Schneibstein (2276m) über Ostgrat und Schlumtal


Publiziert von Tef Pro , 7. September 2011 um 20:48.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum: 4 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Tauernautobahn Ausfahrt Golling. Kurz Richtung Zentrum bis es links ins Bluntautal geht. Das Tal ist nun immer auf braunen Wegweisern gut ausgeschildert. Fahrt bis zum Bärenhof möglich. An Wochenenden und Feiertagen ist eine Fahrt ins Tal zwischen 10 und 17 Uhr verboten, raus darf man immer.
Kartennummer:Kompass Nr.15

Die Berchtesgadener Alpen schicken nach Osten einige Grate ins Salzburger Land. Der eindruckvollste ist wohl der Kuchler Kamm, aber auch der Schneibstein Ostgrat ist wunderschön.
Diese Tour führt bereits weit unten durch eine wunderschöne Landschaft mit viel ursprünglichen Wäldern. Deswegen empfhielt sie sich auch für nicht so schönes Wetter (aber stabil sollte es wegen der Länge und fehlender Unterschlüpfe schon sein). Aber nicht nur der Gratanstieg ist toll, nein, auch der Abstieg durch das lange Schlumtal ist wunderschön. Wann trifft man schon noch auf solche Täler, frei von Almstraßen oder Hütten.
Das Tal ist so schön, daß sich eine Wanderung alleine hierher lohnt, auch ohne Gipfelabstecher! In Summe wird daraus eine traumhafte 5*-Tour!
Los geht es hinterm Gasthof Bärenhütte (507m). Auf einem Waldweg folgen wir dem Wegweiser ("Vorderschlum"). In südwestlicher Richtung geht es am schönen Torrener Bach entlang. Gleich von Beginn an bezaubert die schöne Natur. Da stört es auch nicht, daß das Wetter wieder mal anders ist als wir es gerade im Ö3 Radio gehört haben. Statt der versprochenen Sonne gibt es (zunächst) bedeckten Himmel, von dem es dann sogar zwischenzeitlich mal ordentlich regnet, alles bei schwülen, warmen Temperaturen.
Der Waldweg geht schließlich in einen Pfad über und nach Überqueren eines Baches, der direkt aus den Felsen kommt, müssen wir nach links über glitschige Steine in südlicher Richtung den Berg hinauf. In dichtem, dschungelartigem Wald steigen wir nun in wechselnder Steilheit bergan, eine Weile führt der Pfad nach Westen um einen Felsriegel zu umgehen.
Bei 887m kommen wir zur Kaltwasserquelle. hier rieselt das Wasser direkt aus moosbehangenen Wänden herunter. Weiter geht es bergan, ein Felseinschnitt wird mit lustigen Leitern überwunden und bei etwa 1100 Meter Höhe kommen wir zu einer Verzweigung: links geht es Tristkopf, wir wenden uns nach rechts. Nach einer Leiterpassage geht es schräg rechts durch Wald weiter aufwärts.
Etwa 200 Hm später (~1330m hoch) heißt es aufpassen, da es nun rechts abgeht. Ein gut sichtbares Steinmandl steht am Wegesrand und eine recht gute Pfadspur führt ins Gebüsch. Die Orientierung ist zunächst recht einfach, da die Pfadspur gut sichtbar ist und es alle paar Meter ein Steinmandl gibt. Mäßig steil geht es im Wald mit dichtem Gehölz aufwärts, ab und an passiert man eine Lichtung. Ist das Gelände zunächst noch unstrukturiert, befinden wir uns allmählich rechts oberhalb eines Grabens. Parallel dazu führt der Pfad, einmal eine Höhenstufe mit einer Seprentine überwindend.
Bald darauf kommen wir mehr in Karstgelände und der Weiterweg wird etwas unübersichtlicher. Geht man aber stur "schräg nach rechts" hinauf, wird man immer wieder auf Steinmandl stoßen. Nach dem Karstgelände kommt ein Schutthang, dann geht man um ein Eck und sieht die Wiesen der verfallenen Rotwandalm (1740m).
Steigt man die Wiese etwa in der Mitte auf und folgt einem fast zugewachsenem Graben stößt man in etwa der Mitte des Hanges auf eine Quelle (mit Rohr,könnte bei längerer Trockenheit aber zwischendurch versiegen). Bei der heutigen Hitze kommt sie wie gerufen und wir trinken ausgiebig - weitere Quellen gibt es erst wieder im unteren Schlumtal (dieses sind aber wegen der Ergiebigkeit nur für den Notfall).
Von der Quelle steigen wir weiter empor, bald wird es flacher und wir stehen an den spärlichen Überresten der Alm. Wir gehen noch etwas weiter nach Norden über die Wiese, drehen dann aber nach links ab und folgen in einem Linksbogen dem Rücken - das Gelände gibt hier den Wegverlauf vor - der später aufsteilt. Kommt man an Latschen, quert man kurz nach rechts, bis es über Wiesen weiter bergan führt. Wir müssen nun iregndwie auf den Grat hinauf. Am besten gelingt dies im hintersten, obersten rechten Eck der Wiese. Hier erlaubt ein Durchschlupf den Zugang zum Grat.
Neben Edelweiß gibt es hier auch jede Menge Schlangen. Steil fällt das Gelände nach Süden ins Schlumtal ab, nach Westen sehen wir den Grat bis zum Schneibstein-Ostgipfel. Der zeigt sich im Verlauf zerklüfteter, als es den Anschein hat, immer wieder gibt es Zwischenabstiege. Eine schwache Pfadspur und einige Steinmandl erleichtern die Orientierung, vor allem anfangs geht es oft auch rechts vom Grat durch Latchengasen dahin. Dann steigt man einen breiten Wiesenhang steil hinauf und die Zacken werden ausgeprägter. Ab hier sollte man sich wieder mehr direkt am Grat halten. Immer wenn man meint, da wirds wohl senkrecht abbrechen, tut sich auf der rechten Seite ein Durchschlupf auf.
Generell ist dies der anpsruchvollste Teil der Tour und man kommt nur langsam voran. Nach einem Einschnitt geht es den letzten "Vorgipfel" empor, der sich oben zwischen Latschen zu einer Rinne verengt. Man muß hier ab und zu mit den Händen zupacken, doch eine II, wie es im AV Füherer steht, ist dies nie und nimmer (wie auch die Tour nicht W6 ist - genrell wird in diesem AV Führer viel zu oft der höchste Schwierigkeitsgrad vergeben). Oben steht dann ein Steinmandl. Über Schrofenhänge steigen wir nun weiter hinauf zum Gipfelkreuz des Ostgipfels.
Es ist zwar recht dunstig, doch beginnt es nach und nach von Süden her aufzulockern..sollte sich der geliebte Föhn noch durchsetzen? Nach unserer Pause geht es nun Richtung Schneibstein. Was so nah ausschaute, dauerte dann doch fast eine Stunde. Immer wieder geht es in Scharten und über Hügel, zunächst über Wiesen, dann mehr und mehr über wildes, schönes Karstgelände, wie bereits vorher in absoluter Einsamkeit, mal abgesehen von fauchenden Gemsen und stoischen Steinböcken.
So ist der Übergang zwar anstrengend aber kurzweilig und als wir am unscheinbaren Schneibstein ankommen hat die Sonne nun wirklich noch das Zepter übernommen. Wir genießen den Blick hinüber zum Kuchler Kamm, doch nicht allzu lange, denn der Weg ist noch weit.
Zunächst geht es nämlich - nun wieder auf markierten Wegen, in südwestlicher Richtung hinab zur Windscharte (2103m).
Hier beginnt nun der Abstieg ins Schlumtal, welches wir bereits hier in fast seiner kompletten Länge bewundern können. Doch erst heißt es absteigen. Steil geht es hinab, ab und zu gibt es Versicherungen, die so alt ausschauen, daß sie jedes Museum bereichern würden. Bei trockenen Verhältnissen ist der Abstieg jedoch nicht sonderlich schwer, und so kommen wir in ein Felskar. Der Pfad schlängelt sich nun weiter durch das traumhafte Tal hinab, dabei mehrere Stufen überwindend. Die Vegetation nimmt stetig zu, vereinzelte Lärchen oder uralte Kiefern säumen den Weg. So erreichen wir die Überreste der Hinteren Schlumalm (1690m), wahrlich ein abgschiedenes Fleckchen Erde.
An der Alm vorbei geht es durch üppiges Gemüse weiter bergab, bis wir in eine Mulde kommen. Ab hier führt der Pfad nun im leichten Auf und Ab auf der rechten Talseite durch die Flanke. Dabei kommt man an zwei Quellen vorbei. Das Wasser kommt (sehr spärlich) aus den Boden und es wäre sehr mühsam, daraus zu trinken. Aber im Notfall würde man auch knien. Wir haben noch genug und setzen uns auf ein kleines Holzbankerl neben einem Jägerstand zu einer weiteren Pause nieder und genießen nochmal, hier in diesem schönen Tal zu sein.
Nach dem Jägerstand führt der Pfad nun deutlich abwärts und bald kommen wir zu einer ersten Verzweigung. Geradeaus führt (mittlerweile unbezeichnet) der Leiterlsteig Richtung Tristkopf, wir wenden uns nach links und steigen in die grasige Talfurche ab, wo gleich die nächste Verzweigung kommt. Man hat nun zwei Möglichkeiten, ins Bluntautalabzusteigen. Da die rechte Variante über Vorderschlum mit einer Stunde länger ausgeschrieben ist, nehmen wir die linke Variante. Diese führt in die Ostflanke der Rotwand, ist ein, zweimal versichert aber nirgends sonderlich schwer. Schließlich erreichen wir wieder den Punkt, wo wir heute früh abgebogen sind. Nun gilt es noch konzentriert über das rutschige Gestein nach unten ins Tal zu kommen und nach insgesamt 9 Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt

Tourengänger: Tef

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Kommentare (2)


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Chiemgauer hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2013 um 23:00
Servus Tef,
der Grat wurde mir heute von einem Einheimischen auch wärmstens empfohlen (wie Göll Ostwand, aber da habe ich dankend abgelehnt). Dank deiner Beschreibung und Bewertung (lauf AV-Führer wäre er ja schwieriger wie Kucheler Kamm) kann ich es nun gar nicht mehr abwarten. Mal sehen was der Herbst so bringt ;-)
Gruß,
Hans

Tef Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. September 2013 um 19:45
Servus Hans,
dieser Grat ist deutlich einfacher als der Kuchler Kamm...nicht ganz so beeindruckend, aber immer noch klar eine 5-Sterne Tour, die dir bestimmt gefallen wird!
beste Grüße
Tef


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