Sidelhörner 2764m / 2879m & Uelistock 2886m (via Aare- & Telleregrat)


Publiziert von Bombo , 4. Oktober 2011 um 00:29.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 2 Oktober 2011
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:Grimselpass - Husegghütte - Sidelhorn - Triebtenseelicke - Gestlerlicke - Grosses Sidelhorn - Üerlicherjoch - Uelistock - Tellerelicke - Nordabstieg zum See - Umrundung See West - Ost - Berghaus Oberaar - Grimselpass (mit Mitfahrgelegenheit)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW oder ÖV bis Grimselpass, kostenlose Parkplätze vorhanden
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1250 "Ulrichen"

Granitwandern über den Aaregrat


Inspiriert durch die Berichte (Klick und Klack) von alpinos und Axi wollte ich quasi beide vorgeschlagenen Varianten (Alpinos: immer dem Grat entlang, Axi: alle Gipfel, Weg unwichtig) vereinen und setzte mir als Mindest-Ziel die Tour von Alpinos und was noch kam - so quasi à la Tour von Axi -  war dann einfach noch Supplement. Gereicht hatte es dann immerhin bis zum Uelistock (den wollte ich mir trotz mässiger Attraktivität nicht entgehen lassen) und noch ein wenig weiter bis zur Tellerelicke. Der anschliessende nordseitige Abstieg zum See glich dann mehr einem Himmelfahrtskommando (rutschig, Steinschlag), weshalb ich diese Variante nicht empfehlen kann. Die anschliessende Seeumrundung war dann die Folge, da ich das Gefühl hatte, in direkter Richtung zum  Berghaus Oberaar wegen dem Wasserstand und den Felsplatten, welche direkt ins Wasser mündeten, nicht durchzukommen (was dann aber im Nachhinein glaube ich doch gut gegangen wäre). So gab es also nicht nur eine lange Grattour, sondern auch gleich noch eine eher anstrengende Konditionstour (für meine Verhältnisse zumindest).

Der Reihe nach...

Gestartet bei der Grimsel Passhöhe 2164m (kostenlose Parkplätze) und den Markierungen nach via Husegghütte 2441m zum Sidelhorn 2764m (beim loslaufen der rechten Route gefolgt, diejenige, wo auch die Husegghütte erwähnt ist). Dieses erreichte ich dank sportlicher Gangart bereits nach 55 Minuten, was mich motivierte, in weiterhin zügigem Tempo via Triebtenseelicke 2639m und Gestlerlicke 2697m rüber zum Grossen Sidelhorn 2879m zu "grateln". 

Die Devise, möglichst hart am Grat zu bleiben, konnte ich oftmals einhalten - einzelne Türme musste aber auch ich umgehen und dies dann fast ausnahmslos auf der sonnigen Südseite. Interessant wurde es nochmals bei einem grossen Turm kurz vor dem Grossen Sidelhorn E-Gipfel - hier entdeckte ich kleine, veraltete rote Markierungspfeile, welche in eine ganz mysteriöse Route führte. Zuerst gab's mal einen schmalen, hohen Tritt (ca. III), anschliessend folge ein schmaler Spalt, welcher teilweise nur im Spreizschritt durchschritten werden konnte (stets mit roten Pfeilen markiert) und endete dann mitten drin in diesem Spalt vor einer hohen Platte, wo der rote Pfeil einfach direkt hoch zeigte. Zugegeben, in einer Zweiergruppe hätte ich es seilfrei versucht - alleine jedoch war mir das Risiko zu gross, dass ich den Fuss irgendwo verrenken oder womöglich einklemmen könnte (à la Film "127 hours"...). Vermutlich kommt man hier aber sowieso nicht um ein Seil oder mindestens Kletterschuhe herum - ich kann es nicht abschliessend beurteilen. Für mich hiess es also wieder, diesen dunklen, schmalen Felsspalt zurück zu gehen und wieder draussen in der Sonne auf der Südseite den Gipfel zu erklimmen - ein Zeitverlust von ca. 15 Minuten war die Folge daraus. 

Immerhin stand ich nach 2h 40min seit Start beim Grimselpass auf dem Grossen Sidelhorn W-Gipfel (Hauptgipfel) 2879m, was mich dann auch dazu verleitete, bei schönstem Wetter und warmen Temperaturen eine ausreichende Pause einzuschalten. Der Zufall wollte es, dass Alpinos Masculinos zur gleichen Zeit ebenso auf dem E-Gipfel stand, was dann in früheren Zeiten mit Rauchzeichen gefeiert worden wäre, heutzutage dank Mobilfunk aber einfacher erledigt werden konnte. 

Wie gesagt entschied ich mich dann für den Weiterweg zum Uelistock und musste deshalb durch das von den Alpinos beschriebene Couloir, welches bestens mit Steinmänner markiert ist, runter - ich empfand es jedoch nicht als mühsam oder steinschlägig - rutschig hingegen war es dennoch, was aber auch ein Vorteil war, denn so konnte man relativ schnell an Höhe vernichten. Ueber P. 2820 steuerte ich P. 2756 an und erreiche sodann das Üerlicherjoch, von wo aus ich dann gleich weiter via P. 2832 hoch zum Uelistock 2886m stieg (3h 40min seit Start) 

Wem beim Kraxeln vom Grimselpass bis zum Grossen Sidelhorn das Terrain bereits genug war, der sollte nicht mehr bis zum Uelistock weitergehen - das Gelände übersteigt zwar das T5 nicht, es müssen jedoch bedeutend mehr die Arme eingesetzt werden und die Beinmuskulatur wird um einiges stärker gefordert als noch zuvor. Kommt noch hinzu, dass das ständige Felsblock-Balancieren eine Unmenge an Zeit (und  manchmal auch Nerven...) kostet, was mich dann dazu bewegte, zwar noch P. 2784 und P. 2848 zu besuchen, dann aber bei der Tellerelicke 2809m die Segel zu streichen.

Der folgende (Direkt-)Abstieg zum See hinunter war sicherlich zu wenig gut überlegt - der Blick auf die Karte mit den Höhenkurven gab mir aber immerhin die Chance, mein Vorhaben zu erreichen. Dass das Gelände aber derart brüchig bzw. steinschlägig war, hatte ich doch eher unterschätzt und wäre ich nicht bereits mitten drin im Geschehen gewesen, so wär's auf jeden Fall besser gewesen, wieder hoch zu steigen und via Uelistock rüber zum Üerlicherjoch zurückzugehen und von dort in bedeutend besserem Gelände abzusteigen. Nun denn, für mich gab's nur noch runter und dies möglichst schnell - viele Kontrollblicke auf der Karte sowie ständiges sich in Acht nehmen vor Steinschlag frass mir aber eine Unmenge von Zeit auf. 

Endlich erreichte ich das südliche Ufer des Oberaarsees und der Blick nach rechts zu meinem Ziel - das Berghaus Oberaar - verhiess nichts Gutes. Eine grössere Platte mündete direkt im Wasser, was ein Durchkommen entlang des Ufers verhinderte und mir die Motivation nahm, nochmals hoch über diese Platte zu steigen, nur um der Schwierigkeit auszuweichen. So sagte ich mir, wenn ich schon das Löffelhorn aus zeitlichen Gründen nicht mehr erreichen konnte, so will ich wenigstens noch den See umrunden, weshalb ich zum Westende des Sees lief und dadurch einen fantastischen Blick hoch zum Oberaargletscher bekam. Weiter ging's dann auf dem markierten Wanderweg dem Nordufer entlang bis zur Staumauer, von wo aus es dann nur noch einen Katzensprung bis zum Berghaus Oberaar 2350m ist (5h 45min seit Start).

Ein äusserst sympatisches Wander-Paar nahm mich dann glücklicherweise mit dem Auto vom Berghaus bis zum Parkplatz beim Grimselpass mit, was mir nicht nur Zeit schenkte, sondern auch ein vermutlich eher eintöniges Teer-Laufen entlang der Strasse. Nochmals herzlichen Dank für diese Hilfsbereitschaft!

Achtung: Unbedingt die Öffnungszeiten der Strasse beachten, es kann immer nur während 10 Minuten einmal in der Stunde die Strecke passiert werden!

Diesen absolut fantastischen Alpin-Tag beendete ich dann im Hotel / Restaurant Tiefenbach, wo ich üblicherweise bei der Durchfahrt stets anhalte und mir ein leckeres Nachtessen zu vernünftigen Preisen genehmige.


Fazit: 

Tolle Grattour, bei welcher man je nach Lust und Laune selbst bestimmen kann, wie weit und wie anstrengend man den Tag geniessen möchte. Wer bis zum Löffelhorn alles hart am Grat "erkraxeln" möchte, muss neben einer guten Kondition vorallem auch ein ausreichendes Zeitbudget vorweisen können - man bedenke auch den Abstieg, welcher von weitem ziemlich "locker" aussieht, dieser jedoch mehrheitlich aus mühsamen Geröll besteht und so dann den einen oder anderen Zeitplan auffrisst. Die Gipfel der Sidelhörner lohnen sich auf alle Fälle, der Gipfel des Uelistock ist recht für Gipfelsammler, gibt jedoch nicht mehr her, als alle anderen Schutt- und Granithaufen auf dem selben Grat. Für den Abstieg habe ich auch noch keine gescheite Lösung, evtl. auf der Höhe zwischen Trützipass und Tellerelicke - wobei's auch dort gemäss der Karte unangenehme Stellen hat und ich live vor Ort dies nur bestätigen kann. Notvariante wäre übrigens ein markierter Abstieg vom Trützisee nach Geschinen, von wo aus man mit ÖV oder per Autostop wieder hoch zum Grimselpass fahren könnte.


Reine Marschzeiten (ohne Pausen!)

Grimselpass - Sidelhorn: 55min
Grimselpass - Grosses Sidelhorn W-Gipfel: 2h 40min
Grimselpass - Uelistock: 3h 40min 
Grimselpass - südliches Seeufer: 4h 40min
Grimselpass - Berghaus Oberaar: 5h 45min


Tour im Alleingang.

Tourengänger: Bombo

Galerie


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