Pass d'Ela und Fuorcla da Tschitta


Publiziert von lainari , 14. Mai 2012 um 21:23.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Albulatal
Tour Datum:21 August 1998
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1920 m
Abstieg: 1470 m
Strecke:21 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto oder Zug der RhB nach Bergün
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Zug der RhB Preda-Bergün
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel-Restorant Piz Ela in Bergün
Kartennummer:1:50.000, Blatt 258T Bergün

Rund um den Piz Ela
 
1998 waren wir im Sommer unterwegs. Mein Kumpel und ich waren in Bergün im ersten Haus am Platz abgestiegen. Das hatte gerade einen Betreiberwechsel hinter sich, alle Prospekte waren mit einem neuen Namen überstempelt. Vielleicht waren es Anfangsschwierigkeiten, aber das Angebot ließ zu wünschen übrig. Das Frühstück à discrétion bestand aus einem Gipfeli, einer Portion Butter oder Margarine und einem Portionsdöschen Marmelade. Kaffee wurde im Vorbeigehen aus der Thermoskanne eingeschenkt. Als wir vorsichtig äußerten, noch nicht satt zu sein, wurde restliches Weißbrot aus den Brotkörbchen des Vorabends eingesammelt, dazu gab es eine weitere Portion Butter und zwei(!) Döschen Marmelade. Dann nahmen wir die zwei Lunchboxen in Empfang, die wir unvorsichtigerweise am Vorabend für einen satten Aufpreis geordert hatten. Über den Inhalt berichte ich später. Am Tag zuvor hatten wir nach einer touristischen Rundfahrt vor der Informationstafel im Ort gestanden, zum Piz Ela hinaufgeschaut, einen Weg um ihn herum auf dem Plan ausgemacht und beschlossen, dass das etwas für uns wäre. Geschwind hatten wir noch eine Wanderkarte gekauft. Nach dem morgendlichen Frühstück wurde der Rucksack gepackt und wir starteten.
 
In Bergün/Bravuogn ging es vorbei an der Sägerei. Über eine Bergwiese, in den Schutzwald hinein und steil ansteigend, teilweise über Geröll und Rutschungshänge liefen wir hinauf. Oberhalb der Baumgrenze durchstiegen wir das Wiesental Uglix und kamen auf einen Höhenrücken (2385 m). Dieser überraschte uns, hatten wir ihn doch beim Kartenstudium einfach übersehen. Der Himmel war bedeckt und es waren höchstens einzelne lokale Schauer in Aussicht gestellt. In der Luft war aber bereits eine hohe Feuchtigkeit und Nebelfetzen zogen herum. Durch einen hindurch sahen wir plötzlich mehrere Gemsen, die unseren Weg kreuzten. Wir liefen hinunter zur Ela- Hütte/Chamonas d'Ela. Hier legten wir eine längere Rast ein, erkundeten den Inhalt der Lunchboxen. Der ernüchterte uns. Neben einem Sandwich beinhalteten sie eine braune Banane, einen Apfel, einen Trinkjoghurt in homöopathischer Dosis, ein Fläschchen Wasser und einen Ovomaltine-Riegel. Wir aßen etwas davon und setzten unseren Weg fort. Ein steiler Anstieg führte über Geröllfelder und feinen Schutt zum Ela- Pass/Pass d'Ela. Mittlerweile hatte ich arge Probleme bekommen, klagte über Kopfschmerz, Müdigkeit und Hungergefühl. Wahrscheinlichste Ursache waren fehlende Höhenanpassung und Mineralstoffmangel. Ich spülte den staubtrockenen Ovo-Riegel mit viel Wasser hinunter, das wir glücklicherweise ausreichend mitgenommen hatten. Nun spielte uns auch das Wetter einen Streich, es wurde feuchtkalt bei etwa 5° C und windig. Beim Abmarsch im Tal waren es noch über 20° C gewesen. Wir mussten unsere warmen Sachen anziehen, was ein neues Problem schaffte. Wir waren nur mit einem Rucksack unterwegs, den wir abwechselnd trugen. Dieser war ein altes Militärmodell ohne Tragegestell am Rücken, so hatten wir die Kleidung zum Polstern der unförmigen Lunchboxen verwendet. Das fiel nun weg. Wir gaben die Reste der Verpflegung in eine Kiste und steckten die leere mit ihr zusammen, das verringerte wenigstens das Volumen.
 
Wir stiegen zur Hochfläche Laiets hinunter und passierten den Lai Grond. Oberhalb am Hang sahen wir von Weitem prächtige Steinböcke, die in erhabener Pose auf uns herabblickten (Gian und Giachen?). So langsam hatte sich jetzt auch mein Befinden gebessert. Über feinen Schutt erreichten wir die Fuorcla da Tschitta. Hier begann es leicht zu regnen. Ein steiler Abstieg brachte uns in die Val Tschitta, die Feuchtigkeit machte die Angelegenheit etwas heikel. Über die Alpweiden der Val Mulix, wo sich ab und an Murmeltiere zeigten und später durch Wald liefen wir steil hinunter nach Naz. Mein Kumpel war erfreut, als wir den Talboden erreicht hatten, meldeten sich doch bei ihm während des Abstieges Knieprobleme. Sanft steigend gelangten wir anschließend zum Bahnhof Preda. Hier nahm uns ein RhB-Zug auf, mit dem wir zurück nach Bergün fuhren. In Bergün luden wir im Hotel den Rucksack ab und begaben uns ohne Umschweife zum Essen. Am a la carte-Angebot des Restorant gab es im Gegensatz zum spartanischen Frühstück nichts auszusetzen. Ich orderte einen insalate gigante und eine große Pizza. Die Bedienung fragte besorgt nach, ob die Wahl wohlüberlegt sei, weil die Pizza das Ausmaß eines Wagenrades aufweise - ja die Wahl war wohlüberlegt! Dazu nahmen wir pro Nase eine große Cola, gemeinsam anderthalb Liter Mineralwasser und eine Flasche Rotwein. Als aufgezehrt und ausgetrunken war, stellten wir unter den immer noch besorgten Blicken der Kellnerin die Betriebsstoffzufuhr ein. Nach der anschließenden Dusche war ein wesentlicher Teil unseres Menschwerdungsprozesses abgeschlossen. Danach fielen wir in einen tiefen Schlaf.
 
Wir konstatierten später, dass die Tour eine wundervolle Runde sei, die man aber besser nicht am ersten Wandertag des Urlaubes unternehmen sollte, sondern nach einer gewissen Eingewöhnung. Auf Grund der längeren Gehdauer sollte auch die Wetterprognose sorgfältig geprüft werden.

Tourengänger: lainari


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