Zuckerhütl


Publiziert von GWu , 16. September 2011 um 22:21.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum:16 September 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   A-T 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 836 m
Abstieg: 836 m

Bei Traumwetter und einer Tourenbeschreibung aus dem Jahr 2008(!) machen wir uns an die Tour auf das Zuckerhütl.

Schon bei der Liftkassa fragen sie zweimal nach, ob wir wirklich nur bis zum Eisgrat hoch wollen. Dort angekommen wird uns klar warum: die geplante Route über Schaufel- und Fernauferner und die Lange Pfaffennieder ist auf Grund des rasanten Gletscherrückgangs nicht mehr (vernünftig) machbar! 

Ein anwesender Bergführer empfiehlt uns die derzeitige Normalroute vom Schaufeljoch, wir lösen kurzerhand ein Ticket dorthin und so startet die Tour etwas ungeplant vom Schaufeljoch (3150m) aus:

Von der Bergstation der Schaufeljochbahn geht es hinab zur Senke mit Gletschersee unterhalb der Bergstation des Sesselliftes auf die Schaufelnieder/Pfaffenjoch ("6er Sesselbahn Fernau"). Wir haben uns beim Zustieg grob verhaut: nicht den Wegspuren aufwärts zur Schaufelspitze folgen, sondern den Höhenverlust knirschend in Kauf nehmen und der Schotterpiste hinunter zum Gletscher folgen und dort entweder am linken Gletscherrand (bei uns waren am Rand keinerlei Spalten zu sehen) oder entlang des kleinen Grabens (unterhalb des dicken PVC Rohrs) hinunter. Ungefähr bei 3050Hm eher links in den Graben halten, ab dort sind dann auch Steinmänner und Steigspuren zu sehen.
Aus der Senke mit dem kleinen Gletschersee (~3010Hm) die Schotterpiste hinauf zur Bergstation eines kurzen Sessellifts (vom Gaißkarferner herauf) und auf der Schaufelnieder eben hinüber zur schon erwähnten Bergstation der 6er Sesselbahn Fernau.

Der Einstieg zum Pfad auf den Grat zum Aperen Pfaff befindet sich direkt hinter dem Seilbahngebäude (NO-Ecke) - entweder durch's Gebäude gehen oder vorne rein und wieder rausklettern - wir haben keinen besseren Weg gefunden.
Dem Pfad folgt man am besten direkt auf dem Grat, der Weg ist unmarkiert und auch mit Steinmännern wurde gegeizt, die häufigen Abzweiger vom Grat weg sind leider allesamt Irrwege die ins mühsam sandige & steile Hanggelände führen (wir haben's leider falsch beim Aufstieg probiert - Versteiger Nummer 2).
Entgegen anderen Berichten hier ist auf dem Grat keine einzige Kletterstelle, es ist ausschließlich steiles Gehgelände im Blockwerk. Wer hier klettern muß hat sich verstiegen.
Aus der Erfahrung beim Abstieg heraus: immer direkt auf dem Grat bleiben und erst beim wirklich deutlichen Steinmann bei ~3230Hm nach Süden aus dem Grat heraus abbiegen. Dort ist der Pfad wieder sehr deutlich.  Die Steigspuren davor führen nur auf mühsame Varianten und würde ich daher eher meiden. Beim Abstieg ist die richtige Spur deutlich sichtbarer.
Sobald der Grat verlassen wird geht es flach zum deutlichen Bergrücken in Richtung Süden/Pfaffenferner und von dort sieht man auch sehr schön den weiteren Weg Richtung Pfaffenjoch und Zuckerhütl.
Auf gut trassiertem Weg langsam abfallend Richtung Pfaffenjoch, der Weg verliert sich langsam im Blockgelände, wir haben den Gletscher bei ~3190Hm betreten, knappe 5 Gehminuten vor dem Pfaffenjoch.

Ab dem Pfaffenjoch war sehr deutlich entlang der logischen Aufstiegsroute gespurt, es geht nördlich unter Pfaffenschneide und Zuckerhütl stetig bergauf bis man etwas oberhalb des Pfaffensattels ankommt. Anseilen ist Pflicht, es waren einige Spalten zu queren, die auch Mitte September noch zugefirnt und mit  schwächelnden Schneebrücken versehen waren. Allesamt nur schmal, aber doch ...

Wir ließen Seil und Material oberhalb des Pfaffensattels und gingen mit leichtem Gepäck auf den Gipfel. Der Aufstieg ist gut markiert und teilweise mit Haken versehen. Sichere Geher brauchen dort aber kein Seil, die schwierigste Stelle ist maximal II und der Rest leichte Blockkletterei.

Rückweg wie Anstieg. Der kurz angedachte Abstieg über den Sulzenauferner ist laut Bergführer ebenfalls auf Grund des Gletscherrückgangs eine (Zitat) "ordentliche alpine Unternehmung - Minimum 5 Eisschrauben und viel Glück beim Steinschlag" und definitiv nicht zu empfehlen.

Eine schöne Tour und ein Lehrstück, was die Aktualität von gedruckter Führerliteratur betrifft.

Tourengänger: GWu

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Geodaten
 7532.gpx Schaufeljoch - Zuckerhütl

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Kommentare (1)


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alpensucht Pro hat gesagt: Danke...
Gesendet am 10. Dezember 2011 um 01:25
...für den sehr informativen Bericht. Nur einen reichlichen Monat zuvor bin ich über den Sulzenauferner auf das Zuckerhütl gestiegen. Das Zitat des Bergführers kann ich so aber nicht bestätigen (Eisschrauben...). Das trifft sicherlich höchtens zu, wenn wirklich alles blank ist. Im unteren Bereich wird es bis etwa 40° steil... vielleicht hatten wir da auch einfach Glück durch Neuschnee :)

Gruß, alpensucht


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