Dom, Human Powered


Written by B0041 , 10 September 2007, 11h36.

Region: Monde » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike: 8 September 2007
Waypoints: Domhütte SAC 2940m. 9643 ft. (4) Dom 4545m. 14908 ft. (6)
Geo-Tags: CH-VS 
Time:1 days 2:00
Height gain: 6000 m. 19680 ft.
Route:Zürich, Furka, Randa, Dom


Nach der letzten Heckmair-Tour auf den Tödi (http://www.gipfelbuch.ch/gipfelbuch_details.php?id_gipfelbuch=12111&search=1) hat Cesco den Vorschlag gemacht, im Sommer innerhalb von 24 Stunden ab Zürich einen 4'000er "Human Powered" zu besteigen.  Human Powered heisst, aus eigener Kraft, also ohne Motoren, Doping oder anderen unfairen Hilfsmitteln.

Für alpintechnisch nicht so Versierte kommt da eigentlich nur dem Dom in Frage. Aus einem anderen Grund ist er auch noch ein schönes Ziel: Es ist der grösstmögliche Höhenunterschied, der von Zürich aus in der Schweiz möglich ist. (Dringende Bitte: Bitte schreibt mir, wenn ihr jemanden kennt, der den Dom mit Velo und Fuss bestiegen hat.)

Also bin ich am Samstag 8.9. mit dem Velo auf der Quaibrücke gestartet und über die Furka nach Rande gefahren. Von dort durch die Nacht zur Domhütte und mit Karl Stronsky auf den Gipfel des Dom. Runter nach Randa und mit dem Zug zurück nach Zürich.

Ich will es vorwegnehmen: Der Versuch, Cescos Idee umzusetzen ist nicht geglückt. Ich brauchte 26 h um den Gipfel des Dom von Zürich aus zu erreichen. Ausserdem habe ich fremde Hilfe angenommen (Vielen Dank, T. und Karl, dass ihr mich ab der Domhütte ans Seil genommen habt). Es war eine schöne Tour, hart an meiner Leistungsgrenze.

Ich bin gespannt, ob jemand die gestellte Aufgabe lösen kann: Einen 4000er ab Zürich Human Powered in 24 Stunden zu besteigen.

 

Der Bericht:
Die Beteiligung am Projekt "Dom, Human Powered" hielt sich schlussendlich in Grenzen. Alle Interessierten (es gibt sie wirklich!) hatten gute Gründe für ihre Absage. So bleib mir nix anderes übrig, als am Samstag 11:00 alleine auf der Quaibrücke zu starten. Die Fahrt ging recht flott dem Zuger und Vierwaldstättersee entlang. Beim Aufstieg Richtung Göschenen machte sich der rund 15 Kg schwere Rucksack (Seil, Pickel, Steigeisen, Kleider, Food) unangenehm bemerkbar.

Der schlimmste Abschnitt der Strecke war die Schöllenen: Ich denke, wir müssen hier aus Sicherheitsgründen eine Ausnahme der Regeln einführen und dort die Bahn bewilligen, der Verkehr auf diesem engen Abschnitt ist einfach zu gefährlich.

Auf der Furka kam das Ziel in Sicht. Der Dom wartete gut sichtbar in respektabler Distanz. Zügig ging's das Wallis runter nach Brig und Visp. Durch die Dunkelheit mit wenig Verkehr nach Randa. Rund 220 KM hatte ich auf dem Tacho, 10 h reine Fahrzeit. Rasch das Tenue gewechselt und das Velo versteckt. Wunderbar, andere Muskeln brauchen zu können.

Der Weg durch die Nacht zur Domhütte war ein schönes Erlebnis. Auch wenn ein paar kleine Verhauer nicht zu vermeiden waren. Unten war es wegen Nebel zappenduster, weiter oben ermunterten unzählige Sterne den einsamen Wanderer.

Die Domhütte schlief noch, als ich den für's Frühstück gedeckten Aufenthaltsraum betrat. Gute Gelegenheit für eine kurze Pause. Oder war das das Ende der Tour? Alleine über den Gletscher kommt nicht in Frage. Die ungeschriebenen Regeln des "Human Powered" fordern die Einhaltung der Sicherheitsregeln. Und eine Seilschaft anzufragen, ob sie mich mitnehmen würden getraute ich mich nicht. Das Glück war auf meiner Seite und hat Karl, den ich von einer früheren, ziemlich langen Tour kannte in die Hütte geführt. Karl Stronsky und T. haben mir angeboten, mich mitzunehmen. Wunderbar. Vielen Dank.

Flott gings über die Moräne auf den Festigletscher Karl entschloss sich, einer Seilschaft zu folgen, die das Festijoch hoch oben umging. Auf rund 3800 M hatten wir Pech und gerieten in einen Steinschlag. T. Hat's im Gesicht erwischt. Eine ziemliche Schramme, die genäht werden musste. Ein Fall für die Rega. Erst ziemlich weit unten auf dem Gletscher hatten wir Empfang. Nachdem T. im Helikopter entschwunden war, diskutierten wir die Möglichkeiten und entschieden uns für einen Neustart.

Rauf gings zum Festjoch und weiter über den Festigrat. Der war an einigen Stellen nicht ganz so einfach, wie ich ihn von einer früheren Gelegenheit in Erinnerung hatte. Wir mussten an einer Stelle sogar sichern. Und weiter oben machten sich dann auch die zurückgelegten Höhenmeter und die durchgewanderte Nacht bemerkbar. Der Schritt war deutlich weniger forsch als gewohnt. Ich war froh, mich darauf konzentrieren zu können, Karl. zu folgen.

Um ca. 13 Uhr erreichten wir das Ziel, den Gipfel des Dom. Bei wunderbarer Rundsicht. Es war ein schönes Gefühl, den höchsten Gipfel der Schweiz aus eigener Kraft erreicht zu haben. Ein bisschen schade, dass es zeitlich nicht ganz gereicht hat.

Ach ja, Abstieg und Rückweg: 3100 M sind's vom Dom bis nach Randa. Das geht in die Knie. Unten habe ich mich dann für den Zug entschlossen. Kurz nach Mitternacht war ich in Zürich.

Einige Bemerkungen zum Schluss:
- Es sind ja eigentlich 2 Ziele, die ich vermischt habe: 1. Einen 4000er ab Zürich in 24 Stunden und 2. die grösstmögliche Höhendifferenz ab Zürich. Beides Human Powered.
- Bei Beiden weiss ich nicht, ob sie schon probiert wurden. Bitte meldet euch, wenn ihr was über eine solche Tour wisst. Ansonsten warten hier noch zwei Rekorde auf einen Eintrag.
- Ich habe beide nicht erreicht, wegen der Zeitüberschreitung und weil ich fremde Hilfe angenommen habe.
- Ich glaube, beide sind machbar - gespannt warte ich auf Berichte von Versuchen.

 

 

Sa 8.9.
- 11:00 Start auf der Quaibrücke in Zürich, 411 M
- 16:00 ca. Furkapass, 2429 M
- 20:00 ca. Visp 651 m
- 22:30 ca. Randa 1407 M

Sonntag 9.9.
- 03:00 ca. Domhütte
- 05:00 ca. Start in der Domhütte
- 07:00 ca. Unfall Seilpartnerin durch Steinschlag ca. 3800 M.
- 09:00 ca. Neustart auf ca. 3300 M
- 13:00 ca. Dom 4545 m
- 19:00 ca. Randa

Benötigte Zeit: 26 h
Totaler Höhenunterschied: 4134
Höhenmeter total: Mehr als 6000 M

 



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Comments (2)


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Jonas says: Hallo
Sent 10 September 2007, 17h13
Gratuliere. Das macht richtig Lust zum selber probieren. Allerdings wuerde ich mich wohl bei den 4000ern nicht auf die 24 Stunden begrenzen, das ist schon recht hart.

Noch was zu der Geld- und Zeitberechnung im Gipfelbucheintrag, die zusaetzliche Nahrung hast du natuerlich vergessen einzuberechnen, das kommt teilweise auch noch teuer (wenn es allerdings teurer als das Benzin kommt macht man wohl was falsch ...). Und apropos Zeit: Nach einer langen Tour bin ich meistens am naechsten Tag nicht mehr brauchbar, das muss ich jeweils auch beruecksichtigen.

B0041 says: RE:Hallo
Sent 11 September 2007, 15h44
Danke, Jonas.

Die Sache polarisiert. Gratulationen und "jetzt bist du definitiv hinüber" oder "brauchen wir solche Ökofundis" sind die Reaktionen auf den Eintrag im "Gipfelbuch".

Man kann ja auch ein näheres Ziel wählen. Ich habe mehrmals den Fluebrig im Wäggital "Human Powered" gemacht. Das ist eine durchaus machbare und recht schöne Tagestour. Wichtig ist, dass das Abenteuer vor der Haustüre startet und der Weg Teil des Ganzen ist. Wenigstens ab und zu.

Die Rechnung funktioniert natürlich nicht immer und nur bei günstigen Annahmen. Du hast Recht, dass die PowerBars nicht ganz billig sind und die Rechnung zu Ungunsten des Human Powered verschieben. Aber trotzdem ist es so, dass viele SportlerInnen mit knappem Zeitplan die Rechnung nicht richtig machen. Mit dem Auto eine Stunde zum Training zu fahren frisst eine Stunde wertvoller Zeit. Wer eine weitere Stunde investiert, kommt quasi gratis zu einer zusätzlichen Trainingsstunde. Mir geben jedenfalls die Leute auf den Keks, die mit dem Velo auf dem Dach zum Greifensee fahren, um dort eine Runde zu drehen. Wer die Anfahrt als Teil des Trainings betrachtet tut sich selber und der Umwelt einen Gefallen.


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