Friederspitz - Schellschlicht, ein ruhiger Gratübergang zwischen 2 Brennpunkten


Published by algi , 7 November 2011, 16h46.

Region: World » Germany » Alpen » Ammergauer Alpen
Date of the hike: 6 November 2011
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 7:30
Height gain: 1600 m 5248 ft.
Height loss: 1600 m 5248 ft.
Access to start point:Von Garmisch Richtung Ehrwald bis nach Griesen. Diverse Parkmöglichkeiten am Ortsende.

Die Tour wurde bereits 2009 von Bene69 publiziert.
Ich habe sie in entgegengesetzter Richtung durchgeführt, und dachte mir, ein paar zusätzliche Infos zu der Runde sind bestimmt ganz nützlich.

Vorgeplänkel:
Abmarsch um 7:50 Uhr vom Parkplatz hinter der Brücke über die Naidernach, die 5 Stellplätze jenseits der Brücke, unmittelbar vor der Schranke, sind bereits belegt. Man verfolgt die Forststraße Richtung Schellschlicht ca. 5 Min. lang, dann zweigt rechts eine weitere Forststraße ab, die 2 Schilder weisen den Weg nach Linderhof und zum Frieder. Bereits auf diesem Weg strömt mir immer wieder lauwarme Luft entgegen, und schürt meine Befürchtung, dass der südseitige Anstieg zum Friederspitz heute wohl nicht die beste Wahl war. Nach weiteren 20 Min. erreiche ich den Abzweig nach links zum Friederspitz  ( Wegkennzeichnung "FR" ) und bereue es, dass ich die Wandershort nicht eingepackt habe. Der Weg steuert am Rande des Gries auf den Rücken westlich der Friederlaine zu, direkt am Waldrand verläuft ein paralleler Weg, der kurz vor der Friederlaine nach oben führt. Ob es eine "offizielle" Abzweigung zu diesem Weg gibt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, weil ich sie vmtl. übersehen habe, stattdessen auf dem "Hauptweg" weiterlaufe, und schließlich dem Ausgang der Friederlaine einen kurzen Besuch abstatte. Genervt gehe ich wieder zurück, entdecke nach ein paar hundert Metern einen Wanderer am Waldrand, 20 Meter durchs Gebüsch hinüber, dann bin auch ich in der richtigen "Spur". Als es endlich bergauf geht, sind bereits 40 Min. verstrichen.

Saunagang:
Die ersten 100 Hm geht es steil bergan, dann verläuft der Weg in weiten flachen Kehren durch hohes Gras. Im Sommer, nach Morgentau oder Niederschlägen, ist man hier mit Gummistiefeln wohl bestens ausgerüstet. Mit zunehmender Höhe werden die freien Flächen immer häufiger, und die Sonne will mir unbedingt beweisen, was sie auch zu dieser Jahreszeit noch drauf hat, leider ist es auch absolut windstill, so dass der natürliche "Ventilator" seine kühlende Aufgabe nicht erfüllen kann. Meine Nase ist mittlerweile zu einem tropfenden Wasserhahn mutiert, die Augen brennen wie Feuer, warum tue ich mir das nur an. Irgendwann tropft nichts mehr, vmtl. weil alle überflüssigen Feuchtigkeitsreserven restlos aufgebraucht sind. Nachdem die Latschenzone überwunden ist, kommt endlich der kühlende Wind, auf der Hochfläche des Lausbichels wird es dann gleich so heftig, dass ich mir die Jacke wieder überstreifen muss. Bei lebhaftem Föhnwind erreiche ich kurze Zeit später, gegen 10:30 Uhr, den Gipfel des Friederspitz.
Da ich nur 1 Liter an Getränken dabei habe, muss ich haushalten und mich mit 1/4 Liter von dem köstlichen Nass begnügen. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit, und da ich über keinerlei Infos hinsichtlich des Zeitbefarfs für die Überschreitung verfüge, lasse ich den Frieder sicherheitshalber rechts liegen, und mache mich gleich wieder auf den Weg.

Die Überschreitung:
Der Grat führt in einem langen Abschnitt von der Westschulter des Friederspitz in westlicher Richtung bis zum Kreuzspitzl, dreht sich hier um 90 Grad, und verfolgt nun, südwärts, den kurzen Abschnitt bis zum Schellschlicht. Von der Westschulter geht es zunächst steil bergab, dabei sind mehrere kleine, felsige Absätze in leichter Kletterei zu überwinden. Hier zeigt der Fels bereits sein wahres Gesicht, Urbruch, der den Vergleich mit Karwendelverhältnissen wohl nicht scheuen muss. Wenn man schon mit den Händen zugreifen muss, dann am Besten großflächig, viel Bruch hält wahrscheinlich mehr, als wenig Bruch. Nach den ersten Stufen sehe ich, dass man hier auch auf einem kleinen Felsband reinqueren kann, das muss man aber wissen um den "Einstieg" auf das Band zu suchen und ggf. zu finden. Nach dieser Steilstufe geht es direkt auf, oder knapp neben der oftmals latschenbewachsenen Gratschneide weiter, bis zum tiefsten Punkt zwischen den Gipfeln. Hier waren, vor noch nicht allzulanger Zeit, sehr fleißige Helfer am Werk, und haben die Latschengassen ausgeschnitten, so dass man nun recht komfortabel entlangwandern kann ( an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für diese mühevolle gemeinnützige Arbeit ). Kurz vor der tiefsten Stelle stehe ich plötzlich vor einem Abbruch, der nordseitig auf brüchigem Geschröf umgangen wird. Weiter geht es in stetigem Auf und Ab, die kurzen brüchigen Steilstufen können meist auf der Nordseite umgangen werden. Einer ca. 20 m hohen Steilstufe wird rechtshaltend großräumig über abschüssiges Schroffengelände ausgewichen. Auf der Südseite führt eine große, geneigte, ausgesprochen plattige Verschneidung ( nach visueller Einschätzung ein oberer III-er ) auf diesen Felskopf, bin mal ein paar Meter hochgeklettert, habe den benötigten Reibungseigenschaften meiner Wandertreter jedoch nicht das erforderliche Vertrauen entgegengebracht, und den Versuch wieder abgebrochen.
Nach Wiedererreichen des Grates geht es im Wechsel zwischen Gehgelände und schöner leichter Kletterei hinauf zum Kreuzspitzl ( Zeitbedarf ab Friederspitz: 2 Std. ).

Leider pfeift mir hier oben der Wind wieder gewaltig um die Ohren, so dass ich meine Erholungspause nochmals verschiebe, und nun in südlicher Richtung in die Scharte zwischen Kreuzspitzl und Schellschlicht hinablaufe. Es müssen wieder ein paar felsige Passagen überwunden werden, alles wie gehabt: nicht schwer, aber eben brüchig. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es die letzten Hm hinauf zum Schellschlicht, dabei dürfen nochmals ein paar leichte Kletterstellen bewältigt werden ( Gehzeit ab Kreuzspitzl: eine gute halbe Stunde ).
Der Gipfel ist gut besucht, und so mache ich mich nach den obligatorischen Gipfelfotos bald wieder an den Abstieg.

Abstieg:
Als Abstieg wähle ich den Weg über das Brandjoch, dabei lassen mich 2 Gemsen bis auf 10 m an sich herankommen, ehe sie doch noch die Flucht ergreifen. Ich lasse mir nun viel Zeit und genieße den herrlichen Blick auf das nördliche Wettersteinmassiv. Die Sonne hält sich nun meist hinter Wolkenschleiern versteckt, aber es ist angenehm warm. Um 16:00 Uhr erreiche ich wieder Griesen und muss zunächst meinen gewaltigen Durst stillen.

Fazit:
Landschaftlich eine sehr schöne Rundtour, die vor allem Trittsicherheit in brüchigem Gelände voraussetzt. Die Kletterpassagen bewegen sich in erster Linie im Schwierigkeitsgrad I, II-er Stellen sind eher die Ausnahme. Ich schätze, dass ca. 1600 Hm zusammenkommen, also konditionell schon etwas anspruchsvoller. Bei wärmeren Temparaturen würde ich die Mitnahme von ausreichend Flüssigkeit empfehlen ( sonst geht es euch so wie mir, und ihr seht danach aus wie a "Zwetschgenmännla" ).

Gruss Albert

Hike partners: algi

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