Dom 4545m die unvollendete wird beendet. (nach fast genau zwei Jahren)


Publiziert von Lulubusi , 31. August 2011 um 13:14.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:24 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3138 m
Abstieg: 3138 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:via Visp nach Randa
Unterkunftmöglichkeiten:Domhütte http://www.domhuette.ch/willkommen.html
Kartennummer:LK 1:25000 / BL1328 Randa

Dom 4545m die unvollendete wird beendet

Vor fast genau zwei Jahren war ich bereits schon mal am Dom unterwegs. Auf dem Festigrat räusperte er sich. Den darauf folgende Rodeoritt verlor ich leider und er warf mich ab. Seit her hat mich immer wieder etwas zum Dom hingezogen. Als ob einem etwas mit diesem riesigen Eis und Felsberg verbindet. Immer wieder tragen mich meine Gedanken dort hin. Irgend etwas ist einfach nicht beendet, etwas fehlt.

 

Nach mehreren anläufen war es nun endlich soweit. Vorfreude gemischt mit einem mulmigen Gefühl begleitet mich bereits als ich zu Haus ins Auto steige um nach Randa zu fahren. Was erwartet mich? Geht diesmal alles gut? Werden Erinnerungen wach wenn ich vor Ort stehe? Getrau ich mich noch mals über den Festigrat hoch? Es bleibt mir nichts anderes überig als mich einfach darauf einzulassen.

 

In Randa deponiere ich schliesslich mein Fahrzeug im Parkhaus beim Bahnhof und bereite mich für den Aufstieg zur Domhütte vor. Es wird heiss werden.

 

Domhütte

Vom Bahnhof Randa P.1407 wandere ich durch das Dorf, an der Kirche vorbei und durch Wiesen bis zur Brücke über den Dorfbach. Dies wird überquert und anschliessende geht’s weiter bis kurz vor Gere wo der Weg nach rechts weiter führt. Im lichten Wald geht es nun bergwärts. Als Anhaltspunkt kann man sich an die Wegweiser Europaweg richten.

Auf gut halber Strecke trifft man auf die Europahütte P.2265, die bei genügend Zeit zu eine kühlen Getränk einlädt. Ich lasse diese links liegen und steige weiter hoch bis an den Fuss der Festiflue. Bis hier hin bewegt man sich im Bereich von T2.

Nun beginnt der Klettersteig ähnliche Teil des Domhüttenzustiegs. Über einige Steintreppen und auf einem alpinen Pfad der gut mit Drahtseilen, Eisenstiften und Griffen gesichert ist führt der Weg bis kurz vor die Hütte hoch. Hier trifft man auf ein Geröllfeld dass einem auf den letzten Metern zur Hütte begleitet. Auf der Hütte treffe ich auch auf meine Begleitung, Renato, der mit mir am nächsten Tag mein Projekt in angriff nimmt. Selbstverständlich mit den nötigen Hintergrundinformationen.

 

Als ich bei der Hütte stehe und zum Dom schaue, bekomme ich schon ein mulmiges Gefühl. Zudem zeigt sich der Dom im oberen Teil in Wolken gehüllt so als ob er sagen möchte: Pass auf, ich entscheide wan ich dier erlaube, wann du mich besteigen darfst. Irgend wie ist es ja auch so. Die Berge erlauben uns wann wir auf ihnen stehen dürfen.

 

Dom 4545m

Nach einer ruhigen Nacht ist um 2:45 Uhr Tagwach. Um 3:15 Uhr marschieren wir dann im licht unserer Stirnlampen dem Festijoch entgegen. Da der Gletscher starck zurückgewichen ist, verläuft die Route bis zum Festijoch etwas anders. Von der Hütte folgt man dem Weg über die rechte Seitenmoräne des Festigletschers. Man bleibt auf der Moräne, möglichst nahe an den Felsen des Festigrates und betritt den Gletscher erst auf etwa 3400m Höhe, nach der grossen Spaltenzone. Nun steigt man auf dem flacheren Gletscher (Achtung: Spalten sind keinenfalls zu unterschätzen.) weiter bis direkt unter das Festijoch hoch. Erst hier betritt man die Felsen und klettert hoch zum Festijoch. Die alte Route wird nicht mehr unterhalten. Über gut gestufte und griffige Felsen (II-III) klettert man hoch auf das Festijoch P.3723. Dieser Aufstieg ist viel sicherer und angenehmer zum begehen als der alte, da auch bei mehreren Seilschaften kaum Steinschlaggefahr besteht. Einige Borhaken sind vorhanden.

 

Nun steigt man rechts (südöstlich) über die Felsen des Festigrates (II) hoch. Man könnte auch links vom Grat im Schnee hochsteigen. Direkt über den Grat ist die Absturtzgefahr allerdings wesenlich geringer. Weiter oben verlieren sich die Felsen im Firn. Hier muss ein ca. 60m langer Steilhang überwunden werden. So spät im Sommer ist diese Passage meist vereist und sehr heikel zu begehen. Trotz des im Juli gefallenen Schnees, mussten wir beinahe im Blankeis aufsteigen. Renato stieg hoch und sicherte mit Eisschrauben. Entgegen den meisten informationen die von einer Querung sprechen, steigen wir auf der linken Seite des Steilhangs senkrecht bis auf das darüberliegende kleine Plateau. Nun befinden wir uns etwa auf 3900m. Hier dreht der Grat nach rechts ab und wird etwas weniger steil. So gelangen wir schon bald in die Nähe des Domvorgipfels P.4479 den wir links umgehen. So erreicht man die Gabel. Hier vereinigen sich auch die Normalroute mit unserer vom Festigrat her kommend. Über ein kurzes Gratstück mit perfekten Schnee und Trittverhältnissen erreichen wir schliesslich den Gipfel. Dom P.4545

Endlich stehe ich ganz oben. Irgendwie war es ein langer Weg endlich ganz oben stehen zu dürfen.

Während des Aufstiegs, vorallem im unteren Teil des Festigrates, bleiben wir immer wieder stehen, damit ich den Abhang sowie die ungefähre Unfallstelle betrachten kann und sprechen darüber. Erinnerungen? Fehlanzeige. Erinnerungen bekomme ich keine. Es ist als ob ich die Tour zum ersten mal mache und zum ersten mal hier durchsteige.

 

Abstieg (Normalroute)

Den abstieg absovlieren wir über die Normalroute. Die Normalroute ist technisch unschwierig aber keineswegs unintressant. Unter dem imposanten Nadelgrat, an riesen Séracs und Spalten vorbei geht’s stetig abwärts.

 

Erst steigen wir zum Sattel zwischen Gipfel und Vorgipfel (Gabel) ab und wandern schliesslich in weiten kehren über die ausgedehnten Schnee und Firnhänge der Nordflanke des Doms. In einem weiten rechtsbogen umgeht man die Abbrüche die sich etwa auf 4000m befinden und gelangt so zurück zum Festijoch. Da man auf dem Hobärggletscher teilweise parallel zu den Spalten geht, ist auch auf diese spezielle zu achten. Bevor es schliesslich nochmals ein paar wenige steile Meter hoch zum Festijoch geht, sollte man einen Gang zulegen und etwas schneller gehen, da man hier genau durch die Auslaufzone von einem Gletscherabbruch gehen muss. Die ca. 10 steilen Meter aufs Joch sind schnell absolviert und wir machen eine kurze Pause in der ich beinahe die ganze Route nochmals verinnerlichen und auf mich wirken kann.

 

Da wir zur Zeit alleine unterwegs sind, uns keine Seilschaft folgt, steigen wir über die alte Normalroute ab auf den Festigletscher ab. Da diese Route offiziell nicht mehr begangen wird, unterlasse ich eine genaue Beschreibung.

Den besten Weg, durch das Spaltelabyrinth des Festigletscher, suchend und schliesslich der Seitenmoräne folgend marschieren wir zurück zur Domhütte.

Absolut zufrieden und Happy stehe ich nun wieder vor der Domhütte.

 

Nach einer ausgiebigen Rast erfolgt noch die Kür, der Hüttenabstieg nach Randa. Schnell gelange ich nach Randa zum Bahnhof, besteige mein Auto und fahre nach Hause.

 

Für mich war dies eine ganz spezielle und eigenartige Tour. Mit riesem Respekt und einem sehr mulmigen Gefühl starte ich zu diesem Grossprojekt. Immer wieder schweifen die Gedanke zwei Jahre zurück. Zu den Informationen die ich von Drittpersonen erhalten habe und aus Fotos kenne.

Verhindern aufkommende Erinnerung von damals ein weiterkommen? So, dass ich die Tour abbrechen muss?

 

Dem war nicht so. Keine einzige Erinnerung stellte sich ein. Ich bewege mich im Gelände als ob ich diese Tour zum erstenmal begehe. Als aussenstehende Person betrachte ich das ganze. Die Situation vor zwei Jahre hätte irgend jemandem passieren können. Irgendwie erleichterte mir dies den ganzen Aufstieg.

 

Das wirklich spezielle am ganzen war:

In den letzten zwei Jahr hat mich immer wieder etwas zum Dom hingezogen. Immer wieder sind meine Gedanken dort hin geschweift und ich wusste, dass ich nochmals dort hin kehren werde. Ich wusst, so lange ich diese Tour nicht komplett begangen habe, ist diese nicht abgeschlossen.

Nun war es so, mit jedem Meter den ich nun am heutigen Tag absoviert habe, spürte ich wie der Reiz und der Drang zum Dom schwächer wird.

Als ich schliesslich wieder bei der Hütte stehe und hoch schaue, spüre und weiss ich, dass ich das Ende der Odyssee gefunden habe. Endlich habe ich die Ruhe wieder, kein ziehen zu diesem Berg ist mehr da. Der Dom hat mir erlaubt auf ihm zu stehen und ihn zu geniessen.

 

Danke allen die mich in den letzten zwei Jahren begleitet haben und noch immer begleiten. Nur dank euch konnte ich vor wenigen Tagen ganz oben stehen.

 

 

Fazit:

 

·         Tolle wenig schwere Hochtour die allerdings nicht zu unterschätzen ist, den sie hat ihre Tücken vorallem im Spätsommer! Blankeispassagen!

·         Rieseger Ausblick auf dem Dach der Schweiz (Höchster vollständig in der Schweiz stehender Berg)

·         Festi- und Hobärggletscher ist nicht zu unterschätzen. Spalten und Gletscherabbrüche mahnen zur Vorsicht.

·         Lange Tagestour, auch über die Normalroute

·         Langer Hüttenzustieg mit teilweise Klettersteig ähnlichem Karakter.

 

 

Material

·          

·         Eisausrüstung

·         30m Seil

·         Minimalste Felsausrüstung

 

Hütte

 

·         Super schöne gemütliche Hütte.

·         Entgegen anderer Aussagen tolles und genügendes Essen und super freundliche Hüttecrew.

·         Auch bei voller Hütte finde ich die Liegeplätze ausreichend. Hab schon in viel engeren Schlägen geschlafen.

·         Leider nur ein kleiner Waschtrog. Wir befinden uns allerdings auf einer SAC-Hütte und somit absolut verkraftbar.

·         Der fehlende Luxus macht doch gerade den Charm aus.

·         Endlich mal eine Hütte wie es sein soll. (Monterosahütte Fehlanzeige)

 

Genaue Route:

 

Randa P.1407, Dorfbach, Gere, P.2016, P.2149, P.2820, Domhütte P.2940, Festigletscher, Festijoch P.3723, Festigrat, Dom P.4545, Hobärggletscher Normalroute, Festijoch P.3723, Festigletscher, Domhütte P.2940, Randa Bahnhof P.1407


Tourengänger: Lulubusi

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

WS II WS
12 Jun 17
Dom de Michabel (4545 m) · Laura.
T4- WS
WS+ II
10 Jul 16
Dom 4545 mt. Festigrat · ALE66
T4+ WS+ II
WS+
31 Aug 14
Dom (4545m) via Festigrat · roger_h

Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

romanh hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2011 um 13:32
Sali Lulubusi

Habe soeben deinen Bericht von deiner ersten Geschichte mit dem Dom gelesen.

Ich möchte dir von ganzem Herzen meine Glückwünsche ausdrücken, zu deiner gelungenen Tour.

Es ist nicht als selbstverständlich anzuschauen, was du gemacht hast!

Ich bin tief beeindruckt! Respekt, gegenüber dem, was du gemacht hast.

Beste Grüsse und allseits eine gute Zeit in den Berge,

roman

roger_h Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2011 um 13:37
Sali Pasci
Ich gratuliere dir zum Gipfelerfolg am Dom und ich bewundere den Mut, den du dafür aufgebracht hast. Es ist für mich nur schwer vorstellbar, was alles dazu gehört, nach einem Ereignis wie du es verarbeiten musstest, wieder die genau gleiche Route zu begehen. Ich bin mir aber aufgrund deiner Schilderungen sicher, dass du für dich die richtige Entscheidung getroffen hast.
Weiterhin viele schöne Touren wünsche ich dir.
Gruss aus Kerns
Roger

xaendi hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2011 um 15:04
Hallo Lulubusi,

Ganz herzliche Gratulation dafür, dass du den Dom nochmals in Angriff genommen und auch erreicht hast. Ich finde es beeindruckend, dass du die Kraft und den Mut gefunden hast, nochmals an den Ort des Geschehens zurückzukehren und den Festigrat nochmals zu begehen. Schön, dass du mit dem Berg nun keine negativen Erinnerungen mehr verbindest.

Auch für mich ist der Dom ein spezieller Berg - ihn habe ich als besonders schönes Bergerlebnis in Erinnerung, von dem ich noch immer zehren kann.

Viel Erfolg bei deinen weiteren Touren!
Alex

Mistermai hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2011 um 17:44
Sali Lulubusi

Auch ich habe deine interessanten Berichte (inkl. des ersten Domversuchs) gelesen und bin beeindruckt, dass du nicht aufgegeben hast und zurückgekehrt bist. Ganz grosser Respekt auch von meiner Seite!

Ich wünsche dir noch viele unfallfreie Touren!
Manuel

MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2011 um 08:58
Salü Lulubusi

Auch wir gratulieren Dir zur Vollendung Deiner "Reise" zum Dom! Ein herrlicher Berg, den auch wir in sehr guter Erinnerung haben!

Schön - dass Du nach Eurem Unfall am Dom wieder mit Freude Berge besteigst und uns durch Deine Berichte daran teilhaben lässt!

In diesem Sinne wünschen wir auch weiterhin tolle und unfallfreie Bergerlebnisse.

Herzlicher Gruss
Marcel und Nicole

Lulubusi hat gesagt:
Gesendet am 10. September 2011 um 08:01
Vielen Dank euch allen. Es war ein wirklich spezielle erlebnis.
Zudem ist es doch viel zu schön in den Bergen um einfach aufzugeben.


Kommentar hinzufügen»