Kleines Furkahorn


Publiziert von Staeffl , 30. August 2011 um 07:33.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:28 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 600 m
Abstieg: 600 m
Strecke:Parkplatz Galenbödmen und etwas planlos aufs Kleine Furkahorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Per PW über Axen / Andermatt auf den Furkapass.

In Kürze (Weg-/Zeitangaben):
Start Parkplatz Galenbödmen (kurz vor der Passhöhe, Urner Seite) ca. 7:15; querfeldein (bzw. -auf); Furkastock, Bergstation Militäranlage ca. 8:00; Gipfel kleines Furkahorn ca. 10:00.
Abmarsch ca. 11:20; zurück Parkplatz ca. gegen 13:00
SEHR GEMÜTLICH BEGANGENE TOUR!!! WIR HATTEN ÜBERHAUPT KEINE EILE, DIE ZEIT IST ALSO LOCKER ZU UNTERBIETEN!!!

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Es war Susanns Idee, am Sonntag das Kleine Furkahorn zu erstürmen (naja, ganz so wild, wie's jetzt noch tönt, wurde's dann doch nicht...). Schliesslich wollte sie dieses Jahr noch einen (wohlgemerkt - mit ziemlich genau 600 Höhenmetern - seeehr leicht verdienten) 3'000er machen.

Die Wetteraussichten für Sonntag waren sehr gut - abgesehen von der tiefen Schneefallgrenze, die für Freitag/Samstag angesagt war und die mir noch ein wenig Sorge bereitete. Wir gingen das Wagnis doch ein, und schliesslich wurde es eine urgemütliche Tour (ich trau mich ja kaum, die Zeit zu veröffentlichen... ;) ) bei herrlichem Wetter, mit viel Spass, Lustigsein und Rumfrotzeleien.

Mit Susann hab ich mir denn auch ein Kamerädli aufgebürdet, das zu meinem Leidwesen ziemlich vorlaut und - dummerweise - dazu noch sehr schlagfertig ist. Was nimmt man als Mann nicht alles auf sich, um eine hübsche Begleitung mit dabei zu haben, ächz... ;)
Zumindest weiss ich nach dieser Tour endlich, warum sie ihre Stöcke dabei hat: Nicht etwa, um die Knie zu entlasten, nein, damit erwehrt sie sich zudringlicher Wanderkameraden - im konkreten Falle dann wohl ich. Da war's gut, konnte ich mich trotz aller Versuchungen meiner Erziehung besinnen; so flog mir während der kommenden Stunden glücklicherweise nie ein Stock um die Ohren.
Dafür hat sich die Kleine gegen Ende der Tour (mangels anderer origineller Einfälle) das Prädikat "härzallerliebschts Bärggschpändli" verdient.

So, nun aber von Anfang an:
Susann fuhr so um 6 Uhr bei mir vor, und wir luden meinen Plunder in ihren Beetle. Wie schon am Freitag und Samstag musste ich mir natürlich noch das eine oder andere Mal anhören, wie früh am Morgen es doch sei. Aber für das zeitige Aufstehen gibt es ja auch genug gute Gründe!

Knapp eine Stunde später fanden wir uns beim Parkplatz Galenbödmen ein. Die Temperatur betrug 3 Grad, dazu kam dann noch schneidender Wind. Brrrrr!
Das war selbst für meine Verhältnisse etwas kühl, und eiligst packten wir uns etwas besser ein - zum Glück hatte ich Kappe und Handschuhe mitgenommen.
Der Schneefall hatte sich in Grenzen gehalten (bzw. war der Schnee schon wieder am schwinden), auch wenn's rundum überall weisse Spuren zu sehen waren. Schlimm war's wirklich nicht, und so blieb der - für alle Fälle - mitgenommene Eispickel im Auto liegen, nachdem wir die Umgebung und insbesondere die Strecke Richtung Kleines Furkahorn in Augenschein genommen hatten.

Sogleich marschierten wir Richtung Wegweiser und studierten diesen. Das Kleine Furkahorn ist da jedoch nicht aufgeführt, und da der (männliche) Kopf zu Beginn der Tour natürlich nicht zulässt, die Karte zu konsultieren, ging's erst mal wild drauf los Richtung Furkapass (also eigentlich in die falsche Richtung).
Immerhin war mir dank Studium der hikr-Berichte bekannt, dass wir so ungefähr in Richtung Bergstation der Militärseilbahn mussten (beeindruckt im Besonderen von Yak's Bericht - http://www.hikr.org/tour/post25406.html, der im dichten Nebel den Seilen gefolgt ist). Nach wenigen Minuten war der Pfad, den wir gewählt hatten, nicht mehr allzu gut ersichtlich (woran die Schneeflecken wohl auch ihren Anteil hatten), und ich entschloss mich für die Direkte aufwärts; was mein herzallerliebstes Berggspändli zu fröhlichem Gejammer animierte. Dieses mehr oder weniger ignorierend führte ich sie über Gras, Schnee und granitene Felsblöcke hoch.
Knapp drei Viertelstunden später wurden wir vom gut hörbaren Generatorsummen (oder war's die Lüftung?) oben auf der Anhöhe des Furkastocks begrüsst. Der Anlage schenkten wir jedoch weniger Beachtung, viel mehr genossen wir den ersten Ausblick Richtung Wallis in morgendlicher Stimmung.

Zeit, sich neu zu orientieren, und bei der Pause liess mein männliches Ego endlich zu, kurz Karte und ausgedruckte Berichte zu konsultieren (zumal wir ja eh schon die Namen der umliegenden Berge heraus gesucht hatten).
Mit dem Blick Richtung Grosses Furkahorn entdeckten wir ein paar knapp ausmachbare Wegspuren, denen wir sogleich folgten. Diese waren jedoch ohne erkennbare Markierung, so dass die Reise wieder auf gut Glück weiter ging und wir uns bald zwischen granitenen Blöcken am Kraxeln wiederfanden.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass meine Begleiterin am vorherigen Sonntag mit Michi auf der Silberen unterwegs war und etwas - sagen wir: vorsichtig war beim Überqueren der Spalten im Karst. Entsprechend musste das arme Ding sich auf dem Grossteil der Tour entsprechende Spötteleien von meiner Seite anhören.

Und wie's die holde Weiblichkeit so an sich hat und Gefallen an allem findet, das glänzt und/oder glitzert, macht auch das herzallerliebste Berggspändli keine Ausnahme. Es dauerte denn auch nicht lange, bis sie den ersten Quarzbrocken entdeckte und die unvermeidliche Frage kam:
"Ist das wertvoll?" - "Nein, das ist nur Quarz, der hat keinen wirklichen Wert."
Wir kamen nicht drum herum, auf dem Weiterweg noch weitere Quarzstücke, auch solche mit Färbungen, zu begutachten.
"Ist der wertvoll?" - "Nein, ist er nicht." - "Aber es ist ein Edelstein?!" - "Es ist NUR Quarz!"
Und so weiter, und so fort.
Glücklicherweise konnte ich sie bald darauf noch von dem Gedanken abbringen, einen sehr grossen Quarzbrocken mitzunehmen (den natürlich ich hätte zu Tale tragen müssen!). Auf meine Forderung (ein Leben lang seeehr lieb zu mir sein und für Bekochung und Haushaltung zu sorgen) für die Trägerdienste hin schien ihr der Stein plötzlich gar nicht mehr so zu gefallen. Puh, Glück gehabt! Mein Rücken dankt es mir ;)

So, jetzt aber genug von unseren Rumflachsereien!
Bald entdeckte ich wieder blau-weisse Markierungen, denen wir mehr oder weniger folgten. Bei Punkt 2814 kürzten wir etwas direkter ab, im Anschluss geht das Gelände dann in granitenen Schutt über, mit zum Teil recht massiven Blöcken. Die Markierungen sind nicht überall gleich gut ersichtlich, zum Teil sind auch nur vereinzelte blaue Farbkleckse am Boden.
Spielt aber keine Rolle, versteigen kann man sich hier nicht, das Ziel liegt klar vor einem, und das Kraxeln über das blockige Gelände macht sehr viel Spass. Etwas Vorsicht ist dennoch geboten, auch grössere Blöcke können lose sein und ins Rutschen kommen.

Um 10 Uhr hatten wir endlich den Gipfel erreicht. Trockene Shirts anziehen, die Aussicht geniessen, Fotos machen, etwas essen, Fotos machen, plaudern, die Aussicht und das Wetter geniessen standen für die nächste Stunde auf dem Programm. Schon fast ein wenig ungewohnt für meinereins, aber wenn man ein hübsches und unterhaltsames Wanderkamerädli dabei hat, darf der Gipfelaufenthalt ruhig etwas länger dauern, dann darf man auch als Gipfelstürmer ruhig mal etwas zurück schrauben.

Wir kraxelten schliesslich noch etwas Richtung Rhone-Gletscher, um einen besseren Blick auf diesen sowie den Gletschersee zu erhaschen und machten auch dort noch ein paar Fotos. Susann genoss den Aufenthalt hier oben sichtlich.
Als zwei weitere Berggänger eintrafen, war einer von ihnen so freundlich, uns vor dem Gipfelkreuz abzulichten. Dies war für uns auch das Zeichen zum Aufbruch nach beinahe anderthalb Stunden auf 3'026 Metern.

Wieder folgten wir den blau-weiss-blauen Markierungen (sofern vorhanden), hielten uns bei Punkt 2814 erneut unterhalb und sparten die 3-4 Höhenmeter. Noch immer fasziniert von Quarzen und Kristallen begutachtete das herzallerliebste Berggspändli hier noch mal den einen oder andern Stein, worauf ich einen entsprechenden Kommentar - mit Verweis auf die Zeit - nicht unterlassen konnte.
Die Retourkutsche bekam ich postwendend und so gut wie im Originalton, als ich es ihr kurz darauf gleich tat und ebenfalls Interesse für Mineralien zeigte: "Wenn du dir alle paar Minuten einen Stein ansiehst, sind wir noch Stunden unterwegs!"

Wir folgten den Markierungen bis dorthin, wo wir am Morgen auf sie gestossen waren und folgten dort diesen weiter Richtung Sidelen-Hütte. Bald darauf trafen wir auf eine Gruppe Walliser Schwarznasenschafe (nicht Merinos, wie wir erst mutmassten). Abgelenkt durch diese verloren wir die Spur der Markierungen wieder und entschlossen uns, erneut querfeldein zu gehen.
Susann sichtete ein Tier, dass sie erst für ein Eichhörnchen hielt, ich bin aber eher der Meinung, dass es ein Hermelin oder eine ähnliche Marderart war. Befand sich leider zu weit weg, um wirklich sicher zu sein.
Ausserdem sahen wir noch einen Mungg, für (gute) Fotos leider auch zu weit entfernt.

Und an einer etwas stotzigen Stelle schaffte es das herzallerliebste Berggspändli noch, sich auf dem rutschigen Grasuntergrund auf ihren Hosenboden zu setzen. Zu ihrem Leidwesen waren die Schafe hier nicht untätig gewesen und hatten mehrere weiche Hinterlassenschaften liegen lassen.

Wir erreichten einen Trampelpfad und folgten diesem zum letzten kurzen Stück des offiziellen Wanderwegs, der im Tageslicht (und etwas weniger Schnee) jetzt sehr gut sichtbar war, am Wegweiser vorbei und erreichten wohlbehalten, zufrieden und glücklich über die gelungene Tour den Parkplatz.

Kleiner Nachtrag:
Für die, die's interessiert:
Zum "härzallerliebschte Bärggschpändli" kam's übrigens, als wir uns bereits im Abstieg in der Nähe des Parkplatzes befanden und Susann mich fragte, ob ich auch schon einen hikr-Bericht mit der "weltbesten Begleiterin" gelesen hätte. Dabei haben ihre Augen so sehr geglänzt, dass ich nicht umhin kam, sie zu fragen, ob sie denn auch gerne als weltbeste Begleiterin erwähnt werden möchte.
Da die Bezeichnung jedoch schon vergeben ist, einigten wir uns auf das "herzallerliebste Berggspändli".
Es ist also (ein klitzeklein wenig) geklaut und vielleicht - wie anfangs erwähnt - nicht besonders originell. Da sie aber um mich rum auch einiges ertragen muss, hat sie sich das redlich verdient :)

Tourengänger: Staeffl

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