Arosa - Scuol/Schuls in 6 Tagen


Publiziert von Bergloft , 21. November 2011 um 21:58.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Schanfigg
Tour Datum: 1 Oktober 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Starlex-Terza-Gruppe 
Zeitbedarf: 6 Tage
Aufstieg: 5096 m
Abstieg: 5550 m
Strecke:Arosa-Maienfelder Furka-Sertigpass-Parkhütte Varusch-Fuorcla Val Sassa-Chamanna Cluozza-Murter-Süsom Givè-Funtana da S-charl-S-charl-Scuol
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der RhB oder dem Auto von Chur durchs Schanfigg zum Bahnhof Arosa. Gratisparkplätze im Parkhaus Ochsenbühl am Obersee.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit der RhB oder dem Auto (via Flüelapass) von Chur nach Scuol. Von Landeck/A Busverbindung nach Scuol/Schuls.
Unterkunftmöglichkeiten:Diverse Hotels, Pensionen, Backpackers in Arosa und Scuol. Walserhaus Davos-Sertig; Parkhütte Varusch Val Trupchun (S-chanf); Chamanna Cluozza (Zernez); Süsom-Givè (Ofenpass) oder Il Fuorn (Ofenpassstrasse), Landgasthof Crusch Alba (S-charl).
Kartennummer:1196, 1197, 1217, 1218, 1238, 1219, 1199

Auftakt

Schon lange hatten wir davon gesprochen, einmal von Arosa ins Unterengadin zu wandern. 2008 war es dann endlich soweit. Nach einem harten Trainings-Dreitäger auf dem Schanfigger Höhenweg (via Aroser Weisshorn und Aroser Rothorn-Ramozhütte-Weissfluhjoch bis (fast) nach Chur) sowie einigen Stunden Routenplanung und Vorbereitungen konnten wir am 1. Oktober loslegen. Da wir nicht eine Camping-Ausrüstung und Verpflegung für eine ganze Woche mitschleppen wollten, entschieden wir uns für vorgebuchte Unterkünfte mit Halbpension, was sich bestens bewähren sollte.

1. Tag: Arosa-Davos/Sertig, 10 Stunden, 1'187 HM Aufstieg, 1'065 HM Abstieg (T2)

Ich reiste früh morgens mit der Rhätischen Bahn nach Arosa, wo ich mich mit meinem Begleiter Thomas traf. Nach einem kurzen Materialcheck ging's gleich los. Bei leichter Bewölkung und angenehmen Temperaturen stiegen wir auf einigen Insider-Waldwegen hinunter zur Isel. Schnell merkten wir, dass wir dieses Mal einiges mehr an Gepäck am Rücken hängen hatten. Vom Talboden der Plessur aus nahmen wir den markierten Weg durchs wilde Furkatobel hinauf zur Maienfelder Furka in Angriff. Es war nicht viel Betrieb an jenem Mittwoch, und so konnten wir unsere erste Rast bei der Schutzhütte auf der Passhöhe in Ruhe geniessen. Die Nordflanke der Amselflue, der Wächterin der Furka, war schon mit einer leichten Schneeschicht überzogen, ein untrügliches Zeichen, dass der Herbst dicht vor der Türe stand.

Inzwischen hatten sich die Wolken weiter aufgelockert, und bei fast ungetrübtem Sonnenschein folgten wir weiter dem Weg über den Chummerberg hinunter zur schön gelegenen Stafelalp, wo wir unseren Getränkevorrat erstmals auffüllen mussten. Es war keine Menschenseele auf diesem Maiensäss zu sehen, nur ein einsames Auto, weswegen wir nicht länger verweilten und zügig weiter Richtung Frauenkirch abstiegen. Wir wählten die lohnende Variante durch das Frauenbachtobel zur Gadenstatt unweit des Kirchleins. Die asphaltierte Sertigerstrasse reizte uns nicht besonders, und so folgten wir von den Birchen der Langlaufspur und später dem Singletrail dem Sertigbach entlang bis zur Mühle. Beim Stadel stiegen wir durch die alte Forststrasse links hinauf zum Boden, wo wir im schönsten Abendlicht dem Höhenweg via Sturmeggen-Gaschurna-Bäbiwald zum Sertig Dörfli folgten. Nach einer kurzen Stippvisite zum Kirchli machten wir uns in der Abenddämmerung auf die letzten Meter zu unserer Unterkunft im Sand. Dort waren wir im Untergeschoss einquartiert, im Zivilschutzraum, dafür alleine und mit viel Platz, um unsere Sachen auszubreiten.

Nach dieser langen ersten Etappe, die uns den Wochentarif schon mal bekannt gab, konnten wir uns im stilvoll eingerichteten Stübli des Walserhuus selbstverständlich nicht gegen die feinen Erzeugnisse der eben zu Ende gegangenen Bündner Hochjagd sowie ein kühles Bier wehren. Müde und zufrieden ging's dann aber bald einmal ins Bett.

2. Tag: Sertig-Parkhütte Varusch, 11 Stunden, 1'013 HM Aufstieg, 1'103 HM Abstieg (T2)

Nach einer erholsamen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück setzten wir uns zeitig in Bewegung. Es stand die distanzmässig längste Etappe auf dem Programm. Das Wetter hatte sich über Nacht spürbar verdüstert, der Himmel war stark bewölkt und die Temperaturen frisch. Raschen Schrittes zogen wir am Fuss des Mittaghorn vorbei Richtung Chüealptal, einem typischen gletschergeformten U-Tal. Der Bauer der Chüealp war gerade dabei, mit seinem Traktor die überschüssige Gülle in die angrenzenden Wiesen zu spedieren. Nach dem Passieren der Brücke beim Grüensee sah man auf dem nun deutlich steiler werdenden Weg Richtung Sertigpass die weiter oben liegenden Blockfelder, wo sich der Neuschnee schon festsetzen konnte. Die letzten knapp 200 Höhenmeter gings dann praktisch nur noch über Schneespuren bergan, und der kleine See unterhalb der Passhöhe war bereits gefroren.

Oben angekommen, empfing uns eine unangenehm kühle Bise, weshalb wir uns bald an den Abstieg Richtung Val Sartiv machten. Dabei wählten wir den hübschen kleinen Umweg über die Sella da Ravais-ch zum oberen der beiden Ravais-ch-Seen. Beim Abzweiger Keschhütte-Panoramatrail-Scalettapass entschieden wir uns aus Zeitgründen für den direkten Abstieg über den Hang in die langgezogene Val Funtauna, aber natürlich nicht, ohne zuvor einen ausgiebigen Blick zur SAC-Hütte und auf den stolzen, erst kurz zuvor vom Nebel enthüllten Piz Kesch geworfen zu haben. Die Sonne zeigte sich nun etwas vermehrt, und die Temperaturen stiegen vorübergehend deutlich an. Dies nutzten wir für eine längere Verpflegungsrast bei den Hütten der Alp Funtauna, wo ich auch ein Bobochen am rechten Fuss behandeln konnte.

Sodann machten wir uns an den langen, aber abwechslungsreichen Abstieg entlang des Vallember in die Val Susauna. Auf der Alpstrasse begegneten wir einem schwerbepackten deutschen Pärchen, welches trotz angekündigten Schneefalls die kommende Nacht bei der Alp Funtauna im Zelt verbringen wollte. Weiter unten trafen wir auf eine halbwüchsige Kreuzotter am Wegrand sowie auf eine Herde grasender Hochlandrinder. Die pittoreske Ortschaft Susauna mit ihren typischen Engadinerhäusern war praktisch verwaist, und so machten wir uns ohne weiteren Aufenthalt auf Richtung Chapella-Spinatsch, zum Parkplatz Varusch. Trotz fortgerückter Stunde und einsetzender Abenddämmerung wollten wir nicht einfach auf dem Fahrsträsschen zur Parkhütte Varusch aufsteigen, sondern wir folgten dem Wanderweg durch den God Aruozzas bis zur Punt da Val da Scrigns und bewältigten von dort die letzten paar Meter zur Hütte. Mittlerweile war es dunkel geworden, doch trotzdem gönnten wir uns zunächst auf der Terrasse noch einen kleinen Etappenschnapps. Nach einem währschaften Znacht in der gemütlichen aber proppenvollen Gaststube bezogen wir unser eher abenteurliches Nachtquartier ganz oben im Dachgeschoss.

3. Tag: Parkhütte Varusch-Chamanna Cluozza, 5 1/2 Stunden, 1'086 HM Aufstieg, 975 HM Abstieg (T4)

Trotz vorgängiger Wetterwarnung staunten wir am Freitag Morgen beim Öffnen der Fensterläden nicht schlecht, als draussen dicke Schneeflocken herumwirbelten, die eine bereits etwa 20 cm dicke Schneeschicht angehäuft hatten. Unseren Plan, via Val Müschauns und Fuorcla Val Sassa die Cluozzahütte zu erreichen, mussten wir nun definitiv aufgeben. Wir konnten nur noch von Zernez aus aufsteigen. Bereits zu Beginn der Tour war unklar gewesen, ob der an der Fuorcla liegende Schnee eine Passage ermöglichen würde, hatten wir doch keine Steigeisen dabei. So zog es uns nach dem Frühstück zunächst etwas durch den Schnee ins Val Trupchun hinein, in der Hoffnung, wir würden wenigstens ein paar Hirsche ausmachen können. Bereits bei der Alp Purcher machten wir aber Rechtsumkehrt und beschlossen, mit unseren Siebensachen den Bahnhof Cinuos-chel anzupeilen, den wir auf dem Wanderweg durch den God Plaun Flin erreichten. Diese dem Inn entlang führende Variante erwies sich als landschaftlich sehr reizvoll, wenn auch der Boden schneenass und tief war und sich die Strecke länger hinziehte, als wir zunächst dachten (ca. 2 Stunden).

Da in Cinuos-chel gerade kein Zug Richtung Zernez fuhr, nutzten wir die Zeit für eine kleine Pause samt Stärkung im nahegelegenen Restaurant. Zurück beim Perron trafen wir zufällig wieder auf das deutsche Pärchen vom Vortag. Auf der kurzen gemeinsamen Fahrt berichteten sie von einer kalten und kräftezehrenden Nacht auf der Alp Funtauna; sie würden nun zurück nach Scuol zu ihrem Auto fahren und dann die Heimreise antreten, das Ganze sei ihnen doch etwas zu herb geworden. In Zernez angekommen nutzten wir die Gelegenheit für einen kurzen Besuch im Nationalparkmuseum, bevor wir uns an den Aufstieg in die Val Cluozza machten.

Wir wählten den üblichen Weg via La Gianzana-Prasüra (T2, gut 3 Stunden Wegzeit). Der tiefverschneite Nadelwald bot ein fast schon surreales und sehr nordisch anmutendes Bild. Auch die Streckenanlage mit einem steilen Aufstieg bis auf über 2100 Meter unterhalb Fops, dem nachfolgenden Taucher auf 1800 zwecks Querung der Ova da Cluozza und dem finalen Dessert von 80 Höhenmetern hinauf zur Hütte ist schon fast einzigartig. In der Gegend des hochsten Punktes hörten wir zum ersten Mal das Röhren von zwei Hirschen. Die frischen Spuren, auf die wir kurz darauf stiessen, liessen keinen Zweifel daran, dass zumindest ein Tier ganz in unserer Nähe sein musste. Auf der Terrasse der Cluozzahütte konnten wir dann tatsächlich bis zum Eindunkeln einige Tiere auf der gegenüberliegenden Talseite mit dem Fernglas beobachten. Trotz des misslichen Wetters war auch die Chamanna Cluozza ausgebucht. Wir verbrachten einen kurzweiligen Abend in Tischgesellschaft einer Basler Familie (deren Jüngster arg an Fieber litt), bevor wir uns in unser ruhiges und gemütliches Doppelzimmer zurückzogen.

Trotz Improvisationsdruck waren wir auch an diesem ereignisreichen Tag praktisch die ganze Zeit auf den Füssen und legten 733 Meter im Aufstieg sowie 465 im Abstieg zurück. Ein wenig schade war es natürlich trotzdem, just den anspruchsvollsten Teil unserer gesamten Tour im Schatten des Piz Quattervals auslassen zu müssen. Es war uns jedoch klar, dass wir den Quattervals selbst bald einmal besuchen würden, ein Vorhaben, das wir im Herbst 2010 in die Tat umsetzen konnten.

4. Tag: Chamanna Cluozza-Süsom Givè (Ofenpass), 6 Stunden, 1'479 HM Aufstieg, 1'213 HM Abstieg (T3)

Auch an diesem Morgen stellte sich zunächst die Frage, ob die Route über den Murter-Sattel überhaupt gangbar sein würde. In der Nacht hatte es glücklicherweise nicht mehr geschneit, und schon bald stellte sich heraus, dass sich ein paar Verwegene bereits auf auf die Suche nach dem Weg gemacht hatten. Da die eher geringen Schneemassen keine Lawinengefahr befürchten liessen, entschieden wir uns, es ebenfalls zu versuchen. Allerdings war klar, dass wir von der artenreichen Fauna und den zahlreichen geologischen Besonderheiten dieser Route nicht viel mitbekommen würden. Die vorhandenen Fussstapfen erwiesen sich sodann in dem teilweise recht anspruchsvollen Gelände als sehr nützlich. Nachdem wir die Legföhrenzone hinter uns gelassen hatten, zeigte sich, dass die starke Bise den Schnee am Murter-Westhang bereits stark verweht hatte. Dies wusste ein Rudel Gämsen für sich zu nutzen, indem es sich unweit des Pfads an den stellenweise aper liegenden Grashalmen gütlich tat. Im obersten Teil war die Wegspur teilweise gänzlich unsichtbar, weshalb wir uns da und dort aufs Geratewohl durch den harschartigen Schnee kämpften.

Auf dem Sattel selbst ging ein noch kräftigerer Wind, und es fing wieder an, leicht zu schneien. So hielten wir die Gipfelrast kurz und machten uns zügig an den kräfteraubenden Abstieg über den Plan dals Poms zum Plan Praspöl. Stellenweise zeigte sich der blaue Himmel, und auch der Wind war hier kein Thema mehr. Wir überschritten den Spöl und stiegen auf zum Parkplatz 3 (P3) im Vallun Chafuol. Da wir zum Vornherein nicht vor hatten, die Strecke zwischen Il Fuorn und der Ofenpasshöhe zu Fuss zurückzulegen (wir hatten dieses Teilstück im gleichen Jahr in der Gegenrichtung schon einmal hinter uns gebracht), bauten wir eine lohnende, wenn auch nebelverhangene und verschneite Zusatzschlaufe von P3 über Bügliets, Grimmels und Badachül zum Hotel Il Fuorn ein. Von den für dieses Gebiet bekannte Murmeltieren war natürlich weit und breit nichts zu sehen, dafür kamen wir aber an einigen interessanten Zeitzeugen der früheren Eisenschmelzkunst vorbei. Als wir am Fuorn eintrafen, deutete sich bereits an, dass der Sonntag ein überaus schöner Tag werden könnte. Wir kehrten noch im Restaurant ein und fuhren dann mit dem Postauto zum Ofenpass, wo wir im Hotel Süsom Givè eincheckten.

Dort gab es auf der Etage eine Badewanne sowie die Möglichkeit, unsere Kleidung professionell waschen zu lassen. Von beidem machten wir dankbar Gebrauch. Die anstrengende Etappe und die Kälte hatten einiges an Energie verbraucht, und so langten wir beim Abendessen bei Bündnerspezialitäten kräftig zu. Die kommende Nacht war für Thomas dann aber alles andere als eine erholsame, verbrachte er doch den Grossteil davon wegen plötzlicher akuter Magen-Darm-Beschwerden auf der Toilette.

5. Tag: Süsom Givè-S-charl, 3 3/4 Stunden, 244 HM Aufstieg, 583 HM Abstieg (T2)

Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre: Ein wolkenloser und strahlend blauer Himmel begrüsste uns nach dem Aufstehen. Was für ein Kontrast zu den beiden vergangenen Wintertagen! Draussen war es bitterkalt, doch zeigte sich in der Ferne König Ortler mit kleinen Wolkenhäubchen von seiner schönsten Seite, was uns die Kälte ziemlich schnell vergessen liess. Thomas war natürlich noch recht gezeichnet von seinen Beschwerden, und so waren wir froh, eine vergleichsweise kurze Etappe vor uns zu haben. Wir liessen den ursprünglichen Plan fallen, den Munt da la Bescha durch die Valbella zu umgehen, sondern nahmen den direkten Weg über die verschneite Plaun da l'Aua und die Alp da Munt zur Fuorcla Funtana da S-charl unter die Füsse. Dort legten wir bei der Talstation des Skilifts eine längere Rast im Windschatten des Restaurationsgebäudes ein. Danach machten wir uns gemütlichen Schritts an den direkten Abstieg über Plan Mattun zur Alp Astras.

Dort trafen wir auf ein älteres Ehepaar, mit dem wir uns unterhielten, während sie vor einer Alphütte sitzend ihr Mittagessen zubereiteten. Dass man sich oft zweimal im Leben trifft, sollte auch hier zutreffen, denn auf den Mann stiess ich im Sommer 2011 zufällig wieder, als er ein paar mit Waren bepackte Schafe von Arosa über die Alp Altein nach Davos trieb. Der Weg führte uns schliesslich auf der Forststrasse weiter talauswärts, denn auch der Abstecher durch die altehrwürdigen Arven des God Tamangur wäre heute zu anstrengend gewesen. Trotz des Schnees begegneten wir einer zweispännigen Räderkutsche, die eine Handvoll neugieriger Touristen von S-charl zur Alp Astras brachte. Auf dem recht langen Weg der Clemgia entlang Richtung S-charl konnten wir vor allem die wunderbaren Herbstfarben geniessen, bevor wir noch bei Sonnenschein im Dörfchen eintrafen. Dort bezogen wir im traditionellen Engadinerhaus Crusch Alba (Weisses Kreuz) unsere gemütliche und konfortable Unterkunft und legten uns noch etwas hin, bevor wir mit ebenfalls anwesenden Bekannten ein entspanntes Abendessen geniessen konnten. Thomas ass zwar einiges weniger als sonst nach einer Tagestour, ansonsten ging es ihm zum Glück schon wieder viel besser.

6. Tag: S-charl-Scuol, 3 Stunden, 107 HM Aufstieg, 631 HM Abstieg (T2)

Ein letztes Mal verwöhnte man uns mit einem währschaften Puurazmorga, ehe wir unsere Rucksäcke packten und uns im Lichte der morgendlichen Sonnenstrahlen auf den Weg Richtung Scuol machten. Der Tag war wettermässig praktisch ein Abbild des Vorangegangenen. Angesichts der Umstände gaben wir die ursprüngliche Option, ein Besuch des Piz Lischana, auf und entschieden uns für eine Durchschreitung der Clemgia-Schlucht. So marschierten wir an der historischen Schmelzra vorbei zu Las Palüds, wo wir auf den Single-Trail oberhalb der Strasse auswichen. Gleiches taten wir weiter unten im Nadelwald von Pradatsch, beides interessante Alternativen zum eher monotonen Fahrweg. Wildtiere sichteten wir hier leider keine, dafür stiessen wir beim Einstieg in die Schlucht unterhalb Plan da Funtanas auf eine lustige Ansammlung von Steinmännchen, gewissermassen die treuen und geduldigen Türsteher der Clemgia.

Die Clemgia-Schlucht, ein wildromantischer, tiefer Einschnitt in die trümmerartigen Gesteinsmassen, ist für sich allein schon ein Besuch wert. An jenem Montag waren die Herbstfarben besonders intensiv und kontrastreich; entsprechend oft wurde zur Fotokamera gegriffen. Nach der Überquerung aller sieben Brücken und der Durchschreitung der Clüsa mit ihrem Elektrizitätswerk öffnete sich schlagartig das Inntal und präsentierte uns die Ebene der Gurlaina. Diese überquerten wir ohne grosses Verweilen Richtung Fussgängerbrücke am Innknie, denn nach den Anstrengungen der vergangenen Tage wollten wir uns das Bogn Engiadina (Bad Schuls) keinesfalls entgehen lassen. Ein Platz im römisch-irischen Bad war natürlich schon reserviert, einen entspannenderen Abschluss einer solchen Tour kann man sich kaum wünschen.

Da wir im Bad die Zeit planschend und schwitzend etwas vergassen, mussten wir uns plötzlich nochmals sputen, denn es galt, unseren Zug Richtung Chur nicht zu verpassen. Dabei kamen wir auf den letzten fiesen Metern von der Stradun hinauf zum Bahnhof noch einmal tüchtig ins Schnaufen, bevor wir es uns im Wagen zweiter Klasse dankbar gemütlich machen und die Heimreise auf Rädern antreten konnten.

Fazit

Da es für diese sehr interessante und konditionell fordernde Tour keinen Blueprint gab, stellten wir sie nach unserem Gutdünken selbst zusammen. Der Umstand, dass wir wettermässig so ziemlich alles geboten bekamen, machte sie schliesslich nur noch spannender und abwechslungsreicher. Die Idee, sie hier zu publizieren, kam daher, dass sie bereits mit Begeisterung von zwei anderen Personen in der Originalvariante wiederholt wurde. Sie könnte somit auch für weitere Hiker inspirierend sein. Dabei ist natürlich auch die Gegenrichtung denkbar (mit einem Wellness-Finale in Bottas Bergoase in Arosa).

Allerdings ist es empfehlenswert, sich die strengsten Etappen nicht bis zum Ende der Tour aufzusparen, weswegen in diesem Fall eine etwas andere Planung Sinn machen könnte. Die von uns benutzen Unterkünfte können jedenfalls allesamt empfohlen werden, die einen sind zwar etwas einfacheren Zuschnitts, aber stets sympathisch und weit mehr als ausreichend. Ein grosser Vorteil war diesbezüglich, dass man uns nebst Halbpension bei jedem Etappenhalt Lunchpakete für den Mittag zusammenstellen konnte, und wir somit nicht auf Ladenbesuche angewiesen waren.

Für uns ist klar, dass wir diesen Trip irgendwann in irgendeiner Form wiederholen werden; zunächst konzentrieren wir uns aber auf diejenigen Projekte, die uns auf dem wunderbaren Weg von Arosa nach Scuol so alle in den Sinn gekommen sind.


Tourengänger: Bergloft


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