Tiefkarspitze (2430 m) - Südostgrat


Published by 83_Stefan , 27 November 2011, 22h17.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Date of the hike:26 November 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Mountain-bike grading: F - Easy
Waypoints:
Geo-Tags: A   D 
Time: 9:00
Height gain: 1500 m 4920 ft.
Height loss: 1500 m 4920 ft.
Access to start point:Per Auto oder Zug nach Scharnitz.
Maps:AV-Karte 5/1 Karwendelgebirge Westlicher Teil.

Die Tiefkarspitze ist eine der beherrschenden Persönlichkeiten in der Nördlichen Karwendelkette und bei klarer Luft bereits von München aus erkennbar. Da sie schwieriger zu besteigen ist als ihre Nachbarn, ist es an der Tiefkarspitze relativ ruhig geblieben. Der Südostgrat - Weg des Erstersteigers Hermann von Barth anno 1870 - wird nahezu nie begangen. Recht so, den Rucksack gepackt und auf ins Karwendel!
Mit dem Radl geht's hinein ins Karwendeltal. Nach der steileren Stufe am Taleingang fährt sich's recht gemütlich bis zur Larchetalm. Kurz danach zweigt nach einer Brücke eine Forststraße links ab. An einem Hochsitz und einer kleinen Sendeanlage vorbei, kurz danach ist das Radldepot erreicht.
Richtpunkt ist ein oben im Wald gelegener Hochsitz. Über kaum erkennbare Trittspuren geht es am Jägerstand vorbei, etwas rechts haltend hoch zu einer Schuttzunge. Dort wird ein schwacher Steig erreicht. Ihm folgt man die Schuttzunge ein Stück aufwärts. Weiter oben wendet sich der Steig nach links und zieht im Wald - durchsetzt mit Felsstufen - teilweise recht steil nach oben. Oft ist der Steig recht gut zu erkennen, aber ab und zu verläuft er sich auch völlig. Wegfindungsgespür und Orientierungsgabe sind hier unerlässlich! Der Steig quert stetig ansteigend weiter in westlicher Richtung und erreicht Latschengelände (freigeschnittene Trasse). Er führt an eine Rinne heran und quert diese deutlich erkennbar. Direkt vor der Rinne verlässt man den quer verlaufenden Steig und biegt scharf rechts in eine unscheinbare, freigeschnittene Latschengasse ab. Dieser Steig führt in Kehren durch den Latschenverhau bergan bis unter ein Felswandl, dort geht es rechts weiter. Schließlich auf einen schwach ausgeprägten Rücken und zum Ende der Latschenzone, wo der Steig endet.
Hier setzt auffällig der Südostrücken an, der vom Vorgipfel der Tiefkarspitze herunter zieht und das Larchetfleckkarl vom Oberen Tiefkar trennt. Über sehr steile, felsdurchsetzte Wiesenhänge geht es in der Diretissima auf den Rücken hinauf, bis sich die Steigung allmählich wieder zurücklegt. Abrupt geht der Grasrücken in den Südostgrat über (für Aufstieg über das Larchetfleckkarl den Rücken hier nach links ins Kar hinunter verlassen!). Einige gelbe Felsen werden links umgangen, dann geht's wieder auf den Grat hinauf. Bald zwingt dieser wieder zum Ausweichen nach links. Durch eine Rinne wird wieder der Grat gewonnen. Bald wieder in die linke Steilflanke und hoch über dem Larchetfleckkarl durch äußerst steiles Schrofengelände und über sehr brüchige Felsstufen (bis II) aufwärts an eine Felswand, die durch eine Rinne überlistet wird (II). Danach wird der Grat zahmer und über immer noch steiles Schrofengelände geht es aufwärts, bis der Grat kurz unterhalb des Vorgipfels in den Südwestgrat mündet. Der Vorgipfel wird nordseitig etwas absteigend umgangen. Durch eine steile, brüchige Rinne (auffällig gelbe Färbung) wird die Scharte zwischen Vor-und Hauptgipfel erreicht (Haken am oberen Rand der Rinne).
Nach links durch steiles Schrofengelände (I) wird in wenigen Minuten der Gipfel erreicht (Haken kurz unterhalb des Gipfels). Vom Gipfel (Kreuz und Buch mit Einträgen von ADI, mabon und Numa) gibt's eine wunderbare Aussicht auf die schroffen Nachbarberge und die Hauptkette des Karwendels lässt sich gut überblicken. Nach Norden hin ist der Blick völlig ungehindert.
Auf dem Anstiegsweg geht's zurück und um den Vorgipfel herum. Man bleibt danach allerdings auf dem Verbindungsgrat zur Larchetfleckspitze, bis er sich deutlich verbreitert. Durch die steile Grasflanke nach Südosten hinab auf einen Grasrücken und diesem ein Stück abwärts folgen, bis die Rinne rechts davon auf einem deutlich erkennbaren Gamswechsel gequert werden kann (I). Jenseits über steile, felsdurchsetzte (I) Grashänge etwas rechts haltend bergab, bis die Steilheit abnimmt und man unschwierig ins Larchetfleckkarl übertreten kann. Das Kar wird gequert und über Grashänge wird der Südostrücken erstiegen, wo man wieder auf die Anstiegsroute trifft (das Kar bricht meines Wissens nach in einer kaum gangbaren Felsstufe nach unten hin ab). Über diese zurück zum Radl und dann beginnt der entspannte Teil des Rückwegs.

Schwierigkeiten:
Radltour zur Larchetalm: L.
Tiefkarspitze über Südostgrat: T6, II.
Tiefkarspitze über Larchetfleckkarl: T5+, I.

Fazit:
Ein herrlicher Karwendelgipfel, der durchaus Ansprüche an seine Bezwinger stellt. Sehr steile Grashänge müssen passiert werden, die keinen Ausrutscher tolerieren - hier muss es unbedingt trocken sein (ich hab's mal bei 15 cm Neuschnee probiert und bin bis zum Gratansatz gekommen, war aber wenig spaßig). Der Anstieg über den Südostgrat wird praktisch nie begangen (keinerlei Begehungsspuren, keine Eintragungen im Gipfelbuch) und ist auch nicht sonderlich empfehlenswert. Im brüchigen, sehr ausgesetzten Schrofengelände kommt kein Klettervergnügen auf. Der Weg über's Larchetfleckkarl ist deutlich einfacher, aber immer noch anspruchsvoll. Landschaftlich eine schöne 4*-Rundtour.
Noch eine Warnung: Die Routenführung ist recht verzwickt. Man sollte bei einem Abstieg den Weg bereits vom Aufstieg kennen. Von einem Abstieg am Südostgrat ist abzuraten, da gefährlich und von oben kaum zu finden (AVF: "Orientierung schwierig").

Mit auf Tour: Bäda und Hermann.

Anmerkung:
ADI war im April 2009 von Norden auf der Tiefkarspitze. Hier der Bericht.
Numa und mabon waren diesen Monat über's Larchetfleckkarl oben. Hier der Bericht.

Hike partners: 83_Stefan

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Comments (4)


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algi says:
Sent 28 November 2011, 08h06
Auch wenn du den SO-Grat nicht gerade empfiehlst, ich finde es toll, dass alte klassische Wege wieder so eine Art Renaissance erleben.

Gruss Albert

83_Stefan says: RE:
Sent 28 November 2011, 19h46
Danke! Ich freue mich auch, dass man von diesen vielen, kaum bekannten Routen immer mehr findet. Das Dumme nur: Die "to-do-Liste" wächst ins Unermessliche.

kardirk says:
Sent 28 November 2011, 10h04
Servus Stefan,

Gratuliere, den SO-Grat hab ich schon lange im Auge gehabt,
jetzt bist Du mir zuvorgekommen. Jetzt weiß ich wenigsten was da auf mich zukommt. Schon klasse was da heuer noch Ende November geht.

VG
Dirk

83_Stefan says: RE:
Sent 28 November 2011, 19h48
Hallo Dirk, vielen Dank! Schau, bei der Griesspitze war's umgekehrt!
Ja, dieser Herbst wirklich großartig! War heute auf fast 3400 Metern und es war nicht mal besonders kalt!


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