Monte Rosa - entspanntes 4000er-Gipfel-Sammeln


Publiziert von mabon , 2. März 2012 um 20:46.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:19 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 6 Tage
Aufstieg: 2950 m
Abstieg: 2950 m

Im Juli 2009 war es soweit: Die magische 4000er-Marke sollte überschritten werden. In sechs Tagen ging es immerhin auf acht Gipfel, die jenseits besagter Höhe liegen. Mehr Gipfel waren leider nicht drin, weil das Wetter an manchen Tagen mit Schneestürmen und extremen Winden einen Aufstieg unmöglich machte. Und klar: Anfangs ging es auf den Anfängergipfel für 4000er-Neulinge: das Breithorn, das einen äußerst anregenden Tiefblick auf den Gornergletscher bietet.

An den ersten beiden Tagen war die Gewöhnung an die extreme Höhe ganz in Ordnung und zu Beginn des zweiten Tages verschwand auch das Kopfweh. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir nach dem Erreichen der jeweiligen Gipfel immer gut 1000 Meter zu einer der in der Nähe liegenden Hütten abstiegen, was dann gleichbedeutend mit mehr Sauerstoff war. Interessant auch, dass auf dieser Höhe Feuerzeuge nur noch eingeschränkt funktionieren.

Einzig die Übernachtung auf der Rifugio Regina Margherita war dann doch etwas krass. Im höchstgelegenen Gebäude Europas (4554 m) schläft es sich sehr unruhig. Die extreme Höhe macht einem zu schaffen. Neben mir im Schlafraum lagen drei Iren, die versuchten, ihre Schlaflosigkeit mit Alkohol zu bekämpfen; vergebens. Einer aus dem Trio erzählte mir, sein Schlafsack habe sich vor einigen Stunden vom Rucksack gelöst. "Now it lies down in Italy", war sein trockener Kommentar. :-) Manche Streckenabschnitte verlaufen genau auf der schweizerisch-italienischen Grenze. 

Letztlich war es eine tolle Erfahrung, mal in großer Höhe bergzusteigen. Kurios, dass sich auch das Bartwachstum extrem verlangsamt. Kaum waren wir wieder unten in Zermatt, begann es zudem zu muffeln. Eine Woche ohne richtige Waschmöglichkeit machte sich dann geruchsmäßig bemerkbar, was aber während der Woche nicht weiter auffiel. Ich schiebe mal alles auf die Minusgrade und die Höhenluft. Nie habe ich eine Dusche so genossen, wie nach dieser schweißtreibenden Woche. 

Insgesamt eine beeindruckende Tour, die meist im WS-Bereich verläuft und somit gut zu machen ist. Einzig den Steilanstieg über die Eisnase zur Schneedomspitze empfand ich als heikel, weil das Blankeis keinen Fehler erlaubte; ein Ausrutscher eines der Beteiligten, und unsere Viererseilschaft wäre abgestürzt, was in dieser Passage laut Aussage einiger Bergführer am Vorabend auf der Hütte auch immer mal wieder passiert. Mein Puls pochte bis zum Anschlag. Nie habe ich mich auf jeden Tritt so konzentriert und die Eisen so vehement in das Eis gehauen. Retrospektiv totaler Schwachsinn, solch eine Passage angeseilt zu machen. Entweder hätte einer den Vorstieg machen und eine Eisschraube fixieren müssen oder aber alle vier hätten einzeln und ohne Seilverbindung ihr Glück versuchen sollen.Von daher: Angeseilt gehen ist nicht immer sinnvoll.

Bleibt zu sagen, dass es mir seitdem der Lyskamm angetan hat. Bergsteigerisch nicht unbedingt extrem schwer, aber doch bedenklich, und teilweise sehr ausgesetzt. Warum der Lyskamm den Beinamen Menschenfresser hat, möchte ich nicht näher kommentieren. Sollte es mich nochmal in diese Gegend verschlagen, wäre der Lyskamm bergsteigerisch gesehen die erste Wahl. Oder doch das Weißhorn? Das Matterhorn kann also noch warten. :-)


Tourengänger: mabon

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