Mit Zelt über Kuchelberggrat und Kreuzspitze


Publiziert von stefan87 , 1. September 2011 um 11:25.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:11 Juni 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 3 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz Schlosshotel Linderhof; Adresse: Linderhof 14, 82488 Ettal

Mit dem Zelt und 60l Rucksack 2 Nächte lang von Schloss Linderhof über den Kuchelberggrat zur Kreuzspitze und durchs Grieß zurück nach Linderhof. Kletterei 2. Grades?! Ist das nicht etwas zu übertrieben bewertet?! Durch den von Mutternatur mal so, mal anders gestalteten Aufstieg an der Kreuzspitze NICHT!



Etappen und zeitlicher Ablauf

Folgende Zeiten sind nicht die offiziellen reinen Gehzeiten, sondern meine persönlichen Zeiten mit Pause eingerechnet.

Tag 1 (11.06.11):
17:00 Uhr, Parkplatz Linderhof (Start)
18:30 Uhr, Kuchelbachbrücke

Tag 2 (12.06.11):
07:00 Uhr, Kuchelbachbrücke (Start)
08:45 Uhr, Kuchelberg Diensthütte
09:30 Uhr, Ankunft auf dem Kuchelberggrat
11:00 Uhr, Kuchelbergspitz
13:00 Uhr, Sattel vor dem Aufstieg zur Kreuzspitze
14:30 Uhr, Kreuzspitze (Gipfel)
45 Minuten Pause
15:15 Uhr, Abstieg Richtung Parkplatz bei den sieben Quellen
18:30 Uhr, Neualmgrieß (Tal)

Tag 3 (13.06.11):
07:00 Uhr, Neualmgrieß (Start)
09:00 Uhr, An der Brücke bei den drei Brünnlein
10:00 Uhr, Parkplatz Linderhof



Schwierigkeitsbeschreibung

Von Schloss Linderhof geht man auf Forststraßen in das Kuchelbachtal hinein.

Vom Kuchelbachtal, über den Kuchelberggrat, bis zum Sattel vor dem Aufstieg zur Kreuzspitze ist der Weg größtenteils T2 und nur an sehr wenigen Gratabschnitten nicht mehr als T3- mit ein bischen Hand anlegen, wenn man es vorzieht möglichst auf dem Grat zu bleiben.

Der sehr direkte Aufstieg zur Kreuzspitze, dem ich ein glattes T3 vergebe, verlangt hingegen schon absolute Trittsicherheit und die Benutzung der Hände.
Die Schlüsselstelle, die auch etwas Mut und Kletterei abverlangt, ist ein kleines aber steiles Schneefeld ungefähr im letzten 1/3 der Wand, welches ich persönlich im unteren Abschnitt etwas betreten und dann an der Seite vorbeiklettern musste. Für diese Schlüsselstelle unter den bei mir herrschenden Bedingungen halte ich T3 und den UIAA Grad 2 für eine angemessene Bewertung.
Hat man diese Stelle gemeistert ist der restliche Weg der einen auf den Hauptwanderweg zum Gipfel führt mit einer Kette gesichert.
Ist man auf dem Hauptwanderweg (der auch zum Parkplatz bei den sieben Quelle führt) angekommen, geht es die restlichen Meter (T3-) zum Gipfel.

Der Abstieg von der Kreuzspitze bis zum Schwarzenkopf ist im oberen 1/3 ziemlich steil aber gut zu erkennen und auch markiert, so das man immer sichere Tritte findet (und man sollte aufpassen anderen Auf- und Absteigenden keine losen Steine auf den Kopf zu treten). Diesen Abschnitt Stufe ich allgemein als T3 mit ein wenig Kletterei 1. Grades ein.

Der Weg vom Schwarzenkopf Richtung Parkplatz bei den sieben Quellen geht zwar etwa auf halben Weg teilweise noch durch ein Geröllkar durch, ist jedoch nicht Steil, auch weil er in Serpentinen verläuft und ist aus meiner Sicht allgemein als T2 zu betrachten. (Wer Übung darin hat, der kann das Geröllkar auch abfahren.)

Bei dem Stufenwasserfall musste ich kurz aus dem Grieß auf die Landstraße, weil die Stufen nur mit Seil zu packen gewesen wären, außerdem ist das Grieß nach dem Wasserfall sehr eng, so das man wohl nasse Füsse bekommen würde, wenn man im Grieß weiter wandern würde.

Am Sägertal Parkplatz musste ich das Grieß entgültig verlassen und auf dem Fahrradweg durch den Wald zurück nach Linderhof gehen.



Allgemeine Tipps und Hinweise

- Entgegen meinem Verständnis wird der Kuchelberggrat oft als Kamm beschrieben. Diese Bezeichnung trifft meines erachtens jedoch nur auf das letzte 1/3 bis zum Sattel vor dem Aufstieg zur Kreuzspitze zu.
- Wenn man diese Tour zu zweit oder mit mehreren Leuten macht und unerfahrene/unsichere darunter sind, dann wäre es aus meiner Sicht möglich ein Seil (10 - 20m) von der Kette über dem Schneefeld als zusätzliche Hilfe herab zu lassen. Aber diesen Tipp bitte nur als eine unbestätigte Option betrachten und vor Ort unter den aktuellen Bedingungen prüfen und auch die Kette auf Fixpunkttauglichkeit prüfen.
- Man kann auch durch das Kuchelbachtal bis zum Sattel vor der Kreuzspitze aufsteigen. Man muss nicht oben über den Grat gehen. An der Kreuzspitze führt jedoch kein alternativer Weg vorbei, diese muss überschritten werden >:)



Ausrüstung

Da ich mit 60l Rucksack unterwegs war und mir von dem Aufstieg zur Kreuzspitze schon ein recht genaues Bild gemacht hatte (vielen Dank an gero für seinen Bericht), nahm ich meinen Hüftgurt, den ich ab dem Sattel, vor dem Aufstieg zur Kreuzspitze angelegt hatte, eine 60cm und eine 30cm Bandschlinge und 2 Karabiner mit, um mich evtl. an einem Felsen sichern zu können.

Im Nachhinein kann ich dazu nur sagen:
1. Ja, es wäre wirklich möglich gewesen eine 60cm Bandschlinge um einen der Felsen zu legen und im Notfall falls mir die Puste ausgegangen wäre so wenigstens sicher rasten zu können und
2. nein, ich hatte mich (wärend ich mich bewegt hatte) kein einziges Mal gesichert, weil es mich eher behindert hätte, anstatt mir zu helfen.
Nur als ich nach dem Schneefeld an der Kette angekommen war klingte ich mich mit einer 30cm Bandschlinge und einem Karabiner in diese ein um kurz zu verschnaufen.



Erlebnisse

Allgemein:
Der Tag der Anreise und die 1. Nacht im Zelt war eine harte Probe, weil es nur geregnet hatte. Zum Glück wurden die beiden Tage darauf einigermaßen freundlich.
Für die erste Tour dieser Größe hatte alles ziemlich gut geklappt. Das Gewicht ist natürlich immer lästig, besonders in heiklen Situationen aber das Gefühl alles dabei zu haben und abends an einem Ort der Wahl mit traumhafter Kulisse einzuschlafen überwiegt. Trotz meines Stolzes gebe ich aber zu, das mir unterhalb der Kreuzspitze schon etwas komisch wurde und ich froh war das Schneefeld überwunden zu haben.

Ort: Kuchelbachbrücke
Ein Ort der Entspannung. Man könnte ewig an dem Holztisch sitzen und dem rauschen des Baches zuhören.

Ort: Kuchelberggrat
Dieser verliert selbst mit Wolken nicht seinen Reiz (im Gegenteil, wie meine Fotos beweisen).

Ort: Kreuzspitze
Ich war verdammt Stolz mit meinem 60l Packerl oben angekommen zu sein und (noch) nicht total fertig gewesen zu sein. :)

Tourengänger: stefan87

Galerie


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Kommentare (1)


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gero Pro hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2011 um 17:14
Servus Stefan,

vielen Dank für Deine Bericht - erstaunlich, wie lange sich das garstige Schneefeld unter dem Gipfel hält!

Schade, daß Du so mieses Wetter hattest - aber Dein Bericht strahlt trotzdem eine gewisse Fröhlichkeit aus. Ist ja immer so 'ne Sache, im klammen Zelt zu übernachten. Humor ist aber bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

Noch schöne Touren wünsche ich Dir!
Dein Bergkamerad Georg


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