Grand Canyon: South Kaibab Trail


Publiziert von JochenCH , 4. Oktober 2007 um 23:00.

Region: Welt » United States » Arizona
Tour Datum: 4 September 2007
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: USA 
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 700 m
Strecke:South Kaibab Trail; Cedar ridge
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Nähe Yaki Point: Entweder man parkt sein Auto am Straßenrand vor der Abzweigung zum YakiPoint oder nutzt ein kostenloser Shuttle.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Nähe Yaki Point: Entweder man parkt sein Auto am Straßenrand vor der Abzweigung zum YakiPoint oder nutzt ein kostenloser Shuttle.
Unterkunftmöglichkeiten:Phantom Ranch Lodge: Unbedingt vorbuchen!!! oder div. Camp Grounds (Permit erforderlich) Weitere Informationen zu den Permits und zur Phantom Ranch erhalten Sie auf www.nps/gov/grca

Nachdem ich gefallen am Wandern in den Schweizer Alpen gefunden habe war es klar, dass wir in unserem Urlaub auch Wandern wollten. Dieses Jahr ging es in den Westen der USA. Dabei darf der Grand Canyon natürlich nicht fehlen.

Auf unserer Rundreise war der Grand Canyon der erste Nationalpark der USA der Wandermöglichkeit bietet. Aber wir mussten Feststellen, dass Wandern in der USA was ganz anderes ist wie in den Alpen. Doch dazu später mehr. Speziell das Wandern im Grand Canyon ist quasi genau umgekehrt wie in den Alpen:
  • In den Alpen beginnt die Wanderung im grünen Tal. Unten im Tal und auf den ersten Höhenmeter sind die Wiesen grün, die Wälder dicht und die Temperatur bei schönem Sommerwetter doch eher heiß als angenehm. Je weiter man dem Gipfel der Alpenberge entgegenkommt desto lichter werden die Bäume und desto kühler  bzw. angenehmer wird die Temperatur. Man beginnt die Wanderung im Tal mit dem Ziel des Gipfels und irgendwann muss man natürlich wieder runter ins Tal.
  • Im Grand Canyon ist das alles umgekehrt: Man beginnt am "Rim", also oben an der Kante der Schlucht. Die Wanderung startet also auf ca. 2300m über Meer. Dort am Rim gibt es zwar keine dichten Wälder aber immerhin ein lockerer Kiefernwald, und es ist rel. kühl. Die interessanten Wanderungen führen natürlich runter zum Fluss. Je weiter es jedoch abwärts geht desto weniger Pflanzen gibt es und desto wärmer wird es! Warm ist dabei eigentlich noch sehr untertrieben. Das eigentliche Ziel ist also unten im Tal auf ca. 750m über Meer. Die Wanderung endet natürlich wieder auf dem Rim (entweder auf dem gegenüberliegenden Rim-Seite oder wieder zurück zum gleichen Rim).

    Also komplett umgedreht wie in den Alpen:
    Im Grand Canyon ist sowohl Start und Ziel, als auch die Vegitation und die Temperaturen genau umgekehrt!


Nach diesen (Grand) Canyon spezifischen Unterschieden ist uns noch folgendes beim Wandern in der USA aufgefallen:
  • Orientierung im freien Gelände ist hier absolut nicht notwendig. Alle Trails also alle Wanderwege sind klar abgegrenzt. Abseits dieser abgegrenzten Wege ist das Wandern meist auch nicht gestattet. Deshalb sind die ausgeschrieben Trails in der Ferienzeit mit abnehmendem Schwierigkeitsgrad auch dem entsprechend überfüllt! Wer in einem Nationalpark abseits dieser Wege wandern will, benötigt meist eine spezielle Genehmigung von der Parkverwaltung (nicht umsonst zu haben).
  • Viele Trails sind ausgelegt für einen Zeitbedarf von nicht mehr als 3 oder max. 4 Stunden. Vermutlich liegt das daran, dass die Amerikaner möglichst alles in 3 Stunden konzentriert erleben bzw. sehen wollen! So steht in vielen Reiseführer z.B.: "Das dürfen sie nicht verpassen, wenn sie drei Stunden bleiben" oder "Das müssen sie sehen wenn sie länger als drei Stunden bleiben". Man kommt also oft ohne Probleme auf einen Gipfel indem man lediglich 1 Stunde wandert. Die ersten Höhenmeter erreicht man meist direkt mit dem Auto und die letzten "200" Höhenmeter dann zu Fuß. So erreicht man z.B. den Sentinel Dome, ein Berg im  Yosemite National Park mit immerhin 2476 m über Meer, mit einem leichten Trail in ca. 1,5 Stunden bei nicht mehr als 160 Höhenmetern. Übrigens: beim Sentinel Dome dauerte die Anfahrt mit dem Auto zum Startpunkt mindestens genauso lang wie die eigentliche Wanderung.
  • Es gibt natürlich auch Mehrtagestouren mit Übernachtungen in sog. Camp Grounds. Aber ausgedehnte Tagestouren haben wir eher vermisst.
  • Die Zeitangaben für die Wanderungen in den Staaten sind oft viel zu lang angegeben. Währen wir in der Schweiz kämpfen müssen, um die Zeitangaben einhalten zu können, so können wir in der USA gemütlich fotografieren und pause machen und dabei waren wir trotzdem noch ein drittel schneller als die Angaben.

Der South Kaibab Trail:
Nun aber genug zu allgemeinen USA-Wandererfahrungen. Für den South Kaibab Trail sollte man pro Person min. 4 Liter Wasser mitnehmen. Wegen den hohen Temperaturen ist es wichtig bei Wanderungen genügend Flüssigkeit mitzuführen und diese auch zu sich zu nehmen. Es wird strengstens davon abgeraten, an einem Tag bis zum Colorado River und zurück zu wandern. Jedes Jahr müssen 200 Personen, darunter auch sehr viele sportliche junge Wanderer, die sich selbst und die Hitze überschätzten, kostenpflichtig aus dem Canyon gerettet werden (darunter befinden sich auch Todesfälle)! Ein paar Energieriegel können auch nicht schaden, denn bei der Hitze vergisst man oft das essen. Außerdem ist Sonnenschutz als Kopfbedeckung und als Sonnencreme unbedingt erforderlich! Als Schuhwerk für den South Kaibab Trail genügen leichte Trecking-Schuhe (knöchelhohe Schuhe schützen etwas mehr vor umknicken!)  

Der South Kaibab Trail ist leider kein Rundweg, so dass man den gleichen Weg wieder aufsteigen muss! Das hat aber zum Vorteil, dass man abschätzen kann wie lange der Rückweg dauern kann. Als  Faustformel hört man oft, dass der anstrengende Aufstieg doppelt so lange dauert wie der einfache Weg Bergab! Bei unserer Wanderung war der Aufstieg aber lediglich etwas länger als der Abstieg, so dass ich das Doppelte der Zeit für Übertrieben halte.

Nun aber zur eigentlichen Wanderung:
Man beginnt in der Nähe vom sog. Yaki Point. Entweder man parkt sein Auto am Straßenrand vor der Abzweigung zum YakiPoint oder man parkt es auf einem der vielen offiziellen Parkplätzen im Park und nutzt ein kostenloses Shuttle. Am Trailhead gibt eine Infotafel Auskunft über die Entstehung des künstlich angelegten Wanderweges. Der Einstieg in den Grand Canyon geht zunächst über künstlich angelegte Serpentinen abwärts. Später schmiegt sich der angelegte Pfad an den Abhang an. Bereits nach 2,5 km und 307 Höhenmeter erreicht man schon das “Hochplateau“ Cedar Ridge. Hier gibt es Toiletten und mit etwas Glück noch etwas Schatten! Die Aussicht von unterwegs ist schon sehr überwältigend, es lohnt sich auch das Plateau Cedar Rige genauer zu erkunden. Geht man auf dem Plateau ganz vor Richtung Fluss erschließen sich einige sehr schöne Aussichten!
Vom Cedar Rige kann man auch für eine Tagestour (also Ab- und Aufstieg an einem Tage) noch in gutes Stück weiter abwärts gehen. Bei guter Kondition sollte man die weiteren 4,6km und 700 Höhenmeter bis zum sog. Tipoff-Point (36° 5'30.07"N, 112° 5'24.83"W auch oft auch als “Tonto Trail junction“ bezeichnet) noch meistern können. Mehr sollte man aber bei einer Tagestour auf keine Fall zumuten!

Wir selbst waren etwas zu Vorsichtig und haben beim “O’Neill Butte“ gewendet und sind wieder zurück nach oben. Unser Wendepunkt war etwa 500 Höhenmeter unterhalb unseres Startpunktes. Am Ende unserer Wanderung mussten wir allerdings feststellen, dass wir noch genügend Zeit und Kondition für eine weitere Wanderung übrig hatten! Von 9 Liter Wasser für Zwei Personen haben wir immerhin 1,5 Liter Wasser übrig ....
Unterwegs kam uns ein Muli-Zug mit faulen Touristen auf dem Rücken entgegen. Als Wanderer sollte man sich immer Richtung Rim stellen und den Muli-Zug passieren lassen. Es ist durchaus normal, dass man unterwegs Ranger trifft, die sich oft sehr freundlich nach deinem Wohlbefinden und deinem Ziel erkundigen. Oft geben sie einem auch nützliche Tipps.

Tourengänger: JochenCH

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Kommentare (1)


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StefanBC hat gesagt: Da war ich auch
Gesendet am 12. Oktober 2007 um 14:38
Hallo!
Waren auch dieses Jahr im August dort.
Ist ein klasse Trail! Sind aber nur zur Cedar Ridge gegangen, aber kann man nur weiterempfehlen von untern wirkt alles nochmal ganz anderst.

Gruß STefan


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