Klettersteig Allmenalp und Bunderspitz


Publiziert von Staeffl , 19. September 2011 um 15:00.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:10 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettersteig Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 6:30
Strecke:Talstation Allmenalp - Bergstation - Obere Allmen - Brunderspitz - Brunderchrinde - Alpschelen - Talstation Allmenalp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Schwyz via Axen und Brünig nach Kandersteg. Parkplatz bei der Talstation ist gratis.

In Kürze (Weg-/Zeitangaben):
Ankunft Parkplatz Talstation ca. 8:05; angezogen am Einstieg um ca. 8:25; Ausstieg ca. 10:10; Bergstation (Abmarsch) ca. 10:40; Obere Allmen ca. 11:25; Bundergrat ca. 11:55; Bunderspitz ca. 12:05; Bunderchrinde ca. 12:40; Rückweg via Alpschelen -> zurück beim Parkplatz ca. 14:40

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In den 3 Wochen Ferien wollte ich natürlich auch ein paar Tage von zu Hause weg kommen. So plante ich ein paar Klettersteige im Berner Oberland, buchte 2 Nächte in Grindelwald und machte mich am Mittwoch Morgen auf den Weg nach Kandersteg, wo ich mich am Klettersteig auf die Allmenalp versuchen wollte.

Bei der Talstation stellte ich meinen Wagen ab, packte meinen Rucksack und fragte bei der Bahn sicherheitshalber nach, ob die was fürs Parken verlangen. Das hübsche Mädel an der Station verneinte, und schon folgte ich der Tafel, die mir den Weg zum Klettersteig wies.
Bereits auf den 10-15 Minuten bis zum Einstieg werden schöne und eindrückliche Einblicke in die Wand gewährt, imposant auch der Wasserfall, der daran hinunterstürzt und dem die Route folgt.

Wieder einmal wurde mir bewusst, wie klein wir Menschen doch sind, als ich näher kam. Ich war nämlich nicht der erste; bereits hingen einige kleine Figürchen in den Drahtseilen, unscheinbar gegen den unteren vertikalen Teil der Wand. Eine ganze Gruppe, fünf, sechs Leute, einer der Teilnehmer wurde mit einem Seil gesichert.
Ich brauchte mich also mit dem Umziehen nicht zu beeilen, schoss ein paar Fotos und liess mir genügend Zeit beim Ausrüsten. Der nahe Wasserfall stäubte, in den morgendlichen Sonnenstrahlen zeigte sich ein Regenbogen.

So, tief durchgeatmet, und los ging's.
Bereits zu Beginn fordert die Wand einiges an Nerven: im so gut wie senkrechten Aufstieg gewinnt man schnell an Höhe und hat sehr rasch entsprechende Tiefblicke. Die Wandquerungen sind auch nicht ohne.
An einigen Stellen war der Fels nass, so dass ich meine Füsse äusserst vorsichtig setzte.
Abrutschen will man hier nicht, da hält man sich zwischendurch auch sehr gerne am Drahtseil fest.

Noch unter der ersten Hängebrücke wurde ich etwas gebremst - ich hatte die Gruppe eingeholt. Keine Schweizer oder unmittelbare Landesnachbarn, wie ich den Gesprächsfetzen entnehmen konnte, aber die redeten zu wenig, als dass ich auch nur hätte versuchen können, die Sprache einzuordnen. Das in der Nähe rauschende Wasser tat sein Übriges dazu.

Die Hängebrücke ist ein weiteres nervenaufreibendes Hindernis (aber keine Angst, weiter oben im Klettersteig wird's noch schlimmer ;) ). Drei Seile sind über den Bach gespannt, zwei an der Seite, wo man die Sicherungsschlingen einklinken kann, und eines (bzw. hier noch doppelt) unten, um die Füsse drauf zu stellen.
Sehr hoch ist es nicht, dennoch setzte ich meine Füsse vorsichtig. Die Brücke kam leicht ins Schwanken, und abrutschen wollte ich gerade hier auf keinen Fall. Allein die Vorstellung, sich in der Luft hängend wieder auf das Seil kämpfen zu müssen, kam mir ziemlich unangenehm vor.

Die Überquerung lief glimpflich ab, und für ein paar Meter gehen ist etwas Entspannung angesagt. Ohne Drahtseilführung setzt sich der Weg bis unter einen Felsüberhang fort, wo sich die verdrehte Leiter hoch schraubt.
Der Führer der vor mir kletternden Gruppe hatte wohl Nachsehen mit mir, nahm er seine Leute doch an dieser Stelle zur Seite und liess sie kurz rasten. So konnte ich problemlos überholen, warf zudem ein paar Fränkli in die Kasse und sicherte mich wieder, um zur Leiter hoch zu kommen.

Für diese Leiter ist der Allmenalp-Klettersteig berühmt. Man geht auf dem recht wackeligen, in der Luft hängenden Gestell unter dem Felsdach nach vorne und steigt so in die Leiter ein. Weil sich diese dreht, braucht man nicht in einem halsbrecherischen Manöver um sie rumzukraxeln, sondern ist am Ende der Sprossen mit dem Gesicht wieder zur Wand. Durchaus ein spezielles Erlebnis... :)

Weiter hangelt man sich mehr oder weniger in der Senkrechten hoch, der Bach jetzt stets zur rechten Seite. Bald sieht man beim Hochblicken auch die lange Tyrolienne, die jedoch nur mit Bergführer befahrbar ist: die Zugänge sind gegen Eigenmächtigkeiten gesichert.
Zuerst geht's auf der rechten Seite des Felsrückens über dem schäumenden Wasser hoch, dann auf dem Rücken selber bis unter den nächsten Wandteil. Dort quert man unter der überhängenden Wand auf einem recht schmalen Steig auf eine kleine Plattform, und dann - Nervenkitzel pur!
Man bewegt sich an einem vorstehenden Wandteil entlang; nur wenige Zentimeter unter den geschlagenen Eisenstiften bricht der Stein nach innen weg, man steht direkt über dem Abgrund und hat herrliche Tiefblicke auf den unten dahinrauschenden Bach. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte auf keinen Fall hinunter gucken! Oder während dieses Wegstücks die Augen schliessen! (obwohl, wenn dies der Fall ist, dann hast du eh gar nichts auf einem Klettersteig verloren... ;) )

Kaum hat man diese Passage überwunden, kommt schon die nächste Herausforderung, die erst mal leer schlucken lässt. Da erwartet einem nämlich die zweite Hängebrücke, nur... die ist dieses Mal länger und schaukelt höher über dem Bach als die erste.
Wer Erfahrung mit Tyroliennes und das entsprechende Material dabei hat, kann hier übrigens den Abgrund auch auf diese Weise überwinden - aber eben: entsprechende Erfahrung vorausgesetzt!!!
Meinereins musste sich via die Hängebrücke auf die andere Seite rüberkämpfen. Da fragt man sich, wie andere das schaffen, über eine Highline zu balancieren. Dem Blick in die Tiefe konnte ich nicht widerstehen, Fotos mussten natürlich auch sein. Ein schauriges Gefühl, wenn man nicht wirklich stabil steht und konzentriert durch den Sucher nach unten schaut!

Die 2. Hängebrücke konnte ich ebenfalls ohne Zwischenfälle meistern. Dafür wurde ich auf der andern Seite mit einem Anblick konfrontiert, der mich schmunzeln liess. Irgend ein Witzbold hatte wohl warten müssen bzw. etwas Zeit übrig gehabt: entdeckt man da in der schon wieder vertikalen Wandpartie doch tatsächlich ein eingeritztes Tic-Tac-Toe. Welch luftiger Ort für solcherlei Spiele... ;)

Noch einmal bietet einem die Senkrechte wunderbare Tiefblicke, dann hat man es geschafft und ist bereits beim Ausstieg. Dort befindet sich ein Bänkchen, dass man zum Abziehen der Klettersteig-Gerätschaften nutzen kann.
Ich marschierte noch etwas weiter und entledigte mich des Plunders erst, als ich auf baumlosen Gebiet in der Sonne stand.

Und kurz darauf befand ich mich bei der Bergstation der Allmenalp. Zwar glücklich, den Klettersteig erfolgreich gemeistert zu haben, war ich jedoch mit der konditionellen Auslastung noch lange nicht zufrieden. Also Wegweiser studieren, Karte hervor holen und noch ein Gipfelziel definieren.
So fiel mein Augenmerk alsbald auf den Bunderspitz mit 2546 m (auf dem Wegweiser ist auch die Zeit angegeben), und schnell entschlossen machte ich mich auf den Weiterweg.

Man folgt zuerst einem Kiessträsschen, das weiter oben in einen schmalen, aber gut ausmachbaren Wanderweg übergeht. Auch dank der Wegweiser ist die Route nicht zu verfehlen. Im Gebiet obere Allmen gabelt sich der Weg Richtung Bunderchrinde und Bunderspitz.
Für mich gab's hier eine kleine Rast, und da die Sonne inzwischen schon höher am Himmel stand und mir auf den Kopf brannte, schmierte ich mich erst Mal mit Sonnencréme ein. Etwas weiter oben konnte ich eine regelrechte Völkerwanderung ausmachen, die sich Richtung Bundergrat fortbewegte.
Das weckte natürlich meinen Ehrgeiz, und die nächsten paar Höhenmeter waren recht schnell (wenn auch mit viel Schweiss) überwunden.
Die Gruppe einzuholen, schaffte ich jedoch nicht ganz. Die (bestimmt an die 20) Leute hatten es sich oben auf dem Grat gerade gemütlich gemacht, als ich dort ankam.

So viel Musse gönnte ich mir nicht und zog die Strecke weiter hoch bis zum Bunderspitz. Da ging's ein kleines bisschen ruhiger zu und her: neben mir waren gerade noch drei, vier andere Wanderer oben (von denen einige ziemlich interessiert meinen prallen Rucksack mit Helm musterten). Der Blick über den Allmengrat war leider etwas vernebelt, die Ansicht des eindrücklichen Chli Lohner auf der entgegen gesetzten Seite ebenfalls.

Allzu lange verweilte ich auch hier nicht. Wieder beim Bundergrat angekommen, fragte mich ein Wanderer, wie lange es denn bis oben dauern würde. Ein des Lesens fähiger Mensch hätte dem Wegweiser (etwa 4-5 Meter von uns entfernt) die Angabe von 20 Minuten entnehmen können. So antwortete ich ruhigen Gewissens: "Etwa 10 Minuten" (meine eigene Zeit). Ob er dann (mit seinem Kollegen) noch hoch ist, hab ich nicht weiter beobachtet.

Auf der Adelbodner Seite des Chli Lohner querte ich hinüber zur Bunderchrinde.
Der Weg führt über Geröll und ist gut sichtbar und markiert. Es geht ein wenig auf und ab, kurz vor der Bunderchrinde wird's noch mal ein wenig steiler und anstrengender. Man bleibt stets so gut wie auf Tuchfühlung mit dem Chli Lohner, wobei einem bei den herumliegenden Steinen doch ein klein wenig mulmig werden könnte.
Aber kein Felsbrocken kam geflogen, statt dessen hatte ich auch hier imposante Aussichten, insbesondere die Türme des Chli Lohners mit ihrem horizontal geschichteten Schiefer.

Bei der Bunderchrinde traf ich auf ein Ehepaar, dass die Kulisse gerade für ein Fotoshooting nutzte (obwohl Madame sich fast ein wenig zierte ;) ). Im folgenden Schwätzchen erzählten sie mir, sie seien von Adelboden nach Kandersteg unterwegs. Und natürlich erregte auch der Helm an meinem Rucksack ihre Neugierde, so dass ich ein bisschen mit dem begangenen Klettersteig prahlen konnte.

Nach dieser kleinen Pause ging's wieder abwärts, auf der Kandersteger Seite des Chli Lohner zurück Richtung Obere Allmen, jedoch noch vor dieser dem Wegweiser nach. Ohne gross die Karte zu konsultieren, liess ich mich von dem Weg leiten, der mich zwischen Balme und Usser Üschenen wieder auf eine Kiesstrasse brachte. Dort hielt ich mich wieder an die Wegweiser Richtung Kandersteg, folgte dem Alpbach auf dem Wanderweg und kam schliesslich auf die Asphaltstrasse, welche Richtung Dorf führt.
Besonderes gab's auf dieser Variante leider nicht zu sehen - zumal auch die anderen Lohner-Gipfel, die sich über einem erheben, an diesem Tag im Nebel lagen.
Etwas schneller dürfte der Abstieg über Ryharts sein.

Als ich dann noch eine etwas direktere Route zur Bahn zurück fand, machte ich erst mal grosse Augen bei all den Pfadituch-Trägern und fragte mich bereits, ob hier irgendwo ein Grossanlass oder ein Sommerlager war. Des Rätsels Lösung kam, als ich der Strasse weiter folgte: Kandersteg hat ein internationales Scout-Zentrum!
Nun, als ehemaliger Jungwächtler hat man den Pfadfindern gegenüber natürlich eher reservierte Gefühle (eine gewisse "Erzfeindschaft" halt ;) ). Dennoch schön zu sehen, dass es immer noch junges Volk gibt, welches sich für solche Vereine interessiert.

Inzwischen hatte sich der Parklatz bei der Talstation gefüllt, kein Wunder bei dem schönen Wetter.

Für mich ging's weiter nach Grindelwald, wo ich im Hotel Alpenblick eine Schlafgelegenheit in einem Massenschlag gebucht hatte. Nach dem Einchecken verbrachte ich die Zeit bis am Abend damit, etwas vom Dorfkern zu sehen und die Touren für die beiden nächsten Tage zu planen. Und da ich am nächsten Tag früh raus wollte, befand ich mich auch bereits gegen 21:00 in den Federn.

Tourengänger: Staeffl


Galerie


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Kommentare (2)


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JeanNicolas hat gesagt: Gute Fotos!
Gesendet am 20. Oktober 2014 um 22:29
Sehr schön beschrieben und fotografisch dokumentiert, warst aber schnell unterwegs für all die Fotos auch noch zu schiessen.

Staeffl hat gesagt: RE:Gute Fotos!
Gesendet am 18. November 2014 um 13:39
Danke vielmals :)

Wenn ich allein auf Tour bin, geht's natürlich auch ein wenig schneller voran ;)


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