Cima Tosa (3.173m) Normalweg


Publiziert von Felsnase , 6. September 2011 um 13:20.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum: 2 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 2300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto (Bushaltestelle am Ende der Via Dolomiti in Molveno)
Kartennummer:Kompass Nr. 649 (Altopiano della Paganella / Dolomiti di Brenta) 1:25.000

In unserer Urlaubswoche in der Brenta wollte ich nach ein paar Monaten Abstinenz mal wieder eine "richtige" Bergtour machen. Ob man es innerhalb eines Tages von Molveno auf den höchsten Berg der Brenta, die Cima Tosa, und wieder zurück schafft?! Mal sehen...

1. Molveno (865m) - Rifugio Pedrotti (2.491m)
Das Auto habe ich morgens um 5.30h auf dem kleinen Parkstreifen rechts vor der Wendestelle des Stadtbusses am Ende der Via Dolomiti in Molveno abgestellt. Mit Taschenlampe und ansonsten normaler Bergwanderausrüstung (gute Schuhe, Trekkingstöcke) geht es los, vorbei an der Baita Ciclamina und dann links Richtung Sentiero Donini. Als ich gegen 6.20h die ausgesetzte und versicherte Passage des Sentiero erreiche, bietet sich vor dem Hintergrund der Bergkulisse mit aufgehender Sonne ein fantastischer Blick auf Molveno mit See.

An der Malga Ceda di Andalo begrüßt mich ein scharfer Hund, der erst Ruhe gibt, nachdem ich seinem Blickfeld entschwunden bin - sein Besitzer, der ausweislich des vor der Hütte geparkten Fahrzeugs dort genächtigt hat, wird es ihm gedankt haben. Danach geht es weiter in mäßigem Anstieg, danach flach - der Blick auf die Bergriesen, die das Valle delle Seghe einrahmen, ist gewaltig. Einen auf manchen Karten eingezeichneten Weg, der (unter Umgehung des Rifugio Selvata) direkt zum Rifugio Pedrotti führt, kann ich leider nicht entdecken. Also geht es weiter gerade über eine versicherte Passage weiter zum Rifugio Selvata. Dahinter gemäßigt steil bergan durch Latschen - dank eines plätschernden Bächleins, das den Aufstieg begleitet, gibt es viele Möglichkeiten, die Wasserflasche aufzufüllen. Danach, vorbei an der beeindruckenden Felsnase des Castelletto dei Massodi in die für diesen Berg namengebende Hochebene (Massodi), wo mir nach ca. 3 1/2 Stunden Gehzeit die ersten anderen Wanderer begegnen. Im Rückblick bietet sich ein gewaltiger Blick auf den Croz dell'Altissimo. Danach geht es steil weiter bergan. Um 9.30h komme ich zum Rifugio Pedrotti, wo ich mir einen (hervorragenden!) caffè espresso genehmige und mit der Hüttenwirtin plaudere.

2. Rifugio Pedrotti (2.491m) - Cima Tosa (3.173m)
Laut Wegweiser sind es von der Pedrotti-Hütte auf den höchsten Punkt der Brenta drei Stunden. Hinter dem Rifugio geht es über Platten und einen kurzen versichtern Abschnitt (Eisenklammern) über den Sattel zwischen Cima Brenta Bassa und Croz del Rifugio in den öden Dolinenkessel der Pozza Tramontana. Diesen umrunde ich entlang des unterhalb der Cima Margherita gelegenen Schneefeldes "Vedretta della Tosa inferiore" und gewinne langsam an Höhe. Nach Querung des zweiten, höher gelegenen Schneefeldes "Vedretta dell Tosa Superiore" geht es über eine eingeschnittene Geländestufe aufwärts an den Fuß der Cima Tosa (verblasste rote Aufschrift "Cima Tosa" mit Pfeil nach oben). Die Wand wird von zwei Kaminen gegliedert: der linke ist es, der nach oben führt (der rechte ist m. E. nicht kletterbar und mündet in einen mit Altschnee gefüllten, tiefen Kessel. Achtung: befinden sich weiter links in Richtung Sella della Tosa nochmals drei, wegen Klemmblöcken ebensowenig begehbare Kamine - dies herauszufinden, kostet mich einen Verhauer von ca. 1 Stunde...).
Nach dem Einstieg in den Kamin geht es im Schwierigkeitsgrad II ca. 20 Höhenmeter nach oben. Den Kamin kann man nicht bis zum Ende durchklettern, sondern muss auf ca. 3/4 der Höhe rechts aussteigen (Seilreste). Dort sehr ausgesetzt weiter auf das nächste Band - dies ist meines Erachtens die Schlüsselstelle. Danach ist gutes Orientierungsvermögen gefragt: Steinmanderln sind zwar vorhanden, werden aber erst im oberen Bereich zahlreicher. Letzten Endes geht man aber nicht falsch, wenn man sich rechts hält und immer den leichtesten Übergang auf das oberhalb gelegene Band anpeilt.
Nach ca. 7h ist es dann geschafft: ich erreiche das Gipfelplateau, eine gewaltige Schuttfläche. Den Steinmanderln nach geht es noch ein paar Meter bergan, dann ist in der Nähe des Übergangs zum Crozzon della Brenta der höchste Punkt der Tour erreicht. Ein Gipfelkreuz sucht man vergebens - nur der Stumpf der ehemaligen Marienstatue und ein unter einer blauen Plastikabdeckung verborgenes Stahlkästlein mit ein paar persönlichen Erinnerungen an verunglückte Bergsteiger sowie das handgeschriebene Zettelchen eines Bergfreundes aus Sachsen, der die Cima Tosa ein paar Tage vor mir besucht hat, deuten darauf hin, dass man auf dem höchsten Punkt der Brenta steht. Die Aussicht ist trotz leichter Bewölkung gigantisch.

Nach einer halbstündigen Gipfelrast geht es wieder nach unten - hier ist nochmals volle Konzentration gefragt. Die Tiefblicke und teilweise extreme Ausgesetztheit der schmalen Bänder sowie die fehlende Markierung machen den Abstieg zu einer nicht ganz einfachen Unternehmung. Im oberen Bereich (so ca. 50-100m unterhalb des Gipfels) entdecke ich einen weiteren Kamin (ca. 40m, m. E. mindestens Schwierigkeit III), den ich abklettere. Er sollte aber lieber umgangen werden (was weiter links auch ohne Problem geht). Der Einstiegskamin schaut von oben recht respekteinflößend aus, ist aber gut abkletterbar.

3. Abstieg
Der Rest ist wenig spektakulär: der Anstiegsweg führt mich wieder ins Tal. Unterwegs werde ich auf Höhe der Massodi von einem Gewitter mit Hagel überrascht, finde aber mit der Baita Massodi rechtzeitig einen prima Unterstand. Um 19.30h bin ich dann nach 14 Stunden wieder am Auto.

4. Fazit: eine gigantische Tour, für die man auf jeden Fall gute Kondition mitbringen sollte. Eine Übernachtung auf der Pedrotti-Hütte macht das ganze jedenfalls entspannter, und der Gipfel der Cima Tosa ist mit Seil und / oder GPS sicherlich gemütlicher.

5. Literatur / Links:
(1) Rudolf Wutscher: Normalwege in den Dolomiten. Zwischen Brenta, Sextener Dolomiten, Fanes und Schiara. Tappeiner 2009 (sehr nützliches Foto des Cima Tosa-Bergstockes mit eingezeichneter Wegführung auf S. 156, m. E. allerdings nicht ganz präzise)
(2) Aufstieg über Bocca d'Ambiez, Abstieg über Normalweg: http://www.quackensturm.de/alpen/i/brenta/wanderung/tag6.htm
(3) Ausführliche Beschreibung des Normalwegs (italienisch): http://www.vienormali.it/montagna/cima_scheda.asp?cod=1591

Tourengänger: Felsnase

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

S- WI2
22 Jun 10
Cima Tosa Nordwand - Canalone Neri · Bergfrosch
L
30 Jul 06
Tosa · danicomo
T5- II L

Kommentar hinzufügen»