Augstbordwasser in Varianten


Publiziert von gerberj , 27. Oktober 2011 um 22:30.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:16 Oktober 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 520 m
Abstieg: 570 m
Strecke:21 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Postauto nach Moosalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postauto ab Bürchen, Restaurant Panorama
Kartennummer:274

Meine Wanderung war unter anderem inspiriert durch muscat, welcher in seinem sehr lesenswerten Bericht die geschichtlichen Aspekte etwas detaillierter beleuchtet hat.
Nur kurz: Vom Augstbordwasser gab es in den letzten Jahrhunderten vier Versionen. Die „Alte Suon“ existierte bis 1320. Danach die Niwi, wobei die alti  Niwi (1320 bis 1901) und die Niwi Suon (1901 – 1951) unterschieden werden können. Schliesslich folgte das Niw Wärch (Rohr- / Stollenleitung ab 1951).
 
Schon die Fahrt mit dem Postauto auf die Moosalp ist einen Ausflug wert. Ich hatte zudem das Glück, in einem Postauto via Zeneggen zu sitzen. Ab der Moosalp gings mit der Karavane in Richtung Jungu. Bald schon hatte ich alle abgehängt und konnte in Ruhe die Aussicht auf zahlreiche weisse Viertausender geniessen. Der Spaziergang bis Läger (T1) hat nicht viel mit Suonen zu tun, obwohl unter dem Weg das berühmte Augstbordwasser (Version „Niw Wärch“) fliesst. Das interessanteste waren die Spuren der „Alten Suon“: nach 700 Jahren können immer noch Gräben und Mauern gesehen werden!
In Läger – nach einem kurzen Abstecher zum Eingang des Augstbordstollens – stieg ich ab, bis ich auf die Spuren der „Niwi Suon“ um sie bis zum Embdbach zu verfolgen. Das tönt allerdings einfacher als dass es ist, hier taucht nun das T4 auf. Meistens ist der Weg gut begehbar, wenn auch nur selten benutzt. Es gibt aber ein Paar tückische Stellen: mehrere Male müssen einige Höhenmeter kletternd überwunden werden (Hände und Füsse, keine Ausrüstung notwendig), manchmal wurde die Suon auch durch Steinschlag verschüttet. Am schlimmsten ist eine sehr steile Geröllhalde mit feinem Schutt. Viel mehr möchte ich aber gar nicht beschreiben, da Bilder mehr sagen können.
Überraschenderweise liegt die Fassung des Niw Wärchs auf genau derselben Höhe wie die ursprüngliche Fassung der Niwen Suon. Unweit davon führt ein Weg talabwärts. Ich benutzte diesen, um untenrum wieder an die Stelle unterhalb Läger zu gelangen, wo ich zum ersten Mal aufs die Niwi Suon gestossen bin. Nun beweist die Suon, dass sie auch sanft sein kann. Dank einem offiziellen Wanderweg geht es zügigen Schrittes und mit prächtiger Aussicht vorbei an Schalb. Der gute Weg ist aber schon bald zu Ende und das Abenteuer beginnt von neuem. Der Weg wird schnell schlechter (holperig, Baumstämme) und bald ist die Stelle erreicht, die muscat beschreiben hat: ein Stück Weg ist abgebrochen und wurde notdürftig durch einige Eisenstifte und ein Seil ersetzt. Bei Pletsche steht ein Schild, das den eben begangenen Weg als gesperrt ausweist. Die Gründe dafür sind jetzt bekannt.
Ca. 300 m nach Pletsche (dem Strässchen entlang) beginnen die Spuren der Suon von neuem. Da dieser Abschnitt sehr unbequem aussah (Unterholz) entschied ich mich, noch ein Stücken auf dem Strässchen zu bleiben. Beim alleinstehenden Haus nach Bad gelangte ich schliesslich auf schmalen Pfaden wieder hinauf zur Suon, welche hier direkt unterhalb einer Felswand angelegt wurde.
Ab Bifiga ist der Weg wieder ziemlich angenehm, Wanderer scheinen aber nicht erwünscht (viele Zäune zu übersteigen). Die auf der Karte bei Pt. 1964 eingezeichnete Wasserfassung am Törbelbach wird nicht mehr genutzt, der Weg wird aber hier auch schnell schlechter. Beim Skilift erhält die Niwi Suon Wasser, zuerst nur wenig, später eine anständige Menge. Diesem Wasser entlang ging ich nun weiter bis zur Kreuzung mit der Strasse.
Meine Hoffnung, hier ein Postauto nach Törbel – Stalden zu erwischen, löste sich in Schall („Tatütatoo“) und Rauch (Abgase) auf. Ich konnte dem Postauto nur noch winken. Da die nächste Verbindung nach Bürchen erst in einer guten Stunde ab der Moosalp fahren sollte, entschied ich mich, via Boninger See und Breitmatte zur Bürchneralp zu spazieren. Das Naturschutzgebiet ist jedoch zu schön. Viel zu viel Zeit habe ich mit schauen verplämpert und musste teilweise rennen um rechtzeitig an die Bushaltestelle zu kommen. Voller schöner Eindrücke stieg ich in das Postauto ein.

Tourengänger: gerberj


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Geodaten
 8127.kmz

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Kommentare (6)


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bidi35 hat gesagt: schön...
Gesendet am 27. Oktober 2011 um 22:56
...dich unterwegs zu sehen Johannes.

Recht eindrücklich beschrieben und toll dokumentiert mitr den Fotos.
Vor lauter Suonen wird es mir fast schwindlig!!

Nun solltest du den Bericht nur noch in die Community stellen;-)

LG Heinz

gerberj hat gesagt: RE: schön...
Gesendet am 27. Oktober 2011 um 23:04
Was, schwindlig vor lauter Suonen! Da kann man doch eigendlich gar nicht genug davon kriegen! ;-)
Morgen gehte ich zu diesem Zweck in die Simplonregion (Chrummbacheri u.a.).

Der Bericht ist jetzt auch noch in der Community angekommen...

LG Johannes

bidi35 hat gesagt: RE: schön...
Gesendet am 28. Oktober 2011 um 10:16
...schwindlig wurde es mir auch gestern auf der Wanderung von Finnu nach Mund.

Das Gebiet zwischen Meinimatte - Bodma - Schalba - Egga - Färchu scheint ein Eldorado für Suonenfreaks zu sein.

Habe noch nicht recherchiert in den Fachunterlagen und Hikr-Berichten. Bin jeweils den wasserführenden Suonen "ä bitz" gefolgt und musste dann der Karawane wieder "nachespurte". Sind dies Ausläufer von Wyssa und Stigwasser? Auf jeden Fall waren die Spuren der traditionellen Bewässerung deutlich zu erkennen.

Werde dann mal solo auf Erkundungstour gehen.

LG Heinz

muscat hat gesagt:
Gesendet am 27. Oktober 2011 um 23:05
Super, dass Johannes Gerber wieder einen Bericht für uns schreibt. Und dass ihn mein Bericht inspirieren konnte. Ich war ja meinerseits inspiriert durch Klaus Kenzelmanns empfehlenswertes Buch über das Augstbordwasser.

Nur in einem Punkt scheint sich Kenzelmann geirrt zu haben: Auf den Plänen in seinem Buch hat er den Verlauf der Niwa so eingezeichnet, dass sie über Läger führt. Laut Johannes führte sie aber etwa 100 Meter unterhalb Läger durch. Dies deckt sich mit meiner Beobachtung. Ich ging zwar nicht bis zum Embdbach. Aber oberhalb Schalb sah ich, dass die Suone offensichtlich flach weiter ging und nicht via Läger.

Noch eine Frage ist offen: Klaus Kenzelmann schrieb, die Fassung der Niwi und des aktuellen Augstbordwassers liege beim Augstbordstafel auf 2257 Metern Höhe... stimmt das auch nicht?

gerberj hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. Oktober 2011 um 07:08
Hallo Andreas,

Das Buch von Klaus Kenzelmann habe ich erst nach der Wanderung (und bereits vor einigen Jahren) angeschaut. Selten wurde eine Suone so genau porträtiert!
Aber ja: beim Läger sind die eingezeichneten Linienführungen ein bisschen verrutscht, und die Fassung liegt auf ca. 2145 m (Blaues Symbol auf der 25'000er Karte).

Übrigens: so viel ich weiss führte auch die Alti Suon unterhalb von Läger durch. Die Spuren, welche du oberhalb des Stollenportals gefunden hast, dürften vom Schalbwasser sein (findest du alles auch in meinem Inventar: www.suone.ch/inventar).

LG Johannes

muscat hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. Oktober 2011 um 08:57
Hallo Johannes, besten Dank für Deine Antwort.

Beim Nachrecherchieren dachte ich auch, dass die Suone hinter dem Stollenportal oberhalb Läger vielleicht gar nicht die Alti Niwi, sondern das Schalbwasser ist, das Du in Deinem Inventar beschrieben hast. Denn hinter der Fassung des Schalbwassers gibt es nur eine Felswand, aber gar keine Spuren mehr. Nachdem ich Deinen Bericht gelesen habe, weiss ich jetzt, dass ich wegen Klaus Kenzelmanns Karte eine falsche Spur verfolgt habe.

Ich müsste also meinen Bericht in diesem Punkt korrigieren. Dummerweise habe ich den Verlauf auch in meiner Karte falsch eingezeichnet www.hikr.org/gallery/photo543895.html?post_id=37913#1 ... aber ich bin zu faul, um auch die Karte zu korrigieren.

Beste Grüsse
muscat


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