Den ersten Versuch 2006 auf diesen Berg vereitelte ein Wintereinbruch in der Cabane de Chanrion. Am nächsten Tag mussten wir bei Schneegestöber wieder nach Mauvoisin absteigen. Danach liess mich dieser Berg nicht mehr in Ruhe und was ich einmal aus der Nähe gesehen habe lässt mich nicht mehr los.
Im Führer steht, dass der Grat Stellen bis -III aufweist, was mich bisher vor einer Solotour abhielt. Aber man kann ja hingehen und sich die Sache von nahem ansehen..........Die guten Verhältnisse und die nötige Zeit waren gekommen und so habe ich mich an den Berg herangemacht. Die La Ruinette war eine Eingehtour für Edward Whymper vor seiner Matterhornerstbegehung. Auch "mein" Berg wurde also von diesem Bergsteiger erstmals begangen.
Der Weg von der Cabane aus ist selbst bei Dunkelheit mit Stirnlampe gut zu finden und einfach. Bei Tagesanbruch bin ich schon recht weit gekommen und freue mich wie immer am kommenden Licht und den ersten Sonnenstrahlen. Ab dem Col de Lire Rose geht es dann zur Sache. Bis hierher ist es ein einfacher Weg, aber nun beginnt der SW-Grat mit Stellen von II+. Es ist ein Genuss die Route zu finden, meist sind mehrere Varianten möglich. Einmal kurz vor Pt. 3'386m muss durch ein schmales und steiles Couloir geklettert werden, unter den Füssen viel Luft, aber es geht. (II+) Ab dem Pt.3'470m beginnt das Firnfeld des Glacier de la Ruinette. Es ist einfacher auf diesem Firnfeld aufzusteigen als über den Felsgrat, nahe an den Felsen sind auch keine Spalten zu befürchten. Am Fuss der Gipfelfelsen beginnt dann der letzte und schwierigste Teil. Ein erster Aufschwung mit der besagten -III Stelle habe ich einigermassen bewältigt, eine zweite Stelle hat mir dann aber alles abverlangt, obwohl es ja eine reine Kopfsache ist. Aber mit soviel Luft hinter- und neben sich sieht die Lage dann immer viel ernster aus. Irgendwie habe ich es geschafft und dann warten nur noch wenige Höhenmeter mit einfacher Kraxlerei bis zum Gipfel.
Oben weht ein fast orkanartiger Wind und ich habe es nicht geschafft den Föteler auf einem Felsen abzustellen für eine Aufnahme. Kälte, Wind und der Schiss vor dem Abstieg haben die Freude etwas getrübt, aber die kam dann später noch. Aber die Sicht ist gewaltig und klar.
Im Abstieg habe ich dann mit Hilfe von Schlingen die heiklen Passagen gemeistert, nun bin ich um zwei dieser wertvollen Stoffbändel ärmer aber heil und glücklich wieder unten..... Der Abstieg wählte ich über die gleiche Route und bald einmal wurde es wieder warm und gemütlich auf den Alpwiesen.
Der Führer von Biner ist etwas missverständlich geschrieben, denn die -III Stelle wird im SW-Grat erwähnt und nicht von den Gipfelfelsen. Dort steht sogar von leicht ersteigbar. Es ist umgekehrt. Aber dieser einsame Berg und die anregende Kletterei auf dem schönen und langen Grat entschädigt für die lange Anreise.
















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