Jezerski Vrh 2694m


Publiziert von nikizulu , 15. September 2011 um 17:27.

Region: Welt » Montenegro (Crna Gora) » Prokletije
Tour Datum: 7 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: MNE   AL 
Zeitbedarf: 1 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit dem bus von podgorica über kolašin, mojkovac (zustiegsmöglichkeit für bahnreisende ab beograd), berane und plav bis gusinje. von hier per taxi oder zu fuss nach vusanje, das man mit dem auto direkt anfahren kann.
Unterkunftmöglichkeiten:passable touristische infrastruktur in plav, rudimentäre in gusinje. "campingplatz" in vusanje. schöne wildcamping-möglichkeiten an den seen an der route.

normalerweise schreib ich ja keine tourenberichte, sondern stell nur die eckdaten und fotos über meine kleine privatwebsite http://lischanahuette.ch/NZ/bergbuch.htm ins netz. nachdem ich aber am letzten tag meines balkan-trips vom august 2011 eine meiner beiden speicherkarten mit den fotos u.a. von dieser tour hier irgendwo verloren hab, gibts als ersatz diesen bericht hier.

"jezerski vrh" ist der serbische name des mit 2694m höchsten gipfels des prokletije-gebirges, das eine der abenteuerlichsten, alpinsten, und wildesten ecken des ohnehin recht wilden balkans ist. die täler auf der nordseite gehören zu crna gora (montenegro), die südseite zu albanien. der gipfel liegt zur gänze auf albanischem gebiet. ich verwend hier trotzdem ausschliesslich die serbischen namen, weil die vielfalt der albanischen etwas verwirrend ist. "maja jezerce", "maja jezercë", "maja e jezercë" und "maja e jezercit" bedeuten das gleiche, nämlich "seespitze". offensichtlich ist der berg nach den seen benannt, die man im aufstieg von der nordseite her passiert.

es gibt eine unmarkierte route von süden auf den gipfel. eine englische beschreibung dazu gibt es auf http://www.summitpost.org ( hier heisst der berg "maja jezerce"). 2 polen - polen machen zusammen mit serben gefühlte 90% der wanderer in der region aus - sind mir während meiner besteigung begegnet, die so hinauf sind, doch der grossteil der in der hochsaison ca. 10 gipfelaspiranten/tag nimmt die seit 2010 durchgängig markierte und also wohl leichtere nordroute.

ausgangspunkt für meine tour war das zu crna gora gehörende, aber v.a. von etnischen albanern bewohnte dorf gusinje. in der bar, über der ich für 2 nächte ein ziemlich schmuddeliges zimmer bezogen hab, über das ich mich beim preis von € 7,-/nacht aber nicht beklag, sind meine versuche, serbisch radezubrechen, freundlich aber deutlich zurückgewiesen worden. auch, dass der grenzstein, den man während der tour passiert, von seinem sockel gekippt ist (- gekippt wurde? -), passt zum bild, dass man hier von grenzen nichts wissen will, bzw. die lieber anders ziehen würde. gusinje ist die endstation der busse, die mehrmals täglich von podgorica über kolašin, mojkovac (zustiegsmöglichkeit für bahnreisende ab beograd), berane und plav hierher fahren. von der "autobuska stanica" in gusinje aus ist übrigens der gipfel des jezerski vrh sichtbar. wer im hochsommer in gusinje übernachtet, kann das spektakel beobachten, das die für ein paar wochen aus aller welt (u.a. hab ich new yorker, texanische, deutsche, französische, österreichische und schwedische autokennzeichen gesehen) heimgekehrten gastarbeiter des orts dann veranstalten. es gibt im ort ćevapčinicas, lebensmittelgeschäfte, und 2 internet-cafes, wo man den 10-jährigen beim GTA zocken zuschauen kann. wer dagegen ruhig schlafen will, fahrt per auto oder taxi weiter nach vusanje, wo kurz vor ende der fahrstrasse gezeltet werden kann.

ich wollte eigentlich einen guide anheuern, da ich allein und erstmals in so einer abgelegenen ecke zum bergsteigen war. auch an wanderkarten scheint es ja bis dato nichts besseres zu geben als die hier nochmal hochgeladene, veraltete karte. weil der typ, der den guide machen wollte, dann plötzlich doch nicht konnte (oder wollte), bin ich am 07.08.2011 um 05:00 allein zu fuss los. zuerst in 1 stunde nach vusanje, dann etwas länger weiter ins ropojana-tal. hier hab ich den fehler gemacht, einen schmalen, nach links abzweigenden pfad für meinen weg zu halten. unbedingt so lang auf der ausgewaschenen schotterstrasse im tal bleiben, bis ein hinweisschild links hinauf weist, und auch da nicht gleich links in die büsche, sondern der schotterstrasse um die kurve und dann erst den hang hinauf zum verlassenen militärstützpunkt "zastan koliba" folgen! weil ich zu früh hinauf bin, und auf der karte fälschlicherweise der weg links statt rechts von der hütte vorbei führt, bin ich links durchs gelände hinaufgekoffert, bis ich mir endlich sicher war, dass es hier auf den rosni vrh geht. also wieder ein paar hundert höhenmeter runter, und dann den perfekt markierten weg hinauf zum erwähnten grenzstein und weiter zum ersten der seen, zwischen denen auch ein alter hoxha-bunker das AFAIK minenfreie gelände kontrolliert (hat).

ich war kurz vor mittag an den seen. wer keinen gewaltritt, sondern eine schöne trekkingtour plant, campt am besten hier, und steigt in der früh ohne stress hinauf zum gipfel - sollte dann aber besser grödeln mitnehmen, weil sonst das risiko besteht, am steilen, abschüssigen firnfeld unterhalb des gipfelaufbaus doch noch stress zu kriegen. ich dagegen hatte den ganzen nachmittag über zu rechnen, wieviel stunden für den rückweg noch bleiben, dafür aber am obersten firnfeld, das quasi die schlüsselstelle ist, das glück, bequem in den spuren meiner vorgänger hochstapfen zu können.

zuvor muss man aber noch an allen seen vorbei, hinauf zum im august 2011 noch grossteils schneegefüllten hochtal, nach möglichkeit über den firn (- am fels dauert die routenfindung wegen der vielen spalten im gestein länger -) hinauf zum sattel direkt nördlich vom gipfelaufbau. diesem nähert man sich in harmloser kletterei (UIAA I), bevor es über das erwähnte firnfeld geht. die kraxelei danach übersteigt wieder nicht den ersten schwierigkeitsgrad.

nach einem wegen des umwegs vom vormittag unfassbar langen anstieg um 16:00 auf dem vermutlich alpinsten gipfel des balkans anzukommen, war für mich ein triumpf, mit dem nur der gipfelsieg am monte amaro 2010 (siehe http://lischanahuette.ch/NZ/10-03-01/ !) um den titel "grösster bergsteigerischer erfolg bisher" konkurriert. klar, ich hab schon höhere, alpinere und technisch schwierigere alpengipfel geschafft. aber im ersten versuch, trotz 2,5 stunden herumkofferns im gelände, in selbstorganisation und im alleingang auf einem ultra weit weg von daheim anzukommen, von dem aus man übrigens bis zum skadarsko jezero sieht, den ich für das meer gehalten hab, hat mir da oben sogar ein paar tränen herausgelockt.

freilich, ich hatte auch glück: ohne die ab der weggabelung oberhalb der zastan koliba mustergültigen markierungen, ohne die beiden polen, die mir den weg nochmal genauest beschrieben haben, ohne die, die vor mir die stufen in den steilfirn getreten haben, ohne wetterglück (- ja, es kann in crna gora auch im sommer regnen -) hätt ich mich an diesem tag nicht bis hinauf getraut.

so aber gings noch am selben abend bis hinunter nach gusinje, schliesslich hatte ich ja die € 7,- für mein schmuddel-zimmer schon bezahlt ;-) ankunftszeit: 22:30. zustand: zum ersten mal seit langem wieder mit dicken blasen an den zehen, hungrig, aber strahlend bis über beide ohren.

Tourengänger: nikizulu

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