Fluebrigtour mit Wändliflue-Abstecher: Diethelm-Turner-Wändlispitz-Wändliflue


Publiziert von Taka , 24. September 2007 um 22:03.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:24 September 2007
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Östliche Sihltaler Alpen 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:Ochsenboden-Schärmen-Obergross-Diethelm-Turner- Wändlispitz-Wändliflue-Obergross-Schärmen-Ochsenboden
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Studen/Ochsenboden
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Studen/Ochsenboden
Kartennummer:Klöntal 1153

Die zwei Fluebrig-Gipfel haben mir noch gefehlt in der Wägitalsammlung. Zusammen mit dem abweisenden Wändlispitz eine unvergessliche Tour. Leider gabs beim Abstieg aufgrund verschiedener Faktoren massive Probleme welche mit etwas Glück noch gut ausgingen!

Vom Golfplatz Ochsenboden zuerst auf der Forststrasse und dann auf gut markiertem Bergweg via Schärmen und  Obergross zuerst auf dem Westgrat und dann auf dem Südgrat via Leiter auf den Diethelm (T4). Das letzte Stück ist mit Ketten gesichert.

Danach  via P2038 über den Wiesengrat auf den Turner (T3) und gleich wieder zurück über P2038 und P1972 an den Fuss des wenig besuchten Wändlispitz. Nun steht er vor einem: Der abweisende S/E-Grat. Auf den ersten Blick würde man kaum denken, dass man hier in gerader Linie hoch kann...man kann!

Die ersten Zacken umgeht man links in leichter Kraxelei und abschüssigem Gelände. Dann kurze Kraxelei bis zum Aufschwung, wo das Loch drin ist (s.Fotos). Jemand hat hier ein kurzes Fixseil angebracht, jedoch links vom Grat und die Route führt definitiv rechts hoch (Tritte, Griffe)! Ich stieg wieder ab und ging dann die richtige Route ohne Seilhilfe hoch. Ziemlich luftig und ausgesetzt! Nun folgt ein weiterer Aufschwung, welchen man bewältigen muss bevor man an eine sehr ausgesetzte Stelle kommt (Gänsefussgrat beide Seiten senkrecht s'Loch ab) welche man rechts auf sehr schlechten Minitritten abläuft (brüchig). Der Rest ist dann genüssliche Kletterei im 2.Grad, jedoch ausgesetzt. Wie viele schon sagten, der Grat sieht schlimmer aus als er ist, aber unterschätzen darf man ihn nicht meiner Meinung nach. Sehr luftig, brüchige Griffe/Tritte, ausgesetzt (T6-/II). Abrutschen/Fehltritt wäre zumindest sehr ungesund;-)

Nun beginnt die Misére vom heutigen Tag (zum Glück hatte ich 30m Seil dabei!): Ursprünglich wollte ich übers Gartenbeetli absteigen doch im Gipfelbuch raten viele von dieser Route ab. Ich lese gespannt von einer Route durch die teils senkrecht abfallende Wändliflue. Anscheinend gibt es einen Einstieg vom N/W-Grat aus. Ich mache mich auf den Abstieg über besagten Grat und muss sagen, das war mein erster grosser Fehler. Kniehohes, feuchtes Gras in teils extrem abschüssigem Gelände. Ich kam mehrmals ins Schwitzen und irgendwie war mir, jemand hat mal in einem Tourenbericht von dieser Route abgeraten!? Ich stieg also unter grösster Konzentration bis auf 1500m (500HM) ab und sah dann eine Markierung an einem Baum oberhalb eines Einschnitts. Ich war mir sicher, hier ist der Einstieg...welch fataler Fehler! Zuerst gings in T6-Manier ca. 50 Meter hinunter wo ich mich dann über eine 8 Meter Felsnase abseilte. Eigentlich hätte ich jetzt umkehren müssen! Nochmals abseilen (10-12 Meter) und ich stehe oben an einer senkrechten 50-80 Meter Wand. Ich musste bei Nässe freikletternd wieder aufsteigen auf den Grat, das wäre beinahe ins Auge gegangen...  

Mittlerweilen ist die Sonne dem Nebel gewichen und es riecht schwer nach Regen. Ich stieg wieder auf bis auf Höhe Gartenbeetli-Einstieg doch eine Traversierung des Geländes war mir zu riskant bei feuchtem Gras. Unten gings schnurstracks über die Felswände nach unten und ja, es war sehr abschüssig.Was nun?? Ich war langsam ziemlich am Limit und die einzig vernünftige, sichere Lösung erschien mir, wieder (500HM) aufzusteigen in die Lücke zwischen P1972 und P2038 und den Normalweg via Schärmen zu nehmen. Der Aufstieg erfolgt an der Südkante der Gross Sienen. Auf ca. 1800m muss man dann durch ein Couloir ins Geröllfeld oberhalb Sienen absteigen. Ich hab  wohl noch nie so geflucht während dem steilen Aufstieg! Aus dem 5 Stunden Türli wurde ein 11 Stunden Marathon (mit genug Pausen)...

Fazit: Führe eine Tour so durch, wie Du sie ursprünglich geplant hast wenn Du das Gelände nicht kennst! Dennoch, eine grösstenteils schöne Tour am persönlichen Limit;-) Das Bier ist wohlverdient heute und ich um eine Erfahrung reicher...


Tourengänger: Taka, sandra1

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

T6 II
29 Nov 11
Fluebrig + · tricky
T6
T6
3 Jul 06
Alle vier Fluebriggipfel · NiklSchr
T6-
T5

Kommentare (9)


Kommentar hinzufügen

Zaza hat gesagt: Geteiltes Leid...
Gesendet am 25. September 2007 um 07:24
...ist halbes Leid: Das war mir doch genau gleich gegangen mit dem missratenen Abstieg: http://www.hikr.org/tour/post3128.html
Immerhin war's bei mir trocken und damit weniger heikel. Doch auch ich habe gehadert beim Wiederaufstieg...aber schön war's trotzdem, gell?

LG, Zaza

Taka hat gesagt: RE:Geteiltes Leid...
Gesendet am 25. September 2007 um 09:43
Schön wars auf jeden Fall! Dein Bericht sagt alles über die Route. Was ich im Bericht vergessen habe zu erwähnen: Nachdem ich wieder auf der Kante stand habe ich noch versucht auf direktem Weg linkerhand vom Gartenbeetli abzusteigen bevor ich mich auf den Wiederaufstieg machte...ebenfalls schlechte Idee und noch mehr HM zum Schluss

NiklSchr hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2007 um 12:25
Da hab ich ja was angerichtet mit meinem Photo, das ich damals ins Netz stellte...
Ich find's einfach immer wieder super, dass es relativ niedrige Berge gibt, die einem ein tolleres Gefühl geben als die hohe Prominenz!

Schlumpf hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2007 um 18:07
uiuiui... Da habe ich auch nicht so gute Erinnerungen an diesen Abstieg. Das Gartenbeetli kannte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht und wie du ja gesehen hast steigte ich alles am Nordwestgrat nach ab, ich war noch nie so froh dass ich unten war. Aber manchmal ist es besser man kehrt um wie du es gemacht hast und wählt den sicheren Weg.

Gruess Schlumpf

Alpin_Rise Pro hat gesagt: Fluebrig
Gesendet am 26. September 2007 um 12:15
Ja, der gute Fluebrig, defintiv ein interessanter, komplexer Berg!
Durfte den auch mal angehen, zuerst auf den Wändlispitz, Abstieg übers beschriebene Culoir dann von Westen auf Diethelm und Turner. Dank den Vielfältigen Zweifeln hier hab ich mich dann für den Abstieg ins Wäggital entschieden. Existiert die andere Route mit der Leiter überhaupt?
Leider gabs keine Fotos und also auch kein Bericht, aber das habt ihr ja bravourös für mich erledigt - danke!

Zaza hat gesagt: RE:Fluebrig
Gesendet am 26. September 2007 um 12:21
Ein User namens Guido21 hat mir vor ein paar Tagen in Aussicht gestellt, dass er mir ein paar Fotos von der Leiter mailen würde. Es scheint sie also zu geben. Wenn er die Bilder denn schickt, werde ich sie meinem Bericht anhängen.

Grüsse, Zaza

Taka hat gesagt: RE:Fluebrig
Gesendet am 26. September 2007 um 13:20
Das wäre super, danke!
Wenn man nach "Unterwand" und "Wändlispitz" googelt, bekommt man lediglich einen Treffer vom SAC-Einsiedeln. Dort sind die Referenztouren der Wanderskala mit ortsspezifischen Routen erweitert. Da wird die Route Studen-Unterwand-Wändlispitz mit T5 bewertet. Allerdings die hinteren und vorderen Gräte ebenfalls, was imho definitiv im T6-Bereich liegt

Demnach gibt es die Route zumindest;-)

Gruss Taka

http://www.sac-einsiedeln.ch/2_mitteilg/sotouren.asp?display=tourgrad

Zaza hat gesagt: update...
Gesendet am 29. September 2007 um 20:09
ich habe die Fotos nun von Guido21 erhalten (danke!) und meinem Bericht hinzu gefügt. Let's try it again...Schäferweg rauf und Gartenbeetli runter z.B.

Taka hat gesagt: RE:update...
Gesendet am 30. September 2007 um 10:44
Danke vielmals, auch an Dich Guido21!
Ich frage mich gerade aufgrund der Fotos, welchen Einstieg ich damals gewählt habe (ich glaube es war die unscheinbare Kante rechts davon). Weil auf den Fotos sieht mir das ganz passable aus


Kommentar hinzufügen»