Grenzchopf mit Abfahrt über Tierwies-Musfallen


Publiziert von ossi , 2. April 2012 um 17:44.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:27 März 2012
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Ski Schwierigkeit: SS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AR   CH-SG 
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 900 m
Strecke:Schwägalp-Tierwies-Grenzchopf-Tierwies-Schwägalp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:P auf der Schwägalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Kartennummer:1:25000 Säntis

Nicht zwingend ideales Skigelände- der schüchterne Blick von der Beiz hinauf in die Nordwestflanke unter der Tierwies verspricht keineswegs grosszügiges Schwingen. Aufmerksame Beobachter erkennen aber bald, dass mindestens theoretisch eine Abfahrt möglich ist: Schneeband folgt auf Schneeband, eine Flanke löst nahtlos die nächste ab. Zuletzt - und dies funktioniert wohl nur in schneereichen Wintern- erlauben die Musfallen ein "couloireskes" Hinabschweben auf die sanften, gleichmässig geneigten Hänge über der Schwägalp.   

Allgemeines: 500HM Nordwand bei -abgesehen von wenigen Stellen- mindestens 45° Hangneigung: Die Felle könnte man am Einstieg zur Musfallen abziehen. Die Flanke bietet neben offenen Steilhängen auch Couloirs, alle Geländeabschnitte brechen früher oder später in einer Felswand ab. Die Musfallen -gleich am Einstieg in die Wand- muss für eine Begehung gut eingeschneit sein. Sie ist zwar sehr schmal und steil, lässt sich bei guten Verhältnissen aber ordentlich befahren bzw. abrutschen. Im mittleren und oberen Teil sind die Hänge offen und im Gegensatz zur Musfallen ausgesetzt. Im mittleren Wandteil sind einige Passagen nicht ganz so steil wie in der Musfallen, die oberen 200 HM erreichen im Mittel knapp 50° (47°-52°).

Neben der Beurteilung der Lawinengefahr spielt in diesem Gelände die Einschätzung der Schneeverhältnisse eine grosse Rolle: Auf 500 HM sind verschiedene Verhältnisse zu erwarten, was naturgemäss unterschiedliche Anforderungen vor allem an die Abfahrt stellt.

Aufstieg: Über die Almhänge zum Wandfuss, wo der Wanderweg durch die Musfallen führt. Erfreulicherweise ist der Sommerweg in dieser Passage bereits aper und wir bewältigen die ersten Steilstufen über die Wanderroute. Wir erhalten eindrückliche Einblicke ins Couloir der Musfallen und dazu die Einsicht, dass man hier -im Gegensatz zu den Hängen weiter oben- im Falle eines Sturzes nicht unbedingt stirbt.

Ein Stück nach der Musfallen queren wir leicht ansteigend auf ca. 1880, M.ü.M, wo im Sommer die lange Querung unter dem Felsband zum Ellenbogen beginnt. Anstatt diese Querung zu vollziehen, steigen wir direkt in der Fallinie zum Gasthaus Tierweis auf, kurz vor der Tierwies leicht links haltend um ein Felsgebilde herum.

Den Grenzchopf erreichen wir in bestem Firn ziemlich direkt dem Grat entlang, einige Male weichen wir in die Südflanke aus (ca. WS). Der Grenzchopfgipfel bietet eine hervorragende Aussicht, die wir angesichts bevorstehender Abenteuer irgendwie nicht so ganz hundertprozentig geniessen.

Abfahrt: Vom Grenzchopf über wunderschöne Firnhänge zur Tierwies. Der erste Blick in die Nordflanke ist nicht gerade ermutigend: Das Gelände schaut von oben aus wie eine Grosschanze, eine Landung in Frau Meiers Caramelchöpfli in der Gartenbeiz auf der Schwägalp scheint möglich. Wir rutschen erst vorsichtig ab, riskieren aber bald die ersten Schwünge. Angesichts der kompakten Verhältnisse bleiben wir im oberen Wanddrittel sehr vorsichtig, die Querung lässt sich dann etwas entspannter angehen. Im mittleren Teil finden wir pickelharten Schnee vor, der aber sehr griffig und damit ausgezeichnet zu fahren ist. Die Abfahrt macht in diesem Streckenteil einige Schwünge lang Spass. Auch in der Musfallen ist der Schnee hart und griffig und nach einigen Manövern, kurzen Schwüngen und längeren Rutschpassagen gelangen wir in die sensationell aufgefirnten Almhänge über der Schwägalp.


 
Eine sensationelle Tour mit einem wunderbaren Partner. Ich war einfach nur glücklich.

Tourengänger: ossi


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Kommentare (6)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 2. April 2012 um 17:49
Verruckti Cheibe! :-) Gratuliere zu dere grandiose Idee und natürli vor allem zur Durchfüehrig! Chapeau, siidefin und hardcore zugleich! :-)

Cheers
Bombo

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. April 2012 um 18:00
Da kann man wirklich nur staunend den Hut ziehen.

Das Abenteuer und die (humoristische) Berichterstattung verdienen einen Oscar.

Grüße
alpstein




bidi35 hat gesagt: Hut ab...
Gesendet am 2. April 2012 um 18:34
...ihr "Spassvögel"......

TeamMoomin hat gesagt:
Gesendet am 2. April 2012 um 20:05
Welche eine Tour im Alpstein, da kann man echt nur noch staunen. Chapeau für diese Nerven!

Grüsse

Oli und Moomin

Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 2. April 2012 um 21:38
meine Hochachtung, scheinbar geht im Alpstein immer was außergewöhnliches

Salü Dolmar

ossi hat gesagt: besser Helm als Hut
Gesendet am 3. April 2012 um 14:28
Danke Euch. Dolmar: nächstes Jahr gemeinsam die Gamsberg Nordflanke...........autsch.


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