Chimmispitz-Zweierchopf-Stelli: Überschreitung vom Tamina- ins Churer Rheintal


Publiziert von marmotta , 16. Januar 2012 um 00:05.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Calanda
Tour Datum:14 Januar 2012
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT2 - Schneeschuhwanderung
Wegpunkte:
Geo-Tags: Calanda   CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Vadura, Abzw. Bläs
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Untervaz, Dorf

Der nördliche Ausläufer des Calanda-Massivs ist wie geschaffen für eine ausgedehnte Überschreitung mit Schneeschuhen. Während das Gelände nach Westen in steilen Wänden ins Taminatal abbricht, schwingt sich der im Margretenberg auslaufende Kamm sanft über die Gipfelerhebungen Chimmispitz (1814 m), Zweienchopf (1858 m) und Stelli (2052 m) zum Berger Calanda, der von dieser Seite ziemlich abweisend aussieht. Das Ganze ist ein stetes Auf und Ab, garniert mit lieblichen Nadelgehölzen. Die Aussicht nach beiden Seiten ist hübsch, insbesondere nach Westen ins nahe Tamina- und Ringelgebirge. Immer der Sonne entgegen!
 
Start im schattigen Taminatal an der öV-Haltestelle cff logo Vadura, Abzw. Bläs auf 978 m. Nach ca. 700 m auf der geräumten Fahrstrasse Richtung Bläs zweigt in einer Haarnadelkurve eine Alpstrasse ab, die mich bis knapp unter die Kammhöhe bei der Alp Maton führen soll. Wie erwartet, ist die meterhohe Schneedecke noch völlig unberührt. Einmal mehr ist also Spuren angesagt. Da das Wegtrassee durch die enormen, teilweise windverfrachteten Schneemengen stellenweise fast verschwunden und im Gelände kaum mehr zu erkennen ist, komme ich bald auf die (blödsinnige) Idee, abzukürzen und einfach direttissima durch den lichten Wald hinaufzusteigen. Es kommt, wie es kommen musste: Ich verfehle den anvisierten P. 1348 der Alpstrasse, da dieser jenseits eines Tobels liegt und kämpfe mich zunächst weiter steil bergauf. Auf der gesamten Länge möchte ich dies aber auf gar keinen Fall machen, schliesslich könnte es ja auch irgendwann gar nicht mehr weitergehen. Anhand von Karte und Gelände beginne ich intensiv nach dem Verlauf der Alpstrasse zu suchen und werde wenig später auch tatsächlich fündig. Glücklich, nicht weiter meine Kräfte derart sinnlos verpuffen zu müssen, quere ich oberhalb von P. 1348 zur Alpstrasse hinunter, bzw. zu dem, was davon noch zu erkennen ist. In einigen Passagen weiter oben ist die breite Alpstrasse durch den Schnee wirklich komplett in den Hang "eingeebnet". Ich folge der Alpstrasse bis zum Eck bei P. 1544 nach Passieren einer Felswand. Hier lichtet sich das Gelände etwas und ich wage es, nun direkt Richtung Kammhöhe bzw. Alp Maton aufzusteigen. Das mit Fichtenwald durchsetzte Gelände ist zwar noch immer steil (bis zu 40 °), dank griffigem Schnee ist dies aber kein Problem. Wer etwas mehr Geduld hat, kann auf der Alpstrasse noch ein Stück weiter den Hang nach Süden traversieren und dann deutlich weniger steil zu den offenen Hängen unterhalb der Alp Maton aufsteigen. Da meine steilere Variante nicht zwingend ist, habe ich die Tour mit WT2 bewertet.
 
Als ich unterhalb der Alp Maton aus dem Wald komme, trete ich auch in eine märchenhafte, tief verschneite Landschaft ein, in der der Schnee in der Sonne nur so glitzert. Toll!
 
Von der Alp Maton (1757 m) in wenigen Minuten zum Gipfel des Chimmispitz (1814 m), auch hier hinterlasse ich die ersten (menschlichen) Spuren im Schnee. Auch auf dem exponierten Gipfel ist von der prognostizierten Bise nichts zu spüren, dafür ballt sich am Kamm zwischen Calanda und Chimmispitz eine Nebelbank über dem Churer Rheintal. Glücklicherweise löst diese sich bald wieder auf.
 
Für den Weiterweg nach Süden gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder auf meinem Aufstiegsweg wieder zurück zum Sattel an der Alp Maton und (mit deutlichem Höhenverlust) den Chimmispitz westlich bis zur Bärenfallen (1656 m) traversieren. Oder -wie ich- den Chimmispitz direkt überschreiten und steil durch den Wald zur Bärenfallen hinunterstechen. Achtung: Östlich der Kantonsgrenze befindet sich eine Wildruhezone, also immer schön auf der Schneide bleiben! :-) Alte, überschneite Skispuren zeigen mir allerdings, dass ich nicht der Erste bin, der hier durch´s Unterholz bricht.
 
Von der Bärenfallen quere ich zunächst auf der Ostseite des Zweierchopf-Kamms durch einen beschaulichen, tiefverschneiten Märchenwald, bevor ich etwa auf Höhe des Hirzenbodens zum Gipfel des Zweierchopfs (1858 m) hinaufziehe (die letzten Meter ziemlich steil). Mit Schneeschuhen wäre wohl auch eine komplette Überschreitung von der Bärenfallen aus möglich, ich folgte jedoch zunächst frischen Schneeschuhspuren und wollte dann nicht mehr umkehren.
 
Auf dem Gipfel des Zweierchopfs mit fantastischen Tiefblicken hinunter ins Taminatal und den Mapragg-Stausee mache ich es mir gemütlich und esse und trinke etwas.
 
Anschliessend folge ich etwa dem Verlauf des Kamms und lande in der weitläufigen Ebene der Alp Salaz, die übrigens im Spätherbst letzten Jahres Besuch von 2 Wölfen zu verzeichnen hatte.
 
Wölfe treffe ich heute nicht an, jedoch sehe ich bereits von hier, dass mein nächstes Ziel, der Gipfel des Stelli (2052 m) an diesem Tag von zahlreichen Tourengängern heimgesucht wurde und wird. Bis dahin war mir keine Menschenseele begegnet.
 
Der Gipfel des Stelli ist schnell erreicht, ich nutze eine bereits von anderen Schneeschuhgängern traktierte Skispur ;-) die letzten Meter gehe ich allerdings direkter über den Kamm zum höchsten Punkt.
 
Nach ausgiebigem Bestaunen der Gipfelwelt rundherum wird mir -trotz der von einem wolkenlosen Himmel herunterbrennenden Sonne- doch etwas kalt und ich starte meinen "Downhill" nach Untervaz. Schon nach den ersten Metern spüre ich, dass die Schneebeschaffenheit und -tiefe perfekt ist. Feinster, gleichmässig gesetzter Pulver. Zwar vermisse ich nun doch etwas meine Ski, vor allem als ich die kurz nach mir vom Gipfel gestarteten Ski- und Snowboardfahrer in ihrer stiebenden Abfahrt beobachte - doch auch mit Schneeschuhen ist es eine Freude. Ich wähle eine sehr direkte, steile Linie, bei den derzeitigen sicheren Verhältnissen kein Problem. Meinen Geschwindigkeitsrausch unterbreche ich erst an einer idyllisch gelegenen Alphütte auf ca. 1350 m. Hier realisiere ich beim Blick auf die Uhr, dass ich für die 700 Hm bis dort hin gerade einmal 18 Minuten benötigt habe! Das ist (für mich) neuer Rekord mit Schneeschuhen. Obwohl ich damit mutmasslich im Vergleich zu einem bekannten Hikr-Schneeschuhläufer noch immer eine lahme Schnecke sein dürfte… :-(
 
Offenbar hat meine Abstiegsgeschwindigkeit auch andernorts Eindruck gemacht. Ein junger einheimischer Skitourengänger hat mich beobachtet und zollt seinen Respekt, zwei weitere Locals stossen kurze Zeit später mit dem Snowboard dazu und laden uns spontan zu einem Bier in ihre lauschige Berghütte ein. Schon coole Socken, diese Bündner - viva la grischa!
 
Durch diese ungeplante Pause verschiebe ich meine Heimfahrt um eine Stunde - auf meine Frage, wie lange ich denn noch bis ganz runter ins Dorf Untervaz hätte (ich visiere das Postauto um 15.48 Uhr an), versichern sie mir, dass ich das in meinem Tempo locker in einer halben Stunde schaffen würde. Doch da haben sie mich dann doch etwas überschätzt. Oder haben vergessen, dass ich ja Schneeschuhe - und nicht Skis oder ein Snowboard unter meinen Füssen hatte!
 
Ging es anfangs noch recht rassig in mehr oder weniger direkter Linie die Hänge hinunter, musste ich ab einer Höhe von 1000 m die langen Kehren der Alpstrasse durch den von Tobeln gesäumten Wald auslaufen (dank der guten Schneelage kann mit Skis übrigens derzeit bis ganz hinunter ins Dorf abgefahren werden). Weitere Abkürzungen schienen nicht möglich und ich sah langsam aber sicher meine Chancen auf Erreichen des Postautos schwinden. Am Ende wurde es ganz knapp, doch auch ein Spurt über die kurz vor dem Dorf apere bzw. nur mit einer Eisschicht bedeckte Strasse hat nichts mehr gebracht. Ausser, dass ich bei dieser Aktion einen meiner Schneeschuhe ruiniert habe - mit voller Wucht über eine apere Strasse laufen, das hält auch der beste Schneeschuh nicht aus. Der Rahmen ist kurz hinter der Schaufelbiegung gebrochen - aber hätte ich die Schneeschuhe abgezogen und am Rucksack befestigt, wäre ich in diesem Tempo entweder auf die Fresse geflogen oder hätte bei vorsichtiger Gangart das Postauto gleich abschreiben können. Na ja, hinterher ist man immer schlauer - vielleicht lässt sich die Bruchstelle ja noch notdürftig flicken bzw. stabilisieren bis zum Ende des Winters…       
 
  

Tourengänger: marmotta


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Kommentare (3)


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Runner Pro hat gesagt: wunderbare Tour...
Gesendet am 17. Januar 2012 um 08:50
...ich bin neidisch :-(

CarpeDiem hat gesagt:
Gesendet am 24. Januar 2012 um 10:19
Wunderbar bebilderter Bericht aus einer Gegend wo man nie hinkommt.....



marmotta hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Januar 2012 um 20:39
Danke! Mir geht es mit dem Wallis genauso: Wunderschön, aber ich komm irgendwie (fast) nie hin... :-)


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