Steine in den Weg gelegt - Ochsenstock, Bifertengrätli und (fast) Grünhorn (2953 m)


Publiziert von PStraub , 13. September 2011 um 21:09.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:13 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Tödigruppe 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Linthal SBB - Alpentaxi nach Hinter Sand
Kartennummer:1193

Diese Tour war die Fortsetzung von einerseits der Serie "Unbekannte Glarner Gipfel" und andererseits meiner GeoGuide-Steinsammlerei.
Die Flanken rund um Hintersand bilden ein geologisches "Fenster". Einzig hier und auf der Südseite des Bifertengrätlis sind im Kanton "Urgesteine", also Kristallin des Aarmassivs, aufgeschlossen. Das dritte Fenster, den Limmerenboden, lassen wir mal weg, das interessiert allenfalls noch Taucher.
 
Mit dem Alpentaxi ROMA von Linthal SBB nach Hinter Sand. Der Service dieser Firma verdient höchstes Lob: Obwohl ich allein war, wurde ich und mein Bike transportiert, und das für den lächerlichen Betrag von Fr. 20.-. Wer die Strecke Hinter Sand - Linthal schon mal - zB. nach dem Tödi - zu Fuss gehen musste, würde allein für das Bike nochmal soviel bezahlen .. 
 
Ab Hinter Sand auf dem Alpweg nach Ober Sand. Sobald der Weg richtig steigt, sieht man den blendend weissen Stein in den Runsen: Quarzporphyr oder (moderner) Rhyolith - Willkommen im Kristallin. 
Quarzporphyr interessierte mich allerdings nicht heftig, den gibt es im Kärpfgebiet massenhaft. So machen Kletterschüler im Klettergarten Widerstein ihre ersten Übungen in diesem extrem gutgriffigen Gestein. Aber wenn man gut hinguckte und den Hammer fleissig schwang, waren bereits hier Serizide und Gneise zu finden - genug, dass mein Rucksack schon vor Ober Sand das doppelte wog.
 
Hier über die Wasserfassung auf den Weg Richtung Fridolinshütte. Diese Flanke heisst Röti, ganz oben hängt der Rötifirn, über den zum Sandgipfel aufgestiegen werden kann. "Röti" heisst dieser Chrachen am Ar.. der Welt, weil hier ein ockerfarbener Stein in grossen Mengen sichtbar ist. Und der Geländename "Röti" hat eben diesem Gestein, dem Rötidolomit, den Namen gegeben - weltweit. 
Auf dem Weg bis zum Grat beim Ochsenstock (P. 22560), der mit einem kurzen Abstecher besucht wurde (T3). Das sollte jeder Wanderer machen, denn der Tiefblick nach Hinter Sand ist wirklich eindrücklich.
Dann alles auf dem Grat zum P. 2520, dem höchsten Punkt des Bifertengrätlis. Das ist Blockschutt-Kletterei vom Feinsten! (WS)
Und auch für Steineklopfer etwas Besonderes: Es ist eine der ganz wenigen Stellen in den Helvetischen Decken, wo Gestein aus dem Karbon greifbar ist, ich meine sogar, Steinkohle aufgelesen zu haben.
 
Von hier versuchte ich dem Rötidolomit-Band auf ca. 2600 m Richtung Grünhorn zu folgen. Das war aber derart rutschig, dass ich den Versuch nach einiger Zeit abbrach und auf der Schutthalde bis auf ca. 2350 m hinunter "surfte". Der Hinter Rötifirn ist zwar am Schwinden, aber die verbleibenden Reste zu queren ist recht aufwändig. Je nachdem, wie das Toteis und die Platten liegen oder stehen, kommt man leicht oder gar nicht durch. 
Bei der Querung eines der vielen Firnbäche habe ich sogar Granit im anstehenden Fels ausgemacht.

Nach einigen Wirrungen endlich am Firn unter dem Grünhorn. Der liess sich bis weit hinauf recht einfach begehen, aber zuoberst wurde es mir ohne Eisen zu heikel.
Immerhin habe ich jetzt für den Gipfel, von dem es bisher keinerlei Literatur gab, eine Beschreibung: Auf dem Firnschnee bis dort hinauf, wo es in Aufstiegsrichtung eine markante Rinne im Fels hat. Dort auf den Fels und in gut gestuftem Gelände unter der Wand unter P. 3171 bis in den Sattel vor dem Gipfel (ca. 2920 m). Bis zum Sattel ist das ein WS. Ob und wie der höchste Punkt erreicht werden kann, müsste vor Ort geschaut werden, einfach dürfte es nicht sein. 
Bei der Ausrüstung müsste allenfalls die Steinschlaggefahr beachtet werden.
 
Da ich schon in der Nähe war, habe ich auch noch die letzten Schutthalden zur Grünhornhütte gequert. Die Hütte war jedoch zugesperrt. 
Zur Zeit sollen Überlegungen laufen, was mit dieser Hütte - immerhin die erste SAC-Hütte überhaupt - passieren soll. Sie dort oben einfach dem Zerfall preisgeben, ist wohl keine gute Option.
 
Runter zur Fridolinshütte, die bereits zu ist, doch in der Dépendance gibts Bier. 
Dort habe ich einen Freund getroffen, der mit Kollegen in diesem Gebiet auf der Jagd ist - und ich habe denen ungewollt das Wild vergrämt. Doch nach einem Bier und einem Klön war wieder alles in Butter.

Es wurden mir einmal mehr massenhaft Steine in den Weg (oder daneben) gelegt. Die meisten habe ich liegen lassen. Und die, welche ich eingepackt habe, ergänzen meine Sammlung aufs vorteilhafteste.

Tourengänger: PStraub

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