Fuorcla Val Sassa 2857 m - Herbstliche Einsamkeit im Nationalpark


Publiziert von Ivo66 Pro , 30. September 2011 um 20:22.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:30 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1220 m
Abstieg: 1220 m
Strecke:Prasüras (S-chanf, Nationalpark-Parkplatz) - Chna. dal Parc Varusch - Alp Purcher - Val Müschauns - Fuorcla Val Sassa
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz bei S-chanf; vom Dorf aus ausgeschildert
Kartennummer:1:25'000 Piz Quattervals

Der Schweizerische Nationalpark eignet sich besonders während der Jagdzeit für herbstliche Wanderungen, da dort Jagdverbot herrscht. Im übrigen Graubünden sind während dieser Zeit, die morgen endet, Bergwanderungen nicht empfehlenswert. Generell sind die Pfade im Nationalpark viel begangen; die Tour zur Fuorcla Val Sassa kann hier mit gutem Gewissen als Geheimtip angepriesen werden. Die grossen Massen zieht es weiter hinauf durch das Val Trupchun mit ihren grossen Wildbeständen. Hat man diese Route verlassen, ist man unmittelbar nach der Abzweigung plötzlich ganz allein. Wir sind während Stunden keinem Menschen begegnet.

Der Schweizerische Nationalpark ist an landschaftlichen Schönheiten kaum zu überbieten, besonders jetzt im Herbst, wo die Lärchen beginnen, sich goldgelb einzufärben und überall aus den Wäldern das wuchtige Röhren der Hirsche ertönt. Die Tour hinauf zur Fuorcla Val Sassa ist charakteristisch für die Szenerie dieser hübschen Gegend: Einsame, mit lichtem Wald überzogene Täler, immer wieder bizarre von den Flanken herunterziehende Geröllströme, wo sich links und rechts daneben Legföhrenbestände gebildet haben und das helle Engadiner Licht, das - je höher man steigt - desto freundlicher wird. Heute kam als Kontrast hinzu, dass die obersten, nordseitig gerichteten Flanken noch mit vielen Flecken von Altschneeresten überdeckt waren.

Den Steinböcken und Gämsen gefällt die steinige Gegend im weiten Kessel unterhalb der Fuorcla Val Sassa ebenfalls gut. Faszinierend, wie sie immer wieder in den kargen Geröllhalden nach Futter suchen und die vermeintlich üppigen Grashalden links liegen lassen.

Von der Fuorcla Val Sassa führt der Bergweg nordseitig hinunter, gemäss Wegweiser würde man Zernez von dort in 5 1/4 Stunden erreichen; für einen Tagesausflug ist diese Variante also sehr weit, weshalb wir von Anfang an den Abstieg über die gleiche Route wählten. Dies ist vielleicht mit ein Grund, weshalb sich nur wenige Bergwanderer hier hinauf verirren. Andere lassen sich vielleicht durch die weiss-blau-weissen Markierungen und das entsprechende Warnschild zu sehr beeindrucken. Man kann ja nicht ahnen, dass es sich bei dieser auf dem Papier alpinen Route um einen gut ausgebauten Bergwanderweg handelt, der zwar Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert, aber ohne Schwierigkeiten begangen werden kann. 

Routenbeschreibung:

(Die Wege im Nationalpark sind meistens gut ausgebaut, zum Teil aber auch schmal und können auch ausgesetzt sein. Wegfindungsschwierigkeiten ergeben sich in der Regel keine. Es ist verboten, die offiziellen Routen zu verlassen.)


Parkplatz Prasüras - Abzweigung Fuorcla Val Sassa (T1)

Dem Fahrsträsschen entlang geht es zunächst etwas abwärts und dann sanft aufsteigend. Beim Parkeintritt folgt man weiter dem gut ausgebauten Pfad und erreicht kurz nach der Alp Purcher die Abzweigung mit dem blauen Wegweiser.

Durch das Val Müschauns hinauf zur Fuorcla Val Sassa (T3, einige Stellen, meistens T2)

Der als alpine Route markierte Pfad ist im unteren Teil harmlos. Weiter oben wird der Pfad allerdings ziemlich schmal und quert recht steile Schutthalden. An einer felsigen Stelle braucht es kurz den Gebrauch der Hände; diese recht steile, schuttige Stelle ist etwas unangenehm aber nur kurz.

Im oberen Teil gelangt man zunächst wieder in flacheres Gelände, steigt aber bald auf dem nicht immer gut sichtbaren Pfad (Markierungspfosten beachten) durch Schutt und feines Geröll auf. Der Schlussanstieg ist im feinschuttigen Gelände ziemlich mühsam.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (7)


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kobi hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2011 um 21:43
Hallo Ivo
Die Fuorcla Val Sassa ist auch für mich eine der schönsten und wildesten Touren im Park.
Gratulation für die gelungenen,farbigen Photos.
Gruss Kobi

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2011 um 22:28
Hoi Kobi

Vielen Dank für Dein Kompliment. Wir waren heute zum zweiten Mal auf der Fuorcla Val Sassa und werden diese Tour bestimmt wiederholen. Auch für mich ist es die schönste Tour im Park - wobei mir natürlich der Piz Quattervals noch fehlt...

Gruss Ivo

Pfaelzer hat gesagt: Voller Wehmut...
Gesendet am 30. September 2011 um 23:59
...lese ich diesen tollen Bericht und schaue die schönen Bilder an.
Wir sind vor zwei Stunden nach zwei herrlichen Wochen im Engadin heim gekommen und haben uns in diese Gegend regelrecht verliebt.
Leider hat uns der Wintereinbruch voll erwischt und so haben wir andere Schwerpunkte als geplant gesetzt.
Als wir im Val Trupchun waren wäre eure Tour schlicht icht möglich gewesen, leider sind wir dann diese Woche nicht mehr dorthin zurückgekehrt, aber das kommt noch, auch der Piz Quattervals.

Viele Grüsse,
Wolfgang und Silvia

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Voller Wehmut...
Gesendet am 1. Oktober 2011 um 07:11
Hallo Wolfgang und Silvia

Eure Berichte vom Engadin habe ich natürlich mit Interesse gelesen. So ein Wintereinbruch kann das Programm ganz schön durcheinander wirbeln, aber Ihr habt ja das Beste daraus gemacht.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine baldige Rückkehr in ein sommerlicheres oder wenigstens herbstlicheres Engadin.

Beste Grüsse

Ivo

Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. März 2012 um 12:07
> An einer felsigen Stelle braucht es kurz den Gebrauch der Hände; diese recht steile, schuttige Stelle ist etwas unangenehm aber nur kurz.

die stelle muss ja wirklich sau-gefährlich sein, denn anscheinend hat in keinem bericht jemand mal eine hand frei, um davon ein foto zu schiessen?

somit ist der pfad wohl zu recht blau-weiss markiert?

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. März 2012 um 18:44
:-) Nein, nein; die Stelle ist einfach zu wenig spektakulär für ein Foto... Da es auch nicht ausgesetzt ist, stellt sie den etwas erfahreneren Bergwanderer (EB) vor keine Probleme. T3 ist meines Erachtens wirklich nicht zu tief gegriffen und rot-weiss hätten es die Markierungen auch getan...

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. März 2012 um 18:58
danke.

wir hatten diesen übergang eben vor ein paar jahren geplant und konnten ihn wegen eines wetterumsturzes nicht machen. jetzt bin ich erst dazu gekommen den bericht zu schreiben und da nahm es mich wunder, ob's schon irgendwelche erfahrungsberichte dazu gibt.


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