Kreuzspitze


Published by wegener , 2 November 2011, 23h41.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Date of the hike:29 October 2011
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: F
Waypoints:
Geo-Tags: A   I 
Time: 2 days
Height gain: 1555 m 5100 ft.
Height loss: 1555 m 5100 ft.
Access to start point:Sölden, Vent
Accommodation:Winterraum Martin-Busch-Hütte, DAV Berlin

Am Freitag abend bin ich spontan nach Lesen des Wetterberichts von Hessen runtergefahren. Da es meine erste Bergtour zu dieser Jahreszeit ist und ich alleine unterwegs bin, habe ich mir die Kreuzspitze ausgesucht. Nachdem ich mir bei Ankunft in Sölden nach 2 Uhr nachts die Öffnungszeiten der Sportgeschäfte angesehen habe, um nächstentags Steigeisen zu leihen, lege ich mich im Auto um 3.30 Uhr auf halbem Weg nach Hochsölden zum Schlafen. Nach diversen verspäteten Vorbereitungen am nächsten Morgen, Ausleihen von Steigeisen und Pickel, restlicher Anfahrt, Parkplatzsuche in Vent, etc. gehe ich um 10.30 Uhr in Vent am Parkplatz Ochsenkopflift los (in der Saison 4 € Parkgebühr pro Tag). Der Weg zur Martin Busch Hütte zieht sich etwas, mir begegnet kein Mensch. Erste Schneereste, die langsam zunehmen. Die ersten zwei Wanderer begegnen mir. Gegen 12.30 Uhr bin ich an der Hütte. Die Hütte hat einen offenen, komfortablen Winterraum, wie ich feststelle. Nach Anfahrt, 4 1/2 Stunden Schlaf und Anmarsch merke ich, dass ich irgendie nicht in Bestform bin. Die Aussicht hier im Tal ist schon sehr schön mit den angeschneiten Gipfeln. Nach einer Pause gehe ich los. Der Weg hoch ist nicht besonders steil, aber der zunehmende Schnee ist instabil; ich stelle fest, wie kräftezehrend mir das schon bei leichtester Steigung vorkommt. Wo der Untergrund zum Vorschein kommt, ist er schlammig. Von den Schneefeldern fließen kleinere Schlammrinnsale. Nach einiger Zeit erreiche ich ein kleines Hochplateau, wo die alte verfallene Hütte steht. Ein sehr, sehr schöner Ort, alles ist von Schnee bedeckt. Es folgt ein weiterer Anstieg, nicht besonders steil, wie auf der ganzen Tour, aber ich fange vermehrt an, öfters kleine Pausen zu machen. Es gibt - zum Glück - eine Spur mit ein paar älteren Schneeschuspuren. Jedoch bleibt's nicht aus, das ich bis zu den Knien, später auch bis zu den Oberschenkeln und ein paar mal bis zur Hüfte einsinke oder auch mal im Bereich von Steinen durchbreche. Ich stelle fest, dass meine Kondition und Tagesform für die Unternehmung nur "ausreichend" ist - ich bin langsam. Und wegen dem späten Losgehen wird's absehbar dass ich teilweise im Dunkeln runterwandern werde. Gelände und Verhältnisse stufe ich aber als unproblematisch ein. Das größte Risiko ist, sich beim Durchbrechen über einem Stein den Fuss zu verstauchen. Beim weiteren Anstieg höre ich in der Ferne ausgelassenes schallendes Singen, es gibt also noch Andere hier oben zu der Jahreszeit. Als ich pausiere begegnet mir ein Tscheche, der in der Martin-Busch mit Freunden nächtigt. Wir pausieren kurz zusammen. Ich bin auch der erste, dem er begegnet. Nachdem er schon fast aus dem Sichtfeld unten verschwunden ist und ich eine geraucht habe, gehe ich weiter. Ich ziehe jetzt auch mal meine Steigeisen an. Der Weg ist einfach aber wirkt auf mich ganz schön kräftezehrend im Schnee und leichte Kopfschmerzen stellen sich ein. Kurz vor Sonnenuntergang habe ich den Gipfel erreicht. Die Aussicht spricht für sich, Schnee, Gletscher überall. Ich pausiere nur kurz um mein momentanes Hauptziel zu erreichen; nämlich die höheren, "steileren" Bereiche noch im Tageslicht zu verlassen. Der Abstieg ist herrlich einfach. Der Schnee, im Aufstieg ein Fluch, schont beim Abstieg jetzt die Gelenke durch das Abfedern. Die Spur ist leicht zu finden. Auf halbem Weg ist's ordentlich dunkel, so dass ich die Lampe raushole. Das Schlimmste ist, dass ich irgendwo wieder mal meine Blättchen verloren habe, ich drehe mir eine Zigarette mit Papier aus einem Blatt A4-Papier, wo eine Tourenbeschreibung drauf ist. Nach dem weiteren Abstieg, bei Ankunft in der Hütte gehen die Steigeisen beim Ausziehen kaputt, naja ich bin ohnehin zu geschafft, um am nächsten Tag eine unvorbereitete "anspruchsvolle" Tour zu gehen, meine Vorräte reichen jedoch, da ich zuviel mitgenommen habe, um spontan in der Hütte zu bleiben. Die Hütte ist jedenfalls nun bis auf ein Bett voll. Am nächsten Morgen gehe  zur Similaun Hütte - gegen den Marzelluskamm entscheide ich mich kurz vorher, als ich sehe, wie sich einige Tourenskigeher halbwegs hochquälen. Wenigstens habe ich mich akklimatisiert. Es ist eine herrliche Berg-Winterlandschaft mit glitzerndem Schnee. Eine Frau begegnet mir auf dem Weg  zwischen den Hütten und es sind drei Mann kurz vor meiner Ankunft auf an der Similaun-Hütte zum Similaun aufgebrochen. Die Aussicht von der Hütte genieße ich einige Zeit und gehe dann zurück über die Martin-Busch-Hütte nach Vent... War schön, naja, nächstes Wochenende bin ich in Hamburg. Mal gucken wie das Wetter übernächstes Wochenende ist, ein bisschen festerer Firn wär schon besser.

Hike partners: wegener

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Comments (2)


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Ime says: Cool
Sent 3 November 2011, 00h07
Wirklich coole Tourenbeschreibung - die aus einer Tourenbeschreibung gedrehte Zigarette: Sehr entspannt! Viel Glück mit dem Wetter am übernächsten Wochenende.
Ime

sven86 says:
Sent 3 November 2011, 11h02
Das mit dem spontan "runter fahren" kenne ich...eventuell doch nochmal nach dem Föhnsturm :)

Viele Grüße aus Frankfurt
Sven


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