Gross Schärhorn (3295 m)


Publiziert von alpinos , 18. September 2011 um 15:39.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:10 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   Ortstockgruppe 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Klausenpass - Chammli - Griessbödemli - Chammlilücke - Gross Schärhorn - Hüfifirn - Chammlijoch - Iswändli - Klausenpass
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PKW bis Klausenpass; hier einige Parkmöglichkeiten.

Traumhafte Spätsommer-Hochtour auf einen großartigen Berg

Leider war dieses Wochenende das Zeitbuget begrenzt und uns stand nur der Samstag für eine Bergunternehmung zur Verfügung. Die prägnante Siluette der beiden Schärhörner reizte uns schon lange und so mussten wir nicht lange überlegen. Vom Klausenpass ist eine Besteigung des Grossen Schärhorn als Tagestour machbar; eine Übernachtung auf der Passhöhe spart zudem das frühe Aufstehen und Autofahren und macht die Tour zum reinen Hochtouren-Genuss.



Die Nacht war wolkenlos und die Sterne funkelten über uns als wir um kurz nach fünf von der Klausenpasshöhe (1948 m) starteten. Auf breitem Fahrweg marschierten wir via P. 1968 und P. 2027 zu den Hütten bei Chammli (2054 m). Nun folgten wir den weiß-roten Markierungen und dem schmalen Pfad über Wiesen und Schotter zum Griessbödemli (2003 m). Dort, wo der Wanderweg wieder an Höhe verliert, verließen wir den Weg und stiegen teils etwas mühsam über Schotter, Geröll und Blockwerk auf die Seitenmöräne des schon längst zusammengeschmolzenen Griessgletschers hinauf (ab und an finden sich Steinmännchen). Zu groben Orientierung kann man in der Folge auf die langsam in der Dämmerung sichtbar werdende Chammlilücke zuhalten.

Als die erste Möräne auslief querten wir nach rechts auf die nächste Moräne und gelangten so schließlich auf die große Möräne, die uns, teils ziemlich aussetzt, an P. 2312 vorbei an den Fuß des steilen Geröllhangs auf der linken Seite des Felsabbruchs unterhalb P. 2528 leitete. Nach dem Geröllhang stiegen wir durch ein Couloir hinauf, bis wir auf eine Felsterrasse nach rechts queren konnte. Bei den heutigen Verhältnissen war dies die Schlüsselstelle der Tour: die Rinne war zunächst mit großen Fels- und Eisblöcken durchsetzt, weiter oben mussten wir durch einen Bach mit feinem Geröll steigen (hier hielt wirklich gar nichts!). Der Ausstieg über nasse, aber solide Felsen auf die Felsterrasse erforderte ebenfalls Konzentration. Mit Schnee geht es hier bestimmt einfacher, uns kostete die Passage ca. 30 min.

Nun wurde das Gelände wieder einfacher und über Geröll und Felsen erreichten wir den Rand des völlig aperen Gletschers. Die Steigeisen wurden montiert und wir querten in gerader Linie über die Chammlilücke (2854 m) auf hartem Eis hinüber an den nördlichen Ausläufer des Ostgrates des Gross Schärhorns. Steinmännchen und deutlichen Wegspuren folgend erklommen wir den Ostgrat (hier Materialdepot) und folgten diesem bis zum Gipfel des Gross Schärhorns (3295 m; ca. 9:30 Uhr; ca. 4h reine Gehzeit).

Zu unserer Überaschung waren wir alleine am Gipfel und konnten die Aussicht ungestört genießen. Von Süden her baute der zunehmende Föhn beeindruckende Wolkenwalzen auf; darüber war der Himmel wolkenlos und die Fernsicht beeindruckend. Die Luft war klar - es wird Herbst!

Bald rissen wir uns los und machten uns wieder an den Abstieg über den Ostgrat. Da wir keine Lust verspürten, durch die Schuttrinne wieder abzusteigen und der Übergang über die Chammlihoren bei den heutigen Verhältnissen ebenfalls nicht wirklich lecker aussah, setzen wir die Tour mit etwas Gletschertrekking über den Hüfifirn fort. Zügig umrundeten wir die Chammlihoren und stiegen dann wieder hinauf zum Chammlijoch (3021 m). Hier fanden wir uns in der zweiten Schlüsselstelle der Tour wieder: der Passage durch die Serac-Zone unterhalb des Jochs. Im Zick-Zack balancierten wir über Schnee- und Eisbrücken, sprangen über ein Spalte nach der anderen. Schließlich erreichten wir die Autobahn zum Clariden - hier war heute wieder Hochbetrieb und einige Gruppen noch im Aufstieg.

Der Abstieg über das blanke Iswändli war dann nochmals was für Freunde des Steileisgehens, dann liefen wir entspannt zum Klausenpass (1948 m) hinunter (etwa 3h30min Abstiegszeit vom Schärhorn).



Eine wirklich interessante und eindrücklich Tour! Wir haben die Einsamkeit auf dem Hüfifirn und dem Schärhorn genossen. Ja, die Verhältnisse waren nicht einfach; mehr Schnee beim Aufstieg wäre sicherlich besser gewesen. Aber was soll man nach einem schneearmen Winter und einem heißen Sommer erwarten? Wir waren zufrieden und freuten uns über die gelungene Tour.

Tourengänger: alpinos

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Geodaten
 7537.gpx Gross Schärhorn

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Kommentare (2)


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morphine hat gesagt:
Gesendet am 8. Februar 2014 um 13:19
Hallo Alpinos,

super Bericht von Eurer Schärhorntour. Habe fast die gleiche Route (nur umgekehrt) im Oktober 1999 gewählt. Ihr habt recht, die Tour ist bei mehr Schnee und noch etwas üppigeren Gletschern offensichtlich deutlich leichter. Krass, die unterschiedlichen Bedingungen bei Eurer und meiner Tour am Griessfirn und vor allem unter dem Chammlijoch. Werde meinen Bericht in den nächsten Tagen noch hochladen.

Gruß
morphine

alpinos hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Februar 2014 um 16:16
Hi morphine,

Ja, das war eine schöne Tour, an die wir gerne zurück denken. Sind gespannt auf Deinen Bericht, in den 12 Jahren hat sich die Gletscherlandschaft sicher deutlich verändert. Gratulation übrigens zu Deinen vielen tollen Fotos!

Gruss,
die alpinos


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