"keep wild climbing": Gaggio Westkante


Publiziert von ossi , 27. September 2011 um 16:25.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:28 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: V+ (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Cima dell'Uomo   CH-TI 
Strecke:Mornera-Capanna Albagno-Btta. Albagno-Gaggio Westkante- Gipfel-Mornera

Unlängst den äusserst interessanten Führer gekauft zu cleanen, also nicht fix abgesicherten, Routen auf abgeschiedenen Führen auf einsame Tessiner Gipfel.....und schon war es um mich geschehen..... Die Freude über dieses Buch musste natürlich geteilt werden. Und wer bietet sich da besser an als der (alte?) Haudegen 2bd, der natürlich auch gleich meinen Motivierungskünsten erlag und mit mir zusammen den Kletterführer im Gelände ausprobieren wollte. Dank an dieser Stelle den Autoren des "keep wild"-Führers durch die Tessiner Berge.

Ausgangspunkt: Am besten die unbewartete, aber sehr schön eingerichtete Capanna Albagno oberhalb Mornera. Die capanna erreicht man in 90min von Mornera (Gondelbahn ab Carasso). Der Aufstieg führt in angenehmer Steigung durch Wald und entlang einer breiten Kante im gemässigten T2-Stil hoch zur Hütte und lohnt sich auch als Ziel für all jene, die neben der capanna keine weiteren Gipfelambitionen hegen.

Zustieg: Zuerst über die Btta. d' Albagno (2057m), dann hinab auf ca. 1770m. Nun westwärts haltend bis zum Felsband, welches dem Gras-Schuttfeld "aufliegt" und dem Band nordwärts folgen, bis eine breite Rinne den Aufstieg ermöglicht. Nun die Rinne hoch, bis sie nordwärts verlassen werden kann. Weiter durch wenige Erlen und Gras bis an die Westkante des Gaggio, die man bereits im Aufstieg aus der Rinne sieht. Gemäss Führer T4, eine ganz kurze Stelle wenig unter dem Einstieg kam mir mindestens T5 vor. Auch der Ausstieg aus der Rinne ist nicht ganz einfach, aber vielleicht haben wir hier nicht die ideale Linie gefunden.

Route: Der Einstieg befindet sich etwas nördlich der Westkante, wo ein flaches Felsband den Zustieg zur Kante zulässt. Die Kletterei folgt immer der Kante und weist neben steilen Aufschwüngen einige flachere Stücke im Gras-Block-Gelände auf. Den Fels möchte ich insgesamt als sehr zuverlässig bezeichnen, Absicherungsmöglichkeiten gibt es viele und gute. Von den acht Seillängen (wir haben ca. 40m pro Seillänge gemacht), waren zwei Längen gefühlt V+, daneben fand viel Kletterei im vierten Grad statt und einige längere Passagen sind als II/III zu bezeichnen. Fixe Absicherung findet man logischerweise nicht, sonst wär's ja keine "cleane" Route.

In der Westflanke fanden wir immer wieder Wegspuren. Ob es sich um Tieres- oder Menschenwerk handelte, konnten wir nicht schlüssig herausfinden. Es schien uns aber, als könnte man sich vielleicht irgendwie T6-mässig durch diese Flanke auf den Gipfel hochmogeln....? Auch ein Ausstieg aus der Kante in die schrofige Flanke scheint machbar.

Wir hatten neben einem kompletten Satz Keilen einige camalots mittlerer Grösse dabei und natürlich zahlreiche Schlingen, die überall eingesetzt werden konnten.

Abstieg: Über den Normalweg vom Gipfel des Gaggio (oberes T2) nach Mornera. Der Berg bietet übrigens eine tolle Rundsicht und regt die Phantasie an, sich weiterer Gipfel anznehmen.

Fazit: Sehr schöne Tour in einer einsamen, wilden Umgebung, auf der man sich nicht gleich einen Herzinfarkt holt.  Die Tour muss unbedingt clean bleiben.

Tourengänger: ossi, 2bd

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Kommentare (3)


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Mel hat gesagt:
Gesendet am 27. September 2011 um 16:35
coole sache!
irgendwann möchte ich auch mal clean klettern, habe allerdings noch ein bisschen was zu lernen :-/

2bd hat gesagt: kommentarlos?
Gesendet am 4. Oktober 2011 um 18:17
deiner Schilderung bleibt wirklich nichts mehr hinzuzufügen. aber so ganz kommentarlos kann ich das dann doch nicht vorbeigehen lassen, als alter Haudegen und Mitstreiter - oder welche Kriegsrhetorik wir da auch immer verwenden wollen. es war einmal mehr ein tolles Erlebnis mit dir, ossi. wenn man von fruchtbarer Partnerschaft sprechen will, dann ist hier genau die richtige Gelegenheit.

chmblum Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. Dezember 2011 um 21:04
Dass andere ähnlich fühlen, gleiches suchen und auch finden, löst fast weihnächtliche Gefühle aus. Merci für den schönen Bericht und die tollen Bilder . Christoph


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