Lindenrunsturm – Erkundungstour am Gross Aubrig Ost


Published by Delta Pro , 29 November 2011, 13h40.

Region: World » Switzerland » Schwyz
Date of the hike:26 November 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SZ   Etzel-Aubrig-Kette 
Time: 2:30
Height gain: 670 m 2198 ft.

Eine Kurztour in der wilden Ostabbrüchen des Gross Aubrig – den Durchschlupf nicht gefunden, dafür einen sehr exklusiven Gipfel entdeckt
 
Den Gross Aubrig kennt der Ostschweizer Voralpenfeinschmecker als eher langweiligen Vorposten der Wägitaler Berge, der von Süden einfach zu erwandern ist. Doch der Aubrig hat viele weniger bekannte Seiten: Zum Beispiel die Nordflanke, durch welche eine rassige und im Winter ab und zu ausgeführte Skiabfahrt führt. Oder die Ostabbrüche zu welchen keinerlei Informationen zu haben sind… Bei der Tour auf den Gugelberg hatten wir einen guten Einblick in diese wilde Welt aus abweisenden Felsbändern, steilen Rinnen und bewaldeten Felsspornen. Schon vor einiger Zeit hatten sglider und ich den gestuften, scharfen Grat entdeckt, der sich von unterhalb der Wägital-Staumauer über rund 800 Höhenmeter bis zum Aubrig hinaufzieht, eine Begehung jedoch ins Reich der Träume verschoben. Heute hatte ich die Gelegenheit einen ersten Augenschein von Gross Aubrig Ost zu nehmen und eine wilde und vergessene Bergwelt zu entdecken. Das hochgesteckte Ziel war es einen Durchschlupf durch die Abbrüche zu finden und den Aubrig von Osten zu ersteigen. Dies musste scheitern, was mich keinesfalls überraschte. Dennoch kam ich weiter als je gedacht und konnte einen markanten Felsgipfel am Grat ersteigen, auf dem vor mir kaum je ein Mensch gestanden sein dürfte.
 
Der Startpunkt für einen Angriff auf die Aubrig Ostflanke ist die Lindenruns, eine gewaltige Bergsturz- und Lawinenrinne, welche die Ostflanke zerreisst. Ich wollte in dieser so weit wie möglich aufsteigen und mich anschliessend über isolierte Grasbänder zum Gipfel durchschlagen. Startpunkt ist in der kleinen Sackstrasse unter der Staumauer. Erstaunt stellte ich fest, dass in der Lindenruns an diesem ruhigen Samstag grosser Betrieb herrschte. Schwere Lastwagen brummen auf einer improvisierten Piste zum Auslauf der Rinne hinauf und Bagger bauen das durch die Runs gelieferte Material ab. Durch Wald geht es südlich der eindrücklichen Rinne hinauf. Bald wechsle ich in die Felsrinne und gewinne schnell an Höhe. Wo sich die Lindenruns verengt und felsig wird, weicht man wieder links auf einen grasigen Sporn aus. So gelangt man ohne Probleme (ca. T4) bis auf eine Höhe von 1250 m.ü.M. Wie weiter? Oben links raus sieht grauenhaft aus, oben rechts ist schlecht einsehbar, wahrscheinlich aber auch T6+. Ich entscheide mich für den Versuch den markanten Grat zu erreichen, welcher nördlich der Runs in die Höhe strebt. Und tatsächlich: Auf die Gämsen ist Verlass. Wo eine einigermassen logische Linie ist, haben sie schon längst ein Weglein angelegt. Man folgt den Trittspuren unter den Wänden links in Flanke hinein. Bald wird die Querung steiler und exponiert. Einige Felsen lassen sich leicht erklettern und die gute Spur führt weiter gegen den herausstechenden Turm im Grat, welcher das Ende eines flacheren Gratabschnitts markiert. Ich habe mir eine Linie zurechtgelegt, die direkt im Sattel unter dem Turm den Grat erreicht. Obwohl das Gelände bald deutlich ins T6 geht (steil, unzuverlässiger Fels) komme ich gut weiter. Der Einstieg zur Schlüsselstelle ist aber eine komplett zerborstene Felspartie aus der sich kürzlich grosse Blöcke gelöst haben. Zu heikel. Ich gebe aber nicht auf, sondern folge den Gamsspuren die auf schmalen Bändern leicht abwärts unter dem Turm gegen den Grat führen. Und tatsächlich gibt es einen Durchschlupf. Der Grat ist erreicht – ein erster, unerwarteter Erfolg! Ich folge dem Grat aufwärts und weiche bald in die Nordflanke aus, leichte Kletterei, steiles Gras, T6, und erreiche so von hinten die Scharte beim Gratturm. Der Weiterweg auf dem Grat gegen den Aubrig sieht spannend aus: Gleich zu Beginn eine ausgesetzte, messerscharfe Gratpassage mit gutem Fels (wahrscheinlich ca. III). Da es mehr als fraglich erscheint, was oben folgt, und die Stelle nur schwierig abzuklettern wäre, entscheide ich mich, nicht weiterzusteigen. Dafür greife ich den Turm an, der sich steil mit einigen Wurzelgriffen in brüchigem Gestein ersteigen lässt. Der Gipfel ist wunderschön exponiert und bietet Schwindel erregende Tiefblicke. Ich baue einen Mini-Steinmann und steige auf der gleichen Route in die Lindenruns zurück.
 
Anschliessend quere ich den ganzen Talkessel gegen das Wägital hin, am Schluss leicht gegen die Felswände aufsteigend. So findet man einfach einen guten Gamspfad, der auf einem schmaler werdenden, steilen Grasband zum Durchschlupf in die offeneren Waldhänge des oberen Wägitals führt. Eine Stelle ist etwas unangenehm (T5), sonst geht’s ganz gut. Ich steige nun auf dem ebenfalls spannenden SE-Grat des Gross Aubrigs gegen den See ab, eine wunderschöne, wilde Route durch Wald, der mit einzelnen Felsstufen durchsetzt ist. Meistens kann man Gamsspuren folgen. Unter dem hübschen Tanneggli gibt es eine steilere Passage (kurz T5), sonst bewegt sich meiste im T4. Die Orientierung im Wald ist aber nicht einfach und das Laub macht den Untergrund rutschig. Auf einer Höhe von ca. 1080 tut man gut daran nicht über die Felsstufen abzusteigen (möglich, ca. T5), sondern nach rechts in eine Rinne zu queren. Dort trifft man auf das Kabel einer Transportbahn, welchem man durch ruppigen Wald folgt. Schliesslich treffe ich direkt auf den gut ausgebauten Wanderweg von Schrähöger an die Basis der Staumauer und so zurück zum Ausgangspunkt der Tour.
 
 


Hike partners: Delta

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