Hängeten-Nordostkante und anschliessende Überschreitung


Published by radivi Pro , 13 November 2011, 23h47.

Region: World » Switzerland » Appenzell
Date of the hike:13 November 2011
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Time: 9:00

Die Hängetenüberschreitung war schon länger ein Ziel, und nachdem Maveric und Delta die Machbarkeit demonstrierten, sollte das Projekt nicht mehr länger warten. Ich bin allerdings kein grosser Steilgrasanhänger, deshalb wollte ich mir den Südaufstieg auf den Ostgipfel ersparen. Ich könnte also von Westen her kommen, dann müsste ich aber an einer abenteuerlichen Stelle an, wenn überhaupt, sehr alten Haken abseilen. Nach einem mulmigen diesbezüglichen Erlebnis am östlichen Freiheitsturm wollte ich dies nur im Notfall tun. Es bleibt also die wahrscheinlich nicht weniger abenteuerliche Aufstiegsroute über die Nordostkante der Hängeten vom Lötzlisalpsattel (oder Vordere Wagenlücke).

Zustieg

Start um 8:00 in Dornesslen, bereits über dem Nebelmeer. Via Neuenalp steige ich das Neuenalpkamin hoch. Eine Stelle verlangt kurzes Klettern (II), sonst etwa T5. Das Wäldchen oberhalb des Kamins ist neben dem Gabelschutz die 2. typische Gamsschule im Alpstein. Weiter auf den Schäfler und den Altenalptürmen entlang zum Lötzlisalpsattel.

Nordostkante

Dort steige ich wenige Meter hoch zur Nordostkante der Hängeten. Laut Führer geht es 8-15m rechts (westlich) von der Kante hoch und nur das letzte Fünftel auf der eigentlichen Kante. Ich finde etwa 15-20m von der Kante ein Loch im Wandfuss und gleich links daneben eine Verschneidung, welche mit gutem Willen die Route ist. Sicherheitshalber ziehe ich die Kletterfinken an, um besseren Halt zu haben. Einschlägigen Quellen zufolge ist der Fels der Hängeten nicht der beste, ich gehe also vorsichtig ans Werk. Nach den ersten Metern gewinne ich einigermassen Vertrauen in den Fels. Man erkennt die brüchigen Stellen, zumindest rede ich mir das ein. Nach etwa 15-20 Klettermeter erreiche ich ein Podest und verschnaufe erst einmal. Die Schwierigkeit schätze ich auf IV ein, allerdings war insbesondere jeweils das Vertrauen in die Griffe das Problem. Aber wie gesagt, bis oben hat sich das dann gelegt. Auf dem Podest geht es am besten noch etwas weiter nach rechts. Dort finde ich dann auch einen Standplatz aus zwei alten Schlaghaken. Ich bin zwar seilfrei unterwegs, aber es ist gut zu wissen, auf der Route zu sein. Weiter leicht schräg nach links und in einer weiteren Verschneidung nach oben auf das grosse Band, das die Nordflanke durchzieht. Von dort kann man entweder rechts auf den Grat (sieht verlockend einfach aus) oder nach links auf die Kante zum Gipfelaufbau. Im Führer heisst es nun einmal nach links, und so geschieht es auch. Der Gipfelaufbau ist sehr exponiert, aber gut machbar.

Auf dem Ostgipfel steht ein Steinmann (oder -haufen) und darin eine Gamelle. Wie bereits von Delta beschrieben gab es in den letzten 20 Jahren keinen Eintrag. Auch in den sechziger Jahren war niemand da. Der Gipfel scheint also tatsächlich höchst unpopulär zu sein. Völlig zu unrecht, die Lage ist grandios, der Blick zu den leicht tieferen Altenalptürmen phänomenal. Wie auf den Altenalptürmen scheint Hikr auch auf dem Hängeten Ostgipfel Spuren zu hinterlassen. Ich bin nach Maverics und Deltas Besuch nicht etwa der nächste, sondern der vierte auf dem Ostgipfel dieses Jahr (selbstredend ist Maveric selbst einer der anderen). Ich verweile eine ganze Stunde auf dem Ostgipfel bei Sonnenschein, Nebelmeer und absoluter Ruhe - keine Flugzeuge, keine Helis, nicht einmal Gleitschirmflieger (die Bahn ist in Revision).

Überschreitung

Nun mache ich mich auf zum Hauptgipfel der Hängeten. Zuerst kommt ein scharfes Grätchen bis ich zur Stelle komme, wo man vom Rasenband der Nordflanke auch den Grat erreichen könnte. Schliesslich noch etwas weiter, und dann umgehe ich einen unwegsamen Felsabschnitt auf einem Wildwechsel in der Nordflanke. Dies ist ein tadelloser Weg. Weiter geht es nur wenig über Fels und meist über einen Grasgrat fast bis zum Hauptgipfel. Diesen muss man sich dann noch mit einer III-er Stelle verdienen (seit Ostgipfel habe ich wieder Bergschuhe an den Füssen). Auf dem Gipfel angekommen umkreist mich ein Riesenschwarm Bergdohlen, sehr imposant. Und weiter erspähen mich noch ein paar Steinböcke und eine Gams, die dann das Weite suchen. Überrascht stelle ich im Gipfelbuch fest, dass einzig marmotta noch das Quartett der Ostgipfelbesucher ergänzt. Die Hängeten scheinen nach wie vor ein sehr exklusiver Berg zu sein.

Der Abstieg folgt entlang Deltas Reepschnur, dann weiter hoch auf den Grat bis kurz vor den Westgipfel, und den Nordkamin runter zum Öhrlisattel.

Abstieg

Ich nehme noch schnell das Öhrli mit, und gehe wieder zurück nach Dornesseln via Lötzlisalpsattel, Schäfler, Chalberer und Chueschnuer.

Fazit

Die Tour stellt einen weiteren Höhepunkt im Alpstein dar. Die Nordostkante ist nicht überall offensichtich bezüglich der Routenfindung, erlaubt aber auch ein paar Varianten (ich habe einen Haken abseits meiner Route gesehen). Eine seilfreie Begehung werden Nachahmer aber höchstwahrscheinlich als eher sportlich beurteilen. Der Fels ist gar nicht mal so schlecht, was teilweise allerdings auch nötig ist; ich musste zwei ganz kleine Überhänge meistern, da müssen die Griffe schon halten. Die Überschreitung ist sensationell und eigentlich bis auf den Gipfelaufschwung nicht besonders schwierig, wenn man die eine Gratstelle nordseitig umgeht.

Hike partners: radivi

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Comments (1)


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Delta Pro says: Beeindruckend
Sent 14 November 2011, 13h20
Herzliche Gratulation!
Gruss Delta


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