Zufrittspitze (3439 m)


Publiziert von Max Pro , 5. September 2011 um 20:41.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum: 3 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Meran in's Ultental, bis zum Talschluss in St. Gertraud (bis hier ÖV), dann noch ca. 5 km zum Weißbrunnsee (Fontana Bianca)
Kartennummer:Kompass WK699

"Der stolzeste Gipfel im Marteller Kamm" beschreibt Hanspaul Menara in seinem Buch "Südtiroler Bergtouren" von 1976 die Zufrittspitze (Gioveretto). Damals sprach man beim Zufrittferner noch von Eismassen, davon kann heute natürlich nicht mehr die Rede sein. Allerdings macht dies die Sache nicht einfacher, dazu später mehr.

Die Zufrittspitze kann sowohl vom Martelltal über oben erwähnten Gletscher bestiegen werden oder vom Ultental aus (fast) ohne Gletscherberührung. Wir entscheiden uns für die zweite Variante, das sollte ohne Steigeisen klappen. Am Weißbrunnsee entfliehen wir den bereits zahlreich erschienen Touristen, die zwischen Plastik-Edelweiss und Hansi-Hinterseer-Gedudel dem Almrausch frönen. Zur Höchster Hütte (Rifugio Canziani) führt uns ein sehr schöner Steig, auf dem sich das bergsportbegeisterte Publikum recht bald ausdünnt.

Die Hütte liegt am Grünsee (Lago Verde), der wie viele Bergseen im Ultental zur Energiegewinnung genutzt wird. Oberhalb des Sees führt ein Steig durch's Blockwerk weiter Richtung Westen. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gegeben, die Steine Fussgängergerecht zu arrangieren. 10 Minuten nach Erreichen der Hütte gabelt sich der Weg, links geht's zur Hinteren Eggenspitze, rechts zur Zufrittspitze. Und so langsam bekommen wir einen Eindruck was uns erwartet.

Zunächst wandern wir gemütlich Richtung Norden, bis das Gelände steiler wird und uns die Markierungen mehr nach links Richtung Zufrittjoch leiten. Im nun folgenden Blockgelände ist allerdings manchmal Improvisation gefragt. Zwischendurch stapfen wir über ein paar kleine Firnfelder, dann wieder über Blöcke, alles in Allem noch nicht spektakulär. Allerdings haben wir das steile Firnfeld und die Wächte unterhalb des Gipfels schon gesichtet, das riesige Kreuz blinkt in der Sonne, mal schauen...

Auf ca. 3000 m gelangen wir in Geröll, wir schwenken etwas nach rechts (Norden) und der Pfad, soweit ersichtlich, wird steiler. Das besagte Firnfeld kommt in Sichtweite und wird links in sehr bröseligem Terrain umgangen (I), hier ist bereits vorsichtiges Steigen angesagt. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert haben, stehen wir vor der Wechte und stellen fest: Sieht von unten wesentlich spektakulärer aus, als sie tatsächlich ist. Wir weichen nach links aus und stehen wenig später auf dem Rest des Zufrittferners, der hier oben am Sattel total flach ist.

Nun folgt das Finale, die letzten 150 Hm. In einer sandigen Rinne klettern wir zum Grat hoch, wo uns etwas festerer Fels erwartet. In der Rinne ist grosse Vorsicht angebracht, glücklicherweise sind wenig Gipfelstürmer unterwegs, Begegnungen gestalten sich wegen des drohenden Steinschlags schwierig und zeitraubend. Nach der Rinne gelangen wir zum Grat und hier geht's im Klettergelände (I-II) bis zum Gipfel. Über 5 Höhenmeter hilft uns ein Drahtseil, das auch schon bessere Tage erlebt hat, zum Teil ist es aufgespleisst und die Verankerungen sind, na ja, sagen wir mal, ausreichend. Schliesslich stehen wir auf dem Gipfel der Zufrittspitze, geniessen das Panorama und machen uns etwas Sorgen wegen der aufziehenden Wolken, deshalb dauert die Gipfelrast nicht allzu lange.

Beim Abstieg passiert's, normalerweise sind ja immer die anderen Schuld. In der sandigen Rinne suche ich einen festen Tritt ("Der hält!"), er hält eben nicht und der Stein, in etwa Ziegelsteingrösse, bricht aus, nimmt Fahrt auf und poltert Richtung Einstieg. Ich schreie aus Leibeskräften, da ich kurz zuvor am Gletscher einen Bergsteiger Richtung Rinne marschieren sah. Gott sei Dank ist aber niemand unter uns, der Stein landet im Schnee. Für den Abstieg des Gipfelaufbaus brauchen wir länger als im Aufstieg.

Der Rest des Abstiegs ist das reinste Vergnügen, die Wolken haben sich verzogen, an dem steilen Firnfeld finden wir bessere Tritte als im Aufstieg, die nächsten Firne nutzen wir zum Abfahren, ab und zu machen wir eine kleine Pause und schliesslich kehren wir in der Höchster Hütte ein, wo wir auf der Terasse noch die letzten Sonnenstrahlen und ein Bier geniessen.

Tourengänger: Max

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»