Säntis (2502 m) via Chammhaldenroute


Publiziert von alpstein Pro , 3. September 2011 um 17:05.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 3 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-AR   CH-SG 
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 50 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über Gossau - Herisau - Urnäsch - Schwägalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Alter Säntis oder Unterkünfte auf der Schwägalp
Kartennummer:map.geo.admin.ch

Es gibt auch einsame Aufstiege, die auf den Säntis führen
 
„Denk ich an die Chammhalden in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“, frei nach Heinrich Heine trifft die Wahrheit nicht ganz, aber die Erfahrungen der Tour im Jahr 2009 haben Esther noch lange beschäftigt, was soweit ging, dass sie, nachdem wir noch den Film „Nordwand“ gesehen hatten,  die „luftige Querung“ im Traum in einer nach Hinterstoisser benannten Technik überwandt.
 
Heute war es wieder soweit. Zur Schonung des Knies war ein Bähnliberg gefragt und warum sollte das nicht der Säntis (2502 m) sein. Zeitig in der Früh sind wir an der Schwägalp (1352 m) auf dem Fahrweg nach Siebenhütten losmarschiert, den man Richtung der Kiesgrube Vicini (Schild) verlässt und bald der steilen Grashalde auf die markante Chammhalden zustrebt, die man über meist gut ersichtliche Spuren ersteigt.
 
Ab dort heißt es dann im nassen Gras in einer Querung erstmal aufzupassen. Bald folgen die ersten Schrofen, über die es nun mäßig steil in schöner Kraxelei nach oben geht. Die Route ist ab der Chammhalden durchgängig mit orangen Markierungen versehen, so dass es keine Wegfindungsprobleme gibt. Wir gewannen schnell an Höhe und nach etwa 2 Std. hatten wir das „Große Band“ erreicht, das sich horizontal durch die Nordflanke zieht, und vom Ellenbogen bis zur Hinteren Öhrligrueb begangen werden kann.
 
Auf uns wartete nun der anspruchsvollste Teil der Route. Bei einer Gedenktafel beginnt die felsige Zone, die mit schönen Kraxelpassagen zur erwähnten „luftigen Querung“ führt. Hatte ich vor zwei Jahren überhaupt keine Probleme mit ihr, war ich nun doch gespannt in der Hoffnung, dass das viele Nachdenken über diese Stelle sich heute nicht negativ auswirken würde.
 
Rechts geht es dann schon einige Meter runter. Breit ist das Band rüber zur Rinne auch nicht, aber es ist mit guten Tritten und Griffen ausgestattet. Augen zu und durch wäre nicht die richtige Methode, aber Esther gab ich den Rat einfach nicht nach unten zu schauen. War sie vor zwei Jahren in der Passage fast blockiert, stand sie mir heute zeitlich kaum nach, wenn sie auch zugab, sich nicht richtig behaglich gefühlt zu haben.
 
Am Einstieg der Rinne war nun noch eine kurze Kletterstelle (II-) zu bewältigen und der restliche Teil führt unschwierig zum Hüenerbergsattel (2325 m), wo wir endlich die ersten Sonnenstrahlen des Tages empfangen durften.
 
Über den restlichen Weg über den Blau Schnee zum Girensattel und die Himmelsleiter gibt es nur noch zu berichten, dass an der Himmelsleiter neu Ausweichpodeste installiert wurden, damit es an schönen Wochenenden nicht zu längeren Staus beim Begegnungsverkehr auf dem Normalweg kommt.
 
Fazit: Wer einen anspruchsvollen Aufstieg auf den Säntis abseits der Wanderströme sucht, der ist auf der Chammhaldenroute gut aufgehoben, wenn er mit etwas ausgesetzten Stellen kein Problem hat. Einige Stellen sind dabei, wo besondere Konzentration erforderlich ist, weil ein Ausrutscher fatale Folgen haben könnte. Bei Nässe oder Schnee sollte man den Aufstieg meiden oder den Experten überlassen.

Nachtrag: Auf den Beitrag von KraxelDani möchte ich noch hinweisen.Haken sind mir gestern keine aufgefallen.

Edit 19.07.2014: Im Bereich der luftigen Querung ist ein Stück Fels abgebrochen und die Passage dadurch nach meinem Empfinden etwas heikler geworden, sh. Foto

Tourengänger: alpstein, Esther58

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Kommentare (9)


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bidi35 hat gesagt: tolle Tour, toller Bericht...
Gesendet am 3. September 2011 um 17:40
und tolle Fotos. Gratuliere.

Und...wie machst du das bloss...letztes Foto um 1248, und der Bericht ist bereits 1705 auf Hikr veröffentlicht??

LG Heinz

alpstein Pro hat gesagt: RE: tolle Tour, toller Bericht...
Gesendet am 3. September 2011 um 17:59
Hallo Heinz

danke für Deinen Kommentar.

Ich denke, die Fotos geben einigermaßen wieder, was einem auf der Chammhaldenroute erwartet. Die Quälität lässt wegen dem fehlenden Sonnenlicht beim Aufstieg und dem Dunst zu wünschen übrig, wobei ich eh mehr Knipser denn Fotograf bin ;-)

Das letzte Foto habe ich kurz vor der Rückfahrt gemacht, die etwa 1 Std. 30 dauerte. Da das "Gerüst" des Berichts schon auf der Heimfahrt im Kopf entsteht, ist der Rest dann kein Problem mehr.

Danke und beste Grüße
Hanspeter

MunggaLoch hat gesagt: Und fast...
Gesendet am 4. September 2011 um 07:49
...hätten wir uns wieder mal gekreuzt. Ich war auch auf dem Säntis. Aber als ihr schon wieder unten wart (letztes Foto) waren wir erst kurz vor dem Mittagshalt in der Meglisalp...
Gruass,
Martin

alpstein Pro hat gesagt: RE:Und fast...
Gesendet am 4. September 2011 um 09:07
Hallo Martin,

das war nun das 3. Mal, dass wir uns verpasst haben, weil wir mal wieder zu früh dran waren ;-)

Mir schwebt vor mal beim Hikr-Treffen auf eine Stippvisite vorbeizuschauen, wenn das erlaubt ist, und dann können wir mal anstoßen. Was trinkbares bringe ich natürlich mit.

Grüße
Hanspeter

MunggaLoch hat gesagt: RE:Und fast...
Gesendet am 8. September 2011 um 18:45
Ja, beim Hikr-Treffen wäre das eine gute Gelegenheit!
Würde mich freuen!
Grüsse,
Martin

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. September 2011 um 10:13
> War sie vor zwei Jahren in der Passage fast blockiert, stand sie mir heute zeitlich kaum nach, wenn sie auch zugab, sich nicht richtig behaglich gefühlt zu haben.

übung macht den meister.

habe diese erfahrung nun auch schon einige male gemacht. stellen, wo ich zuerst zurückschreckte und dann doch einmal mit viel müh und not machte, werden bei jeder wiederbegehung immer leichter.

alpstein Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. September 2011 um 13:59
>übung macht den meister

Du sagst es. Als wir vor Jahren das erste Mal auf den Altmann wollten, hat es für den Grat rüber zum Kreuz auch nicht mehr gereicht und ich musste bei jedem Tritt und Handgriff bis zum Altmannsattel runter Hilfestellung leisten. Mittlerweile war sie schon ein paar Mal ohne Probleme am Gipfel.

Manchmal hilft einfach auch erst Mal anzuhalten, sich zu sammeln und dann weiter zu gehen, was Du in der Community ja auch so ähnlich geschrieben hast.

countryboy Pro hat gesagt: Da staunte ich nicht schlecht...
Gesendet am 17. April 2012 um 22:21
Hallo Hanspeter!
Ich hab mir heute den brandneuen SAC-Führer Alpinwandern/Gipfelziele Ostschweiz gekauft (umfasst Alpstein/Churfirsten/Glarner Alpen/St. Galler Oberland) und heute Abend angefangen, darin zu lesen. Da staunte ich nicht schlecht, als mir beim Beschrieb der Chammhalden-Route zwei Bilder "verdammt bekannt" vorkamen. Zwei von Hanspeters Fotos starring Esther finden sich doch tatsächlich im Führer abgedruckt (es handelt sich um die Bilder 4 und 17 aus diesem Bericht). Gratuliere euch zu diesem prominenten Auftritt! ;-) Ich hoffe doch, dass vorher dein Segen eingeholt wurde?
Alpstein-Grüsse,
Yves

Um diesen SAC-Führer geht's:
http://www.sac-cas.ch/fileadmin/sac/Bilddateien/Medien/Titelbild_Gipfelziele_Ostschweiz.pdf

alpstein Pro hat gesagt: RE:Da staunte ich nicht schlecht...
Gesendet am 18. April 2012 um 06:32
Hallo Yves,

vielen Dank für die Info. Es ist natürlich eine Ehre für uns, was zu diesem Führer beigetragen zu haben. Es hat ja auch ein prominenter Hikr an dem SAC-Führer gearbeitet, der letzten Herbst schon bei mir angefragt hat, ob ich ihm die beiden Fotos zur Verfügung stellen würde. Ich ließ mich natürlich nicht 2x bitten. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir den neuen Führer besorgen. Der letzte SAC-Führer Säntis-Churfirsten hat uns ja von den Wanderwegen auf die Alpinrouten gelockt und später dann Hikr.

Hoffen wir, dass bald der Schnee verschwindet, damit wieder richtige Alpstein-Touren drin liegen.

Danke nochmals und beste Grüße
Hanspeter


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