuhen durchquert, da man teilweise sogar mit diesen extrem einsinkt. Ein früherer Start wäre für diesen Teil sicherlich gut brächte aber das Problem das beim Absteig die Schneefelder eher noch hart sein dürften.

Nun habe ich mich mit den Schneeschuhen bis zum ersten Schotterband welches direkt unterhalb der grossen Rinne zwischen dem Haupt- und Nebengipfel befindet hochgewühlt. Dort machte ich erst mal eine Pause um zu neuen Kräften zu kommen. Für den Gipfelaufstieg lies ich dann alles unnötige zurück, ich nahm nur Moomin, ein Stock und den Pickel hoch. (Im Nachhinein würde ich alles mitnhemen und über den Normalweg absteigen da man so schneller ins gegenüberliegende Tal kommt).

Zuerst ging ich auf dem Schotter weiter empor, bis ich zum Firnfeld gelangte dort ging ich zuerst ins linke Couloir bis ich den die Felsbarriere, welche die beiden Couloirs trennt erreichte da diese gut kletterbar ist (I-II) und ich keine STeigeisen dabei hatte gings auf dieser weiter empor da ich mich so wohler fühlte. Danach in direkter Lini hinauf zum Zwischenpass der beiden Gipfel. Hier folgte ich dem Grat und überkletterte m Schluss noch den kleinen Turm bevor ich zum Gipfel gelangte. Vieleicht wäre es besser den Turm rechts zu umgehen da er zur linken Seite hin extrem ausgesetzt ist und der Stein nicht 100% fest.
Mann könnte auch direkt von unten im rechten Firnfeld bis zum Gipfel hoch, da dieses aber vorallem im oberen Teil sehr steil ist und der Schnee schon sehr sulzig war erschein mir das als zu heikel.

Auf dem Gipfel erwartete uns ein super Panorama, obwohl es Richtung Bern etwas Wolkenverhangen war, trotzdem eindrücklich! Ich und Moomin genossen dann auch eine schöne Gipfelrast und trugen uns auch ins Gipfelbuch ein, wobei wir merkten, dass seit dem März niemand mehr oben gewesen war.

Da die Turmkletterei oder der erste sehr steile Firnteil für den Abstieg beides ungeeignet erschien wählte ich den Felskamm welcher von unten gesehen rechts des Firns war, wobei ich da beim Abstieg bemerkte dass dieser sich auch als Aufstiegesroute mit schöner Blockkletterei im I kurze Stellen II Grad bewegte ebenfalls geeignet hätte.

Unten beim Material angekommen trank ich kurz etwas bevor ih mich aufmachte den Kamm zwischen Gamsspitze und Sellabödeli zu überschreiten was mit einer einfachen diagonalen Querung des Hangs gut machbar ist. Dann ging ich bis kurz vor dem Aufschwung zum Sellabödeli bevor ich dort nach links immer dem Gefühl nach zum Lago della Sella abstieg.

Die anschliessende Querung zum Stausee in der Flanke war noch recht tricky und der Schnee teilweise sehr hart und rutschig, hier wäre ein Abrutschen nicht anzuraten da unten schöne dunkelblaue Löcher im Eis des Sees gierig darauf warten einen zu "verschlucken".

Nachdem ich den Stausee erreicht hatte gings immer mehr oder weniger der Strasse entlang zum Gotthardpass. Dort hatte es einen klugen Tessiner der Bratwürste und diverse Mineralgetränke an all die Radfahrer etc. verkaufte welche den Pass nach der Eröffnung besuchen wollte. Auch ich kaufte überglücklich 3x einen halben Liter Rivella zu restaurantpreisen, was mir aber bei meinem Durst herzlich egal war.

Danach gings der alten Strasse entlang nach Airolo hinunter, was sich wirklich als sehr schöne Sepentinenwanderung herausstellte halt genau so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, und da es teilweise noch Schneefelder hatte konnte man immer wieder kleine Rutsch-Abkürzungen nehmen.

In Airolo angekommen war ich dann doch etwas fertig aber dies spielte Angesichts der super Tour welche ich erleben durfte absolut keine Rolle. Glücklich stieg ich in den Zug ein und betrat nach insgesamt 20 Stunden Unterwegssein wieder meine Wohnung.

Fazit: EIne super tolle Tour welche einen schönen Aussichtsberg und einen wahrlich schönen geschichtsträchtigen Pass verbindet. Idealerweise sollte man aber früher als ich starten damit der Schnee beim Aufstieg zum Pizzo Centrale nicht so stark aufgesulzt ist. Und beim Couloir hinauf sollte die Lwainensituation immer kritisch betrachtet werden da es echt Steil ist! Im Februar/März wäre das ganze bei genügend Erfahrung sigar als Skitour zu machen. Jedem mit den entsprechenden Voraussetzungen nur zu empfehlen!

P.S. Diese Tour widme ich wie das Jahr zuvor Lord Eiterbacke möge er im Sommerland friedlich ruhen!




Tourengänger: TeamMoomin


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Kommentare (1)


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maawaa Pro hat gesagt: Schön !
Gesendet am 28. Mai 2012 um 15:08
Wow, eine ambitionierte Tour hast Du da gemacht - die Bilder sprechen für sich, sehr schön !

Grüsse, Marco


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