Rether Kopf (1926 m) - über den Kafellkamm


Publiziert von 83_Stefan , 27. August 2011 um 12:15.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:26 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auf der B181 (Achenseestraße) von Norden kommend rechts zum Parkplatz, hinter dem die Straße in den Ortskern von Achental abzweigt. Parkplatz gebührenpflichtig, 4 € pro Tag. Sämtliche Straßenränder innerhalb des Orts sind mit Parkverbotsschildern ausgestattet.
Unterkunftmöglichkeiten:Seewaldhütte (1582 m, DAV Achensee, Hütte nur bewartet).
Kartennummer:Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformation UK50-51 Karwendel. Tourengebiet nur im Randbereich!

Das reich gegliederte Vorkarwendel wartet ganz im Nordosten mit einem langen Kamm auf. Der Juifen, nördlicher Schlusspunkt des Kamms, dürfte dem geneigten Wanderer bestens bekannt sein. Die sich südlich anschließenden Nachbarn stehen aber völlig in seinem Schatten und so führt dieser recht ungewöhnliche Routenvorschlag von Nord nach Süd über den Kamm - vom Marbichler Joch bis zum Gröbner Hals. Auf der vorgestellten Rundtour werden sechs Gipfel erreicht und deshalb fordert sie eine ausgezeichnete Kondition.
Eines schon mal vorab: Der Weg zum Kamm und wieder zurück ist ein elend langer, monotoner Forststraßenhatscher. Wer ein Radl und das nötige Schmalz in den Waden hat, tut gut daran, hier ein Radltraining anzuhängen.
Start am gebührenpflichtigen und völlig überteuerten Parkplatz kurz vor Achental. Die zuständige Gemeinde Achenkirch hat erkannt, dass die Touris brav zahlen, wenn sie den ganzen Ort mit Parkverbotsschildern zupflastert - zu Gast bei Freunden... Am Parkplatz folgt man der geteerten Straße bergauf. Bei den hochgelegenen Häusern geht diese in eine (ebenso breite) Schotterstraße über. Weiter bergauf, bis ein Schild nach links weist ("Falkenmoosalm über Steig"). Hier zweigt ein schmalerer Fahrweg und von ihm gleich darauf rechts ein alter, ausgedienter Fahrweg ab, dem man folgt. Auf diesem wird wieder die breite Forstautobahn erreicht - man hat nur eine Kehre abgekürzt. Macht aber nichts, es kommen noch genügend Kehren, die einen über die unbewirtschaftete Falkenmoosalm auf einen Höhenrücken bringen. Dort zweigt der Steig zur Hochplatte ab, auf dem man später herunterkommen wird. Hat man ein Radl dabei, stellt man es sinnvollerweise hier ab. Bis hierher führt die Versorgungsstraße vornehmend eintönig durch dichten Wald.
Damit das Forststraßenvergnügen auch möglichst nachhaltig wirkt, geht's jetzt wieder ein Stückchen hinunter und den steilen Nordhang der Hochplatte querend, erreicht man die Großzemmalm, die im Winter häufig unter großen Schneemengen begraben ist. Jetzt ist es wieder mal an der Zeit für die eine oder andere Kehre und so leitet die Versorgungsautobahn hoch zum Höhenrücken des Lämperer. Wenigstens sind seit dem Abzweig zur Hochplatte schöne Ausblicke geboten. Am Lämperer endet die Versorgungsautobahn. Ein weiterer Fahrweg (aber ein schmälerer) führt linkerhand in Richtung Marbichler Joch. Hier ist endlich das Ende des langweiligen Aufstiegs über Forstwege in Sicht. Unmittelbar vor Erreichen des Jochs zweigt man links ab und steigt (nur bei trockenen Verhältnissen!) ohne Trittspuren in freier Routenwahl den sehr steilen, felsdurchsetzten Grashang zum Gipfel der Marbichler Spitze hinauf. Vorsicht, der Hang ist wirklich enorm steil!
Von der Marbichler Spitze überblickt man nun den Weiterweg zum Kafell. Jetzt beginnt die wunderschöne Königsetappe der Tour, die den Forststraßenhatscher mehr als ausbügelt. Meist direkt auf dem Kamm entlang und hin und wieder in die Flanken ausweichend, geht es auf dünner, aber meist gut erkennbarer  Gamsspur hinüber zum zweiten Gipfel der Tour.
Weiter geht's! Ein Stück am Kamm hinunter, der bald breiter wird. Zum Rether Kopf auf der anderen Seite durch Grasgelände hinauf und schon ist man am höchsten Punkt der Tour.
Am Kamm nach Südwesten hinunter in Richtung auf das Rether Joch zu. Hier gibt's eine durchaus akzeptable Trittspur, die sich am tiefsten Punkt zwischen beiden Gipfel allerdings verliert. Durch Grasgelände ersteigt man das Rether Joch.
Dem Kamm weiter folgend, erreicht man bald eine Spur, die auf der Südseite querend nach rechts verfolgt wird, um auch noch dem Marlkopf einen Besuch abzustatten. Der Marlkopf - den bisher erreichten Gipfeln deutlich unterzuordnen - ist übrigens der erste Gipfel auf der Tour, der ein Kreuz trägt.
Zurück zur bereits erwähnten Spur und dieser in Richtung Gröbner Hals folgen. Eine einzelne Almhütte wird erreicht. Dort steigt man weglos auf einem Rücken ein kurzes Stück zum gut sichbaren Weg ab und erreicht so endlich wieder einen offiziellen Wanderweg. Ihm folgt man nach links hinauf zum Gröbner Hals.
Auf dem Steig hinunter zu einem Fahrweg (endlich wieder eine Forststraße!), an der Gröbenalm vorbei und talwärts weiter, bis man nach links auf eine weitere Versorgungsstraße in Richtung Seewaldhütte abbiegt (beschildert). Bis kurz hinter der Kleinzemmalm darf man sich noch ausgiebig an der Wanderung über die Schotterstraße laben, dann führt ein Steig weiter, hoch zur Seewaldhütte.
Weil man ja jetzt schon mal da ist, kann man auch gleich noch auf der Hochplatte vorbeischauen. Nach links, an der Hütte vorbei, leitet ein guter Steig hinauf zum Gipfel mit Kreuz und Buch (optional kann man auf den Gipfel verzichten und bereits davor rechts der Beschilderung zur Falkenmoosalm folgen).
Auf dem Steig über den Nordostkamm der Hochplatte steigt man ab und erreicht die Versorgungsstraße, wo hoffentlich das lange ersehnte Fahrrad steht. Ansonsten wird's ein wenig spaßiger, aber dafür langer Rückweg.

Schwierigkeiten:
Aufstieg zum Marbichler Joch: T1 (weiter zum Juifen ebenfalls T1, hier aber nicht beschrieben).
Aufstieg zur Marbichler Spitze und über den Kamm zum Gröbner Hals: T4-.
Vom Gröbner Hals zur Seewaldhütte: T2.
Überschreitung der Hochplatte: T2.

Fazit:
Die Gegensätze könnten nicht größer sein: Ein elend langer und monotoner Forststraßenhatscher im Auf- und Abstieg, die Überschreitung selbst ist landschaftlich allerdings großartig. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte 4*-Tour - am besten mit dem Radl!
Für die Tour müssen dringend trockene Verhältnisse abgewartet werden, denn ein großer Teil der Route verläuft durch Grasgelände. Speziell der Aufstieg zur Marbichler Spitze ist enorm steil!
Durch die vielen Gegenanstiege müssen viele Höhenmeter bewältigt werden. Mehr, als man vielleicht im Vorkarwendel erwartet.
Die Seewaldhütte ist nur bewartet - plant man einen Aufenthalt, setze man sich mit der Sektion in Verbindung!

Tourengänger: 83_Stefan

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Kommentare (2)


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Gemse hat gesagt: Toll ..
Gesendet am 27. August 2011 um 15:49
Hallo Stefan,

... man soll es nicht glauben, das Karwendel ist so überlaufen, auch von vielen Hikr's und trotzdem findest Du noch eine Erstbegehung.
Guter ausführlicher Bericht und tolle Bilder.

Berg Heil und LG
Karl

83_Stefan hat gesagt: RE:Toll ..
Gesendet am 27. August 2011 um 16:21
Danke dir! Ich habe auch noch ein paar andere Touren dort auf meinem Zettel - mal schauen, was der Herbst noch so bringt...


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