Alte Alpwege um Biasca und im Vallemaggia


Publiziert von Zaza , 17. August 2007 um 08:17.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:30 Juni 2007
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Cramalina   CH-TI   Gruppo Pizzo Biela 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 4000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:allerhand Busse, im Val Rovana mit kärglichem Fahrplan
Kartennummer:1273, 1293, 1291

Am Donnerstag sind wir mit dem Zug nach Biasca gereist, wo wir (nach vorgängiger Absprache) einen Teil des Gepäcks im Tourismusbüro deponieren konnten. Damit war das Zeitfenster für diese Tour definiert: 8 Stunden für die noch "fehlende" Route in den Monti di Biasca.

 

Giuseppe Brenna beschreibt 5 verschiedene Routen, um von Biasca aus zur Forcarella di Lago zu gelangen. Er rechnet auch vor, dass diese Flanke des Masnàn über ca. 2200 hm hinweg eine durchschnittliche Neigung von 42 Grad aufweist. Man muss sich also auf steiles Gelände einstellen; umso erstaunlicher ist die einstige intensive Nutzung durch die Älpler. Die Route über Monzello ist heute am anspruchsvollsten
 

Von Santa Petronilla folgt man zunächst dem (neuerdings) markierten Pfad Richtung Negressima bis über Cantoi hinaus. Der Pfad macht dann eine lange Querung auf einem Band Richtung Süden. Wo er umbiegt, verlässt man ihn, um auf einem leidlich erkennbaren Pfad weiter zu queren. Das Gelände ist hier ziemlich überwachsen. Man erreicht Monzello (wo wunderlicherweise ein Wohnwagen der Jäger steht) und kraxelt hinauf zu einer schönen Hütte auf etwa 1180 m. Nun steigt man durch hohes Gras etwas nach Süden ab und überquert einen Bach. Hier findet sich ein erster Steinmann. Weitere finden sich gelegentlich bis nach Mottone, sie erleichtern die Routensuche sehr. Dennoch ist es kaum zu vermeiden, dass man da und dort vom "Weg" abkommt. Oberhalb Mottone ist der Weg immer noch undeutlich. Auf etwa 1500 m weist eine (neuere) rote Inschrift mit Warnzeichen auf die Route nach Negherina hin. Diese Querung ist ausgesetzt und eindrücklich, bei der Orientierung helfen Schnittspuren und vereinzelte rote Markierungen. Von Negherina steigt man auf zur aussichtsreichen Alpe di Tongia. Bereits etwas weiter unten stösst man auf den markierten Pfad, der von Negressima her kommt. Auf diesem eindrucksvollen Pfad sind wir dann wieder abgestiegen nach Biasca. Es ist faszinierend, wie die Weganlage die natürlichen Bänder ausnützt! T5.
 

Abends ging es weiter ins Valle Maggia, wo wir unser Quartier in Coglio hatten. Am zweiten Tag nahmen wir den Bus bis Foroglio, im fantastischen Val Bavona. Hier war das Ziel die Erkundung der Alpe Orsalietta. Diese Alp wurde bereits im Jahr 1900 aufgegeben -  was man gut versteht, wenn man den Ort gesehen hat.
 

Von Foroglio nimmt man zunächst den markierten Talweg ins Val Calnègia, vgl. dazu auch den Bericht von Henrik. Dabei geniesst man schöne Blicke zum Wasserfall des Tales. Auf etwa 1020 m verlässt man den Talweg und ersteigt das Bett des Ri d'Orsalietta. Hier sind absolut keine Spuren eines Pfades zu erkennen. Auf 1200 m, bei einem riesigen Felsblock, verlässt man das Bachbett und steigt rechts auf eine waldige Rippe auf. Hier stösst man auf den relativ guten Pfad, der steil bis Corte di Fondo führt. In der Hütte hat es ein "Routenbuch", genau vor einem Jahr hat sich letztmals jemand eingetragen. Auf dem Weg nach Corte di Cima (1912 m) hat der Wald gemäss Aldo Cattaneo eine durchschnittliche Neigung von 93 %. Die Sache ist also recht anstrengend, obwohl der Weg einige künstliche Tritte und Drahtseile aufweist. Schliesslich erreicht man die hergerichtete Hütte von Corte di Cima (Brunnen). Von hier lässt sich gut die legendäre Querung von Pisom her erkennen, die über ein äusserst ausgesetztes Band führt. Im weiteren folgt man der Wasserleitung, die schliesslich zum Lago d'Orsalia, einem extrem lauschigen Bergsee, führt. Ein von Felsblöcken bedecktes Tälchen führt schliesslich zum Pass (von wo sich leicht der Pizzo d'Orsalia ersteigen liesse). Den Abstieg nimmt man am besten Richtung Bosco Gurin (markierter Pfad). So ist die Kombination ideal: Langer und anspruchsvoller Aufstieg, kurzer und einfacher Abstieg. T5.
 

Am dritten Tag sollte einer der vielen möglichen Zugänge zur Capanna d’Alzasca erkundet werden. Mit dem frühen Bus fuhren wir von Cevio erneut Richtung Bosco-Gurin. Der Busfahrer (was für ein Idiot!) wollte uns nicht beim Beginn des Wanderwegs aussteigen lassen, also fuhren wir bis Casa della Torre, um von dort auf der Strasse nach Niva zu marschieren. Von Niva stiegen wir zunächst ab, um die Rovana zu überschreiten. Dann ging es auf anfangs deutlichem Pfad ins Seitental hinein bis zur Ruine von Corte di Cevio. Hier verliessen wir den Pfad, der zur Alpe Cropia ansteigt und stiegen weglos gegen den Bach ab. Auf der anderen Seite ging es weglos so weit als möglich in offenem Gelände hinauf, dann in den Wald hinein und auf den Resten des ehemaligen Weges bis zur Ruine von Valsairöu. Weiter oben erkennt man einen felsigen Vorsprung, den man links umgeht. Einen Weg gibt es nicht mehr, man schlägt sich nach Gutdünken durchs Gebüsch. Oben stösst man auf eine erste Ruine und bald auf alte Markierungen, die auf schlechtem Weg zur Alpe di Cansgei leiten. Das weite Gelände mit dem sanft dahin fliessenden Bächlein ist nun sehr friedlich und erholsam. Schliesslich erreicht man, wenig unterhalb der Bocchetta di Cansgei, die markierte Route, die von Orsalii her kommt. Den Markierungen folgend erreicht man den Pass und dann den wunderschönen Lago d’Alzasca. T4
 

Nach dem gemütlichen Bad im See stiegen wir zur Hütte ab. Dort empfahl uns der Hüttenchef den neu geputzten und markierten Pfad, der über die Alpe Arbéia in sehr angenehmem Gefälle bis Piandalevi führt. Von hier steigt man etwas ab, überquert auf einer sehr eindrücklichen alten Brücke die Schlucht und erreicht dann in Kürze bei der unteren Wegkapelle den Normalweg, auf dem man nach Someo und weiter zum Grotto d’Alzasca geht, wo Birra und Gazosa bereits warten.


Tourengänger: Zaza

Galerie


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