Aiguille Dibona


Publiziert von Elminster , 20. Januar 2012 um 00:12.

Region: Welt » Frankreich » Isère » Oisan » Vénéon
Tour Datum: 2 August 2011
Hochtouren Schwierigkeit: SS+
Klettern Schwierigkeit: 6a+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: F 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 400 m
Strecke:12-14 SL, 450 Klettermeter
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Grenoble > Bourg d'Oisans > St. Christophe-en-Oisans > Les Etages
Unterkunftmöglichkeiten:Soreiller-Berghütte Zustieg (T2) in 2 Std. 30 Min. bis 3 Std.

Die "Aiguille Dibona" ist ein klassischer Nebengipfel im "Massif du Soreiller" mitten im "Parc national des Écrins" in den Französischen Alpen,  250 km südlich von Genf. Obwohl es keine echte Nadel ist, ist der recht spektakuläre und ausgesetzte Charakter des Fels gegeben. In bestem Granit sind Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden möglich.

Gestartet sind wir auf dem Parkplatz des kleinen Bergdorfs les Etages (1587m) um zu unserer Hütte, den Refuge du Soreiller  (2719m) am fuß der Dibona zu gelangen. Der Aufstieg wird besonders ab der zweiten hälfte mühsam, da man ab dann die Hütte in sicht hat und diese nicht näher kommen will. Mit Gepäck brauchten wir um die drei Stunden insgesamt.
 
Die Hütte am Fuß der Dibona ist seit ihrer Entstehung in Familienbesitz und wird von einem sehr lieben und kompetenten Team bewirtschaftet. Martine, die Hüttenwirtin hat selber einige der Touren erstbegangen, kennt den Fels fast auswendig und kann immer mit ein paar letzten Tipps und Tricks die Planung abrunden.
 
Unsere Planung sah anfangs vor die Madier-Route zu gehen, das diese bis auf eine 6a Stelle  im III bis V Grad bleibt. Angesichts der Tatsachen, dass mehrere Bergführer in 5er Seilschaften sich auch dafür entschlossen hatten, wichen wir auf die schwierigere aber gut abgesicherte "Visite Obligatoire" aus.
 
Wir starteten recht Spät, da noch zwei weitere Seilschaften vor uns waren. Von der Hütte aus hatten wir das Vorrankommen unserer Vorgänger gut beobachten können und stiegen gegen 10:00 ein.  Nach einer langen Querung (III) erreichten wir den eigentlichen Start dieser Route. Nach einer kurzen Wand erreichte ich die lange Platte (was meine gaaanz große Spezialität ist), verkletterte mich zudem noch und hatte nach einigem Rumgemurkse  in der 6a Platte keine Nerven mehr und seilte zum Stand ab. Christophe, der bessere Kletterer von uns beiden übernahm darauf hin die Führung und kam mit der Schwierigkeit weitaus besser zurecht. Dafür schleppte ich den Rucksack. Seillänge zwei (SL 2) war die Fortführung der langen Platte und trotz der wenigen Griffe erwies sich der Gripp auf dem Granit bombastisch. Die Absicherung mit Schwerlastankern war durchgehend gut, sodass Friends nur in den leichteren Passagen zum Einsatz kamen. Ab SL3 änderte sich die Struktur etwas, da der Fels hier mit Rinnen durchzogen war und etwas steiler wurde. Leider hatten wir hier die andere Seilschaft eingeholt was und ziemlich abbremste. SL 4 war besonders für unsere Vorgängerin ein Kampf, da zwei kurze Überhänge  mit teilweise viel Luft untern dem Hintern zu bewältigen waren. Zum glück war das aber genau die Kletterei die wir gewohnt waren und zogen durch bis SL5. Die vorhergehenden Seillängen waren alle mit 6a bewertet doch diese hier hatte noch ein kleines + mehr! Man musste sich trauen! Einfach drauf hoffen, dass man kleben bleibt… für uns wars dann schon etwas psycho. Erstaunlicherweise ging es aber dann doch irgendwie und wir freuten uns auf die einfache SL6 (4c). Naja nur dumm, dass wir sie wohl um wenige Meter verpassten denn 4c war das definitiv nicht! Vom Stand aus war die "Vire Boell" in Sicht, das lange Band in Gipfelnähe, Knotenpunkt der verschiedenen Routen. SL7 um dorthin zu gelangen ist eine recht leichte Querung (5c) nach der wir eine Kurze Pause einlegten. Da unser Vorgängerteam mit einer leichten Fußverletzung kämpfen musste wollten sie die nächste Seillänge umgehen. Da sie aber keine Mobilen Sicherungsmittel dabei hatten willigten wir ein mitzukommen. Links der eigentlichen Route Kletterten wir im Grad III bis zu einem Punkt wo man wieder in die reguläre Route reinqueren musste. Es war zwar nicht besonders schwer aber der Schlaghaken-Stand und mäßige Platziermöglichkeiten der Friends war nicht gerade ermutigend. Aber es ging alles gut. SL9 startete mit vertikalen Rinnen die anfangs ziemlich schwierig anzugehen waren. Später wurde das Gelände plattiger und führte sich mit einer schönen Platte in SL10 fort. Zwischendurch verdunkelte sich der Himmel, die Temperatur stürzte dramatisch und wir befürchteten schon das schlimmste. Zum Glück blieb das Unwetter aus und wir gaben gas! So Langsam zog sich das Ganze in die Länge und wir waren froh fast am Ziel zu sein. Laut Beschreibung sollte SL11 einen kurzen etwas anstrengenden Zug haben. Mittlerweile wurde die Beschreibung auf Abdrängende 6a Steilwand geändert. Kurz aber noch mal anstrengend. Danach wird alles einfacher und SL12 bis zum Gipfel (3131m) ein 5a+ Spaziergang. Am Gipfel angekommen war es schon spät und zum Glück hatten wir Funkkontakt mit Freunden an der Hütte und konnten unseren Zeitplan weiterleiten. Der Abstieg  besteht aus zwei Abseillängen den hinteren Grad hinunter gefolgt von einem etwas ausgesetzten Traversenabstieg den wir auch absicherten. Danach ist der Rest trivial sofern man nicht wie Christophe nur eine Sonnenbrillen dabei hat und es eigentlich schon recht finster war.
Mit Einbruch der Nacht kamen wir endlich in der Hütte an… Es war vollbracht! Wir meldeten uns zurück und hofften auf etwas Brot als Abendessen, doch die Damen des Hauses zauberten uns ein warmes Menu auf den Tisch - miam.
 
Fazit der Tour.
Obwohl die Route gut abgesichert ist, sollte man sie nicht unterschätzen, da der Schwierigkeitsgrad  konstant ist und die Bewertung nicht auf Schlüsselstellen beruht. Die Seillängen sind sehr Homogen bieten aber wenig Rastpositionen.
Im Nachhinein habe ich von verschiedenen Quellen erfahren, dass SL1 bei vielen als Schlüssellänge gilt. Es ist wohl sinnvoll dort den besseren Kletterer vorsteigen zu lassen. Mich hat diese Länge im Vorstieg fertig gemacht und war somit sehr kontraproduktiv. Viele Führer geben zudem als Mindestvoraussetzung fürs Kletterkönnen 6a an, aber die Länge der Tour erhöht zusätzlich die Schwierigkeit, sodass 6b onsight eher anzuraten ist.  Die gesamte Tour ist als TD+ bewertet. Besonders zu beachten sind auch die Rückzugsmöglichkeiten, sollte man in den ersten Seillängen bemerken, dass die Schwierigkeit zu stramm ist, sollte man sich früh entscheiden umzukehren. Ab der „Vire Boel“ ist das Risiko hoch, das Seil zu verklemmen und man sollte spätestens hier eine Entscheidung treffen.  Man sollte sich auch nicht durch die vermeintliche Nähe zum Gipfel in die Irre führen lassen: es bleiben noch 5 teils stramme Seillängen.
Vom Material her hat sich das hochschleppen unserer Bergschuhe nicht gelohnt da der Abstieg im Hochsommer mit normalen Sportschuhen gut machbar ist. Woran wir gespart hatten war die Stirnlampe, Ersatzbrille ohne verdunkelte Gläser und Wasser. Es war zwar alles noch im Rahmen, aber viel Luft war nicht mehr! Zudem sollte trotz der Günstigen Süd-Lage nicht vergessen werden, dass man sich im Hochgebirge befindet und ein Wetterumschwung sehr schnell erfolgen kann; entsprechend sollten Soft und Hardshell nicht fehlen.
Da die Route als gut abgesichert gilt, verzichten viele auf Friends oder Klemmkeile. Diese sind zwar in der Route nicht unabdingbar aber Ausweichmanöver auf einfachere Routen sind ohne nicht möglich.     
Die Tour war für uns ein lohnenswertes Projekt, das ich nur weiterempfehlen kann. Sie war zwar Stramm und schon ein wenig zu nah an meinem Limit um reine Paisirkletterei zu sein, aber sie hat sich gelohnt. Der Granit ist sehr griffig, die Routen vielfältig und der Sportklettercharakter gewährleistet, dass meistens ein Haken dort ist wo man ihn braucht…  Kletterei vom Feinsten !

Tourengänger: Elminster


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Kommentare (1)


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TeamMoomin hat gesagt: Hammer Tour
Gesendet am 20. Januar 2012 um 20:13
habt ihr da gemacht, echt toll! Ich wünschte ich könnte so klettern, meinen Respekt habt ihr auf jedenfall! Was für ein geiler Berg!

Grüsse

Oli und Moomin


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