Jungfrau und Mönch


Publiziert von frmat , 9. Januar 2012 um 19:15.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:17 August 2007
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Per Auto zum Großparkplatz der Jungfraujochbahn in Grindelwald. Kosten (2011) 6Fr/Tag
Unterkunftmöglichkeiten:Mönchsjochhütte

2007 bestiegen wir an zwei schönen Augusttagen Jungfrau und Mönch. Hier ein paar Eindrücke:

Da ich am 16.8. noch eine Staatsexamensklausur über mich ergehen lassen musste wollte das kleine Wetterfenster im Anschluss gut genutzt werden.
Höhenphysiologisch wenig wertvoll dafür aber ungemein spannend bestiegen wir am Mittag des 17.8. die Jungfraujochbahn in Grindelwald. Damit war das studentische Budget auch aufgebraucht. Schlappe 156 SFr kostete die Fahrt/retour in 2007. Bei einem Kurs von damals 1:1,5 kann man aus heutiger Sicht nur darüber lachen...
Wie dem auch sei. Wir saßen dann auch als einzige Bergsteiger in der Bahn, die ansonsten gut gefüllt war. Zahlreiche Gäste aus Fernost wollten sich den einmaligen Blick auf Nordwand und Jungfrau nicht entgehen lassen. Mit Zelt- und Bergausrüstung bepackt hielten sie uns scheinbar für Harrer und Heckmair. Nicht selten klickten die Kameras verdächtig in unsere Richtung. Am Jungfraujoch angekommen durften wir dann sogar für eine Familie aus dem Land des Lächelns posieren, die neben uns noch ihre beiden Töchter (natürlich im Sommerkleidchen) auf 3500m in Szene setzten.
Ansonsten ist die Fahrt ab Kleine Scheidegg meist dunkel, fährt man ja bekanntermaßen im Bogen durch den Eiger. Der Blick aus dem Fenster in der Nordwand ist dafür aber wirklich spektakulär. Auch sonst wird dem Touristen einiges geboten. Zu Werbezecken für die EM 2008 baute man sogar eine Torwand am Jungfraujoch auf, die wir natürlich auch gleich bespielen mussten (mit mäßigem Erfolg, was natürlich nur an den Bergschuhen lag...)
Den Stollen in südlicher Richtung verlassend steht man mit einem Mal in der Hochgebirgswelt des Großen Aletschgletschers. Dort wollten wir biwakieren. Praktischerweise fanden wir auch gleich eine große plattgewalzte Ebene, wie wir es uns nicht besser hätten wünschen können. Nur über den Golfball wunderten wir uns ein wenig, dazu unten mehr :)


Der 18.8. brachte dann bestes Wetter. Für Westalpenverhältnisse faul brachen wir erst gegen 7h zur Besteigung der Jungfrau auf. Wenig aufbauend geht es zunächst ein ganzes Stück bergab bis an den Fuß eines felsigen Aufschwung und daran zunächst sehr einfach zum Regenmesser. Darüber befindet sich eine leichte Stelle im 2. Grad (Abseilring). Nun unbedingt nach links leicht absteigend den Felsklotz umgehen. Über Firn und Fels erreichten wir einen breiteren Firnrücken, der bis unter das Rottalhorn führt. Daran bzw. darunter rechtshaltend wird die ca. 50° steile Rampe zum Rottalsattel angegangen. Im besten Trittschnee gings leicht hinauf. Es schließt sich die sog. "heikle Querung" an, die zum Fuß der Gipfelfelsen leitet. Der Name verrät, dass es dort schon den ein oder anderen Unfall gegeben hat, weshalb man durchaus die Sicherungsstangen benutzen sollte. Über leichte Felsen und Firn kamen wir dann um 10:15 am Gipfel an. Trotz fehlender Akklimatisierung gings bis dahin ganz gut. Nur der fiese Gegenanstieg zum Jungfraujoch brachte uns in der Mittagshitze dann ganz schön ins schwitzen und fluchen... Geflucht haben auch die Golfspieler am Jungfraujoch, die munter einen kleinen Ball nach dem andern über unser Zelt jagten. Wie wir später erfuhren, konnte man sich dort für 100SFr einen Golfball kaufen. Bei einem Hole-In-One konnte man dann 10000SFr gewinnen, HÄTTE da nicht ein Zelt im Weg gestanden :)


Eigentlich hatten wir nun noch auf stabileres Wetter gehofft und wollten weiter in Richtung Fiescherhörner. Ging aber nicht. Deshalb entschieden wir uns am nächsten Tag für den Mönch. Ab Jungfraujoch eine Halbtagestour via Normalweg (SO-Grat). Subjektiv empfand diese Tour als anspruchsvoller als die Jungfrau. Bis zum Beginn des Seitenarms des SO-Grats latscht man einfach der Pistenspur Richtung Mönchsjochhütte nach und steigt dann links über Felsen und Firn abwechselnd zum Vorgipfel (II, einige Sicherungsstangen). Der anschließende Grat ist doch recht schmal und war fies verwechtet. Auch hier gings über die gleiche Route zurück zum Zelt, diesmal ohne Golfball-Beschuss. Der Mittagsschlaf wurde durch einen lauten Donnergroll dann abrupt unterbrochen und bei einsetzendem Graupel gelang uns noch der Rückzug ins Stollenloch.


=> FAZIT: Jungfrau: Eine wirklich tolle Tour auf einen Super-Gipfel. Bei guten Verhältnissen nicht schwer, bei Vereisung aber bestimmt unangenehm. Der Mönch hat mir nicht so gefallen, oben schmal. Außerdem haben wir natürlich ziemlich geschummelt, schließlich besteigt man so einen Gipfel, aber nicht "den Berg". Trotzdem schön, wenn einem die Bahn auch eine tolle Tour bei nur kurzem Wetterglück ermöglicht.
Tipp: Das Mountain Hostel in Grindelwald-Grund unweit der Talstation der Jungfraujoch-Bahn verfügt über moderate Preise. Dort haben wir dann nochmal übernachtet und im Ort dem "Après-Mountain" gefröhnt...


Tourengänger: frmat


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