Winterbesteigung Mt. Fuji (Fuji-san) 3776m


Publiziert von MicheleK , 10. Dezember 2007 um 01:46.

Region: Welt » Japan
Tour Datum:24 November 2007
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: J 
Zeitbedarf: 2 Tage 11:00
Aufstieg: 2470 m
Abstieg: 1670 m
Strecke:Umagaeshi - Sato Goya - Mt Fuji Crater Rim - Mt Fuji Weather Station 3776m - Sato Goya 2230m - Kawaguchiko 5th Station 2100m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Train Start in Tokyo Shiniuku Train Station to Otsuki (1.15h) - Change in Otsuki - Train to FujiYochida City (45min) - Taxi from Fujiyochida Train Station to UMAGAESHI (20min) http://www.hyperdia.com/cgi-english/hyperWeb.cgi
Zufahrt zum Ankunftspunkt:By car, by bus http://www.fujikyu.co.jp/bus2/jikokuhyo/hikingbus_MtF5th_Kawaguchiko.htm
Unterkunftmöglichkeiten:Sato-Goya Mountain Hut (the only Hut open in Winter). http://www.city.fujiyoshida.yamanashi.jp/div/english/html/lodging.html

Die Besteigung  des höchsten und heiligsten aller Berge in Japan bietet ein aussergewöhnliches Erlebniss. Das Bild vom Mt. Fuji ist Japans Wahrzeichen und ist überall zu finden. Dessen Winterbesteigung, fern von den Massen die im Sommer den Berg bestürmen, mit Uebernachtung in einer Japanischen Berghütte, ist ein Leckerbissen. Hier der Beschrieb dieses modern-globalen Abenteuers.

Planung

Nicht einfach wenn man wenig Zeit zur Verfügung hat. Alle Englischen Seiten im Netz beziehen sich auf Sommerunternehmungen und diejenigen die von Winterbesteigungen berichten raten dringend davon ab, es sei lebensgegährlich !! Dies ist so da sonst effektiv Leute mit Turnschuhen und K-way am Berg aufkreuzen. Anscheinen kommt es hier immer wieder zu Unfällen wegen mangelnder Ausrüstung.

Ich hatte Glück und habe im Netz so ziemlich die einzige Berichterstattung zu einer Winterbesteigung auf Englisch gefunden und mich im Detail erkundigen können. Marco lebt seit 2 Jahren in Tokyo und ist den Berg u.a. schon einige Male von ganz unten hochgejoggt !! Danke Marco ! ohne deine Tipps, Links und genauen (Zeit)Beschrieb wäre die Tour gar nicht möglich gewesen. HIER ist seine WEBSITE, zu empfelen fuer alle die in Japan was unternehmen wollen.

Somit konnte ich auch Hütte, Trail, Zugverbindungen ausfindig machen. Die meisten Sites sind auf Japanisch; viele Japaner sind angefressene Alpinisten und Berggänger und ich bin sicher es gibt Hikr - ähnliche Sites; and die kommen wir Europäer aber nicht ran ! Also ab mit den Eisen (übrigens auf Japanisch "Eisen" !), die Gamaschen, den Pickel, Stöcke, usw in den (Zusatz) koffer. Im anderen den Businessanzug (hehe...). Mit Marc habe ich um 12 Uhr am 24.11 in der Shiniuku Station in Tokyo abgemacht.  

Anreise

Nach 12h Flug von London nach Osaka und mit dem Bullettrain in Tokyo am Vorabend angekommen befand ich mich pünktlich um 12Uhr mittags an der Shiniuku Station. Mit Rucksack, Raichle GTX, Pickel, Stöcke und hatte sogar die Schneeschuhe dabei (LOL). Und war sozusagen der einzige Westler. Nun realisierte ich, dass ein Treffen am Bahnhof nicht so trivial ist - es gibt nähmlich keinen "Treffpunkt" wie am HB oder wie in Victoria Station !! sondern dieser Bahnhof ist, wie alle Bahnhöfe im Moloch Tokyo absolut RIESIG, hat ca 10 verschiedene Ausgänge und 10 Tausende von Leuten an einem Samstag Mittag. Zum Glück kann man in Japan Cellphones mieten: die unserigen funktionieren nähmlich dort nicht ! und so trafen MArc und ich uns trotzdem pünktlich am South Exit - Marc ist 1.90m gross und überragte die Masse um einiges...   

Nachdem wirdiesmal Marcs Businessanzug eingestellt haben (hehe) - er kam schliesslich direkt vom Narita Int Flughafen mit Rucksack und Pickel.... haben wir knapp den 12:30 Zug erwischt und sind ins wunderschön herbstliche und hügelige Otsuki gefahren (1.5h). Wir waren so ziemlich in Jetlag Trance, war es doch für unseren Körper gerade 3 Uhr Nachts...

In Otsuki haben wir gross gestaunt und lange gelacht als wir die rotweisse Kopie der Gotthard Matterhorn (!!!!!) Fujiqu Bahn sahen und darauf umstiegen. Es ist wie bei uns, eine eingleisige Schmalspurbahn ! Auf dem Bahnsteig, inmitten der Warteschlangen vor der Zugtüre, fanden sich schon einige sportlich bekleidete Menschen - aber weiterhin waren wir weit und breit die einzigen mit Bergausrüstung bestückten und zudem..ziemlich Schweizerisch aussehend. Wir haben dann immer gesagt - "We Switzerland" usw und die Antwort war - "ooooooo hai hai !!". Die Bentoooo-la-la-laaa Verkäuferin war der absolute Hammer. Nach ca. 40 minuten Bähnli sind wir in Fuji-jochida angelangt, die 50'000 Stadt am Fusse des Mt Fuji. Mittlerweilen hatten wir auch seine dominante Form im Abendlicht erspäht. Dort sind wir dann direkt mit dem Taxi (15min, 3000 Y) nach Umagaeshi (jap "dort wo die Pferde umkehren") gefahren, wo der heilige Trail startet. Es war 3.30Uhr (für uns 6 Uhr morgens).

Besteigung

Tag 1:

An verlassenen Shinto Schreinen und verfallenen Holzhütten (Stations) vorbei inmitten eines mystischen Waldes mit Uralten Affenskulpturen und japanischen Inschriften steigt der breite Weg, ähnlich eines alten Säumerweges von 1300m bis auf 2200m zur Sato-Goya (jap. "die Stadt von Herrn Sato") Hütte. Hin und wieder treffen wir auf ältere und jüngere Bergsteiger, mit Helm, Pickel usw auf dem Rückweg. Immer wieder werden wir gestikulierend und auf japanisch angesprochen und einer sogar sagte was von Sato-san (Herrn Sato) und berichtete vom Gipfel (summit summit ... ). Eine absolut geniale LOCAL Sache. Dabei, beim Aussehen der Hütten, welches gegen oben immer schlechter wurde, kamen uns Zweifel, wie die Sato Hütte wohl aussehen würde. Mittlerweilen war es Dunkel geworden und als wir endlich die Lichter der Hütte weiter oben sahen waren wir schon etwas froh dass es die Hütte auch wirklich gab und sie offen war ! Ein bisschen Trance-mässig eben, in Japan am höchsten Vulkan der Insel.

Die Übernachtung in der Sato Hut (2200m) war ein einmaliges Erlebniss: Natürlich wir die einzigen Westler, waren alle anderen Gäste japanische Berggänger älteren Datums. Wir erfuhren, ein Paar davon mit Himalaya Erfahrung, auffällig viele hatten die Schweiz bereist (im Car natürlich, einer sogar auf Hochzeitsreise ! hehe). Die leute sind, wie wir z. T., Ausrüstungsfreaks. Und nochmals: die besten Marken dort sind Mammut, Raichle, Grivel usw.  Das Essen und die Umgebung waren einmalig. Schlafen im Massenlager, wie beim SAC mit Duvets, nur ungeheizt. es gab deshalb für jeden Jumbobettflaschen welceh uns sehr warm gegeben haben. Um Mitternacht sind dann Marco und Yukio auch (von Tokyo mit dem letzten Zug kommend) angekommen. Marc schlief innerhalb von 15 Sekunden ein !!

Tag 2:

UM 5.30Uhr Tagwache und Japanisches Frühstück inkl. schleimige fermentierte Sojabohnen (jap. Natto), Fisch, Misosuppe und Reis. Wir sind um 6.30Uhr aufgebrochen. Vorbei an futuristischen Lavinenverbauungen auf dem Autobahnweg hoch an den verschiedenen Stationen vorbei. Die bergflanke ist mit kleinen gebäuden bis auf ca 3400m bestückt so dass man das Gefühl hat auf einem Sonntagsspaziergang zu sein. Aber die Höhe macht sich natürlich ab ca 3000m bemerkbar, insbesondere mit dem Jetlag vermischt. Ab 3100m ziehen wir die Steigeisen an da der weg Steil wird. Der Anstieg ist von der absolut regelmaässigne Bergflanke geprägt under schwarzen oder roten Lava , und ich träume vom runter Skifahren - ein einziger Traumhang mit 1700 Höhenmeter !! Immer wieder treffen wir auf Bergsteiger - viele Japaner mit Helm, andere mit sicherungsmittel und Seil und wudern uns wo die überhaupt benutzt werden ? die Bedingungen sing OPTIMAL, keine Wolke am Himmel, Steinschlag ist unwahrscheinlich und der Fuji ist ein Wanderberg !! Gegen oben im letzten steilen Schneefeld kommen wir beide doch noch ins Schnaufen -  die Höhe macht sich bemerkbar aber die Aussicht ist atemberaubend ! Oben angelangt, obwohl man sich jetzt gewohnt ist, nochmals hässliche "Stations".

Wir umrunden den Krater 360 Grad in ca. 1h,  inkl. einem Besuch der ufomässigen Wetterstation am höchsten Punkt. Der Tiefblick bis zum Meer runter ist phantastisch. Eine perfekte Kegelform. Die Südflanke lockt und sieht um einiges wilder als die Nordseite aus. Japaner sagen uns das diese Steinschlag gefährdet sei - sollte aber im Winter weniger ein Problem sein. Im Sommer sind Besteigungen ausserhalb der Route fast unmöglich wegen dem feinen LavaGeröll.

Nachdem wir auf dem "Gipfel" Bündnerfleisch und Migroskäse (danke Marc !!) gegessen haben (hehe) sind wir schnellstens, auf fast gleichem Wege über die Nordflanke in ca. 3h wieder runter gelaufen zur Sato-Hut.

Beim Abstieg haben wir 2 Skifahretr gesichtet die Sich zwischen den Lavasteinen unschön (z. T. rutschend...) nach unten kämpften. Im März/April soll es anscheinen viele Skifahrer und Snöber geben. Es muss der Hammer sein, falls die Schneebedingungen stimmen und es nicht allzu eisig ist. 

Von der Sato Hut sind wir rüber zur 5 Station von kawaguchiko gewandert (30min). Dort gibts Hotels, Parkplätze und Busverbindungen ins Tal. per Anhlter nach Ortsuki und mit dem Zug gleichentags noch über Tokyo nach Kyoto.

In völliger Trance sind wir in Kyoto mit dem letzten Zug um 23.15h angelangt.

Es war ein super Erlebniss - und erst der Anfang, aber das Highlight, einer genialen Woche Japan.

Tour mit Marc gegangen. Leider musten wir uns, wegen unterschiedlichen Tempos, von Marco und Yukio trennen, so dass wir noch auf den Zug konnten.  Volle Hochtourenausrüstung ist notwendig (Pickel, Steigeisen usw). Wegen der rel. grossen Höhe nicht zu unterschätzen. Wir hatten zwar Idealbedingungen. Ansonsten sind hier im Winter regelmässig 80 Kmh starke Windböen in ungeschütztem Gelände zu erwarten ! Kann auch in einem Tag gemacht werden von/zu der 5th station Kafaguchiko. Übernachten am Berg ist aber viel interessanter.


Tourengänger: MicheleK

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Kommentare (7)


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Agung hat gesagt: Sato Hut?
Gesendet am 21. September 2009 um 21:50
Hi Michele,
Wo befindet sich die Sato Hut genau? Direkt bei der fünften Station? Siehe Link. Und war bei euch die Strasse und der Busbetrieb bis zur 5. Station noch offen? (Ich plane eine "Winterbesteigung" Mitte Oktober). Danke für deine Antwort und beste Grüsse
Agung

MicheleK hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 22. September 2009 um 09:36
Ciao Agung
Die Sato Hut ist ein "must" und vermittelt echtes Japan Alpinfeeling. Sie befindet sich ca. 30min von der 5th Station etwa 50 Hm hoeher gelegen. Vom Parkplatz bei der 5th Station gehts an den Gebaeuden/Hotels vorbei und weiter horizontal auf einer breiten Schotterstrasse.

Sehr zu empfelen, wenn du Zeit hast ist der Aufstieg ueber den Pilgerweg ausgehend von Umagaeshi. Von Fuyiyochida Station mit dem Taxi 20min bi Umagaeshi.

Die Strasse zur 5th Station ist normalerweise im Oktober noch offen, falls nicht schon Schnee liegt. Busse fahren normalerweise bis ende November.
Hier eine treffliche website
http://www.city.fujiyoshida.yamanashi.jp/div/english/html/index.html
Bist du mit dem Auto unterwegs oder OeV?

Gruss und enjoy !
Michele

Agung hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 22. September 2009 um 22:33
Danke für die Infos und Kompliment übrigens für den super Bericht. So wie ich das verstanden habe liegt die Hütte also etwa hier? Unterwegs wären wir mit ÖV. Da ist der Bus natürlich eine praktische Option, obwohl die Bahn natürlich auch ihren Reiz hat (zudem man ja den Rail Pass herausschlagen muss;-)
Gruss Agung

MicheleK hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 23. September 2009 um 23:53
Genau da. Dies ist Sato Goya oder "Die Stadt Sato's", Herr Sato ist naemlich der Huettenwart.

Von Norden her siehts du im Wald schwach erkennbar der Pilgerweg aufsteigend von Umagaeshi und isloierte mystische alte Stations im Wald.

Der Weg von der 5th Station und ab Huette ist nicht zu verfehlen. Wir haben den Krater im Gegenuhrzeigersinn umrundet und sind dann ueber die Abstiegsroute abgestiegen (es gibt eben eine solche, da im Sommer 1000e taeglich hoch gehen, und man so Gegenverkehr vermeiden kann :-). Im Winter aber no Problem, bei uns waren sowieso nur etwa ein Dutzend Bergsteiger am Berg unterwegs, obwohl wir Hammerwetter hatten.

Eine Alternative waere auch im Zelt auf ca. 3000m zu biwakieren, dies gewaehrt ein Hammersonnenaufgang.

Die Bedingungen waren bei uns ideal. Bei Wind oder Sturm sollte man aufpassen: die Flanke ist zwar nur 30-35 Grad aber bietet absolut keinen Schutz vor Sturmboeen und es heisst es hat schon Leute aus der Flanke geblasen...

Enjoy !
Schoene Gruesse.
Michele

MicheleK hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 24. September 2009 um 00:07
Ah und falls du local infos brauchst schau hier nach. Marco lebt in Tokyo, ist Maratonlaeufer und ist schon ein gutes Dutzend Mal oen gewesen, auch im Winter oder joggend von Meereshoehe !! er spricht fliessend Japanisch uns ist sehr hilfreich. Ich hatte in im Vorfeld kontaktiert und er konnte z. Bsp bestatetigen dass die Huette auch wirklich offen hatte.sag ihm einenen schoenen Gruss von Michele aus Zuerich/London.

Agung hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 14. November 2009 um 22:30
Hallo Michele
Danke nochmals für die äusserst hilfreichen Infos. Leider hats mit dem Gipfelsturm nicht geklappt. Wir haben vor Ort noch in die Hütte angerufen und erfahren, dass sie gerade umgebaut wird. Eine Übernachtung wäre zwar möglich gewesen, aber zur Verpflegung wäre nur eine Mikrowelle zur Verfügung gestanden. Zudem waren die Verhältnisse nicht gerade optimal (Neuschnee und starker Wind). So haben wirs dann sein lassen und mit dem Nantai-san einen kleineren, aber ebenfalls touristischen Berg als Ersatz ausgesucht (auf dem waren leider keine Steigeisen und Handschuhe vonnöten;-). Maybe next time...
Herzliche Grüsse
Agung

MicheleK hat gesagt: RE:Sato Hut?
Gesendet am 16. November 2009 um 09:18
Hallo Agung,
schade das es nicht geklappt hat aber sicher die richtige Entscheidung. Gerade bei starkem Wind waeren die Bedingungen alles andere als optimal, ist man in der Flanke doch weitgehend schutzlos den Elementen ausgesetzt.

Ich bin froh das ihr dennoch einen schoenen Berg besteigen konntet; der Fuji-san laeuft ja nicht weg und Japan ist eh ein lohnendes Ziel und immer eine Reise wert !

Schoene Gruesse.
Michele


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