Das Bijou am Ende des Regenbogens


Publiziert von Berglurch , 16. September 2011 um 08:58.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:10 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: V- (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Grabs - Voralp - Förenchopf - Voralp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Grabs
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postautohaltestelle am Voralpsee, Höhi

Am südlichen Ende des Voralpsees liegt der Förenchopf. Ein unscheinbarer Höcker in einem Seitengrat des Höchst. Dazu noch mit Legföhren bewachsen bis zum Gipfel - nomen est omen. Kein Wunder, dass sich im Gipfelbuch durchschnittlich nicht mehr als ein Eintrag im Jahr findet. Und doch, wenn man ein kleines Bisschen sucht, dann findet man eine schöne und einsame Beschäftigung für heisse Sommertage.

Nachdem mich der Postautochauffeur gewohnt pünktlich und zuverlässig in Grabs Post abgesetzt hatte, wanderte ich hinauf Richtung Voralpsee. Auf der Mountainbike Route durch den Tobel kann man - wenn man einigermassen speditiv unterwegs ist, die Postautohaltestelle Höhi, kurz vor dem Kurhaus, in einer guten Stunde auf stotziger Forststrasse erreichen (T1). Am besten folge man dazu der Velowegsignalisation. An der Höhi wäre es gegen Gebühr auch möglich, den PW zu parkieren.

Mit ganz leichtem Verzug starteten wir dann um 12 Uhr unsere Wanderung am Nordufer des Voralpsees auf dem Seerundweg Richtung Bachboden. Hier befindet sich der Abzweig des markierten Weges zur Untersäss der Alp Naus, dem man dann bis zu dieser folgt.

Am Untersäss erklärte uns eine nette Dame (gehörte sie zu der Alp? Wir wissen es nicht!) den weiteren Wegverlauf zum Einstieg der Route "Regenbogen" von This Isler an der Nordseite des Förenchopfes. Diesen erreicht man, indem man der Alpweide zur Obersäss der Alp Naus folgt und dann durch eine breite Schneise geradewegs aufwärts zu den ersten Aufschwüngen des Förenchopfes weitergeht. Direkt vor dem ersten Kontakt mit den namensgebenden Fö(h)ren schwenkt man nach rechts und folgt der Flanke des Berges, durch etwas Geröss und eine kleine Runse. Der Einstieg befindet sich an einem Boden, genau unter dem Plattenband rechts der markanten Verschneidung. Hart an der Verschneidung startet dann die eigentliche Route "Regenbogen", knapp rechts davon (erster und einer von insgesamt 4 Bohrhaken findet sich in ca 8m Höhe) läuft die "Kritikervariante". Die eigentliche Kletterei ist 6 SL lang, bewegt sich immer so um III, meist auf Platten, aber auch mal über Moos, Gras und durch Gestrüpp. Die Stände sind mit (wie uns das Gipfelbuch mitteilte neuen) Muniringen bestückt, Möglichkeiten, mit Friends und an Sanduhren zu sichern, gibt es ausreichend. Lediglich in der letzten SL ist ein Miniüberhang mit einem beherzten Boulderzug zu überwinden (knapp V). Die letzten ca 150m zum erstaunlich geräumigen Gipfel sind dann reines Gehgelände. Der Gipfel ist geräumig und die Sicht auf Gamsberg und Sichelchamm recht hübsch. Ausserdem hat es ein schöner Panorama Richtung Vorarlberg. Besonders eindrücklich ist die Sicht auf die Plattenschüsse des Höchst.
Hat man mindestens 50m Halbseile dabei, kann man nun recht komfortabel, rasch und ohne Unterbruch über die Route abseilen.

Ein ziemlich mühsamer Effort ist jedoch der allfällige folgende Fussabstieg: Die Beschreibung Förenchopf ist nicht eigentlich stossend - sie gibt die Tatsachen noch recht gut wieder. Zunächst halte man sich in einer Schneise vom Gipfel in Blickrichtung Voralpsee auf Wildspuren. Kurz bevor die Schneise beginnt, zuzuwachsen sieht man an einem minimen Steinmann einen zugewachsenen Abzweig. Hier biege man nach links ab und schlage sich (ohne dass wir wirklich den besten Weg gefunden hätten) mit einigem Hängeln und Schlängeln bis zum kleinen Geröllfeld durch, von dem man in ca 30 Sekunden wieder am Einstieg ist (gesamter Abstieg je nach Routenwahl/ -findung T3 bis T5). Der Abstieg kann bei "Zustieg" nachgelesen werden. Selbstverständlich ist dafür Sorge zu tragen, dass der Zustiegsbeschrieb rückwärts gelesen wird.

Fazit: Keine eigentliche Plaisirkletterei, dafür eine mögige, leichte Route auf einen "exklusiven" und selten besuchten Gipfel. Ausserdem können erhöhte Legföhrenbedürfnisse für eine Weile gestillt werden.


Ceterum censeo condimentum esse ignorandum!


Tourengänger: Berglurch

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Kommentare (2)


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Seeger Pro hat gesagt: Legföhren
Gesendet am 16. September 2011 um 12:27
Ciao Klaus
Flüssiger Text, informative Fotos.
Ganz erleichtert vernehme ich, dass Legföhren ein Pendant zu den Erlen auch nördlich des Gotthards einzuplanen sind ;-)
Nach E1-E6 auch L1-L6.
Gruss
Andreas
(Palau mit Dir und Manuel bleibt unvergesslich!)

Berglurch hat gesagt: Erlenkönig
Gesendet am 16. September 2011 um 12:32
Ciao Andreas,

ja, das spielt tatsächlich keine grosse Rolle, ob man ein Erlenkönig oder ein Legfürst ist.
Auf eine baldige Wiederholung im Tessin, falls du Lust hast!

B.
Lurch


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