Seekarlspitze (2261 m) - Rundtour von Norden mit Abstecher zur Grubalackenspitze


Publiziert von 83_Stefan , 4. September 2011 um 16:54.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Rofangebirge und Brandenberger Alpen
Tour Datum: 3 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Vom Achental her kommend in Richtung Steinberg am Rofan. Über Vordersteinberg kann man ins Tal der Grundache hinunterfahren, dort kostenloser Parkplatz.
Kartennummer:AV-Karte 6 Rofan.

Das Rofan - steile Felswände, die auf leuchtend grünen Matten fußen, dazwischen kristallklare Seen und am Horizont die eisgepanzerten Riesen des Alpenhauptkamms. Es ist schon ein schönes Bergrevier hier oben! Das haben allerdings auch die hiesigen Investoren erkannt, die dem kleinen Rofan gleich zwei Seilbahnen "spendiert" haben. Und hat ein Investor erstmal einen Fuß in der Türe, dann heißt es "klotzen, nicht kleckern". Die Folge: Im Rofan wimmelt es an Touristen aus aller Herren Länder, eine Skipiste verunstaltet die Landschaft, als Jahrmarktattraktion gibt einen Flying Fox und weil das alles noch nicht reicht, hat man 2010 einen völlig neuen Klettersteig angelegt. Ganz anders im Nordteil: In Steinberg am Rofan gibt es keine Seilbahn und dort trifft man auf den Steigen keine Menschenseele. Also auf in diesen schönen, kleinen Ort! Die Anstiege zu den Gipfeln sind von hier zwar deutlich weiter und meist auch nicht markiert, aber landschaftlich dafür großartig.
Am Parkplatz im Tal der Grundache startet die Tour, auf der man sinnvollerweise seinen Drahtesel ausführt. Ein breiter Versorgungsweg führt stets an der Grundache entlang bergauf. Es ist nie wirklich steil - ideale Radlstrecke! Einmal führt der Weg sogar durch einen Felstunnel. Nach etwa 4.5 Kilometern ist die Fahrt vorbei - der Weg, der weiter an der Grundache entlang führt, ist für Fahrräder gesperrt (die Radlroute biegt links ab). Hier macht man Radldepot. Weiter geht's zu Fuß.
Der Bach wird zwei Mal überquert und man gelangt zu einer Jagdhütte, an der man links abzweigt (unter anderem mit "Ampmoosalm" beschildert) und der Schotterstraße ein kurzes Stück folgt, bis man nach rechts auf eine deutlich bescheidenere Fahrspur abzweigt, die ins Mahrental hinein führt. An der neuen Mahrentalalm vorbei, nun auf bescheidenem Fußweg, ins hinterste Tal hinein. Dort steht noch die alte, mittlerweile verfallene Mahrentalalm. Der Bach wird überquert und auf vagen Trittspuren geht's auf der anderen Seite weiter. Man erreicht schließlich eine Wiese mit Jägerstand auf der linken Seite. Ihm gegenüber, auf der rechten Seite der Wiese, steht ein markanter, alter Ahorn. Dort hält man sich rechts und erreicht nach wenigen Metern einen guten Almsteig, der die Steilstufe rechts umgeht. Auf deutlichen Trittspuren leitet dieser durch ausgeschnittene Latschengassen nach oben zu einem Weideplatz, wo er sich zwischenzeitlich verläuft. Die Wiese an ihrem linken Rand queren, dann erreicht man bald wieder den Steig. An einer höheren Wiese enden die Spuren. Durch Latschengassen geht's nun weglos höher, hinein ins begrünte Kar "Breitlahner". Dort kommt man recht bequem weiter nach oben. Man hält immer direkt auf die senkrechte Nordwand der Hochiss zu, bis sie fast erreicht ist, um den Felsriegel auf der linken Seite des Kars zu umgehen. Dort, wo der das Kar zur Linken begrenzende Höhenzug an die Wand anschließt, liegt seine Schwachstelle: eine unschwierige Schuttrampe leitet hinauf zum Höhenzug.
Auf der anderen Seite des Höhenzugs sieht man die Seekarlspitze und ein zwischen ihr und der Hochiss eingelagertes Geröllkar. Aus ihm zieht zur Seekarlspitze eine markante rötliche Rinne in die Grasflanke empor. Diese gilt es zu erreichen. Die Querung des Kars zum Einstieg ist recht mühsam, aber dafür ist der Aufstieg in der Rinne wirklich erstaunlich einfach. Ohne Probleme, nicht einmal besonders steil, geht es auf einem Gamspfad bequem nach oben, bald nach links in die Grasflanke ausweichend. Durch gut gestuftes Gras hinauf zur Seekarlscharte und auf gutem Steig weiter zum nahen Gipfel. Dort trifft einen dann der Schlag, denn der neue Klettersteig aus 2010 lädt wahre Menschenmassen dort oben ab. Die Aussicht ist natürlich grandios, man ist schließlich auf dem zweithöchsten Gipfel des Gebiets. Besonders die Hochiss mit ihrer steilen Nordwand macht ordentlich Eindruck.
Auf dem Steig hinunter zum markierten Wanderweg und ihm in östlicher Richtung um den Rosskopf herum folgen, den Menschenmassen dabei möglichst geschickt ausweichend. Der Weg leitet hinauf zur Grubascharte, wo ein nahes, ruhiges Gipfelziel lockt - die Grubalackenspitze, ein recht imposanter Grasberg, der von allen Seiten ziemlich markant ist. Von der Scharte über Gras zuerst direkt auf den Gipfel zu, sich dann aber in die rechte Grasflanke orientieren, wo man auf einem Gamssteig und über gut gestuftes Gras in eine kleine Trümmergasse und wenig später zum höchsten Punkt gelangt - erstaunlich einfach! Hier oben ist es richtig einsam, nur ein winziger Steinmann ziert den höchsten Punkt. Der eindrucksvolle Gipfel bricht nach Osten senkrecht zum Grubasee ab. Man befindet sich hier im Zentrum des Rofans. Die höheren, überlaufenen Nachbarberge reihen sich kreisförmig um die Grubalackenspitze und man hat instruktiven Überblick über das Gebiet. Ein toller Gipfel für den Individualisten!
Runter geht's wieder in die Grubascharte und auf Trittspuren ein Stück nach Norden hoch zur Scharte zwischen Rosskopf und Rofanspitze. Dort beginnt der offiziell gesperrte, aber gut begehbare Bettlersteig, der steil, aber unschwierig, nach Norden hinunterführt. Alte Markierungen und Trittspuren weisen den Weg. Auf ihm erreicht man schließlich den offiziellen Wanderweg, dem man nach links zur Ampmoosalm, drei recht urigen Almhütten in eindrucksvoller Landschaft, folgt.
Dort wendet sich der Weg rechts, ins Eselkar hinein. Der Weg ist hier im oberen Teil frisch markiert und wenn man keine Markierungen findet, ist man vermutlich etwas zu hoch. Steil geht es bergab, die Markierungen werden schwächer, der Weg ist aber nach wie vor gut zu finden. Ein Bach wird gequert und bald darauf eine ebene Fläche erreicht. Weiter im Wald hinunter bis zu einer Brücke, die über den Eselkarbach führt. Man könnte hier über die Brücke nach links den Bach überqueren und auf dem alten Steig absteigen, schneller ist man jedoch, wenn man den Markierungen weiter folgt (Beschilderung). Wenige Meter später weitet sich der Steig zum Forstweg. Auf ihm weiter, an Wegekreuzungen immer bergab, erreicht man wieder die Stelle, an der man den Weg beim Aufstieg ins Mahrental verlassen hat. Jetzt noch zurück zum Radldepot und dann lockt die rasante Abfahrt mit dem Drahtesel.

Schwierigkeiten:
Bike & Hike über Mahrental zur Seekarlspitze: T3+, L.
Rückweg über Bettlersteig und Abfahrt: T3, L.
Abstecher zur Grubalackenspitze: T3.

Fazit:
Wirklich großartige, abwechslungsreiche 5*-Rundtour im Angesicht der imposanten Nordwände der Rofankette. Auf der Seekarlspitze herrscht mittlerweile leider Hochbetrieb, aber Auf-, Abstieg und der Abstecher zur kaum bekannten, schneidigen Grubalackenspitze sind wirklich einsam. Die Überlistung der Nordwand an zwei ihrer Schwachstellen ist erstaunlich einfach. Die Rundtour ist nur in dieser Richtung zu empfehlen, weil man beim Abstieg den Schafsteig nur schwer findet und dann in einem Mix aus Latschenfeldern und Steilabbrüchen landen kann.

Nachtrag:
Die Tour basiert auf einem Tourenvorschlag von windi. Seine Beschreibung ist hier zu finden. Vielen Dank für die tolle Idee!
Ich habe mir übrigens erlaubt, die Schwierigkeitsangabe auf T3+ zu erhöhen, da ein Großteil des Anstiegs weglos ist und man in unschönem Gelände landen kann, wenn man sich versteigt (was aber eher unwahrscheinlich ist). Die technischen Schwierigkeiten sind mit T3 treffend bewertet.

Tourengänger: 83_Stefan

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (8)


Kommentar hinzufügen

Gelöschter Kommentar

83_Stefan hat gesagt: RE:ja cool...
Gesendet am 5. September 2011 um 07:35
Ich schätze, unsere "to-do-Listen" überschneiden sich etwas ;-) . Na wenigstens war's bei euch am Gipfel nicht so überlaufen wie bei mir.
Schade, dass man in deinem Link die Bilder nicht anschauen kann, wenn man nicht angemeldet ist....

Gelöschter Kommentar

83_Stefan hat gesagt: RE:ja cool...
Gesendet am 5. September 2011 um 21:04
Klar, meld dich, wenn du mal Lust hast!

©bergundradlpeter hat gesagt:
Gesendet am 5. September 2011 um 07:13
Hi Stefan,
herrlicher Bericht und sehr schön Bilder. Oft war ich in diesem Eck schon unterwegs, aber noch nie von dieser Seite. Ich glaub, das muß ich was wiederholen:-)

Viele Grüße
Peter

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. September 2011 um 07:37
Danke dir! Die Nordwand hat einige Schwachstellen, die sich begehen lassen. Zumindest die Hochiss müsste ich von dieser Seite eigentlich auch noch mal ausprobieren...

Tef Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. September 2011 um 21:39
Servus Stefan,
tolle Tour hast du da gemacht! Normalerweise meiden wir zu Lift-Saison dieses Gebiet, aber dies sieht ja toll aus!
beste Grüße
Tef

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. September 2011 um 21:44
Danke dir, Tef! Bis auf die bekannten Touristenwege auf den Gipfelhöhen ist es auf dieser Tour selbst in der Hochsaison völlig einsam.


Kommentar hinzufügen»